Bücher im Fernsehen, Donnerstag 02.11.06
| Besprochene Titel: C.K. Prahalad: Der Reichtum der
Dritten Welt
Thema: Warum es keine großen Denker mehr
gibt? |
| Programmschema: |
|
| 08:00 | arte: Kultur |
| 09:00 | arte: Kultur |
| 09:05 | 3sat: Kulturzeit |
| 11:20 | arte: Kultur |
| 15:45 | 3sat: Schriftsteller der Welt: Antoine de Saint-Exupéry |
| 19:15 | 3sat: Kulturzeit |
| 20:00 | arte: Kultur |
| 22:05 | MDR: artour |
| 22:15 | RBB: Stilbruch |
| 22:30 | WDR: west.art |
| 22:30 | BR: capriccio |
| 23:00 | ZDF: Johannes B. Kerner |
| 23:15 | Das Erste: Wickerts Bücher |
| 01:55 | 3sat: Kulturzeit |
| 02:10 | SWR: Leute night |
| 02:20 | MDR: artour |
| 03:25 | ZDF: Johannes B. Kerner |
08:00 arte: Kultur
Wiederholung von gestern abend
Spannend zu beobachten ist die immer stäkere Verschmelzung verschiedener
Kunstgattungen. So werden immer häufiger Bücher durch ihre Verfilmungen
wieder in den Blickpunkt des Interesses gerückt. So bei dem erotischen
Klassiker "Lady
Chatterley"
von D.H. Lawrence, der jetzt von der Französin Pascale
Ferran neu verfilmt wurde. arte Kultur zeigt Ausschnitte aus der sehr poetischen
und ästhetischen Verfilmung und unterhält sich mit der Regisseurin.
Der Film ist heute in Frankreich gestartet. Von dort aus dauert es leider meist
noch ein halbes bis ganzes Jahr, bis er synchronisiert ist und in die deutschen
Kinos gelangt.
Ganz ähnlich steht es um die Biografie "Marie
Antoinette"
von Antonia Fraser, die ohne die sehr moderne filmische Umsetzung durch Sofia
Coppola mit einiger Wahrscheinlichkeit ein Insiderbuch geblieben wäre,
beschreibt Fraser das Schicksal dieser Frau zwar einfühlsam, aber ohne
große Emotionen. Vor allem aber entwirft sie das lebendige und anschauliche
Portrait eines Landes an einem historischen Wendepunkt, während für
Coppola die französische Revolution lediglich die Matrix für die sehr
modern umgesetzte Geschichte einer enttäuschten und sich in die Genusssucht
steigernden jungen Frau ist. Der Film startet morgen in den deutschen Kinos.
Auch von diesem Film zeigt arte einige kurze Ausschnitte.
09:00 arte: Kultur
09:05 3sat: Kulturzeit
Wiederholung vom 31.10.06
Bringt man die Frage: "Warum es keine großen Denker mehr gibt?" auf den Punkt, so lautet die Antwort wohl: sie haben keine Zeit mehr, die Denker. Sie sind so beschäftigt mit Geldverdienen, Interviews und Feuilleton, dass ihnen schlicht die Zeit für den großen philosophischen Wurf fehlt. Dies zumindest ist die Theorie von Hans Ulrich Gumbrecht, Literaturwissenschaftler an der University of California, Stanford. Und ein wenig hört man aus seiner Stimme während des Kulturzeit-Interviews heraus, er würde sich ganz gern mal eine Weile nach Königsberg zurückziehen wie einst Kant - wenn dies nicht mittlerweile auch völlig vernetzt wäre. Die Globalisierung frisst ihre Denker. (mehr zum Thema auf der Homepage von 3sat Kulturzeit)
Eine Idee zur Linderung der Weltarmut, die sogar als nobelpreiswürdig
erachtet wurde, hat der indische Wirtschaftsprofessor C.K. Prahalad
nun entwickelt. Warum nicht die Global Player, die mächtigsten Industriefirmen,
auf die Dritte Welt loslassen? So besitzt zum Beispiel in Indien derzeit noch
kaum ein Einwohner der ländlichen Regionen ein Handy. Was für ein
Absatzmarkt. Ganz so zynisch, wie dies zunächst klingt, meint Prahalad,
der jetzt sein Buch Der
Reichtum der Dritten Welt. Armut bekämpfen, Wohlstand fördern, Würde bewahren
vorstellt, gar nicht. Im Gegenteil: er hält die Partizipation der Armen
am Weltmarkt für die effektivste Idee, deren Not zu lindern. (mehr zum
Thema auf der Homepage
von 3sat Kulturzeit)
Kurz vorgestellt wurde daneben der Bildband Indien einst und jetzt, der eindrucksvoll Bilder aus
Indiens Vergangenheit und Gegenwart gegen einander stellt. Die reiche Vergangenheit
des Subkontinents ersteht in zum Teil noch nie gesehenen historischen Fotos
sichtbar und auch die vielgestaltige farbige Gegenwart wird in all ihren Facetten
lebendig. Namhafte indische Journalisten führen uns in kenntnisreichen
Reportagen durch die Zeit: Ein Buch das Indien zeigt wie es war und wie es ist!
