Bücher im Fernsehen, Samstag 14.10.06
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Besprochene Titel: Val McDermid: Das Moor des Vergessens
Themen: |
| Programmschema: |
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| 06:20 | 3sat: Kulturzeit |
| 08:00 | arte: Kultur |
| 09:00 | arte: Kultur |
| 09:00 | WDR: west.art |
| 09:05 | 3sat: Kulturzeit |
| 11:20 | arte: Kultur |
| 20:00 | arte: Kultur |
| 23:15 | Phönix: THEMA: 100. Geburtstag der Philosophin Hannah Arendt |
| 00:30 | 3sat: Treffpunkt Kultur |
06:20 3sat Kulturzeit
Wiederholung vom Vortag
Noch einmal geht es um Orhan Pamuk. Verständlich, ist
doch der Literatur-Nobelpreis so etwas wie der Oscar des Literaturbetriebs.
Aber während wir Deutschen bei der erstbesten Gelegenheit in einen Kollektivrausch
geraten - wir sind Papst, wir sind Deutschland, wir sind ...tolle Dritte - zeigt
sich die Türkei von "ihrem" Nobelpreis weniger beeindruckt. Eine
große türkische Tageszeitung titelte kurz: "Er ist keiner von
uns" und unkte weiter, er hätte den Preis ohnehin nur erhalten, weil
er so vehement über den Völkermord an den Armeniern schwadroniere.
Dabei - sagen andere Experten - würde sich Pamuk in politischen Dingen
eher zurückhalten. Denn die halten ihn letztlich nur von dem ab, was er
eigentlich will und kann: schreiben. (Mehr
zum Thema bei 3sat - inkl. ausführlicher Linktipps)
Gerade noch für Kurzmeldungen gut ist der Streit zwischen Günter Grass und der FAZ. Darüber gabs ja in den letzten Tagen genug zu lesen. Grass behauptet, Schirrmacher wolle ihn mit den Briefabrucken als Schriftsteller demonieren und wehrt sich mit einer einstweiligen Verfügung. Und weil das durchaus noch nachvollzogen werden kann, setzt er einen obendrauf und vergleicht sein derzeitiges Schicksal mit den Demontageversuchen des Literaturkritikers Wolfgang Menzels seinerzeit an Goethe. «Wer kennt heute noch Menzel? Wird man später noch wissen, wer Schirrmacher war?» Für solche Sätze muss man ihn doch einfach lieb haben - oder endgültig für größenwahnsinnig erklären.
Bei den Krimitipps lag ich gestern vollkommen daneben. Sorry an alle, die im Verlauf der Sendung ein wenig irritiert waren. Habe wohl die Tipps des Vormonats noch einmal in die Finger bekommen. Oder 3sat hat geblöfft. Don't know. De facto wurden Val McDermid: Das Moor des Vergessens und Michael Robotham: Amnesie. vorgestellt.
Über Amnesie
habe ich an anderer
Stelle im Literaturblog bereits ausführlich berichtet. Das Buch habe
ich im Lob der Kulturzeit kaum wiedererkannt. Klar: es geht an der Themse los
und irgendwann landet der Londoner Inspektor Vincent Ruiz in der Unterwelt,
sprich: in der Londoner Kanalisation. Aber daraus einen "Thriller über
die Macht des Willens und die Stärke der menschlichen Natur" zu stilisieren,
halte ich für sehr gewagt. Es ist ein wunderbar lakonischer, ironischer,
harter Krimi zum Thema Pädophilie, schnell und leicht geschrieben. Und
wer mehr darüber erfahren will, dem sei meine Rezension
mit weiteren Leselinks wärmstens empfohlen.
Von Val McDermids neuem Roman habe ich eben erst erfahren. Das Moor des Vergessens heißt er, und es geht um eine Moorleiche, die aller Wahrscheinlichkeit
nach bei der Meuterei auf der Bounty dabei war. Denn der geheimnisvolle Leichnam
aus dem Moor ist mit bizarren Tätowierungen aus der Südsee bedeckt.
