Shakespeare and more:
Neuerscheinungen und Rezensionen

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Name:Ennka
Location:Hamburg, Germany

Sonntag, Oktober 22, 2006

Bücher im Fernsehen, Sonntag 22.10.06


Besprochene Titel:

J.M. Fructuoso/A. Vircondele: Antoine und Consuelo de Saint-Exupery
Wolfram Baentsch: Der Doppelmord an Uwe Barschel
Stéphane Breitwieser: Confessions d'un voleur d'art
Nicholas Shakespeare: In dieser einen Nacht
Alfred Biolek: Bio. Mein Leben
Maria E. Straub: Das Geschenk
Thomas Hettche: Woraus wir gemacht sind
Steve Tesich: Abspann
Ugo Riccarelli: Der vollkommene Schmerz
Abdalrachman Munif: Salzstädte
Max Frisch: Stiller
János Székely: Der arme Swoboda
Per Petterson: Pferde stehlen
John Banville: Die See
Kurt Bayertz: Warum überhaupt moralisch sein?
Günter Dux: Moral und Gerechtigkeit als Problem der Marktgesellschaft
Günter Dux: Die Moral in der prozessualen Logik der Moderne.
Leo Hickman: Fast nackt. Mein abenteuerlicher Versuch, ethisch korrekt zu leben
Walter Pfannkuche: Wer verdient schon, was er verdient?
Bertrand Russell: Moral und Politik
Gunzelin Schmid Moerr: Geschichte der Ethik
Ernst Tugendhat: Vorlesungen über Ethik
Bernhard Waldenfels: Schattenrisse der Moral


Themen:

Georg Herwegh
Karl Valentin
Hannah Arendt
Oskar Pastior

Programmschema:
09:05 3sat: Lyrik für alle
09:15 BR: Capriccio
09:15 3sat: 100 Jahre Hannah Arendt
11:00 WDR: west.art am Sonntag
11:45 BR: Lesezeichen
13:15 BR: Karl Valentin: Weltwitz & Widersinn
14:15

3sat: Lesen! mit Elke Heidenreich

18:30 3sat: Die Rückkehr der Bücher
23:00 ARD: ttt-titel, thesen, temperamente
03:30 ARD: ttt-titel, thesen, temperamente

 

09:05 3sat: Lyrik für alle

52. Georg Herwegh (1/2)

Es ist die erste gesprochene Literaturgeschichte der Lyrik im Fernsehen, gestaltet von Autor und Rezitator Lutz Görner und jetzt, mit dem gesteigerten Wissen aus 15 Jahren Bühnenerfahrung, völlig neu in digitaler Bild- und Tonqualität im Breitbildformat und Stereo aufgenommen. Ebenfalls neu sind Bühnenbild, grafische und musikalische Einspielungen.

 

09.15 BR: Capriccio

"Der kleine Prinz" gehört zu den Meisterwerken der Kinderliteratur - und spricht mit seinen Parabeln Erwachsene nicht weniger an. Die kleine Rose, um die sich der Prinz solche Sorgen machte, gab es wirklich. Denn die ganze Liebe des Autors Antoine de Saint-Exupéry galt seiner Frau Consuelo. Was ihn im übrigen nicht daran hinderte, Consuela bei jeder Gelegenheit zu betrügen. So war er eben: seine Leidenschaft galt dem Fliegen und den Frauen. Und wie fast jede Frau liebte und litt Consuela unter der Situation, konnte sich nicht trennen, was sie aber nicht daran hinderte, mit Tassen nach ihrem Prinzen zu zielen. Eine Liebe zwischen Anziehung und Abstoßung. In Grasse gibt es nun eine Ausstellung mit Fotos aus dem Leben der beiden. Das Buch zur Ausstellung stammt von José Martinez Fructuoso und Alain Vircondelet: Antoine und Consuelo de Saint-Exupéry. Eine legendäre Liebe heißt es.

