Ärger um den Literaturnobelpreis 2005
Zwei Tage vor Bekanntgabe des Literaturnobelpreises 2005 hinterfragt das ehemalige Mitglied der Jurorenkommission Knut Ahnlund aufs Entschiedenste die Vergabepraxis des höchstdotierten Literaturpreises der Welt. Er gehe davon aus, nur ein Bruchteil der Juroren habe überhaupt einen Bruchteil der Bücher gelesen, deren Autoren nominiert sind. Es sei offensichtlich, dass sie nicht mehr als einige Seiten einiger übersetzter Bücher kennen, sagte er gestern gegenüber dem schwedischen Svenska Dagbladet. (Die Süddeutsche Zeitung hat den Artikel heute in ihrer Printausgabe abgedruckt.) Wenn das stimmt, erscheint tatsächlich die Vergabepraxis für den Literaturnobelpreis in einem völlig neuen Licht. Kein Wunder, dass Ahnlund befürchtet, der Preis habe auf Jahre hin sein Renommee verloren.
Hintergrund der Auseinandersetzung ist noch immer die Verleihung des Literaturnobelpreises im Vorjahr an die österreichische Autorin Elfriede Jelinek. Der Fokus zitiert Ahnlund:
Hintergrund der Auseinandersetzung ist noch immer die Verleihung des Literaturnobelpreises im Vorjahr an die österreichische Autorin Elfriede Jelinek. Der Fokus zitiert Ahnlund:
Jelinek schreibt mit der abscheulichen aber für sie unwiderstehlich verlockenden Machart des Porno- und Horrorgenres: Ganze Bücher sind in großen Teilen jämmerlicher und unbehaglicher Gewaltporno... Es handelt sich hierbei um monotone und einfältige schriftstellerische Fähigkeiten. Eine Textmasse, die ohne künstlerische Struktur zusammengeschaufelt wirkt.Und die taz zitiert weiter:
Ahnlund spricht von "Massenunterhaltung", die bestens zu den "Realitysoaps mit ihrem übel gelauntem und böswilligen Privatgezänke" passe.Wenn Ahnlund allerdings unmittelbar vor Bekanntgabe des diesjährigen Preisträgers das Handtuch wirft und als Mitglied der Jurorenkommission zurücktritt, steht zu befürchten, dass es sich in diesem Jahr um einen ebenso zweifelhaften Preisträger handeln wird. Laut Spiegel gibt es mehrere einschlägig Verdächtige:
Das englischen Büro von Ladbrokes sieht den Syrer Adonis vorne, dicht gefolgt von der Amerikanerin Joyce Carol Oates und dem Schweden Thomas Tranströmer. Die Wettagentur Readabet räumt auch dem Belgier Hugo Claus und dem Holländer Cees Nooteboom gute Chancen ein. Bei der deutschen Literaturbörse gelten die Amerikaner John Updike und Philip Roth sowie die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood als Favoriten.Offen bleibt lediglich die Frage, welcher dieser Autoren Ahnlund so zur Rage gebracht haben könnte, dass er dafür seine Mitgliedschaft hinzuwerfen bereit war.


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