Könnte das Fletcher Christian gewesen sein, der legendäre Anführer
der Meuterei auf der Bounty? Ist er heimlich zurückgekehrt, und hat er
mit seiner abenteuerlichen Geschichte seinem Jugendfreund, dem berühmten
Dichter William Wordsworth, den Stoff für ein verschollenes Meisterwerk
geliefert? Die junge Literaturwissenschaftlerin Jane Gresham hat es sich in
den Kopf gesetzt, der Sache auf den Grund zu gehen. Sie will das Epos finden,
von dessen Existenz sie schon lange überzeugt ist. Doch die möglichen
Erben des Gedichts sterben, noch bevor sie mit ihnen reden kann - und Jane selbst
begibt sich in tödliche Gefahr. Denn dem Manuskript ist noch jemand anders
auf der Spur. Er hat den gleichen Plan - und absolut keine Skrupel ...
08:00 arte: Kultur
Wiederholung vom Vorabend.
Kleine Enttäuschung: irgendwie schaffte es Arte Kultur gestern abend, ganz
ohne Literaturhinweise auszukommen. Viel Film, ein wenig Tanztheater, eine Prise
Musik - aber eben überhaupt kein Beitrag aus der Bücherwelt. Aber
wie sagte Higgelti Piggelti Pop so schön? "Es muss im Leben mehr als
alles geben!" (Keine Ahnung, wie ich jetzt darauf komme...)
09 :00 arte: Kultur
Wiederholung von 8:00 Uhr
09:00 WDR: west.art
Wiederholung vom 12.10.06 (?)
Denis Scheck empfiehlt ein weiteres Mal das Buch "Älter werden" von Silvia Bovenschen, einen ehrlichen und persönlichen Bericht über all das, was das Älter weden eben mit einem macht. Die Publizistin Silvia Bovenschen hat durch ihre Erkrankung an Multipler Sklerose schon sehr früh die Erfahrung gemacht, was es bedeutet, wenn der Körper nicht mehr funktioniert. Ihr Buch "Älter werden" wurde in kurzer Zeit zum Bestseller. Denis Scheck hat sich mit Silvia Bovenschen unterhalten.
Daneben auch hier ein Bericht über Russland und die Pressefreiheit anlässlich
der Ermordung der Journalistin Anna Politkowskaja. Und natürlich ein Bericht
über den Literatur-Nobelpreis 2006, der am Donnerstag vergeben wurde.
09:05 3sat: Kulturzeit
Wiederholung von 6:20 Uhr
10:15 3sat: Kulturplatz
Wiederholung der Kultursendung des Schweizer Fernsehens vom 11.10.2006
Den Buchtipp der Woche, Alfredo Häberlis Design
Live,
soll man sich auch zeitunabhängig als Videostream
auf der SF-Homepage ansehen können. Hat bei meinen spätabendlichen
Versuch allerdings nicht funktioniert - und ich war zu müde, um abzuschecken,
ob es an mir oder am Sender lag... Sei es drum. Der Schweizer Alfredo Häberli
(*1964 in
Buenos Aires) gehört zu den innovativsten und erfolgreichsten zeitgenössischen
Designern: Vom Weinglas zum Stuhl, vom Schuh zum Regalsystem – er findet
für alles eine elegante Lösung, die Funktionalität und Präzision
mit Leichtigkeit und spielerischem Charme verbindet. Das von Studio Achermann
einzigartig gestaltete Buch über sein Schaffen geht neue Wege in der Darstellung
von Design: Einige der namhaftesten schweizerischen Künstler – Shirana
Shahbazi, David Renggli, Walter Pfeiffer, Roman Signer, John M Armleder, Körner
Union, Stefan Burger – inszenieren seine Werke. Das Wechselspiel von Fotokunst
und Design macht Form, Funktion und Alltagswirkung von Häberlis Objekten
in neuer und ungewohnter Weise sichtbar. Essays von Gianni Jetzer und Stefano
Casciani beleuchten Häberlis Werk und die Interpretationen der Künstler
vertiefend.