 

09:15 3sat: 100 Jahre Hannah Arendt - Denkerin ohne Geländer

Ein Gespräch mit den Publizisten Marie Luise Knott (Berlin) und Sebastian Hefti (Zürich) aus der SF-Reihe "Sternstunde Philosophie" - Erstsendung 15.10.2006

Denken und Verstehen - das war Hannah Arendts (1906 - 1975) Lebensmaxime. Verstehen wollte die Philosophin und Publizistin Hannah Arendt angesichts der Schrecken des 20. Jahrhunderts vor allem die Mechanismen totalitärer Fundamentalismen. Mit ihrem Buch Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft hat sich die deutsch-jüdische Emigrantin weltweit einen Namen gemacht. Wie aktuell ist Arendts Theorie und wie wird die große Denkerin heute gelesen und interpretiert?
Unter anderem darüber diskutieren Arabelle Frey und Michael Pfister mit Marie Luise Knott und Sebastian Hefti.

11:00 WDR: west.art am Sonntag:

Was schert uns die Moral - Brauchen wir neue Werte?
Möge niemand behaupten, die Moral sei tot. Gut, die alten, hergebrachten Werte sind mittlerweile ein wenig verschlissen und dienen höchstens noch, um Orient und Okzident voneinander zu spalten. Aber wer einmal versucht hat, in einem linken Wohnprojekt mit einer Lidl-Einkaufstasche aufzutauchen, weiß, das unter der Oberfläche noch immer ein ausgeprägter Sinn für Werte, für do's and don'ts steckt. So richtig klar ist mir daher nicht, ob das Projekt Fast nackt des Engländers Leo Hickman vor diesem Hintergrund als Satire oder als Versuch gemeint war, es endlich mal allen Recht zu machen. Ein Jahr lang wollte er ethisch korrekt leben und hat sich von diversen Fachleuten dabei beraten lassen. Die Beziehung zu seiner Frau hat es überlebt - aber es klingt trotzdem stellenweise wie ein irrwitziger Survivaltrip. Mit dem typisch britischen Humor gewürzt.
Die Buchtipps zur Sendung im Einzelnen:

 

11:35 HR: Das Ei als Bücherei

Sein Ruf als kühner Sprachexperimentierer ist legendär: Kaum jemand hat in seinen Gedichten die Grenzen dessen, was man in der Sprache für möglich hielt, so konsequent erweitert wie Oskar Pastior.
Jetzt erhält er den Georg-Büchner-Preis, Deutschlands wichtigsten Literaturpreis, für sein außergewöhnliches Werk. Seine Texte sind hochartifizielle, exzentrische Sprachkunststücke in kondensierter Form, formstreng und verspielt zugleich. Im Hanser-Verlag erscheint jetzt Pastiors literarisches OEuvre in einer Werkausgabe. Anlässlich der Verleihung des Büchner-Preises am 21. Oktober in Darmstadt stellt Thomas Rautenberg den Preisträger Oskar Pastior in einem dreißigminütigen Porträt vor. Posthum, denn Pastior ist wenige Tage vor der Preisverleihung gestorben.

11:45 BR: Lesezeichen

ALFRED BIOLEK: Bio. Mein Leben
Und noch einmal Biolek. Man kann genüsslich darüber spekulieren, ob hinter der immens hohen Medienpräsenz nun ein kluges Marketing steht, oder ob Alfred Biolek durch seine ellenlange Zeit als Showmaster und Talker tatsächlich so heiß begehrt ist, dass keine Büchersendung ohne ihn auskommt. Dabei macht Biolek kein Hehl daraus, dass das Buch von dem Ghostwriter Veit J. Schmidinger geschrieben wurde, dem Bio die Stationen seines Lebens im lockeren Plauderton erzählte. Und wenn Bio dann tiefsinnig darüber grübelt, wie er wurde, was er war, kann man sicher sein, dass er den Pfad der familientauglichen Unterhaltung nie verlässt. Schade eigentlich. (mehr...)

THOMAS HETTCHE IM GESPRÄCH MIT ARMIN KRATZERT: Woraus wir gemacht sind
Armin Kratzert macht sich auf den Weg nach Sulzbach-Rosenfeld, wo das Gespräch mit Thomas Hettche vor der Kulisse der lange stillgelegten Maxhütte stattfindet. Hier, im Westen Bayerns, scheint der ideale Ort, um ein Gespräch über den aktuellen Amerika-Roman Hettches zu führen. Mitten zwischen leeren Werkshallen mit zugenagelten Fenstern, jeder Menge Schrott und stillgelegten Hochöfen lässt sich trefflich über den Sinn des Lebens reden. Denn um den geht es in dem Buch: Ein mit Krimielementen geplotteter Roman über eine Reise ins eigene Selbst, einmal quer durch Amerika. Das ist Roadmovie, Thriller, David Lynch und philosophisches Traktat in einem. Und alles mündet in der einfachen Antwort: Ein Hauch sind wir, mehr nicht. (mehr...)

