Bücher im Fernsehen, Samstag 07.10.06
Besprochene Titel: Günter Grass: Beim Häuten
der Zwiebel |
| Programmschema: |
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| 06:20 | 3sat: Kulturzeit |
| 08:45 | arte: Kultur |
| 09:05 | 3sat: Kulturzeit |
| 11.20 | arte: Kultur |
| 18:15 | SWR: Kultur Café |
| 20:00 | arte: Kultur |
| 23:30 | arte: Metropolis |
| 01:00 | Treffpunkt: Kultur |
06:20 3sat: Kulturzeit
Wiederholung vom Vortag:
Günter Grass hat eine einstweilige Verfügung gegen
die FAZ erwirkt, weil diese alte, private Briefe von ihm abgedruckt hat, in
denen er den früheren Wirtschafts- und Finanzminister Karl Schiller aufforderte,
seine NS-Vergangenheit offen zu legen. Grass warf dem Blatt daher die Verletzung
des Urheberrechts vor. Dies ist deshalb prekär, weil er selbst zum Zeitpunkt
des Schreibens, 1969/70 selbst ja noch nicht daran dachte, seine Mitgliedschaft
bei der Waffen-SS offen zu bekennen. Dies geschah erst in diesem Herbst anlässlich
der Veröffentlichung seiner Autobiographie Beim Häuten der Zwiebel.
Letzte Tag des Kulturzeit-Buchmessenflashs. Im Eiltempo wurden
auch heute diverse Autoren interviewt und Bücher vorgestellt. Sabine
Bode hat ein Buch über Die
deutsche Krankheit - German Angst
geschrieben: Mutlosigkeit ist in Deutschland ein verbreitetes Phänomen
geworden, das lange vor Hartz IV und den Folgen der Globalisierung sichtbar
wurde. Heute redet man allenthalben von einer gesellschaftlichen Lähmung
und der Unfähigkeit, Reformen durchzuführen. Blockiert uns die German
Angst? Ist sie eine Art kollektive Krankheit? Aber Angst wovor? Wir könnten
eine Menge tun, um die German Angst zu überwinden, diagnostiziert Bode.
Die Bibel ist mal wieder neu übersetzt worden. Diesmal
in in
gerechter Sprache ,
soll heißen, in Anlehnung an die jüdisch-christliche Tradition und
unter Einbeziehung der Frauen ins religiöse Alltagsleben. Das führt
zum Beispiel dazu, dass an den Stellen, in denen im Original von Jahwe die Rede
ist, in der neuen Übersetzung Adonai steht - da es den Juden verboten ist,
den Namen Gottes auszusprechen und sie an den betreffenden Stellen statt Bleep
lieber Adonai - mein Herr - lesen.
Hape Kerkeling versteht die Welt nicht mehr. Aufgrund einer
körperlichen Erkrankung zieht er sich eine Weile aus dem Showgeschäft
zurück, pilgert durch die Lande, um wieder zu sich selbst zu kommen - und
die Leute kaufen das Nebenprodukt dieser Pilgerreise, als wäre es für
sie die neue Offenbarung. Sein Ich
bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg
ist seit Veröffentlichung auf Platz 1 der Sachbuchcharts. Kulturzeit interviewte
den sichtlich irritierten Autoren.
Auf der Basis bisher unveröffentlichter Quellen und Interviews mit Zeitzeugen
kann Gerhard Ritter zeigen, daß die Übertragung
des relativ großzügigen westdeutschen Sozialsystems und seiner Institutionen
auf die neuen Bundesländer und die damit verbundenen gewaltigen Transferleistungen
die Rahmenbedingungen der deutschen Politik und Wirtschaft entscheidend veränderten
und damit die Krise des Sozialstaates verschärften. Sein Buch Der Preis der Einheit. Die deutsche Wiedervereinigung und die Krise des Sozialstaats liefert die
längst fällige gründliche Analyse des deutschen Einungsprozesses
in sozialpolitischer Hinsicht und ist zugleich eine einzigartige Dokumentation
dieses Prozesses mit einem Schatz an authentischen Äußerungen der
direkt daran Beteiligten.
Daneben noch ein kurzes Interview mit Silke Weitendorff, der Gründerin
des neue Atrium-Verlags,
der mit Rückendeckung von Oetinger sein neues Programm von Cornelia Funke
bis Erich Kästner präsentiert. Dann die Vorstellung des Buchhandels-Projekts
vto
- Volltextsuche online, dass ein deutsches, modernes Äquivalent zur
Google
Buchsuche werden soll. Und der Hinweis darauf, dass im nächsten Jahr
Katalonien Gastland der Buchmesse sein wird.
