Schrieb Sartre Krimis?
Seit langer Zeit habe ich mir einmal wieder den Luxus gegönnt, an einer Autorenrunde teilzunehmen. Meine eigene Gruppe, WortWerk Hamburg, ist ja ein klein wenig zersplittert, wenn auch durchaus noch aktiv (am Dienstag, 29.08.06 findet um 20:15 Uhr ein WortWerk-Autorenabend im Café Mathilde in Hamburg Eimsbüttel statt). Da nun also die WortWerker ein klein wenig untreu geworden sind, habe ich mich einer Gruppe angeschlossen, die den August über intensiv am Thema "Krimi" arbeiten will und schon nach zwei Tage fröhlich dabei ist, sich gegenseitig die Arbeiten zu zerfetzen. :-)
Eine der Teilnehmerinnen meinte, als es um die Frage nach ihrem Lieblingskrimi ging, einen solchen habe sie nicht, wohl aber ein Lieblingsbuch: Sartres "Das Spiel ist aus" (Wasser auf meine Mühlen). Wie? Ist das kein Krimi? Was ist von einem Buch zu halten, das mit zwei Morden einsetzt, und das mit zwei Morden endet? Aus diversen Biographien ist ja bekannt, dass Sartre massenhaft Krimis studierte, mit der erklärten Absicht zu lernen, wie er eine solche Geschichte plotten kann. Trotzdem sind wir uns wohl einig, dass er die Genrekonventionen des Krimis gesprengt hat. Aber was ist das Buch dann, wenn nicht ein philosophischer Thriller mit Fantasy-Elementen? Also das, was wir gern verallgemeinernd einen "Krimi" nennen? Die ersten Seiten des Romans erinnern deutlich an Hitchcocks Suspicion (1941), dann der kontrastierende Bruch in Dumas'scher Manier vom Salon zu den Vorstadtrevoluzzern, letztlich zum damals (1947) in Frankreich beherrschenden Thema der Résistance. Und jeweils schon nach ein paar Seiten, wenn wir sie gerade als Protagonisten ins Herz geschlossen haben, sind unsere beiden Hauptfiguren tot. (Ein Effekt, der 1960, Jahre später, bei Psycho die Kritiker begeistert - vielleicht eben deshalb, weil sie Sartres Roman nie als Krimi wahrgenommen haben.)
Mit anderen Worten: ich sitze also mal wieder an einem neuen Roman, einem Krimi. Ob Sartres Das Spiel ist aus oder mein Das dritte Prinzip in dieses Genre fallen, ist mir dabei relativ egal. Genrekonventionen scheinen mir vor allem dafür brauchbar, einen Roman einem Verlagsprogramm anzupassen. Sartre macht mir Mut, diese bewusst zu durchbrechen und die Story so fließen zu lassen, wie ich sie eben gern lesen würde. Das Tao des Schreibens :-) Dass das Ergebnis spannend sein kann, wissen wir von beiden Büchern.


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