Lesen! mit Elke Heidenreich vom 01.11.2005
Folgende Bücher wurden am 01.11.2005 in der ZDF-Büchersendung Lesen! mit Elke Heidenreich (und Ulrich Wickert als Gast) vorgestellt:
Steve Tesich:
Ein letzter Sommer
Der erste Tipp des Abends. Tesich hat durch seine Romane bisher wenig von sich Reden gemacht. Er ist der Drehbuchautor u.a. von Garp und wie er die Welt sah (der im Augenblick nur als UK-Import zu haben ist). In seinem Roman "Ein letzter Sommer" beschreibt er die Freundschaft dreier Jugendlicher in den 60er Jahren, mit all den Wirrungen, Lieben und Fragezeichen, die zum Älter werden dazu gehören. Heidenreich sagte: Wenn sie jungen Leuten (bis 30 :-) einen Tipp geben könne, welches Buch sie lesen sollten, dann sei es dieses. Tilman Rammstedt:
Wir bleiben in der Nähe
Die "lustige" Variante zu Tesichs Thema der Jugendfreundschaft, gescheit und witzig geschrieben, spielt mehr oder weniger in der Gegenwart mit deren speziellen Problemen und Träumen. Auch hier geht es um drei Freunde, denen die Welt offen steht, die aber nicht so recht wissen, wohin mit sich. "Wir könnten groß ins Zierfischgeschäft einsteigen. Wir könnten als Erntehelfer anheuern. Wir könnten lange Wanderungen unternehmen, deren Strecke von oben betrachtet eine Nachricht darstellt." - Die von Elke Heidenreich vorgelesene Passage macht jedenfalls Lust auf mehr von Rammstedt.
Yasushi Inoue:
Das Jagdgewehr, auch
als Hörbuch zu haben.
Elke Heidenreich behauptete fröhlich, jeder Vielleser hätte dieses Buch bereits hinter sich; sie selbst habe es jahrelang in ihrer Handtasche dabei gehabt. Es ist ein Buch über Einsamkeit, zurückhalten im Ton, genauso zurückhaltend in der Hörbuch-Version interpretiert von Hannelore Elsner u.a. Vesna Goldsworthy:
Heimweh nach Nirgendwo.
Eine Lebensgeschichte
Ein biographischer Text, der halb in ihrer alten Heimat Belgrad, halb in ihrer neuen Heimat England spielt. Ein spannender Versuch, die Ereignisse in Ex-Jugoslawien transparent zu machen und Gefühle und Hintergründe zu beleuchten. Daneben wahrscheinlich das einzige Buch der krebskranken Autorin. In England als Senkrechtstarter in die Bestsellerlisten geschossen, was nicht zuletzt an Goldsworthys Sprache liegt. So wird aus der Lebenserinnerung ein Stück große Literatur voller Hoffnungen, kleiner Glücksmomente und einer Halt gebenden Liebe.
Der Originaltitel Chernobyl Strawberries kommt von einer kleinen Episode, in der sie kurz nach dem Reaktorunfall auf einem Feld Erdbeeren isst. Diesen Genuss frischer, aber verstrahlter Erdbeeren macht sie zum Teil mitverantwortlich für den Krebs, der sie nun von innen auffrisst.
Elke Heidenreich fordert ihre Studiogäste ja immer auf, ein Buch mitzubringen, dass diese in ihrem Leben besonders begleitet hat. Diesmal hat Ulrich Wickert seine bereits etwas zerfletterte zweibändige Ausgabe von Heinrich Manns "Henri Quatre" angeschleppt. Zum einen, so erklärte er, habe er durch das Buch vieles über Frankreich verstanden, zum anderen habe ihn die sehr moderne Sprache Manns fasziniert, mit der dieser die Intrigen und politischen Verwirrungen Frankreichs im 16. Jahrhundert beschreibt. Für jeden empfehlenswert, der sich für historische Romane im Allgemeinen und die Religionskriege (Katholiken versus Hugenotten) insbesondere interessieren. Spannend insbesondere: Mann schrieb das Buch Anfang der 30er Jahre. Die Parallelen, die er indirekt zur Entwicklung des Dritten Reichs zieht, laufen als roter Faden durch den gesamten Text.
Folgende Ausgaben wurden in der Sendung vorgestellt:
Heinrich Mann:
Die Jugend des Königs Henri Quatre
- S. Fischer Verlag. 728 Seiten, Leinen
- Fischer Taschenbuch Verlag (Taschenbuch, mit ausführlichem Kommentar und Dokumenten). 720 Seiten, Broschur
- rororo Verlag. 720 Seiten Heinrich Mann:
Die Vollendung des Königs Henri Quatre
- S. Fischer Verlag. 952 Seiten, Leinen
- Fischer Taschenbuch Verlag (Taschenbuch, mit ausführlichem Kommentar und Dokumenten). 1120 Seiten, Broschur
- rororo Verlag. 912 Seiten Peter Andreas:
Im letzten Garten.
Besuch bei toten Dichtern
Eindringliche Schwarz-weiß-Fotografien von den letzten Ruhestätten berühmter Dichter (unter anderem auch Heinrich Manns), begleitet von Texten dieser Autoren. Ein schönes Lese- und Schmökerbuch. Klaus Funke:
Am Ende war alles Musik
Ein Roman, in dem die etwas antiquierte, musikalische Sprache wunderbar zum Inhalt passt: die Liebesgeschichte zwischen Clara Schumann und Johannes Brahms. Ulrich Wickert:
Die Wüstenkönigin
Könnte ein spannendes Buch sein. Es spielt zu gleichen Teilen in Paris und Angola und ist bereits Wickerts zweiter Krimi. Heidenreich nennt es einen "Polit-Thriller", auch geeignet für Leute, die sonst mit Krimis wenig anfangen können. Außerdem sei es eine "fast wahre Geschichte".