MARIA ELISABETH STRAUB: Das Geschenk
Wäre sie nicht doch ein wenig älter, man könnte ihr vorhalten, auf der idealen Welle zu surfen. Auf der Welle, die da heißt: Provokation durch Religion. Maria Elisabeth Straub hat ein Buch über Maria, die Mutter Gottes, geschrieben. Und wie es sich für das beginnende 21. Jahrhundert gehört, zerfetzt sie mit pseudo-wissenschaftlichem Impetus all die Klischees, an die ohnehin nur sehr hartgesottene Christen glauben. Das der Jungfrauengeburt zum Beispiel. Endlich gibt Maria zu, fremd gegangen zu sein und die Geschichte mit dem Heiligen Geist nur erfunden zu haben. Das macht sie menschlich - und obwohl eigentlich zu erwarten gewesen wären, dass die Kritiker das Buch zerreißen, weil die Masche nun wirklich ein wenig abgestanden ist, wird Maria Straub von Lob überhäuft. Ja, so könnte es gewesen sein vor 2000 Jahren, heißt es allerorten. Der Theologe wundert sich und zuckt die Schulern. Nun gut, lesen wir also einen neuen Roman über eine starke Frau, die zu ihren Schwächen steht. (mehr...)

NICHOLAS SHAKESPEARE: In dieser einen Nacht
Braucht es einen englischen Autor, um uns die DDR zu erklären? Nicholas Shakespeare war wie alle begeistert von der Maueröffnung, besuchte Berlin und war sofort davon überzeugt, hier einen Roman anzusiedeln. Damit die Geschichte halbwegs glaubwürdig würde, ließ er sich all das erklären, was er nicht verstand. Den Zwang und das Duckmäusertum, die Rolle der Kunst im emotionalen Widerstand der Bevölkerung, all das eben, was mit der Mentalität der Bevölkerung zusammen hing. Er bastelte darum einen Roman, in dem es um genau jenen alltäglichen Widerstand geht: um versteckte Personen, um die heimliche Liebe zu Dissidenten und deren Frucht. Die Geschichte zu skizzieren würde den Rahmen sprengen. Wichtiger ist: der junge Peter, die Hauptfigur, die aus England in die DDR fährt, um dort auf der Leipziger Buchmesse Theater zu spielen, lernt während seines kurzen Aufenthalts verstehen, wie die DDR tickte. Und das ist ganz spannend zu lesen - zumal Shakespeare nicht im Verdacht einer apologetischen Schreibe steht. (mehr...)

 

13:15 BR: KARL VALENTIN: Weltwitz & Widersinn

Lesezeichen Sondersendung. Ein Film von Franz Xaver Karl
Es ist dem Film abzuspüren, dass Franz Karl den Karl Valentin schätzt. Er stellt ihn in eine Reihe neben Buster Keaton und Charlie Chaplin. Er erwähnt Samuel Beckett, Berthold Brecht und Lion Feuchtwanger, und macht so auf das künstlerische Niveau Valentins aufmerksam. Am gelungensten jedoch scheint mir, dass er Herbert Achternbusch als Kommentator gewinnen konnte. Eine offene Hommage an einen Künstler von Welt, der auch heute noch als typisch bayrisches Phänomen gilt.

 

14:15 3sat: Lesen! mit Elke Heidenreich

Erstsendung 17.10.2006
Auf gewohnt charmante Art, sehr überzeugend und doch eindringlich präsentiert Elke Heidenreich ihre letzten Leseabenteuer. Das Publikum liebt sie dafür - die vorgestellten Bücher finden oft ihren Weg in die Bestsellerlisten. Ein Grund mehr, die Liste hier zu präsentieren. Nur für den Fall, dass Sie mitreden wollen...
Als Gast begrüßt sie diesmal Claus Kleber, Moderator und Redaktionsleiter des heute-journals.

