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Donnerstag, August 17, 2006

KrimiWelt Bestenliste August


Doch, natürlich lese ich Krimis. Die Wallander-Bände von Mankell habe ich komplett, ebenso die Beck-Bände von Sjöwall/Wahlöö. Die allermeisten Simenons - und wer dessen Œuvre kennt, weiß, was das bedeutet. Und den in Deutschland fast unbekannten David Goodis, den die Franzosen noch immer wie einen Gott verehren (während auch in seinem Geburtsland Amerika sich kaum einer um ihn schert). Aber damit ist mein privates Repertoire auch schon fast erschöpft. Grund genug, einmal einen Blick auf die aktuelle Krimi-Bestenliste zu werfen, die monatlich auf arte veröffentlicht wird.

Auch hier beschreibt Perlentaucher ausführlich das Procedere, das zur Entstehung der Liste führt: «Die Jury der KrimiWelt-Bestenliste von Welt, arte und NordwestRadio besteht aus 18 Kritikerinnen und Kritikern, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz über Kriminalliteratur berichten. Einmal im Monat benennt jedes Mitglied vier aktuelle Kriminalromane, denen es viele Leser wünscht und bewertet sie mit 7, 5, 3 oder 1 Punkten. Neben der Gesamtpunktzahl pro Titel wird berücksichtigt, wieviele Kritiker in einer Abstimmungsrunde für dasselbe Buch votiert haben. Jeder Kritiker darf insgesamt drei mal für ein von ihm favorisiertes Buch stimmen. Voten für Bücher, an deren Produktion oder kommerzieller Verbreitung der Kritiker beteiligt ist, sind ausgeschlossen. Zwischen Kriminalromanen in der Originalsprache Deutsch und Übersetzungen wird kein Unterschied gemacht. Die KrimiWelt-Bestenliste wird immer am letzten Samstag des Monats veröffentlicht.»

1. Rang
Leonardo Padura: Adiós Hemingway

Aus dem kubanischen Spanisch von Hans-Joachim Hartstein
Metro im Unionsverlag, geb., 190 S., 17,90 €

«Vierzig Jahre nach Hemingways Tod wird auf seiner Finca bei Havanna eine Leiche gefunden, getötet mit zwei Kugeln aus einer Maschinenpistole seiner legendären Waffensammlung. War Hemingway ein Mörder?

Die kubanische Polizei ist beunruhigt und will um jeden Preis die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit vermeiden. Doch auf Kuba gibt es nur einen, der diesem Fall gewachsen ist: Ex-Polizist Mario Conde. Im Zuge seiner Recherchen durchlebt Conde das Drama von Hemingways letzten Tagen in Kuba. Er befragt ehemalige Angestellte und alte Weggefährten und findet schließlich ganz unerwartet die Lösung für Hemingways letztes Geheimnis, nicht zuletzt dank Ava Gardners schwarzem Spitzenhöschen.»
(Verlagsinformation)

Zu diesem Buch gibt es einige informative Rezensionen, die Sie hier abrufen können: Hamburger Abendblatt, Hinter-Net, Deutschlandradio (dort auch als Audio-Stream), ORF, NDR, Alligatorpapiere, DLF, Kaliber38, FR
Interview: Leonardo Padura: »Die Welt der kubanischen Literatur begann sich zu drehen.«

