Bücher im Fernsehen, Sonntag 22.10.06
| Programmschema: |
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| 09:05 | 3sat: Lyrik für alle |
| 09:15 | BR: Capriccio |
| 09:15 | 3sat: 100 Jahre Hannah Arendt |
| 11:00 | WDR: west.art am Sonntag |
| 11:45 | BR: Lesezeichen |
| 13:15 | BR: Karl Valentin: Weltwitz & Widersinn |
| 14:15 | |
| 18:30 | 3sat: Die Rückkehr der Bücher |
| 23:00 | ARD: ttt-titel, thesen, temperamente |
| 03:30 | ARD: ttt-titel, thesen, temperamente |
09:05 3sat: Lyrik für alle
52. Georg Herwegh (1/2)
Es ist die erste gesprochene Literaturgeschichte der Lyrik im Fernsehen, gestaltet von Autor und Rezitator Lutz Görner und jetzt, mit dem gesteigerten Wissen aus 15 Jahren Bühnenerfahrung, völlig neu in digitaler Bild- und Tonqualität im Breitbildformat und Stereo aufgenommen. Ebenfalls neu sind Bühnenbild, grafische und musikalische Einspielungen.
09.15 BR: Capriccio
"Der kleine Prinz" gehört zu den Meisterwerken der Kinderliteratur
- und spricht mit seinen Parabeln Erwachsene nicht weniger an. Die kleine Rose,
um die sich der Prinz solche Sorgen machte, gab es wirklich. Denn die ganze
Liebe des Autors Antoine de Saint-Exupéry galt seiner Frau Consuelo.
Was ihn im übrigen nicht daran hinderte, Consuela bei jeder Gelegenheit
zu betrügen. So war er eben: seine Leidenschaft galt dem Fliegen und den
Frauen. Und wie fast jede Frau liebte und litt Consuela unter der Situation,
konnte sich nicht trennen, was sie aber nicht daran hinderte, mit Tassen nach
ihrem Prinzen zu zielen. Eine Liebe zwischen Anziehung und Abstoßung.
In Grasse gibt es nun eine Ausstellung mit Fotos aus dem Leben der beiden. Das
Buch zur Ausstellung stammt von José Martinez Fructuoso
und Alain Vircondelet: Antoine
und Consuelo de Saint-Exupéry. Eine legendäre Liebe
heißt es.
09:15 3sat: 100 Jahre Hannah Arendt - Denkerin ohne Geländer
Ein Gespräch mit den Publizisten Marie Luise Knott (Berlin) und Sebastian Hefti (Zürich) aus der SF-Reihe "Sternstunde Philosophie" - Erstsendung 15.10.2006
Denken und Verstehen - das war Hannah Arendts (1906 - 1975)
Lebensmaxime. Verstehen wollte die Philosophin und Publizistin Hannah Arendt
angesichts der Schrecken des 20. Jahrhunderts vor allem die Mechanismen totalitärer
Fundamentalismen. Mit ihrem Buch Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft hat sich die deutsch-jüdische Emigrantin weltweit einen
Namen gemacht. Wie aktuell ist Arendts Theorie und wie wird die große
Denkerin heute gelesen und interpretiert?
Unter anderem darüber diskutieren Arabelle Frey und Michael Pfister mit
Marie Luise Knott und Sebastian Hefti.
11:00 WDR: west.art am Sonntag:
Was schert uns die Moral - Brauchen wir neue Werte?
Möge niemand behaupten, die Moral sei tot. Gut, die alten, hergebrachten
Werte sind mittlerweile ein wenig verschlissen und dienen höchstens noch,
um Orient und Okzident voneinander zu spalten. Aber wer einmal versucht hat,
in einem linken Wohnprojekt mit einer Lidl-Einkaufstasche aufzutauchen, weiß,
das unter der Oberfläche noch immer ein ausgeprägter Sinn für
Werte, für do's and don'ts steckt. So richtig klar ist mir daher nicht,
ob das Projekt Fast
nackt
des Engländers Leo Hickman vor diesem Hintergrund als
Satire oder als Versuch gemeint war, es endlich mal allen Recht zu machen. Ein
Jahr lang wollte er ethisch korrekt leben und hat sich von diversen Fachleuten
dabei beraten lassen. Die Beziehung zu seiner Frau hat es überlebt - aber
es klingt trotzdem stellenweise wie ein irrwitziger Survivaltrip. Mit dem typisch
britischen Humor gewürzt.
