Krimiwelt Bestenliste November
Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, dass sich von Monat
zu Monat in der KrimiWelt-Bestenliste nicht viel verändert.
Zwar ist das Jury-System ein völlig anderes als bei der Ermittlung
von Bestsellerlisten, aber auch hier spiegeln sich die Marktgesetze:
Bücher finden einen breiteren Lesekreis und setzen sich durch,
steigen nach oben, dann langsam wieder ab. Wie bei Paulus Hochgatterers
"Die Süße des Lebens", der erst hier auftauchte,
nachdem der Krimi für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde.
Und sich jetzt langsam auf Platz eins erhob. Daneben gibt es aber
auch in diesem Monat drei Neueinsteiger: Neben John le Carré
zwei etwas unbekanntere Autoren: Norbert Holst und Michael Connelly.
Zum Glück beiden mit Leseproben des Verlags ausgestattet.
Sie können sich die Bestenliste bei Bedarf auch als pdf-Datei
herunterladen. Zur ständigen Verfügung sozusagen.
1. Rang (Δ 3)
Paulus Hochgatterer: Die
Süße des Lebens
Deuticke, geb., 294 S., 19,90 €
Hörprobe (Kap. 0) beim Literaturport Leseprobe (Kap. 3) bei Zsolnay
Einem alten Mann wird in einer Winternacht der Kopf zermalmt. Seine
Enkelin verliert ob ihres grausamen Fundes die Sprache.
Gänzlich ungelegen kommt Kriminalkommissar Ludwig Kovacs in
privater Hinsicht dieser Mord zum Jahreswechsel nicht - doch dieser
Tote, darüber macht er sich keine Illusionen, wird ihn länger
beschäftigen.
Ein psychopathischer Familienvater schlägt seine Tochter krankenhausreif,
ein dauerlaufender Benediktinerpater hört Stimmen und eine
junge Mutter glaubt, ihr neugeborenes Kind sei der Teufel.
Das Psychogramm dieser Kleinstadt ist alles andere als beruhigend.
Doch wer ist verantwortlich für die grausame Tat?
(Verlagstext)
Mehr über dieses Buch, inkl. Links zu diversen Rezensionen,
finden Sie hier im Literaturblog.
2. Rang (∇ 1)
Robert Littell: Die
kalte Legende
Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
Scherz, geb., 448 S., 19,90 €
«Martin Odum, ehemaliger CIA-Agent mit verschiedenen Legenden,
lebt als Privatdetektiv in Brooklyn. Aber ist er wirklich Martin
Odum? Oder ist er Dante Pippen, ein IRA-Kämpfer? Oder der zwielichtige
Waffenhändler Lincoln Dittmann?
Eines Tages erteilt ihm die junge, attraktive Russin Stella Kastner
einen Auftrag, der ihn nach Israel führt. Dort holt ihn eine
Vergangenheit ein, von der er nichts weiß. Er steht vor einem
unlösbaren Dilemma: Wenn er sich erinnert, ist er tot. Wenn
er sich nicht erinnert, ebenfalls...»
(Verlagsinformation)
(mehr zum Buch, inkl. Links zu Hör- und Leseproben und weiteren Rezenisionen hier im Literaturblog)
3. Rang (*)
John
le Carré: Geheime Melodie
Aus dem Englischen von Sabine Roth und Regina Rawlinson
List, geb., 415 S., 22,00 €
London/ Nordseeinsel: Bruno Salvador führt in London ein ruhiges Leben als Dolmetscher. Bis er einen Auftrag vom Britischen Geheimdienst erhält. Für zwei Tage wird er an einen geheimen Ort gebracht. Er dolmetscht eine inoffizielle Konferenz, an der auch afrikanische Politiker teilnehmen. Auf dem Spiel steht die Zukunft des Kongo. Doch die krisengeschüttelte und an Rohstoffen reiche Region ist Brunos Heimat. Bahnt sich in dem fernen Land eine Katastrophe an? Gemeinsam mit seiner jungen Geliebten Hannah sucht Bruno Verbündete, die mit ihm für eine demokratische Zukunft des Kongo streiten. Doch plötzlich werden Hannah und er zu Gejagten, denn in Brunos Besitz befinden sich wertvolle Dokumente ... (Verlagstext)
Rezensionen finden Sie bei: Freitag, Morgenpost, SZ,Weltwoche, WZ, NDR, Ö1, RBB, SWR, WDR2, Titel-Magazin
4. Rang (Δ 6)
Frank Göhre: Zappas
letzter Hit
Pendragon, TB, 234 S., 9,90 €