2. Rang
Åsa Larsson: Weisse Nacht

Aus dem Schwedischen von Gabriele Haefs
C. Bertelsmann, geb., 384 S., 19,95 €

Leseprobe

«In ihrer glasklaren, knappen Sprache erzählt Åsa Larsson von der archaischen Macht der Gefühle, die in rohe Gewalt umschlagen können. Die Aufklärung der Morde wird zum sensiblen Psychogramm verletzter Seelen und zur Liebeserklärung an eine unbeugsame Natur.
Es ist Mittsommernacht in Jukkasjärvi, einem kleinen Ort nahe Kiruna, zweihundert Kilometer nördlich des Polarkreises, als die Pastorin Mildred Nilsson gefunden wird – aufgehängt unter der Orgel ihrer Kirche. Sofort sind die Bilder des im Polarwinter ermordeten Predigers Viktor Strandgård wieder da. Und für die Anwältin Rebecka Martinsson werden Erinnerungen wach an die schlimmsten Stunden ihres Lebens: Bei den Ermittlungen zum Fall Strandgård hatte sie in Notwehr drei Menschen erschossen. Erst jetzt kommt der Zusammenbruch. Ihr Chef will sie vor dem endgültigen Absturz bewahren und schickt sie mit einem Kollegen nach Kiruna. Sie begegnet Pastor Stefan Wickström, Mildreds Nachfolger, entdeckt einen Safe mit Drohbriefen an die ermordete Pastorin und wird mit dem Hass konfrontiert, der Mildred wegen ihres Engagements für Frauen in Notlagen entgegenschlug.
Kommissarin Anna-Maria Mella, die Rebecka bereits kennt, hat ihren Erziehungsurlaub abgebrochen und sieht sich einem gefährlichen Gemisch aus enttäuschter Liebe und hilflosem Hass gegenüber. Dann verschwindet plötzlich Pastor Wickström, und die Situation eskaliert...
Ausgezeichnet mit dem Schwedischen Krimipreis.»
(Verlagsinformation)

Rezensionen: WDR2, Krimi-Forum, Zeit-Online, Schwedenkrimi

3. Rang
Michael Dibdin: Tod auf der Piazza

Aus dem Englischen von Ellen Schlootz
Goldmann, TB, 252 S., 7,95 €

Leseprobe

«Sonderermittler Aurelio Zen wird nach Bologna beordert, um den Mord an dem skrupellosen Industriellen und Eigentümer des ortsansässigen Fußballclubs, Lorenzo Curti, aufzuklären. Kurz nach Zens Ankunft wird auf den Semiotikprofessor Edgardo Ugo geschossen, und zwar mit derselben Waffe, mit der Curti getötet wurde. Was die beiden Fälle verbindet, bleibt zunächst völlig schleierhaft. Aber je länger Zen ermittelt, desto tiefer gerät er in ein Netz aus Korruption, gekränkten Eitelkeiten und Fanatismus.»
(Verlagsinformation)

Rezensionen: WDR2, Alligatorpapiere, X-Zine, arte, Deutschlandfunk

4. Rang (im Juli auf Rang 1)
Oliver Bottini: Im Sommer der Mörder

Scherz, geb., 460 S., 14,90 €

Leseprobe

«Die Idylle von Kirchzarten war trügerisch: Unter dem Schuppen hatten Unbekannte ein illegales Waffenlager angelegt. Louise Bonì, die Freiburger Hauptkommissarin steht vor dem schwierigsten Fall ihrer Karriere. Erste Spuren führen zurück in das zerfallende Jugoslawien der Neunziger Jahre. Doch als ein kaltblütiger Mord geschieht, beginnt Louise zu begreifen, dass der Fall weit größere Dimensionen hat.
Oliver Bottini, der für seinen ersten Kriminalroman „Mord im Zeichen des Zen“ den Deutschen Krimi Preis erhielt, hat einen hochaktuellen und brisanten Roman geschrieben, in dem es um Waffenschmuggel und internationalen Terrorismus geht.»
(Verlagsinformation)

Rezensionen: HR-online, Krimi-Blog, Wissen.de, Literaturkritik, Hamburger Abendblatt.
Interview zum Buch mit dem Autor


(im Juli auf Rang 4)
Antonio Dal Masetto: Noch eine Nacht

Aus dem Spanischen von Susanna Mende
Rotpunkt, 268 S., 22,00 €

Leseprobe

«Vier Männer kommen nach Bosque, einer Kleinstadt irgendwo in Argentinien, und wollen die dortige Bank ausrauben. Die vier sind keine Profis; sie sind nicht mehr ganz jung, vom Leben etwas ramponiert, eher melancholisch als tough. Im Städtchen herrscht eine seltsame Stimmung. Alles scheint perfekt, geordnet, freundlich, bevölkert von lebensfrohen Menschen. Doch irgendetwas stimmt nicht.
Der Bankraub gelingt, doch dann schnappt die Falle zu: Alle Ausgänge aus dem Ort sind verbarrikadiert. Das Städtchen erwacht aus seiner Lethargie, und Jagdfieber erfasst einen Großteil seiner Bewohnerinnen und Bewohner. Wir begleiten abwechselnd die vier Bankräuber auf ihren individuellen Fluchtwegen, beobachten sie in absurdesten Situationen und lernen auf diese Weise das Städtchen und seine Bevölkerung kennen, die Abgründe hinter der freundlichen Fassade, die Angst vor dem Fremden, die Heuchelei, die ständig lauernde Gewalt.
Dem argentinischen Autor Antonio Dal Masetto ist ein Meisterwerk der Spannung gelungen. Kaum eine Buchseite, die nicht Überraschendes zutage fördert. Aber es ist weit mehr als ein »gewöhnlicher« Krimi, nämlich Unterhaltung auf allerhöchstem Niveau. Dazu gehört auch der feine Humor des Autors bei der Schilderung umwerfend komischer Situationen.»
(Verlagsinformation)