Die Buchtipps zur Sendung im Einzelnen:
- Kurt Bayertz: Warum
überhaupt moralisch sein?
Beck'sche Reihe Bd. 1696, 2006
ISBN 3-406-54132-1, Preis: 12,90 Euro - Günter Dux: Moral
und Gerechtigkeit als Problem der Marktgesellschaft
Picus Verlag 2006
ISBN 3-85452-520-6, Preis: 7,90 Euro - Günter Dux: Die
Moral in der prozessualen Logik der Moderne
Warum wir sollen, was wir sollen
Velbrück Wissenschaft 2004
ISBN 3-934730-84-1, Preis: 35 Euro - Leo Hickman: Fast
nackt. Mein abenteuerlicher Versuch, ethisch korrekt zu leben
Pendo 2006
ISBN 3-86612-100-8, Preis: 16,90 Euro - Walter Pfannkuche: Wer
verdient schon, was er verdient?
Fünf Gespräche über Markt und Moral
Reclam Universal-Bibliothek Nr. 18253, 2003
ISBN 3-15-018253-0, Preis: 4,80 Euro - Bertrand Russell: Moral und Politik
Nymphenburger Verlag, 1986
ISBN 348530106X, Preis: ab 7,00 Euro - Gunzelin Schmid Moerr: Geschichte der Ethik
Reclam Universal-Bibliothek Bd. 20304, 2006
ISBN 3-379-20304-1, Preis: 9,90 Euro - Ernst Tugendhat: Vorlesungen über Ethik
Suhrkamp Taschenbücher Wissenschaft 2003
ISBN 3-518-06746-X, Preis: 15 Euro - Bernhard Waldenfels: Schattenrisse der Moral
Suhrkamp Taschenbücher Wissenschaft Bd. 1813, 2006
ISBN 3-518-29413-X, Preis: 13 Euro
11:35 HR: Das Ei als Bücherei
Sein Ruf als kühner Sprachexperimentierer ist legendär: Kaum jemand
hat in seinen Gedichten die Grenzen dessen, was man in der Sprache für
möglich hielt, so konsequent erweitert wie Oskar Pastior.
Jetzt erhält er den Georg-Büchner-Preis, Deutschlands wichtigsten
Literaturpreis, für sein außergewöhnliches Werk. Seine Texte
sind hochartifizielle, exzentrische Sprachkunststücke in kondensierter
Form, formstreng und verspielt zugleich. Im Hanser-Verlag erscheint jetzt Pastiors
literarisches OEuvre in einer Werkausgabe. Anlässlich der Verleihung des
Büchner-Preises am 21. Oktober in Darmstadt stellt Thomas Rautenberg den
Preisträger Oskar Pastior in einem dreißigminütigen Porträt
vor. Posthum, denn Pastior ist wenige Tage vor der Preisverleihung gestorben.
11:45 BR: Lesezeichen
ALFRED BIOLEK: Bio.
Mein Leben
Und noch einmal Biolek. Man kann genüsslich darüber spekulieren, ob
hinter der immens hohen Medienpräsenz nun ein kluges Marketing steht, oder
ob Alfred Biolek durch seine ellenlange Zeit als Showmaster und Talker tatsächlich
so heiß begehrt ist, dass keine Büchersendung ohne ihn auskommt.
Dabei macht Biolek kein Hehl daraus, dass das Buch von dem Ghostwriter Veit
J. Schmidinger geschrieben wurde, dem Bio die Stationen seines Lebens im lockeren
Plauderton erzählte. Und wenn Bio dann tiefsinnig darüber grübelt,
wie er wurde, was er war, kann man sicher sein, dass er den Pfad der familientauglichen
Unterhaltung nie verlässt. Schade eigentlich. (mehr...)
THOMAS HETTCHE IM GESPRÄCH MIT ARMIN KRATZERT: Woraus wir gemacht sind
Armin Kratzert macht sich auf den Weg nach Sulzbach-Rosenfeld, wo das Gespräch
mit Thomas Hettche vor der Kulisse der lange stillgelegten Maxhütte stattfindet.