11:20 arte: Kultur
Wiederholung von 8:00 Uhr
19:20 3sat: Kulturzeit
Achtung, heute Kulturzeit special mit einem Portrait von Farah Diba-Pahlavi - Erinnerungen einer Kaiserin. Also auch keine Buchthemen!
20:00 arte: Kultur
Die große Kulturwundertüte artes: Keiner weiß, was drin sein wird. Aber es lohnt sich allemal, sie aufzumachen. :-) Wie immer mit einer bunten Mischung aus kulturellen Versatzstücken aller Couleur.
23:15 Phönix: THEMA: 100. Geburtstag der Philosophin Hannah Arendt
23.15 - 01.10 Uhr. Der Themenabend beginnt mit der Dokumentation: Hannah Arendt
- Ein Mädchen aus der Fremde von Jürgen Miermeister. Anschließend
läuft der Beitrag: Zur Person: Porträts in Frage und Antwort - Günter
Gaus im Gespräch mit Hannah Arendt.
Neben der deutschen Romantik und einer existenzphilosophischen Auseinandersetzung
mit dem jüdischen Dasein befasste sie sich mit dem Totalitarismus. In ihrem
Hauptwerk "Origins of Totalitarianism" (auf Deutsch Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, 1955) untersuchte sie die die Verbindung
von nationalstaatlichem Totalitarismus und Antisemitismus. Ihre Berichterstattung
über den Eichmann-Prozess 1961 in Jerusalem für die Zeitschrift "New
Yorker" löste einige Kontroversen aus - nicht zuletzt wegen der Darstellung
von Adolf Eichmann selbst. Sie prägte im Hinblick auf Eichmann die Wendung
von der "Banalität des Bösen", die zu einem geflügelten
Wort wurde. Am 4. Dezember 1975 starb Hannah Arendt in New York.
00:30 3sat: Treffpunkt Kultur
Wiederholung vom 09.10.06 (ORF)
Das alte Problem: Eine Sendung, die im ORF 90 Minuten dauert, wird - als Wiederholung
gekennzeichnet - bei 3sat auf 45 Minuten gekürzt. Da ich den ORF hier im
Hohen Norden nicht empfangen kann, habe ich bisher nicht herausgefunden, wie
3sat das anstellt. Und verweise statt dessen auf die ORF-Homepage
vom 09.10., wo die möglicherweise heute wiederholten Beiträge
aufgelistet sind.
Dort unter anderem zu finden sind die Buchtipps: Seit Mai 2003 kürt eine hochkarätige Jury aus unabhängigen LiteraturkritikerInnen und BuchhändlerInnen jeden Monat eine Liste von jeweils zehn empfehlenswerten Buch-Novitäten. Sie soll dem lesehungrigen Publikum die Orientierung im Neuerscheinungs-Dschungel von 90.000 Titeln jährlich erleichtern. Die ORF-Bestenliste Oktober lautet:
- Peter Waterhouse (36 Punkte) NEU
Krieg und Welt, Jung und Jung
- Philip Roth (34 Punkte)
Jedermann, Hanser
- Thomas Glavinic (33 Punkte)
Die Arbeit der Nacht, Hanser
- Wolf Haas (30 Punkte) NEU
Das Wetter vor 15 Jahren, Hoffmann und Campe
- Christoph Ransmayr (24 Punkte) NEU
Der fliegende Berg, S. Fischer
- Evelyn Schlag (22 Punkte)
Architektur einer Liebe, Zsolnay
- Paulus Hochgatterer (18 Punkte)
Die Süße des Lebens, Deuticke
- Andrea Winkler (16 Punkte) NEU
Arme Närrchen, Droschl
- Ex aequo: Bettina Balaka (14 Punkte) NEU
Eisflüstern, Droschl
- Ex aequo: David Mitchell (14 Punkte) NEU
Der Wolkenatlas, Rowohlt


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