Der St. Pauli Killer „Zappa" hat seine Frau und sich in der Haftzelle getötet. Die spektakuläre Tat ist längst Geschichte. Doch Zappas Tochter kann das damalige Geschehen nicht vergessen. Sie glaubt, dass ihr Vater Opfer eines Verrats geworden ist. Sie will ihn rächen. Ihr Vorhaben aber überkreuzt sich mit den Aktivitäten der seinerzeit mit den Fall betreuten Beamten. Der eine fahndet nach dem flüchtigen Fahrer, der seine Tochter lebensgefährlich verletzt hat. Der andere stößt auf eine für ihn noch undurchsichtige Verbindung zwischen seiner Geliebten und dem Hamburger Innensenator. Bei dem Dritten, der inzwischen ein Nobelrestaurant betreibt, verknüpfen sich die Fäden und bringen schließlich die Erkenntnis, dass „Zappa" - ein berüchtigter Auftagskiller (Hitman) - wesentlich mehr wusste, als er ausgesagt hat. Dieses Wissen wird zu seinem letzten Hit - die Spur führt zu den wahren Tätern. Aber sie sind nicht die Einzigen, die im expandierenden Hamburg in die Enge getrieben und ausgeschaltet werden sollen. (Verlagstext)
Rezensionen: Hamburger Abendblatt, Kaliber 38
5. Rang (= 5)
Louise Welsh: Der Kugeltrick
Aus dem Englischen von Ruth Keen
Kunstmann, geb., 400 S., 19,90 €
William Wilson, Zauberer, ist ziemlich am Ende, als ihm einige Gigs in einem Berliner Cabaret angeboten werden. Es ist zwar kein besonders lukrativer Job, aber er wird dort wenigstens keinem Zuschauer aus seiner letzten Show in London begegnen, einem Auftritt, den er am liebsten aus seinem Leben streichen würde. Den er vergessen muss. Vergessen vor allem die beiden, die jetzt tot sind. Unter den Showgirls und den kleinen Gaunern der Berliner Szene kann er erst mal abschalten. Doch dann lässt er sich auf einen riskanten Nebenjob ein, und sein Leben gerät völlig aus der Bahn. »Der Kugeltrick« ist ein großartiger Thriller, in dem Louise Welsh den verblichenen Glamour der kleinen Varietétheater heraufbeschwört, die Leser in die schäbigen Kneipen Glasgows, in die Clubs von Soho, die Berliner Hinterhöfe mitnimmt und den dramatischen inneren Konflikt eines Mannes erzählt, der mit einer Schuld kämpft, die er unschuldig auf sich geladen hat. (Verlagstext)
Rezensionen finden Sie bei: Deutschlandradio (Audio-File), NDR Kultur, arte, Titel-Magazin,
6. Rang (Δ 7)
Pete Dexter: Train
Aus dem Englischen von Jürgen Bürger
Liebeskind, geb., 400 S., 22,00 €
Los Angeles, 1953: Brookline ist einer der exklusivsten Golfclubs der Stadt.
Die Fairways sind grün, die Mitglieder weiß, die Caddies schwarz.
So auch Lionel Walk, genannt »Train«, der ein außergewöhnliches
Talent fürs Golfen hat. Das erkennt auch Detective Miller Packard vom LAPD,
der regelmäßig in Brookline spielt. Als Packard einen Fall übernimmt,
in den zwei Caddies des Clubs verwickelt sind, nimmt das Schicksal seinen verhängnisvollen
Lauf. Ein reicher Mann wird erschossen, seine jüngere Ehefrau Norah brutal
vergewaltigt. Packard verliebt sich in Norah, zieht kurze Zeit später bei
ihr ein und nimmt auch Train unter seine Fittiche. Doch Miller Packards Zuwendung
hat einen hohen Preis ...
Mit seiner prägnanten, eindringlichen Sprache hat Pete Dexter einen großen
Roman geschrieben, der in der Tradition des Noir steht, aber mit den Konventionen
des Genres bricht. »Train« ist ein atmosphärisch dichter, verstörender
Roman mit Szenen und Figuren, die man nicht mehr vergißt. (Verlagstext)
Rezensionen: 3sat, Alligatorpapiere, Buchwurm, Powell.com
7. Rang (∇ 4)
Friedrich Ani: Idylle
der Hyänen
Zsolnay, geb., 350 S., 19,90 €
Leseprobe
bei Zsolnay Hörprobe
bei Zsolnay
Eine Tiefgarage, ein Kellerabteil, ein alter Schrank. Darin zusammengekrümmt
eine tote Frau in einem grünen Sommerkleid. Die Frau ist schnell identifiziert,
doch wo ist ihre kleine Tochter? Und wer hat sie umgebracht? Ist es möglich,
dass ein Mörder gemordet hat, um das Kind des Opfers zu retten? Für
den Münchner Kommissar Polonius Fischer gibt es keine Routine. Nicht erst
seit er seine Mönchskutte abgelegt hat, zählt für ihn vor allem
eines: das Rätsel des Bösen.
