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Neuerscheinungen und Rezensionen

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Name:Ennka
Location:Hamburg, Germany

Samstag, Oktober 07, 2006

Bücher im Fernsehen, Samstag 07.10.06


Besprochene Titel:

Günter Grass: Beim Häuten der Zwiebel
Sabine Bode: Die deutsche Krankheit - German Angst
Ulrike Bail et al.: Die Bibel in gerechter Sprache
Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg
Gerhard Ritter: Der Preis der Einheit
Christoph Ransmayer: Der fliegende Berg
Viviane Koenig: Das Leben der Kinder im alten Ägypten
Jeanne Birdsall: Die Penderwicks
Emmanuelle Houdart: Die Monster sind krank
Sasa Stanisic: Wie der Soldat das Grammofon reparierte
Chuck Close: A couple of ways of doing something (dt.)
Walter Trier: Politik - Kunst - Reklame
Peter Zimmermann: Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland
Sandra Hoffmann: Online-Tagebuch aus Mumbai
Werner Schneyder: Ich, Werner Schneyder - Meine 12 Leben
Bernard Bueb: Lob der Disziplin
Dorothee Wenner: Die Lady mit der Nilpferdpeitsche


Themen:

Frankfurter Buchmesse
Aktuelle Literatur in Indien

Programmschema:
06:20 3sat: Kulturzeit
08:45 arte: Kultur
09:05 3sat: Kulturzeit
11.20 arte: Kultur
18:15 SWR: Kultur Café
20:00 arte: Kultur
23:30 arte: Metropolis
01:00 Treffpunkt: Kultur

06:20 3sat: Kulturzeit

Wiederholung vom Vortag:

Günter Grass hat eine einstweilige Verfügung gegen die FAZ erwirkt, weil diese alte, private Briefe von ihm abgedruckt hat, in denen er den früheren Wirtschafts- und Finanzminister Karl Schiller aufforderte, seine NS-Vergangenheit offen zu legen. Grass warf dem Blatt daher die Verletzung des Urheberrechts vor. Dies ist deshalb prekär, weil er selbst zum Zeitpunkt des Schreibens, 1969/70 selbst ja noch nicht daran dachte, seine Mitgliedschaft bei der Waffen-SS offen zu bekennen. Dies geschah erst in diesem Herbst anlässlich der Veröffentlichung seiner Autobiographie Beim Häuten der Zwiebel.

Letzte Tag des Kulturzeit-Buchmessenflashs. Im Eiltempo wurden auch heute diverse Autoren interviewt und Bücher vorgestellt. Sabine Bode hat ein Buch über Die deutsche Krankheit - German Angst geschrieben: Mutlosigkeit ist in Deutschland ein verbreitetes Phänomen geworden, das lange vor Hartz IV und den Folgen der Globalisierung sichtbar wurde. Heute redet man allenthalben von einer gesellschaftlichen Lähmung und der Unfähigkeit, Reformen durchzuführen. Blockiert uns die German Angst? Ist sie eine Art kollektive Krankheit? Aber Angst wovor? Wir könnten eine Menge tun, um die German Angst zu überwinden, diagnostiziert Bode.

Die Bibel ist mal wieder neu übersetzt worden. Diesmal in in gerechter Sprache , soll heißen, in Anlehnung an die jüdisch-christliche Tradition und unter Einbeziehung der Frauen ins religiöse Alltagsleben. Das führt zum Beispiel dazu, dass an den Stellen, in denen im Original von Jahwe die Rede ist, in der neuen Übersetzung Adonai steht - da es den Juden verboten ist, den Namen Gottes auszusprechen und sie an den betreffenden Stellen statt Bleep lieber Adonai - mein Herr - lesen.

Hape Kerkeling versteht die Welt nicht mehr. Aufgrund einer körperlichen Erkrankung zieht er sich eine Weile aus dem Showgeschäft zurück, pilgert durch die Lande, um wieder zu sich selbst zu kommen - und die Leute kaufen das Nebenprodukt dieser Pilgerreise, als wäre es für sie die neue Offenbarung. Sein Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg ist seit Veröffentlichung auf Platz 1 der Sachbuchcharts. Kulturzeit interviewte den sichtlich irritierten Autoren.

Auf der Basis bisher unveröffentlichter Quellen und Interviews mit Zeitzeugen kann Gerhard Ritter zeigen, daß die Übertragung des relativ großzügigen westdeutschen Sozialsystems und seiner Institutionen auf die neuen Bundesländer und die damit verbundenen gewaltigen Transferleistungen die Rahmenbedingungen der deutschen Politik und Wirtschaft entscheidend veränderten und damit die Krise des Sozialstaates verschärften. Sein Buch Der Preis der Einheit. Die deutsche Wiedervereinigung und die Krise des Sozialstaats liefert die längst fällige gründliche Analyse des deutschen Einungsprozesses in sozialpolitischer Hinsicht und ist zugleich eine einzigartige Dokumentation dieses Prozesses mit einem Schatz an authentischen Äußerungen der direkt daran Beteiligten.