Ein längeres Interview vor der Kulisse der österreichischen Alpen
führte Kulturzeit mit Christoph Ransmayr über seinen
neuen Roman Der
fliegende Berg.
Darin beschreibt der Freund von Reinhold Messner die Geschichte zweier Brüder,
die von der Südwestküste Irlands in den Transhimalaya aufbrechen,
um dort, wider besseres Wissen, einen noch unbestiegenen namenlosen Berg zu
suchen. Nur einer der beiden Brüder wird dies Abenteuer überleben.
Außerdem gab es in der Sendung Kinderbuchtipps:
- Viviane Koenig: Das
Leben der Kinder im alten Ägypten
- Jeanne Birdsall: Die
Penderwicks
- Emmanuelle Houdart: Die
Monster sind krank
Die Kulturzeit wurde diese Woche von Andrea Meier moderiert.
08:45 arte: Kultur
Dem Sender obliegt die interessante Aufgabe, die gestrige arte-Kultur-Sondersendung, die die Don Giovanni-Opernpause füllen durfte und daher ausnahmsweise fast 30 Minuten lang war, auf 15 Minuten Sendeplatzzeit herunter zu kürzen. Ich bin allerdings zuversichtlich, dass sie nicht gerade auf die Buchmessenbeiträge verzichten werden:
arte Kultur besuchte Sasa Stanisic zu einem Interview. Der
28jährige Bosnier hat mit seinem auf Deutsch geschriebenen und eben erschienenen
Roman Wie
der Soldat das Grammofon repariert
einen Riesenerfolg und wurde sogar für den Deutschen Buchpreis nominiert.
In dem Roman, der größtenteils aus der Sicht eines Kindes erzählt
ist, versucht Stanisic seine Erlebnisse während des Bosnien-Kriegs aufzuarbeiten.
Er kommt zu dem Schluss, dass jeder Teilnehmer den Krieg völlig anders
erlebte und kaum einer seine eigene Sicht zu teilen vermochte. Mehr zu dem Buch
finden Sie hier
im Literaturblog.
Drei Buchtipps in Kürze: Chuck Close hat sich mit der
Kunst der Daguerreotypie beschäftigt und einen Bildband herausgegeben,
der zunächst in einer limitierten Auflage von 75 Exemplaren erschien. Nun
hat der deutsche Verlag Schirmer/Mosel das Buch A
Couple of Ways of Doing Something
einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. - Walter Trier ist
vielen vor allem als Illustrator für die Bücher von Erich Kästner
bekannt. Daneben hat er sich jedoch auch als Karikaturist etabliert, der in
seinen Zeichnungen immer wieder Hitlerdeutschland thematisiert hat und daher
emigrieren musste. Der Band Walter
Trier - Politik, Kunst, Reklame
ist jetzt im Atrium-Verlag, Hamburg erschienen. - Eine erste umfassende Geschichte
des dokumentarischen Films in Deutschland
ist jetzt als dreibändige Ausgabe, die von arte hoch gelobt wurde, bei
Reclam erschienen. 2120 Seiten umfasst das informative Werk von Peter
Zimmermann.
Durch die Sendung führt seit Donnerstag Gustav Hofer.
09:05 3sat: Kulturzeit
18:15 SWR: Kultur Café
Sandra Hoffman war noch nie in Indien und hätte es sich
"nie ausgesucht". "Furchtbar fremd" schien der gebürtigen
Oberschwäbin die 16 Millioneneinwohnermetropole Mumbai, ehemals Bombay
- vor allem wenn man in "einer kleinen deutschen Universitätsstadt
mit gerade einmal etwa 80 000 Einwohnern" lebt. In einem Online-Tagebuch
notierte sie ihre Eindrücke und Erlebnisse.
Bekannt geworden ist sie mit schwimmen gegen blond und Den Himmel zu Füßen
, letzteres gerade in zweiter Auflage neu bei
Beck herausgekommen.
20:00 arte: Kultur
Wie immer mit Wissenswerten von Bühnenkunst und Büchermarkt, musikalischen
Events und Festivals, über Kino und Film bis hin zu Architektur und populärer
Alltagskunst. Wie immer entscheiden sich die Themen erst sehr kurzfristig, so
dass es keine Vorankündigungen gibt. Wie immer werde ich versuchen, eine
Zusammenfassung im Nachhinein einzustellen, damit wenigstens für die Frühfernseher
in der Wiederholung am Montag klar ist, was sie erwartet.
