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Samstag, Oktober 14, 2006

Bücher im Fernsehen, Samstag 14.10.06


Besprochene Titel:

Val McDermid: Das Moor des Vergessens
Michael Robotham: Amnesie
Silvia Bovenschen: Älter werden
Alfredo Häberli: Design Live
Peter Waterhouse: Krieg und Welt
Philip Roth: Jedermann
Thomas Glavinic: Die Arbeit der Nacht
Wolf Haas: Das Wetter vor 15 Jahren
Christoph Ransmayr: Der fliegende Berg
Evelyn Schlag: Architektur einer Liebe
Paulus Hochgatter: Die Süße des Lebens
Andrea Winkler: Arme Närrchen
Bettina Balaka: Eisflüstern

 

Themen:
Hannah Arendt
ORF-Bestenliste Oktober
Günter Grass vs. FAZ
Literatur-Nobelpreis an Orhan Pamuk
Ermordung der Journalistin Anna Politkowskaja

Programmschema:
06:20 3sat: Kulturzeit
08:00 arte: Kultur
09:00 arte: Kultur
09:00 WDR: west.art
09:05 3sat: Kulturzeit
11:20 arte: Kultur
20:00 arte: Kultur
23:15 Phönix: THEMA: 100. Geburtstag der Philosophin Hannah Arendt
00:30 3sat: Treffpunkt Kultur

 

06:20 3sat Kulturzeit

Wiederholung vom Vortag
Noch einmal geht es um Orhan Pamuk. Verständlich, ist doch der Literatur-Nobelpreis so etwas wie der Oscar des Literaturbetriebs. Aber während wir Deutschen bei der erstbesten Gelegenheit in einen Kollektivrausch geraten - wir sind Papst, wir sind Deutschland, wir sind ...tolle Dritte - zeigt sich die Türkei von "ihrem" Nobelpreis weniger beeindruckt. Eine große türkische Tageszeitung titelte kurz: "Er ist keiner von uns" und unkte weiter, er hätte den Preis ohnehin nur erhalten, weil er so vehement über den Völkermord an den Armeniern schwadroniere. Dabei - sagen andere Experten - würde sich Pamuk in politischen Dingen eher zurückhalten. Denn die halten ihn letztlich nur von dem ab, was er eigentlich will und kann: schreiben. (Mehr zum Thema bei 3sat - inkl. ausführlicher Linktipps)

Gerade noch für Kurzmeldungen gut ist der Streit zwischen Günter Grass und der FAZ. Darüber gabs ja in den letzten Tagen genug zu lesen. Grass behauptet, Schirrmacher wolle ihn mit den Briefabrucken als Schriftsteller demonieren und wehrt sich mit einer einstweiligen Verfügung. Und weil das durchaus noch nachvollzogen werden kann, setzt er einen obendrauf und vergleicht sein derzeitiges Schicksal mit den Demontageversuchen des Literaturkritikers Wolfgang Menzels seinerzeit an Goethe. «Wer kennt heute noch Menzel? Wird man später noch wissen, wer Schirrmacher war?» Für solche Sätze muss man ihn doch einfach lieb haben - oder endgültig für größenwahnsinnig erklären.

Bei den Krimitipps lag ich gestern vollkommen daneben. Sorry an alle, die im Verlauf der Sendung ein wenig irritiert waren. Habe wohl die Tipps des Vormonats noch einmal in die Finger bekommen. Oder 3sat hat geblöfft. Don't know. De facto wurden Val McDermid: Das Moor des Vergessens und Michael Robotham: Amnesie. vorgestellt.

Über Amnesie habe ich an anderer Stelle im Literaturblog bereits ausführlich berichtet. Das Buch habe ich im Lob der Kulturzeit kaum wiedererkannt. Klar: es geht an der Themse los und irgendwann landet der Londoner Inspektor Vincent Ruiz in der Unterwelt, sprich: in der Londoner Kanalisation. Aber daraus einen "Thriller über die Macht des Willens und die Stärke der menschlichen Natur" zu stilisieren, halte ich für sehr gewagt. Es ist ein wunderbar lakonischer, ironischer, harter Krimi zum Thema Pädophilie, schnell und leicht geschrieben. Und wer mehr darüber erfahren will, dem sei meine Rezension mit weiteren Leselinks wärmstens empfohlen.