Daneben noch ein kurzes Interview mit Silke Weitendorff, der Gründerin des neue Atrium-Verlags, der mit Rückendeckung von Oetinger sein neues Programm von Cornelia Funke bis Erich Kästner präsentiert. Dann die Vorstellung des Buchhandels-Projekts vto - Volltextsuche online, dass ein deutsches, modernes Äquivalent zur Google Buchsuche werden soll. Und der Hinweis darauf, dass im nächsten Jahr Katalonien Gastland der Buchmesse sein wird.

Ein längeres Interview vor der Kulisse der österreichischen Alpen führte Kulturzeit mit Christoph Ransmayr über seinen neuen Roman Der fliegende Berg. Darin beschreibt der Freund von Reinhold Messner die Geschichte zweier Brüder, die von der Südwestküste Irlands in den Transhimalaya aufbrechen, um dort, wider besseres Wissen, einen noch unbestiegenen namenlosen Berg zu suchen. Nur einer der beiden Brüder wird dies Abenteuer überleben.

Außerdem gab es in der Sendung Kinderbuchtipps:

Die Kulturzeit wurde diese Woche von Andrea Meier moderiert.

08:45 arte: Kultur

Dem Sender obliegt die interessante Aufgabe, die gestrige arte-Kultur-Sondersendung, die die Don Giovanni-Opernpause füllen durfte und daher ausnahmsweise fast 30 Minuten lang war, auf 15 Minuten Sendeplatzzeit herunter zu kürzen. Ich bin allerdings zuversichtlich, dass sie nicht gerade auf die Buchmessenbeiträge verzichten werden:

arte Kultur besuchte Sasa Stanisic zu einem Interview. Der 28jährige Bosnier hat mit seinem auf Deutsch geschriebenen und eben erschienenen Roman Wie der Soldat das Grammofon repariert einen Riesenerfolg und wurde sogar für den Deutschen Buchpreis nominiert. In dem Roman, der größtenteils aus der Sicht eines Kindes erzählt ist, versucht Stanisic seine Erlebnisse während des Bosnien-Kriegs aufzuarbeiten. Er kommt zu dem Schluss, dass jeder Teilnehmer den Krieg völlig anders erlebte und kaum einer seine eigene Sicht zu teilen vermochte. Mehr zu dem Buch finden Sie hier im Literaturblog.

Drei Buchtipps in Kürze: Chuck Close hat sich mit der Kunst der Daguerreotypie beschäftigt und einen Bildband herausgegeben, der zunächst in einer limitierten Auflage von 75 Exemplaren erschien. Nun hat der deutsche Verlag Schirmer/Mosel das Buch A Couple of Ways of Doing Something einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. - Walter Trier ist vielen vor allem als Illustrator für die Bücher von Erich Kästner bekannt. Daneben hat er sich jedoch auch als Karikaturist etabliert, der in seinen Zeichnungen immer wieder Hitlerdeutschland thematisiert hat und daher emigrieren musste. Der Band Walter Trier - Politik, Kunst, Reklame ist jetzt im Atrium-Verlag, Hamburg erschienen. - Eine erste umfassende Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland ist jetzt als dreibändige Ausgabe, die von arte hoch gelobt wurde, bei Reclam erschienen. 2120 Seiten umfasst das informative Werk von Peter Zimmermann.

Durch die Sendung führt seit Donnerstag Gustav Hofer.

 

09:05 3sat: Kulturzeit

Wiederholung vom Vortag

18:15 SWR: Kultur Café

Sandra Hoffman war noch nie in Indien und hätte es sich "nie ausgesucht". "Furchtbar fremd" schien der gebürtigen Oberschwäbin die 16 Millioneneinwohnermetropole Mumbai, ehemals Bombay - vor allem wenn man in "einer kleinen deutschen Universitätsstadt mit gerade einmal etwa 80 000 Einwohnern" lebt. In einem Online-Tagebuch notierte sie ihre Eindrücke und Erlebnisse.
Bekannt geworden ist sie mit schwimmen gegen blond und Den Himmel zu Füßen, letzteres gerade in zweiter Auflage neu bei Beck herausgekommen.