Hier, im Westen Bayerns, scheint der ideale Ort, um ein Gespräch über
den aktuellen Amerika-Roman Hettches zu führen. Mitten zwischen leeren
Werkshallen mit zugenagelten Fenstern, jeder Menge Schrott und stillgelegten
Hochöfen lässt sich trefflich über den Sinn des Lebens reden.
Denn um den geht es in dem Buch: Ein mit Krimielementen geplotteter Roman über
eine Reise ins eigene Selbst, einmal quer durch Amerika. Das ist Roadmovie,
Thriller, David Lynch und philosophisches Traktat in einem. Und alles mündet
in der einfachen Antwort: Ein Hauch sind wir, mehr nicht. (mehr...)
MARIA ELISABETH STRAUB: Das Geschenk
Wäre sie nicht doch ein wenig älter, man könnte ihr vorhalten,
auf der idealen Welle zu surfen. Auf der Welle, die da heißt: Provokation
durch Religion. Maria Elisabeth Straub hat ein Buch über Maria, die Mutter
Gottes, geschrieben. Und wie es sich für das beginnende 21. Jahrhundert
gehört, zerfetzt sie mit pseudo-wissenschaftlichem Impetus all die Klischees,
an die ohnehin nur sehr hartgesottene Christen glauben. Das der Jungfrauengeburt
zum Beispiel. Endlich gibt Maria zu, fremd gegangen zu sein und die Geschichte
mit dem Heiligen Geist nur erfunden zu haben. Das macht sie menschlich - und
obwohl eigentlich zu erwarten gewesen wären, dass die Kritiker das Buch
zerreißen, weil die Masche nun wirklich ein wenig abgestanden ist, wird
Maria Straub von Lob überhäuft. Ja, so könnte es gewesen sein
vor 2000 Jahren, heißt es allerorten. Der Theologe wundert sich und zuckt
die Schulern. Nun gut, lesen wir also einen neuen Roman über eine starke
Frau, die zu ihren Schwächen steht. (mehr...)
NICHOLAS SHAKESPEARE: In
dieser einen Nacht
Braucht es einen englischen Autor, um uns die DDR zu erklären? Nicholas
Shakespeare war wie alle begeistert von der Maueröffnung, besuchte Berlin
und war sofort davon überzeugt, hier einen Roman anzusiedeln. Damit die
Geschichte halbwegs glaubwürdig würde, ließ er sich all das
erklären, was er nicht verstand. Den Zwang und das Duckmäusertum,
die Rolle der Kunst im emotionalen Widerstand der Bevölkerung, all das
eben, was mit der Mentalität der Bevölkerung zusammen hing. Er bastelte
darum einen Roman, in dem es um genau jenen alltäglichen Widerstand geht:
um versteckte Personen, um die heimliche Liebe zu Dissidenten und deren Frucht.
Die Geschichte zu skizzieren würde den Rahmen sprengen. Wichtiger ist:
der junge Peter, die Hauptfigur, die aus England in die DDR fährt, um dort
auf der Leipziger Buchmesse Theater zu spielen, lernt während seines kurzen
Aufenthalts verstehen, wie die DDR tickte. Und das ist ganz spannend zu lesen
- zumal Shakespeare nicht im Verdacht einer apologetischen Schreibe steht. (mehr...)
13:15 BR: KARL VALENTIN: Weltwitz & Widersinn
Lesezeichen Sondersendung. Ein Film von Franz Xaver Karl
Es ist dem Film abzuspüren, dass Franz Karl den Karl Valentin schätzt.
Er stellt ihn in eine Reihe neben Buster Keaton und Charlie Chaplin. Er erwähnt
Samuel Beckett, Berthold Brecht und Lion Feuchtwanger, und macht so auf das
künstlerische Niveau Valentins aufmerksam. Am gelungensten jedoch scheint
mir, dass er Herbert Achternbusch als Kommentator gewinnen konnte. Eine offene
Hommage an einen Künstler von Welt, der auch heute noch als typisch bayrisches
Phänomen gilt.
14:15 3sat: Lesen! mit Elke Heidenreich
Erstsendung 17.10.2006
Auf gewohnt charmante Art, sehr überzeugend und doch eindringlich präsentiert
Elke Heidenreich ihre letzten Leseabenteuer. Das Publikum liebt sie dafür
- die vorgestellten Bücher finden oft ihren Weg in die Bestsellerlisten.