22:15 Phönix: Schrifttypen - Autoren und Bücher
Auf der Frankfurter Buchmesse haben die PHOENIX-Moderatoren Walter Janson und Carl-Ludwig Paeschke den politisch-literarischen Kabarettisten Werner Schneyder und den renommierten Pädagogen Bernhard Bueb zu Gast.
Ich, Werner Schneyder - Meine zwölf Leben nennt das beliebte
Allroundtalent seine 400 Seiten starke Autobiografie: in zwölf Geschichten
spiegelt sich das Lebenswerk Schneyders in seiner Vielseitigkeit: zwölf
Leben, zwölf Berufe, zwölf Talente und ein Mann. Am 25. Januar 2007
feiert Werner Schneyder seinen 70. Geburtstag.
Lob
der Disziplin - Eine Streitschrift
ist eines der am meisten diskutierten Sachbücher dieses Herbstes. Verfasst
hat es Bernhard Bueb, Philosoph, Theologe und von 1974 bis
2005 Leiter der Internatsschule Schloss Salem. Auf gut 170 Seiten formuliert
der streitbare Lehrer eine Art pädagogisches Manifest. Zentrale Rolle bei
der Kindererziehung spielt danach die Disziplin: sie sei die wesentliche Voraussetzung
für individuelles Glück und Freiheit und ein selbstbestimmtes Leben
als Erwachsener.
Anlässlich der Frankfurter Buchmesse widmet sich das arte Kulturmagazin "Metropolis" dem diesjährigen Gastland Indien.
"Wenn es einen Ort gibt, wo alle Träume seit den ersten Tagen, da der Mensch zu träumen begann, eine Heimat gefunden haben, dann ist es Indien", schrieb Romain Rolland. "Metropolis" entführt seine Zuschauer in das ferne Land der Träume und stellt ihnen einige der großen, aber hierzulande weitgehend unbekannten, Literaten und Literatinnen Indiens vor. Wir treffen unter anderem den auf Marathi schreibenden Lyriker Dilip Chitre, die mit höchsten Literaturpreisen ausgezeichnete große Frau der Assamesischen Literatur, Indira Goswami, sowie den auf Englisch schreibenden Rana Dasgupta, einer der unkonventionellsten jungen Autoren Indiens, und auf Urvashi Butalia, die Gründerin des ersten Frauenbuch-Verlages Indiens.
Und auf Baby Halder: Ihr Buch gehört zu Indiens Bestsellern des Jahres 2006. Von der Autorin hatte niemals zuvor irgendjemand gehört. Nach drei Kindern, das erste bekam sie mit 14 Jahren, geht sie den im sozial konservativen Indien für Frauen nach wie vor waghalsigen Schritt: sie verlässt ihren gewalttätigen Ehemann und macht sich auf den Weg nach Delhi, in ein besseres Leben. Der Schritt gelang. Ihre auf Bengali niedergeschriebene, jetzt ins Englische übersetzte Lebensgeschichte erntete Lobeshymnen in den Feuilletons der großen Tageszeitungen weltweit.
"Fearless Nadja" der legendäre weibliche Action Star, eroberte
in den 30ern Bollywood und damit Indien im Sturm. Blaue Augen, langes Blondhaar,
hohe Statur - sie spielte in über 50 Filmen die amazonenhafte Heldin, die
es mit wild gewordenen Männern in jeder Hinsicht aufnahm. Jetzt erscheint
eine neu überarbeitete Biografie über die Frau, die "Fans des
gepflegten Trashs als auch Feministinnen" für sich zu begeistern wusste.
Dorothee Wenner verbindet ihre Nadja-Biografie Die Lady mit der Nilpferdpeitsche mit einer "Einführung
in die Kinematographie des Landes". Aber auch eine "unangestrengt
feministische Ehrenrettung" Nadjas hinsichtlich ihrer Actionfilme ist der
Berliner Autorin in diesem Buch gelungen.
01:00 3sat: Treffpunkt Kultur
Leider sind keine Angaben zu den Themen mehr zu ermitteln, da der ORF, der die Sendung am 02.10.06 erstausstrahlte, kein Archiv hat und 3sat keine Inhalte anzeigt. Bei 45 Minuten Sendedauer ist aber davon auszugehen, dass nicht nur der Kabarettist Andreas Vitasek zu Gast sein wird.


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