20:00 arte: Kultur

Wie immer mit Wissenswerten von Bühnenkunst und Büchermarkt, musikalischen Events und Festivals, über Kino und Film bis hin zu Architektur und populärer Alltagskunst. Wie immer entscheiden sich die Themen erst sehr kurzfristig, so dass es keine Vorankündigungen gibt. Wie immer werde ich versuchen, eine Zusammenfassung im Nachhinein einzustellen, damit wenigstens für die Frühfernseher in der Wiederholung am Montag klar ist, was sie erwartet.

22:15 Phönix: Schrifttypen - Autoren und Bücher

Auf der Frankfurter Buchmesse haben die PHOENIX-Moderatoren Walter Janson und Carl-Ludwig Paeschke den politisch-literarischen Kabarettisten Werner Schneyder und den renommierten Pädagogen Bernhard Bueb zu Gast.

Ich, Werner Schneyder - Meine zwölf Leben nennt das beliebte Allroundtalent seine 400 Seiten starke Autobiografie: in zwölf Geschichten spiegelt sich das Lebenswerk Schneyders in seiner Vielseitigkeit: zwölf Leben, zwölf Berufe, zwölf Talente und ein Mann. Am 25. Januar 2007 feiert Werner Schneyder seinen 70. Geburtstag.

Lob der Disziplin - Eine Streitschrift ist eines der am meisten diskutierten Sachbücher dieses Herbstes. Verfasst hat es Bernhard Bueb, Philosoph, Theologe und von 1974 bis 2005 Leiter der Internatsschule Schloss Salem. Auf gut 170 Seiten formuliert der streitbare Lehrer eine Art pädagogisches Manifest. Zentrale Rolle bei der Kindererziehung spielt danach die Disziplin: sie sei die wesentliche Voraussetzung für individuelles Glück und Freiheit und ein selbstbestimmtes Leben als Erwachsener.

23:30 arte: Metropolis

Anlässlich der Frankfurter Buchmesse widmet sich das arte Kulturmagazin "Metropolis" dem diesjährigen Gastland Indien.

"Wenn es einen Ort gibt, wo alle Träume seit den ersten Tagen, da der Mensch zu träumen begann, eine Heimat gefunden haben, dann ist es Indien", schrieb Romain Rolland. "Metropolis" entführt seine Zuschauer in das ferne Land der Träume und stellt ihnen einige der großen, aber hierzulande weitgehend unbekannten, Literaten und Literatinnen Indiens vor. Wir treffen unter anderem den auf Marathi schreibenden Lyriker Dilip Chitre, die mit höchsten Literaturpreisen ausgezeichnete große Frau der Assamesischen Literatur, Indira Goswami, sowie den auf Englisch schreibenden Rana Dasgupta, einer der unkonventionellsten jungen Autoren Indiens, und auf Urvashi Butalia, die Gründerin des ersten Frauenbuch-Verlages Indiens.

Und auf Baby Halder: Ihr Buch gehört zu Indiens Bestsellern des Jahres 2006. Von der Autorin hatte niemals zuvor irgendjemand gehört. Nach drei Kindern, das erste bekam sie mit 14 Jahren, geht sie den im sozial konservativen Indien für Frauen nach wie vor waghalsigen Schritt: sie verlässt ihren gewalttätigen Ehemann und macht sich auf den Weg nach Delhi, in ein besseres Leben. Der Schritt gelang. Ihre auf Bengali niedergeschriebene, jetzt ins Englische übersetzte Lebensgeschichte erntete Lobeshymnen in den Feuilletons der großen Tageszeitungen weltweit.

"Fearless Nadja" der legendäre weibliche Action Star, eroberte in den 30ern Bollywood und damit Indien im Sturm. Blaue Augen, langes Blondhaar, hohe Statur - sie spielte in über 50 Filmen die amazonenhafte Heldin, die es mit wild gewordenen Männern in jeder Hinsicht aufnahm. Jetzt erscheint eine neu überarbeitete Biografie über die Frau, die "Fans des gepflegten Trashs als auch Feministinnen" für sich zu begeistern wusste. Dorothee Wenner verbindet ihre Nadja-Biografie Die Lady mit der Nilpferdpeitsche mit einer "Einführung in die Kinematographie des Landes". Aber auch eine "unangestrengt feministische Ehrenrettung" Nadjas hinsichtlich ihrer Actionfilme ist der Berliner Autorin in diesem Buch gelungen.

 

01:00 3sat: Treffpunkt Kultur

Leider sind keine Angaben zu den Themen mehr zu ermitteln, da der ORF, der die Sendung am 02.10.06 erstausstrahlte, kein Archiv hat und 3sat keine Inhalte anzeigt. Bei 45 Minuten Sendedauer ist aber davon auszugehen, dass nicht nur der Kabarettist Andreas Vitasek zu Gast sein wird.