Rezensionen: Ila-Bonn, Augsburger Allgemeine, WOZ - Die Wochenzeitung, Rezensione.ch

5. Rang
Joe R. Lansdale: Wilder Winter

Aus dem Amerikanischen von Richard Betzenbichler und Katrin Mrugalla
Funny Crimes bei Shayol, TB, 196 S., 12,90 €

Leseprobe

«Hap Collins: weiß, hetero, Kriegsdienstverweigerer. Leonard Pine: schwarz, schwul, Vietnamveteran. Die beiden ungleichen Freunde haben auch schon bessere Tage gesehen und schlagen sich mit Gelegenheitsjobs auf den Rosenfeldern von Texas durch.
Eines schönen Wintermorgens tauchen Haps Ex-Frau Trudy und ein paar Kumpels aus den 60er Jahren auf, die den bewaffneten Kampf gegen das Establishment wiederbeleben wollen. Das Startkapital dazu liegt angeblich im Sabine River: eine Million Dollar aus einem schiefgelaufenen Bankraub. Hap ist in der Gegend aufgewachsen und soll bei der Suche helfen. Doch die Zeiten haben sich geändert, und auch ehemaligen Revolutionären sitzt mittlerweile das Hemd näher als die Hose. So bewahrheitet sich bald das, was Leonard von Anfang an klar war: Wo Trudy ist, gibt's Ärger. Es wird ein wilder Winter.

Joe R. Lansdale hat über zwanzig Romane und zweihundert Stories in den Genres Krimi, Horror und Western verfasst und zahlreiche Anthologien herausgegeben. Er wurde mit dem British Fantasy Award, dem American Mystery Award, dem Edgar Award und sechsmal mit dem Bram Stoker Award ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Familie in Nacogdoches, Texas»
(Verlagsinformation)

Rezensionen: Netzeitung, Alligatorpapiere, arte, Stuttgarter Zeitung


Robert Littell: Die kalte Legende
Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
Scherz, geb., 448 S., 19,90 €

Leseprobe

«Martin Odum, ehemaliger CIA-Agent mit verschiedenen Legenden, lebt als Privatdetektiv in Brooklyn. Aber ist er wirklich Martin Odum? Oder ist er Dante Pippen, ein IRA-Kämpfer? Oder der zwielichtige Waffenhändler Lincoln Dittmann?
Eines Tages erteilt ihm die junge, attraktive Russin Stella Kastner einen Auftrag, der ihn nach Israel führt. Dort holt ihn eine Vergangenheit ein, von der er nichts weiß. Er steht vor einem unlösbaren Dilemma: Wenn er sich erinnert, ist er tot. Wenn er sich nicht erinnert, ebenfalls...»
(Verlagsinformation)

Rezensionen: Hinternet, Deutschlandradio Kultur, RBB, Kaliber38, Alligatorpapiere, Podster (Audio-Datei), Freitag,