Von Val McDermids neuem Roman habe ich eben erst erfahren. Das Moor des Vergessens heißt er, und es geht um eine Moorleiche, die aller Wahrscheinlichkeit nach bei der Meuterei auf der Bounty dabei war. Denn der geheimnisvolle Leichnam aus dem Moor ist mit bizarren Tätowierungen aus der Südsee bedeckt. Könnte das Fletcher Christian gewesen sein, der legendäre Anführer der Meuterei auf der Bounty? Ist er heimlich zurückgekehrt, und hat er mit seiner abenteuerlichen Geschichte seinem Jugendfreund, dem berühmten Dichter William Wordsworth, den Stoff für ein verschollenes Meisterwerk geliefert? Die junge Literaturwissenschaftlerin Jane Gresham hat es sich in den Kopf gesetzt, der Sache auf den Grund zu gehen. Sie will das Epos finden, von dessen Existenz sie schon lange überzeugt ist. Doch die möglichen Erben des Gedichts sterben, noch bevor sie mit ihnen reden kann - und Jane selbst begibt sich in tödliche Gefahr. Denn dem Manuskript ist noch jemand anders auf der Spur. Er hat den gleichen Plan - und absolut keine Skrupel ...

 

08:00 arte: Kultur

Wiederholung vom Vorabend.
Kleine Enttäuschung: irgendwie schaffte es Arte Kultur gestern abend, ganz ohne Literaturhinweise auszukommen. Viel Film, ein wenig Tanztheater, eine Prise Musik - aber eben überhaupt kein Beitrag aus der Bücherwelt. Aber wie sagte Higgelti Piggelti Pop so schön? "Es muss im Leben mehr als alles geben!" (Keine Ahnung, wie ich jetzt darauf komme...)



09 :00 arte: Kultur

Wiederholung von 8:00 Uhr

 

09:00 WDR: west.art

Wiederholung vom 12.10.06 (?)

Denis Scheck empfiehlt ein weiteres Mal das Buch "Älter werden" von Silvia Bovenschen, einen ehrlichen und persönlichen Bericht über all das, was das Älter weden eben mit einem macht. Die Publizistin Silvia Bovenschen hat durch ihre Erkrankung an Multipler Sklerose schon sehr früh die Erfahrung gemacht, was es bedeutet, wenn der Körper nicht mehr funktioniert. Ihr Buch "Älter werden" wurde in kurzer Zeit zum Bestseller. Denis Scheck hat sich mit Silvia Bovenschen unterhalten.

Daneben auch hier ein Bericht über Russland und die Pressefreiheit anlässlich der Ermordung der Journalistin Anna Politkowskaja. Und natürlich ein Bericht über den Literatur-Nobelpreis 2006, der am Donnerstag vergeben wurde.

09:05 3sat: Kulturzeit

Wiederholung von 6:20 Uhr

 

10:15 3sat: Kulturplatz

Wiederholung der Kultursendung des Schweizer Fernsehens vom 11.10.2006
Den Buchtipp der Woche, Alfredo Häberlis Design Live, soll man sich auch zeitunabhängig als Videostream auf der SF-Homepage ansehen können. Hat bei meinen spätabendlichen Versuch allerdings nicht funktioniert - und ich war zu müde, um abzuschecken, ob es an mir oder am Sender lag... Sei es drum. Der Schweizer Alfredo Häberli (*1964 in
Buenos Aires) gehört zu den innovativsten und erfolgreichsten zeitgenössischen Designern: Vom Weinglas zum Stuhl, vom Schuh zum Regalsystem – er findet für alles eine elegante Lösung, die Funktionalität und Präzision mit Leichtigkeit und spielerischem Charme verbindet. Das von Studio Achermann einzigartig gestaltete Buch über sein Schaffen geht neue Wege in der Darstellung von Design: Einige der namhaftesten schweizerischen Künstler – Shirana Shahbazi, David Renggli, Walter Pfeiffer, Roman Signer, John M Armleder, Körner Union, Stefan Burger – inszenieren seine Werke. Das Wechselspiel von Fotokunst und Design macht Form, Funktion und Alltagswirkung von Häberlis Objekten in neuer und ungewohnter Weise sichtbar. Essays von Gianni Jetzer und Stefano Casciani beleuchten Häberlis Werk und die Interpretationen der Künstler vertiefend.


