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Name: Ennka
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Montag, September 11, 2006

Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell


Piper, kart., 603 S., 15,00 €

Leseprobe (Probe 2: S. 201)    Hörprobe

Ob sich die Fabulierkunst von Heinrich Steinfest noch mit Begriffen der Logik oder der Glaubwürdigkeit greifen lässt, muss dahingestellt bleiben. Steinfest ist überbordender Erzähler, der gern vom Hundertsten ins Tausendste kommt. Was seinen aktuellen Roman Ein dicker Hund mal eben locker auf über 600 Seiten anwachsen lässt. Dafür erhält man dann aber eben auch nicht nur einen Krimi, sondern den gesamten Mikrokosmos der Stadt Wien, mit Exkursen nach Kopenhagen und Stuttgart, mit Exkursen über Klosterfrau Melissengeist, die Kleiderordnung Jugendlicher oder Zeitlöcher.

Dementsprechend gewagt ist das Unternehmen, an dieser Stelle etwas über den Plot zu erzählen. Wir haben eine Auftragskillerin, quasi Autodidaktin und Quereinsteigerin, deren pubertierender Sohn auf dem geistigen Stand eines Zweijährigen stehengeblieben ist und den sie bei Ausübung ihres Berufs nun leider ständig mitnehmen muss. Wir haben den einarmigen Privatdetektiv Markus Cheng, mit asiatischen Wurzeln, aber durch und durch Wiener, und dessen etwas lauffaulen Hund Lauscher, der lieber Windeln trägt, als Gassi zu gehen. Und wir haben einen Archivar, der an die Mär glaubt, das Duftwässerchen 4711 habe in seiner Urform die Fähigkeit besessen, Tote wieder lebendig zu machen und Lebenden als Jungbrunnen zu dienen.

Wer hier einen stringenten Handlungsverlauf erwartet, ist schnell verloren in diesem Kuriosum. Obwohl er im April 2006 seinen Platz auf die Krimibestenliste gefunden hat. Aber das heißt ja schon lange nichts mehr. Nicht weil die Jury nicht immer wieder Perlen aus dem Wust der Neuerscheinungen fischen würde, sondern weil wir in Zeiten des Genremixes leben, in dem sich immer mehr Autoren eines Krimiplots bedienen, um Spannungsbögen zu schaffen, in denen sie dann ganz andere Geschichten weben. So auch Heinrich Steinfest.

Seine Bilder sind frisch, seine Beobachtungen originell, wenn auch bisweilen zynisch, sarkastisch. Steinfest liebt es zu fabulieren, und das tut er in Ein dicker Hund ausführlich. Ob die Vergleiche mit Doderer, Stifter und Chandler, von denen in den letzten Wochen zu hören war, nun tatsächlich greifen, ist wohl fraglich. Für Stifter ist er wohl allemal zu modern und auch durchaus nicht ruhig genug. Chandler fehlt nun völlig das Überbordende. Und Doderer - aber das ist persönlich - finde ich nun wirklich eher langweilig. Von all dem hat Steinfest wenig. Also keine Angst vor den großen Vergleichen. Dies ist ein Roman für Leute, die sich über einen längeren Zeitraum in eine Welt entführen lassen wollen, die ganz von ihrem Autoren und seinem bissigen Blick auf die Zeitgenossen geprägt ist. Ein gemeines Vergnügen, aber absolut empfehlenswert.

Weitere Rezensionen finden Sie bei: Das Erste (Video), Deutschlandradio Kultur (Audio-File), SWR2 (rtf-File!), Literaturhaus.at Literaturnetz

 

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