Friedrich Anis Roman erzählt die Suche nach den Gründen eines Verbrechens
als Suche nach den dunkelsten Kräften des menschlichen Handelns.
(Verlagstext)
Rezensionen: Hamburger Abendblatt, Merkur (mit Interview), Stuttgarter Zeitung, Der Spiegel, Hinternet, Literatur-fast-pur, Netzeitung
8. Rang (∇ 2)
Michael Robotham: Amnesie
Aus dem Englischen von Kristian Lutze
Goldmann, geb., 448 S., 19,95 €
«Mit Schusswunden im Bein, einem abgeschossenen Finger und halb ertrunken
wird Detective Inspector Vincent Ruiz in ein Londoner Krankenhaus eingeliefert,
wo er Tage lang im Koma liegt. Als er das Bewusstsein wiedererlangt, fängt
sein Alptraum aber erst an. Denn er kann sich an nichts mehr erinnern. Offenbar
war er an Bord eines Schiffs auf der Themse in einen Schusswechsel verwickelt.
Auf dem Boot hat man sein Blut gefunden – aber auch das von drei weiteren
Beteiligten, von denen jede Spur fehlt. Einziger Hinweis für Vincent Ruiz
ist das Foto eines Mädchens, das er von früher kennt. Denn Mickey
Carlyle war drei Jahre zuvor entführt worden, und Vincent Ruiz hatte damals
vergeblich in dem Fall ermittelt. Mit Hilfe des Psychologen Joe O‘Loughlin
gelingt es Vincent Stück für Stück, Teile seines Erinnerungsvermögens
zurück zu gewinnen. In ihm beginnt der Verdacht zu keimen, dass Mickey
noch am Leben ist und in höchster Gefahr schwebt …»
(Verlagsinfo)
(mehr zum Buch, inkl. Links zu Leseproben und weiteren Rezenisionen hier im Literaturblog)
9. Rang (*)
Norbert Horst: Blutskizzen
Goldmann, TB, 384 S., 7,95 €
Irgendwo in NRW: Ein älterer Mann wird tot in einem Müllcontainer gefunden - er ist nackt und gefesselt. Schon bald kann Kommissar Kirchenberg einen Verdächtigen festnehmen, einen Mann, der vor 22 Jahren wegen Raubmordes verurteilt wurde, aber heute ein bürgerliches Leben führt. Unterstützung erhält Kirchenberg von einem auf Serienmörder spezialisierten Kollegen von der Operativen Fallanalyse, der glaubt, der mutmaßliche Täter sei auch für zwei Morde aus früheren Jahren verantwortlich. Aber die Zeit drängt, denn der Haftrichter droht, den Verdächtigen nach einer Haftbeschwerde wieder freizulassen ... (Verlagstext)
Ein Interview mit Norbert Horst finden Sie bei den Alligatorpapieren.
10. Rang (*)
Michael Connelly: Vergessene
Stimmen
Aus dem Amerikanischen von Sepp Leeb
Heyne, geb., 480 S., 19,95 €
Los Angeles: Als ernüchterter Zyniker hatte Harry Bosch den
Polizeidienst beim Los Angeles Police Department quittiert. Drei
Jahre später holt ihn der neue Polizeichef zurück, als
Detective einer gerade gegründeten Abteilung, die sich exklusiv
den ungelösten Mordfällen der Stadt widmet. Gemeinsam
mit seiner früheren Partnerin Kiz Rider nimmt Harry Bosch die
Arbeit auf. Bereits ihr erster Fall wird zur Feuerprobe für
den Detective. Eine DNA-Probe scheint den Mörder einer 16-jährigen
Schülerin zwanzig Jahre nach der grauenvollen Tat zu überführen.
Doch die Beweise reichen nicht aus. Bosch, der sich der Familie
des jungen Opfers verpflichtet fühlt, beginnt mit einer minutiösen
Rekonstruktion der Ereignisse. Je mehr Puzzleteilchen er zusammensetzt,
desto größer wird der Widerstand innerhalb der eigenen
Reihen. Harry Bosch bleibt hartnäckig, doch offenbaren seine
Ermittlungen bald menschliche Abgründe, die ihn bis ins Mark
erschüttern. Mit "Vergessene Stimmen" eroberte Bestsellerautor
Michael Connelly erstmals Platz eins der "New York Times"-Bestsellerliste.
(Verlagstext)
Labels: Literaturbetrieb


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