11:20 arte: Kultur

Wiederholung von 8:00 Uhr


19:20 3sat: Kulturzeit

Achtung, heute Kulturzeit special mit einem Portrait von Farah Diba-Pahlavi - Erinnerungen einer Kaiserin. Also auch keine Buchthemen!


20:00 arte: Kultur

Die große Kulturwundertüte artes: Keiner weiß, was drin sein wird. Aber es lohnt sich allemal, sie aufzumachen. :-) Wie immer mit einer bunten Mischung aus kulturellen Versatzstücken aller Couleur.

 

23:15 Phönix: THEMA: 100. Geburtstag der Philosophin Hannah Arendt

23.15 - 01.10 Uhr. Der Themenabend beginnt mit der Dokumentation: Hannah Arendt - Ein Mädchen aus der Fremde von Jürgen Miermeister. Anschließend läuft der Beitrag: Zur Person: Porträts in Frage und Antwort - Günter Gaus im Gespräch mit Hannah Arendt.
Neben der deutschen Romantik und einer existenzphilosophischen Auseinandersetzung mit dem jüdischen Dasein befasste sie sich mit dem Totalitarismus. In ihrem Hauptwerk "Origins of Totalitarianism" (auf Deutsch Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, 1955) untersuchte sie die die Verbindung von nationalstaatlichem Totalitarismus und Antisemitismus. Ihre Berichterstattung über den Eichmann-Prozess 1961 in Jerusalem für die Zeitschrift "New Yorker" löste einige Kontroversen aus - nicht zuletzt wegen der Darstellung von Adolf Eichmann selbst. Sie prägte im Hinblick auf Eichmann die Wendung von der "Banalität des Bösen", die zu einem geflügelten Wort wurde. Am 4. Dezember 1975 starb Hannah Arendt in New York.

 

00:30 3sat: Treffpunkt Kultur

Wiederholung vom 09.10.06 (ORF)
Das alte Problem: Eine Sendung, die im ORF 90 Minuten dauert, wird - als Wiederholung gekennzeichnet - bei 3sat auf 45 Minuten gekürzt. Da ich den ORF hier im Hohen Norden nicht empfangen kann, habe ich bisher nicht herausgefunden, wie 3sat das anstellt. Und verweise statt dessen auf die ORF-Homepage vom 09.10., wo die möglicherweise heute wiederholten Beiträge aufgelistet sind.

Dort unter anderem zu finden sind die Buchtipps: Seit Mai 2003 kürt eine hochkarätige Jury aus unabhängigen LiteraturkritikerInnen und BuchhändlerInnen jeden Monat eine Liste von jeweils zehn empfehlenswerten Buch-Novitäten. Sie soll dem lesehungrigen Publikum die Orientierung im Neuerscheinungs-Dschungel von 90.000 Titeln jährlich erleichtern. Die ORF-Bestenliste Oktober lautet:

  1. Peter Waterhouse (36 Punkte) NEU
    Krieg und Welt, Jung und Jung
  2. Philip Roth (34 Punkte)
    Jedermann, Hanser
  3. Thomas Glavinic (33 Punkte)
    Die Arbeit der Nacht, Hanser
  4. Wolf Haas (30 Punkte) NEU
    Das Wetter vor 15 Jahren, Hoffmann und Campe
  5. Christoph Ransmayr (24 Punkte) NEU
    Der fliegende Berg, S. Fischer
  6. Evelyn Schlag (22 Punkte)
    Architektur einer Liebe, Zsolnay
  7. Paulus Hochgatterer (18 Punkte)
    Die Süße des Lebens, Deuticke
  8. Andrea Winkler (16 Punkte) NEU
    Arme Närrchen, Droschl
  9. Ex aequo: Bettina Balaka (14 Punkte) NEU
    Eisflüstern, Droschl
  10. Ex aequo: David Mitchell (14 Punkte) NEU
    Der Wolkenatlas, Rowohlt