6. Rang (im Juli auf Rang 2)
Yasmina Khadra: Nacht über Algier

Aus dem Französischen von Frauke Rother
Aufbau, geb. 402 S., 19,90 €

Leseprobe

«Nach den Erfolgsromanen "Wovon die Wölfe träumen" und "Die Schwalben von Kabul" läßt Yasmina Khadra den unbestechlichen Kommissar Llob hinter die Fassade einer sich selbst zerstörenden Gesellschaft blicken. Eindringlich schildert er die bedrückende Atmosphäre in Algier am Vorabend der blutigen Zusammenstöße mit den Fundamentalisten.
Kommissar Llob, ein glückloser, aber durch und durch integrer Polizeibeamter in Algier, möchte verhindern, daß die algerische Justiz einen gewalttätigen Psychopathen begnadigt. Gleichzeitig bereitet ihm sein junger Assistent Sorgen, der sich mit der Frau von Haj Thobane, einem der einflußreichsten Männer Algiers, eingelassen hat. Das Unglück läßt nicht lange auf sich warten: Schon bald schiebt Haj Thobane seinem Nebenbuhler einen Mord in die Schuhe. Llob kann sich die Umstände des Verbrechens nicht erklären. Zusammen mit der Journalistin Soria stürzt er sich in halsbrecherische private Ermittlungen, die ihn auf die Spur kaltblütiger Verbrechen der gesellschaftlichen Elite führen. Eine Entdeckung, die Llob lieber nicht gemacht hätte.
Hinter der kriminalistischen Suche nach Drahtziehern und Strohmännern deckt der Autor die Situation seines Landes
zwischen Bürgerkrieg und Korruption, Angst und Terror, Manipulation und religiösem Fanatismus auf.
Ausgezeichnet als bester französischer Krimi»
(Verlagsinformation)

Rezensionen: Hinternet, Netzeitung, ZDF (Video), Alligatorpapiere, Westdeutsche Zeitung, Marabout,

7. Rang
Garry Disher: Schnappschuss

Aus dem Englischen von Peter Torberg
Metro im Unionsverlag, geb., 382 S., 19,90 €

«Als Detective Inspector Hal Challis den brutalen Mord an Janine McQuarrie untersuchen soll, die auf einer einsamen Landstraße vor den Augen ihrer siebenjährigen Tochter erschossen wurde, werden seine Ermittlungen durch ein Gewirr von Lügen und Heimlichkeiten behindert. Als wenig hilfreich erweist sich, dass Janines Schwiegervater der Vorgesetzte von Challis bei der Polizei ist: Superintendent McQuarrie ist ein wichtigtuerischer Bürokrat und als Golfspieler und Rotarier auf vertrautem Fuß mit der besseren Gesellschaft der Peninsula.
Hal Challis’ Liaison mit Tessa Kane, der Chefredakteurin der Lokalzeitung, sorgt zusätzlich für Misstrauen bei den Polizeibeamten von Waterloo, die sich nicht gern in die Karten blicken lassen. Und auch die Gäste der Sexpartys in den properen Vorstadthäusern wollen um jeden Preis anonym bleiben. Jeder in Waterloo hat etwas zu verbergen und etwas zu verlieren.»
(Verlagsinformation)

Rezensionen: Radio Bremen, Berlin kriminell, Alligatorpapiere, NDR, Literaturkritik, Krimi-Couch


Jenny Siler: Ticket nach Tanger
Aus dem Amerikanischen von Susanne Goga-Klinkenberg
Fischer, TB, 316 S., 7,95 €

«Eve wurde mit einer Schusswunde im Kopf von einer Gruppe von Benediktinerinnen an einer Landstraße in Frankreich gefunden. Sie weiß nicht, wer sie ist und kann sich an nichts erinnern. Ihr einziger »Ausweis« ist eine mit arabischen Buchstaben bekritzelte Schiffsfahrkarte. Als die Nonnen, die sie für ein Jahr beherbergt haben, alle brutal massakriert werden, erfährt Eve, dass sie mächtige Feinde hat. Auf den Spuren ihrer Vergangenheit reist sie nach Marokko - ihren Verfolgern immer nur einen Schritt voraus. Jenseits des Klosters fallen ihr merkwürdige Dinge auf, unter anderen ihre Fähigkeit zum Einsatz von Gewalt und ihre Vertrautheit mit Waffen. War sie eine Spionin? Wer ist der sterbende Mann in ihren Albträumen? Während Eve nach Gewürzen duftende Basare und schicke Nachtclubs absucht, muss sie herausfinden, wer hinter ihr her ist und warum – bevor es zu spät ist.»
(Verlagsinformation)

Rezensionen: WDR, Intrinet, Antenne Brandenburg (Audio-Datei), Alligatorpapiere, arte

 

Rezensionen zu allen Büchern der KrimiWelt-Bestenliste finden Sie auch unter arte KrimiWelt - Zurufe der Jury.

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