Bücher im Fernsehen, Samstag 30.09.06
06:20 3sat: Kulturzeit
Wiederholung vom Vortag
«Dass die Deutsche Oper in Berlin vor kurzem die Mozart-Oper "Idomeneo"
in der Regie von Hans Neuenfels aus Angst vor islamistischen Attacken vom Spielplan
genommen hat, sehern viele Kritiker als "Kniefall vor Terroristen" und als "Kapitulation
in vorauseilendem Gehorsam". Auch der Publizist Henryk M. Broder
ist der Meinung, der Westen praktiziere seit dem Streit um die Mohammed-Karikaturen
und die Papst-Rede eine Art "Beschwichtigungspolitik" gegenüber der moslemischen
Welt - und das völlig zu Unrecht. Er verlangt in seinem Buch Hurra,
wir kapitulieren!,
endlich die Kapitulation vor dem Fundamentalismus zu beenden. Broder glaubt:
"Wir wählen die Kapitulation, politisch korrekt, nur weil wir zu bequem sind
über die Alternative nachzudenken. Letztlich ist das immer wieder geforderte
'Verstehen der anderen Kulturen' ein Ausdruck des tiefen Desinteresses und der
Resignation." Broders Werk ist gespickt mit polemischen und provozierenden Thesen
- doch wo bliebe sonst der Reiz? "Hurra, wir kapitulieren!" erscheint im Oktober
2006 bei WJS.»
(Senderangaben)
«Karl May mal anders: In seinem 87. Werkband widmet der
Herr über die Blutsbrüder sich ganz und gar dem menschlichen Sexualverhalten.
Sein Das
Buch der Liebe
verfasste der noch junge, aber äußerst ambitionierte Schriftsteller als Auftragsarbeit.
Dolch ging sie letztlich weit darüber hinaus. In dem 1874 im Dresdner Verlag
erschienenen Werk, das zunächst von einem unbekannten Verfasser eher nüchtern
formuliert war, finden sich detaillierte Beschreibungen männlicher wie weiblicher
Geschlechtsteile, darüber hinaus Erklärungen über "Erkrankungen und zahlreiche
Todesfälle aus Unkenntnis". Das Werk war ein Skandal und fiel der Zensur zum
Opfer. Für den Verleger sollte Karl May die Rettung werden. Er formulierte das
anzügliche Werk zu einer sinnlich-lasziven, gesellschaftskonformen, aber vor
allem auch allgemein verständlicheren Version um, beleuchtete zudem fundiert
die kulturgeschichtliche, philosophische und religiöse Vielfalt der Sexualität
und ging Fragen nach Ursprung und Sinn der Schöpfung auf den Grund. Das aufklärerische
Erstlingswerk von Karl May ist im gleichnamigen Verlag erschienen.»
(Senderangaben)
08:45 arte: Kultur
Das Frühprogramm bei arte, ein bunter Mix aus Literatur, Bühne, Bildender Kunst, Musik und allem, was das nachwachsende Bildungsbürgertum begehrt.
09:00 3sat: Kulturzeit
Wiederholung von 6:20 Uhr
20:00 arte: Kultur
Bunter Kulturmix aus Bühnenkunst und Büchermarkt, musikalischen
Events und Festivals, über Kino und Film bis hin zu Architektur und populärer
Alltagskunst. Wie immer ohne konkrete Themenangabe im Vorfeld.
20:15 Bayern: Corine - Internationaler Buchpreis 2006
Gala mit Désirée Nosbusch als Moderatorin zur Verleihung des Preises
im Prinzregententheater München - für all diejenigen, die die Sendung
am letzten Sonntag live auf 3sat nicht mitverfolgen konnten oder wollten. Im
Literaturblog
vom letzten Sonntag finden Sie alles zu den Preisträgern des Abends.
Den Belletristikpreis "CORINE 2006" erhielt in diesem Jahr übrigens
der Japaner Kazuo Ishiguro für seinen Roman Alles,
was wir geben mussten.
Hier hat der Verlag Random-House eine Leseprobe
online gestellt.
23:10 3sat: Menschen bei Maischberger
auch die x-te Wiederholung, zuletzt vom Donnerstag auf RBB. Unter anderem wird
das Buch von Tanja Busse, Die
Einkaufsrevolution. Konsumenten entdecken ihre Macht besprochen. Mehr zum
Thema der Sendung im Literaturblog
vom letzten Donnerstag.