Der erste Tipp des Abends. Tesich hat durch seine Romane bisher wenig von sich Reden gemacht. Er ist der Drehbuchautor u.a. von Garp und wie er die Welt sah (der im Augenblick nur als UK-Import zu haben ist). In seinem Roman "Ein letzter Sommer" beschreibt er die Freundschaft dreier Jugendlicher in den 60er Jahren, mit all den Wirrungen, Lieben und Fragezeichen, die zum Älter werden dazu gehören. Heidenreich sagte: Wenn sie jungen Leuten (bis 30 :-) einen Tipp geben könne, welches Buch sie lesen sollten, dann sei es dieses.
Die "lustige" Variante zu Tesichs Thema der Jugendfreundschaft, gescheit und witzig geschrieben, spielt mehr oder weniger in der Gegenwart mit deren speziellen Problemen und Träumen. Auch hier geht es um drei Freunde, denen die Welt offen steht, die aber nicht so recht wissen, wohin mit sich. "Wir könnten groß ins Zierfischgeschäft einsteigen. Wir könnten als Erntehelfer anheuern. Wir könnten lange Wanderungen unternehmen, deren Strecke von oben betrachtet eine Nachricht darstellt." - Die von Elke Heidenreich vorgelesene Passage macht jedenfalls Lust auf mehr von Rammstedt.
Elke Heidenreich behauptete fröhlich, jeder Vielleser hätte dieses Buch bereits hinter sich; sie selbst habe es jahrelang in ihrer Handtasche dabei gehabt. Es ist ein Buch über Einsamkeit, zurückhalten im Ton, genauso zurückhaltend in der Hörbuch-Version interpretiert von Hannelore Elsner u.a.
Ein biographischer Text, der halb in ihrer alten Heimat Belgrad, halb in ihrer neuen Heimat England spielt. Ein spannender Versuch, die Ereignisse in Ex-Jugoslawien transparent zu machen und Gefühle und Hintergründe zu beleuchten. Daneben wahrscheinlich das einzige Buch der krebskranken Autorin. In England als Senkrechtstarter in die Bestsellerlisten geschossen, was nicht zuletzt an Goldsworthys Sprache liegt. So wird aus der Lebenserinnerung ein Stück große Literatur voller Hoffnungen, kleiner Glücksmomente und einer Halt gebenden Liebe.
Der Originaltitel Chernobyl Strawberries kommt von einer kleinen Episode, in der sie kurz nach dem Reaktorunfall auf einem Feld Erdbeeren isst. Diesen Genuss frischer, aber verstrahlter Erdbeeren macht sie zum Teil mitverantwortlich für den Krebs, der sie nun von innen auffrisst.
Elke Heidenreich fordert ihre Studiogäste ja immer auf, ein Buch mitzubringen, dass diese in ihrem Leben besonders begleitet hat. Diesmal hat Ulrich Wickert seine bereits etwas zerfletterte zweibändige Ausgabe von Heinrich Manns "Henri Quatre" angeschleppt. Zum einen, so erklärte er, habe er durch das Buch vieles über Frankreich verstanden, zum anderen habe ihn die sehr moderne Sprache Manns fasziniert, mit der dieser die Intrigen und politischen Verwirrungen Frankreichs im 16. Jahrhundert beschreibt. Für jeden empfehlenswert, der sich für historische Romane im Allgemeinen und die Religionskriege (Katholiken versus Hugenotten) insbesondere interessieren. Spannend insbesondere: Mann schrieb das Buch Anfang der 30er Jahre. Die Parallelen, die er indirekt zur Entwicklung des Dritten Reichs zieht, laufen als roter Faden durch den gesamten Text.
Folgende Ausgaben wurden in der Sendung vorgestellt:
- S. Fischer Verlag. 728 Seiten, Leinen
- Fischer Taschenbuch Verlag (Taschenbuch, mit ausführlichem Kommentar und Dokumenten). 720 Seiten, Broschur
- rororo Verlag. 720 Seiten
- S. Fischer Verlag. 952 Seiten, Leinen
- Fischer Taschenbuch Verlag (Taschenbuch, mit ausführlichem Kommentar und Dokumenten). 1120 Seiten, Broschur
- rororo Verlag. 912 Seiten
Eindringliche Schwarz-weiß-Fotografien von den letzten Ruhestätten berühmter Dichter (unter anderem auch Heinrich Manns), begleitet von Texten dieser Autoren. Ein schönes Lese- und Schmökerbuch.
Ein Roman, in dem die etwas antiquierte, musikalische Sprache wunderbar zum Inhalt passt: die Liebesgeschichte zwischen Clara Schumann und Johannes Brahms.
Könnte ein spannendes Buch sein. Es spielt zu gleichen Teilen in Paris und Angola und ist bereits Wickerts zweiter Krimi. Heidenreich nennt es einen "Polit-Thriller", auch geeignet für Leute, die sonst mit Krimis wenig anfangen können. Außerdem sei es eine "fast wahre Geschichte".


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