Shakespeare and more:
Neuerscheinungen und Rezensionen

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Name:Ennka
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Mittwoch, August 02, 2006

Ebay und die Bücher


Natürlich: ebay hat sein Gutes. Meine Buchhandlung Shakespeare and more hat seinerzeit mit einem ebay-Account angefangen und erst nach und nach andere Plattformen erobert. Zur Zeit ist mein ebay-Account jedoch gesperrt. Blöder Fehler meinerseits: als Anfänger hatte ich im Impressum auch die URL des Webshops vermerkt, was ebay gar nicht mag. Bei den neu eingestellten Büchern habe ich dann zwar die URL herausgenommen, aber anscheinend nicht bei allen jenen Artikeln geändert, die ich nicht verkauft und über den Turbolister wieder neu eingestellt habe. Für eine solche flächendeckende Änderung fehlt mir einfach die Zeit bei ca. 600 parallel laufenden Auktionen. Und jedes Mal, wenn ebay wieder einen Artikel entdeckt, der noch die URL enthält, sperrt das Auktionshaus mich eben für eine Weile.

Was offensichtlich als Strafaktion gedacht war, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Bumerang. Denn die fehlende Möglichkeit, bei ebay zu verkaufen, bringt mich dazu, mehr bei der Konkurrenz einzustellen - und ebay als Plattform insgesamt zu hinterfragen. Nicht nur deshalb, weil die Verkaufsmöglichkeiten dort - s.o. - ein wenig unsicher geworden sind. Zum einen ist dort die leidige Frage nach den Gewinnmöglichkeiten. In den Anfangsmonaten arbeitete ich viel mit Auktionen. Logisch - das war die Plattform, die ebay bekannt gemacht hat. Und gerade in der frühen Zeit funktionierte das auch bestens. Da kam es schon einmal vor, dass ein Taschenbuch für 30,- Euro wegging, weil es selten zu haben war und einige User sich um dessen Besitz gegenseitig hochboten. Mit zunehmender Auktions-Kompetenz und ebay-Routine wurden solche Erfolge allerdings seltener. Die meisten Kunden, die Interesse an einem Buch haben, bieten mittlerweile erst in den letzten Sekunden vor Auktionsende. Damit wird ein gegenseitiges Hochstacheln unwahrscheinlich. Die erzielten Auktionspreise sinken deutlich.

Dazu kommt, dass immer mehr Menschen ihre alten Bücher (und Händler ihre neuen) bei ebay einstellen. Ich habe keine Vergleichszahlen zu meinen Gründerjahren, aber während ich diesen Artikel schreibe, sind bei Ebay 2.745.820 Einträge in der Kategorie "Bücher" vorhanden. Wobei die tatsächliche Zahl etwas höher liegen dürfte, weil die Buchpakete jeweils nur als ein Eintrag gewertet werden. Das macht pro Tag eine Liste von 392.260 Büchern, also immerhin 16.344 pro Stunde im Angebot - am Tag deutlich mehr, weil zwischen 23:00 und 7:00 Uhr ja nur Hartgesottene Auktionen enden lassen. Da wird es leicht unübersichtlich und das einzelne Angebot verschwindet in der Menge. Als ich anfing, Neuware-Radsportbücher zu verkaufen, gab es für diese mangels Masse nicht einmal eine eigene Kategorie. Später dann, als die Zahl der Titel (im Rahmen der ebay-üblichen 10-Tage-Spanne) insgesamt über die Hundert ging und daher eine Kategorie "Radsport" eingerichtet wurde, war das Angebot zumindest überschaubar. Mittlerweile bedienen sich jedoch viele Buchhändler eigener automatischer Einstellroutinen, die 24 Stunden am Tag Titel bei ebay posten. Das Ergebnis: 1886 Bücher derzeit allein in der Rubrik "Radsport" (und da ist mein spezialisierter Laden wegen der Sperre noch nicht einmal dabei). Wer das überschaubare Sortiment zum Thema kennt, weiß, wie oft jeder Titel dort auftauchen muss. Ich habe mir das Nachzählen gespart, weiß aber von einer Ebay-Mitarbeiterin, dass einzelne Titel bis zu 60 Mal auftauchen.

Ebay reagiert darauf - zumindest hieß es so in einem Telefongespräch mit der Mitarbeiterin - indem sie die Einstellpreise für Neukauf-Bücher verfünffachen. Am 22. August 2006 geht es los. Damit soll den Massen-Einstellern die Lust genommen werden, ihre Routinen heißlaufen zu lassen. Zugunsten kleinerer Händler, deren Angebot in der Masse vollkommen versinkt. Heißt es. Dass auch für diese kleinen Händler sich die Angebotsgebühren verfünffachen, wird dabei geflissendlich übersehen. Fraglich auch, wer diese Gebührenerhöhung eher verkraften kann: Grossisten wie buch24, Bol und Alpha, die alle mit fünfstelligen Angebotszahlen bei ebay aufwarten, und die das Dauereinstellen über eigene Routinen erst initiierten, oder Kleinhändler. Bleibt abzuwarten, ob das - ebenfalls im Herbst startende, neue Format ebay-Express, das sich speziell an Neuwaren-Händler richtet, an der Übersichtlichkeit der Angebote etwas ändern wird.

Mit der aktuellen Preisanhebung wird ebay jedoch seine Lukrativität für alle kleinen Verkäufer verlieren, die den Second-Hand-Massenmarkt bedienen. Bei 600 Titeln (3x10 Tage) zahle ich im Augenblick 18 Euro. Verfünffacht sich der Preis Ende August, zahle ich plötzlich für dieselbe Menge 90 Euro. Dabei kann ich für 40 Euro bei amazon.de, der als Second-Hand-Umschlagplatz ebay in nichts nachsteht und deutlich besser sortiert ist, so viele Bücher einstellen, wie ich will. Ähnliches gilt für die anderen marktbeherrschenden Antiquariats-Portale ZVAB und abebooks. Da bleibt mir nur noch, meinen Ebay-Shop abzumelden und mich der Konkurrenz zuzuwenden. Danke, ebay, für diese Entscheidungshilfe.