Ein Grund mehr, die Liste hier zu präsentieren. Nur für den Fall,
dass Sie mitreden wollen...
Als Gast begrüßt sie diesmal Claus Kleber, Moderator und Redaktionsleiter
des heute-journals.
-
Steve Tesich: Abspann
Aus dem Amerikanischen von Heidi Zerning
Kein & Aber, 2006
Gebundene Ausgabe, 576 Seiten
22,80 Euro
ISBN 3-0369-5154-7 - Ugo Riccarelli: Der
vollkommene Schmerz
Aus dem Italienischen von Karin Krieger
Zsolnay Verlag, 2006
Gebundene Ausgabe, 416 Seiten
24,90 Euro
ISBN 3-552-05387-5 - Abdalrachman Munif: Salzstädte
Aus dem Arabischen von Magda Barakat und Larissa Bender
Diederichs Verlag, 2003
Gebundene Ausgabe, 559 Seiten
24,95 Euro
ISBN 3-7205-2425-6 - Max Frisch: Stiller
Suhrkamp, 1997
Broschierte Ausgabe, 432 Seiten
12,00 Euro
ISBN 3-518-39147-X - János Székely: Der
arme Swoboda
Aus dem Englischen von Leon Scholsky
SchirmerGraf Verlag, 2006
Gebundene Ausgabe, 176 Seiten
18,80 Euro
ISBN 3-86555-027-4 - Per Petterson: Pferde
stehlen
Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger
Hörbuch, gelesen von Walter Kreye
6 CDs, 466 Minuten
HörbuchHamburg, 2006
29,90 Euro
ISBN 3-89903-281-0 - John Banville: Die
See
Aus dem Englischen von Christa Schuenke
Kiepenheuer & Witsch, 2006
Gebundene Ausgabe, 224 Seiten
17,90 Euro
ISBN 3-462-03717-X
23:00 ARD: ttt - titel, thesen, temperamente
Junge, wie die Zeit vergeht. 19 Jahre ist es mittlerweile her, dass der rührige
Ministerpräsident Uwe Barschel tot in der Badewanne eines Genfer Hotels
aufgefunden wurde. Die ganze Nation fragte sich damals, ob sich der Politiker
aufgrund seiner auswegslosen politschen Lage selbst liquidierte, oder ob er
schlicht umgebracht wurde. Nach Ende der Untersuchungen stand fest: Hier liegt
offiziell ein Selbstmord vor. Einiges spricht gegen diese These. Und all diese
Fakten, die ein freiwilliges Ableben Barschels unwahrscheinlich erscheinen lassen,
hat der Journalist Wolfram Baentsch in seinem Buch Der
Doppelmord an Uwe Barschel. Die Fakten und Hintergründe
akribisch zusammengefasst. Dort finden sich sog. Ermittlungspannen aufgelistet,
die Baentsch für wenig zufällig hält. Und Fakten zuhauf, wie
der von den Gerichtsmedizinern festgestellte Schlag auf den Hinterkopf Barschels,
das Gift in einer Whiskeyflasche der Hausbar und vieles mehr. Und wenn die Geschichte
auch nicht neu ist, ist sie doch spannend von Wolfram Baentsch aufbereitet.
Soweit ich weiß ist das neue Skandalbuch des Bilderräuber Stéphane
Breitwieser noch nicht auf deutsch erhältlich. Confessions d'un voleur d'art - Bekenntnisse eines Kunstdiebes heißt es, und über
360 Seiten hinweg lässt sich Breitweiser darin aus, wie er in den Ruf gelangt
ist, zum größten Kunsträuber der Kulturgeschichte geworden zu
sein. Etwa 260 Gemälde und andere Kunstgegenstände, die meisten davon
von hohem Bekanntheitsgrad, hat er im Laufe der Jahre mitgehen lassen. Nun erzählt
er, wie er das angestellt hat. Und was er mit den Werken angestellt hat. Denn
ihm ging es nicht um Geld. Er funktionierte statt dessen sein altes Kinderzimmer
zum Minimuseum um - bis seine Mutter daranging, die alten Meister von Dürer
bis Cranach auf den Müll zu werfen, um so ein wenig Platz zu schaffen.
03:30 ARD: ttt - titel, thesen, temperamente
Wiederholung von 23:00 Uhr


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