Bücher im Fernsehen, Donnerstag 21.09.06
Büchertag im Fernsehen. Wer sich heute über Neuerscheinungen informieren will, wird kaum Zeit zum Selberlesen finden. Aber das ist wohl das alte Los: wer über jedes Thema mitreden will, kann weniger in die Tiefe bohren. In diesen Kampf Qualität gegen Quantität will ich mich nicht einmischen. Ich stelle lediglich fest (und vor), was heute an Berichten zu erwarten ist.
19:20 3sat
Kulturzeit Geplant ist ein Beitrag über Imres Kertész:
Dossier
K. Eine Ermittlung,
das im September 2006 bei Rowohlt erschienen ist. Darin befragt sich der ungarische
Literaturnobelpreisträger in Form eines Interviews selbst über sein
Leben. Er sagt, eine Autobiografie wäre ihm zu langweilig gewesen. Aber
nachdem Zoltán Hafner, sein Freund und Lektor, ein längeres Interview
mit ihm aufgenommen und Kertész eine Tonbandkopie überlassen hatte,
war die Idee zu dem neuen Buch geboren. In dem Buch redet er über seinen
Aufenthalt im Konzentrationslager, über das Leben und Schreiben im kommunistischen
Ungarn und seine Zeit in Berlin, wohin er nach einer längeren Schreibblockade
gezogen ist.
3sat hat den Beitrag als Online-Video zur Verfügung gestellt.
Eine längere Leseprobe finden Sie bei Perlentaucher.
Rezensionen finden Sie auch unter: Freie
Presse, Neues
Deutschland, Die Welt, Deutschlandfunk
(Audio-File),
ORF
(Audio-File)
20:00 arte: Kultur Zwar werden auch hier in aller Regel Bücher vorgestellt, aber leider weigert sich die Redaktion nach wie vor, im Vorwege mitzuteilen, welche.
22:05 mdr: artour
Hier werden heute gleich drei Bücher präsentiert: Bernhard
Bueb: Lob
der Disziplin,
(Sept. 2006, List). Barbie Probert- Wright: An
der Hand meiner Schwester. Zwei Mädchen im Kriegszerstörten Deutschland
(Okt. 2006, Weltbild Verlag) und Karl May: Das
Buch der Liebe
(Sept. 06, Karl-May-Verlag).
Bernhard Buebs Lob
der Disziplin dürfte einem größeren Leserkreis seit Mitte
des Monats durch den Vorabdruck in der Bildzeitung unter dem
Titel "Die
große Erziehungs-Serie” mit “Deutschlands strengstem Lehrer”
bekannt sein. Bueb war jahrelang Leiter des Eliteinternats Schloss Salem. Nun
fühlt er sich berufen, seine Thesen in Buchform auf den Markt zu werfen,
und natürlich hat er damit die Diskussion des Herbstes losgetreten.
Müssen Kinder wieder Disziplin, auch Selbstdisziplin lernen? Haben Eltern
wirklich Angst, ihre Kinder zu fordern? Laut Bueb führt die allgemeine
Verunsicherung der Eltern dazu, dass ihre Kinder immer weniger in der Lage sind,
frei und glücklich zu leben.
Rezensionen finden Sie bei: FAZ,
Köllner
Stadtanzeiger, taz,
Die
Welt, Deutschlandradio
(Audio-Files 1,
2),
SWR1 (Audio-File)
Barbie Probert- Wright An
der Hand meiner Schwester schildert die Odyssee eines siebenjährigen
Mädchens, das sich in den letzten Kriegstagen 1945 auf die Suche nach ihrer
Mutter macht. Während die Alliierten in Deutschland einmarschieren und
die letzten Schlachten gekämpft werden, kämpft sich die kleine Barbie
an der Hand ihrer großen Schwester durch die Trümmer- und Leichenfelder.
Die Erfahrung von Gefahr, Hunger und Angst haben die Frau, die jetzt ihre Autobiographie
bei Weltbild herausbringt, für immer geprägt.
Mehr dazu auf der mdr
artour-Seite im Netz.
Karl May schrieb Das
Buch der Liebe 1874, als er als junger Redakteur beim Verlag Münchmeyer
angestellt war. Eigentlich stammte der Titel nicht einmal von ihm. Der Verlag
hatte den Ratgeber eines seiner Stammautoren gerade auf Markt geworfen, aber
aufgrund sehr detaillierter anatomischer Beschreibungen, Bildern inklusive,
kam es zum Skandal. Der Verlag wurde durchsucht, die gesamte Auflage beschlagnahmt.
Nun wurde Karl May der Auftrag gegeben, das Werk zu überarbeiten. Statt
wie erwartet lediglich die skandalösen Stellen zu überarbeiten, wartete
er mit philosophischen, religiösen und kulturgeschichtlichen Überlegungen
zum Thema Liebe auf, verpackte historische und völkerkundliche Informationen
in einen lockeren Plauderton. Es wurde sein erstes Buch überhaupt.
Mehr dazu auf der mdr
artour-Seite im Netz, bei der Sächsichen
Zeitung und RBB
(Video-Stream)
22:15 rbb
Stilbruch stellt das Porträt des Vadim Glowna
vor, dessen Autobiografie Der
Geschichtenerzähler. Erinnerungen
gerade bei Ullstein erschienen ist: «Bei Gustaf Gründgens begann
1961 seine Laufbahn, seit 1973 inszeniert er auch und ist heute außerdem
ein geachteter Regisseur und Produzent. Doch bekannt geworden ist Vadim Glowna
vor allem durch seine zahllosen markanten Auftritte im deutschen Fernsehen.
Sein Gesicht gehört zur Bildergalerie Deutschlands wie kaum ein anderes
- seit 1964 war er in mehr als 130 Film- und Fernsehrollen zu sehen. Doch am
Anfang stand das Lesen. Der schüchterne Junge las sich auf einem Schlitten
in der Küche sitzend durch dicke Bücherstapel. Und noch heute will
er mit seiner Arbeit vor allem eins: Geschichten erzählen. Vadim Glowna
tat dies auf allen großen deutschen Bühnen und mit den großen
Regisseuren der Gegenwart. Seine Erinnerungen sind ein Kaleidoskop aufregender
und bunter Geschichten von Menschen, Bühnen und Filmen, die uns vertraut
sind und die wir doch ganz neu entdecken können.» (Verlagstext)
Leider gibt es derzeit noch keine Online-Rezensionen im Netz. So kann ich lediglich
auf den Waschzettel
des Verlags und Glownas Lesereise
hinweisen (beides pdf-files!)
22:30 WDR west.art verweist auf seiner Homepage lediglich auf die Themen der letzten Sendung.
22:30
BR Capriccio wird sich unter anderem mit der neuen Strauß-Biografie
von Thomas Schuler: Strauß.
Die Biographie einer Familie
beschäftigen, die im August bei Scherz erschien. Neu an dieser Biografie
ist, dass Schuler hier die These, ein Mann sei nichts ohne seine Familie, einmal
wörtlich umsetzt und herausarbeitet, welche Rolle Frau Marianne und die
Kinder Monika, Franz Georg und Max bei der steilen Karriere des Franz Josef
Strauß gespielt haben.


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