  • Steve Tesich: Abspann
    Aus dem Amerikanischen von Heidi Zerning
    Kein & Aber, 2006
    Gebundene Ausgabe, 576 Seiten
    22,80 Euro
    ISBN 3-0369-5154-7
  • Ugo Riccarelli: Der vollkommene Schmerz
    Aus dem Italienischen von Karin Krieger
    Zsolnay Verlag, 2006
    Gebundene Ausgabe, 416 Seiten
    24,90 Euro
    ISBN 3-552-05387-5
  • Abdalrachman Munif: Salzstädte
    Aus dem Arabischen von Magda Barakat und Larissa Bender
    Diederichs Verlag, 2003
    Gebundene Ausgabe, 559 Seiten
    24,95 Euro
    ISBN 3-7205-2425-6
  • Max Frisch: Stiller
    Suhrkamp, 1997
    Broschierte Ausgabe, 432 Seiten
    12,00 Euro
    ISBN 3-518-39147-X
  • János Székely: Der arme Swoboda
    Aus dem Englischen von Leon Scholsky
    SchirmerGraf Verlag, 2006
    Gebundene Ausgabe, 176 Seiten
    18,80 Euro
    ISBN 3-86555-027-4
  • Per Petterson: Pferde stehlen
    Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger
    Hörbuch, gelesen von Walter Kreye
    6 CDs, 466 Minuten
    HörbuchHamburg, 2006
    29,90 Euro
    ISBN 3-89903-281-0
  • John Banville: Die See
    Aus dem Englischen von Christa Schuenke
    Kiepenheuer & Witsch, 2006
    Gebundene Ausgabe, 224 Seiten
    17,90 Euro
    ISBN 3-462-03717-X

23:00 ARD: ttt - titel, thesen, temperamente

Junge, wie die Zeit vergeht. 19 Jahre ist es mittlerweile her, dass der rührige Ministerpräsident Uwe Barschel tot in der Badewanne eines Genfer Hotels aufgefunden wurde. Die ganze Nation fragte sich damals, ob sich der Politiker aufgrund seiner auswegslosen politschen Lage selbst liquidierte, oder ob er schlicht umgebracht wurde. Nach Ende der Untersuchungen stand fest: Hier liegt offiziell ein Selbstmord vor. Einiges spricht gegen diese These. Und all diese Fakten, die ein freiwilliges Ableben Barschels unwahrscheinlich erscheinen lassen, hat der Journalist Wolfram Baentsch in seinem Buch Der Doppelmord an Uwe Barschel. Die Fakten und Hintergründe akribisch zusammengefasst. Dort finden sich sog. Ermittlungspannen aufgelistet, die Baentsch für wenig zufällig hält. Und Fakten zuhauf, wie der von den Gerichtsmedizinern festgestellte Schlag auf den Hinterkopf Barschels, das Gift in einer Whiskeyflasche der Hausbar und vieles mehr. Und wenn die Geschichte auch nicht neu ist, ist sie doch spannend von Wolfram Baentsch aufbereitet.

Soweit ich weiß ist das neue Skandalbuch des Bilderräuber Stéphane Breitwieser noch nicht auf deutsch erhältlich. Confessions d'un voleur d'art - Bekenntnisse eines Kunstdiebes heißt es, und über 360 Seiten hinweg lässt sich Breitweiser darin aus, wie er in den Ruf gelangt ist, zum größten Kunsträuber der Kulturgeschichte geworden zu sein. Etwa 260 Gemälde und andere Kunstgegenstände, die meisten davon von hohem Bekanntheitsgrad, hat er im Laufe der Jahre mitgehen lassen. Nun erzählt er, wie er das angestellt hat. Und was er mit den Werken angestellt hat. Denn ihm ging es nicht um Geld. Er funktionierte statt dessen sein altes Kinderzimmer zum Minimuseum um - bis seine Mutter daranging, die alten Meister von Dürer bis Cranach auf den Müll zu werfen, um so ein wenig Platz zu schaffen.

03:30 ARD: ttt - titel, thesen, temperamente

Wiederholung von 23:00 Uhr