Eine Leseprobe finden Sie bei lifegen.de
23:20 arte: Metropolis
«Der angehende Schriftsteller und waghalsige Pilot Antoine de Saint Exupéry
begegnet im Buenos Aires der 30er Jahre Consuelo, einer atemberaubend schönen
Witwe aus El Salvador, die die Pariser Gesellschaft gerade auf charmante Weise
unsicher macht. Es ist der Beginn einer legendären Liebe. Trotz der zwischenzeitlichen
Trennungen, der zahlreichen Zerwürfnisse und der Affären Saint Exupérys
hält sie bis zu seinem Tod an. Consuelo hat in ihrer Autobiografie Die Rose des kleinen Prinzen die Geschichte dieser wild bewegten Ehe erzählt.
Umso überraschender kommt nun die Öffnung ihres Privatarchivs mit
einer Fülle unbekannter Fotos, persönlicher Dokumente, Zeichnungen
und Liebesbriefe des berühmten Paares, die jetzt veröffentlicht wurden
und zur Zeit in Frankreich in der Wanderausstellung "Antoine und Consuelo,
eine legendäre Liebe" gezeigt werden.»
(Senderangaben)
«Gerald Zschorsch, Frankfurter Dichter und Maler, hat ein außergewöhnliches
Prosawerk veröffentlicht, ein Reisebuch ins südliche Ostpreußen.
Außergewöhnlich, weil Zschorsch bisher in seinen Büchern eher
sein Image als Stadtneurotiker pflegte. Nun lässt er sich von der Leere
weiter Landschaft faszinieren: Zwischen Königsberg, Allenstein und der
Kurischen Nehrung reist er durch fast menschenleere Räume, begegnet einer
mythischen Landschaft. Nach dem Dorf Czerwonka
hat er seine Texte benannt, eine Huldigung, eine Liebeserklärung an ein
von der Geschichte geschundenes, von der Natur zurück gewonnenes Land.
"Metropolis" begleitete den Schriftsteller auf seiner Reise nach Czerwonka,
zugleich eine imaginäre Fahrt entlang der Stationen seiner Biografie.»
(Senderangaben)
«Der von der katholischen Kirche mit Predigt - und Lehrverbot belegte einstige
Priester und Theologe Eugen Drewermann, hält die kirchliche Vorstellung
einer von Gott dem Menschen eingehauchten unsterblichen Seele für völlig
unhaltbar. "Vieles von dem, was Menschen bislang von sich glauben wollten,
beziehungsweise glauben sollten, steht offenbar dicht vor dem Einsturz",
schreibt Drewermann und dazu gehöre der Jahrtausende alte Glaube an die
Unsterblichkeit der göttlichen Seele. Ist der Mensch tatsächlich zum
seelenlosen Wesen geworden, weil die Seelenvorstellung der Theologie vor den
Erkenntnissen der Gehirnforschung kapitulieren muss? Um das herauszufinden,
hat Eugen Drewermann, der Geisteswissenschaftler, sich durch die gesamte moderne
Gehirnforschung gearbeitet und ihre Entwicklung auf spannende Weise geschildert.
Während seiner Wanderung durch die neurologische Wissenschaft vergleicht
er seine Entdeckungen mit den Erkenntnissen der klassischen und modernen Philosophie
und auch den Erfahrungen der Psychoanalyse. "Metropolis" stellt diese
gewaltige Arbeit im Gespräch mit Eugen Drewermann und dem Gehirnforscher
Wolf Singer vor.»
(Senderangaben)
00:25 3sat: Treffpunkt Kultur
Wieder einmal gelingt das Kunststück, eine 1,5 stündige Kultursendung
des ORF auf 45 Minuten zu schneiden. Daher kann ich nur ahnen, welche der ursprünglichen
Beiträge eventuell gesendet werden: Mit ein wenig Glück dabei der
Bericht über Imre Kertesz neues Buch: Dossier
K. Eine Ermittlung
Da auch dieser Titel im Blog diverse Male besprochen wurde, hier nur ein Verweis
auf die Homepage des ORF, wo ein längerer
Bericht darüber zu finden ist.
Außerdem hat Perlentaucher eine Leseprobe
online gestellt.


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