11:20 arte: Kultur
11.45 RBB: Menschen bei Maischberger
Wiederholung vom Dienstag
Thema: "Sanfte Medizin: Fortschritt oder falsche Hoffnung?"
Die Autorin des Stiftung-Warentest-Ratgebers "Die
Andere Medizin. "Alternative" Heilmethoden für Sie bewertet"
Krista Federspiel warnt vor alternativen Heilmethoden. "Die
meisten Anwendungen haben keine Wirkung, manche sind sogar gefährlich",
kritisiert die Medizinjournalistin aus Wien.
Der ehemalige Präsident der Berliner Ärztekammer Ellis Huber
geht seit Jahren mit seinen Berufskollegen hart ins Gericht. "Den meisten
Ärzten geht es nicht ums Heilen", sagt der Bestsellerautor ("Die
Gesundheits-Revolution. Radikale Wege aus der Krise - was Patienten wissen müssen
").
Für viele Mediziner seien Patienten nur Nummern in der Abrechnungskartei.
Ellis lobt alle Ärzte, die anstatt nur Tabletten zu verschreiben auch sanfte
Medizin, Naturheilmethoden und psychologische Ansätze nutzen.
Zugeschaltet ist Michael Degen. Ohne mutige Mitmenschen hätten
der Schauspieler und seine Mutter den Holocaust nicht überlebt. Degen zählt
zu den knapp 1400 Berliner Juden, die den Nationalsozialismus versteckt überstanden.
Am Mittwochabend zeigt Das Erste die Verfilmung seiner Autobiographie "Nicht
alle waren Mörder".
"Es ist eine Hommage an die Menschen, die meiner Mutter und mir das Leben
gerettet haben", so Degen.
15:45 3sat: Schriftsteller der Welt: Antoine de Saint-Exupéry
Erstsendung 1.11.1988
Die Werke des Fliegerpoeten Antoine de Saint-Exupéry
(1900 - 1944) sprechen unmittelbar vom eigenen Erleben. Sie erzählen von
Situationen der Gefahr und der Bewährung - sei es beim Flug über die
Anden, bei Notlandungen in der Wüste oder bei gefährlichen Nachtflügen.
1944 wird de
Saint-Exupéry
bei einem Einsatz für die Aufklärungsstaffel abgeschossen und stürzt
in der Nähe von Korsika ins Meer.
Martin Schliessler zeichnet die wichtigsten Lebensstationen Antoine de Saint-Exupérys
nach.
19:15 3sat: Kulturzeit
Mittlerweile bin ich ein wenig skeptisch, was die Vorankündigungen auf der Homepage des Senders angeht. Die Themen der Sendung werden dort meist erst im Laufe des Tages bekannt gegeben.
"Ein One-Night-Stand ist vollkommen okay, weil man sowieso nicht wissen
kann, ob man am nächsten Tag noch lebt." Chinas bekanntester Erotik-Star
Bai Ling und die Autorin Wei Hui Den betreiben öffentlich
einen intimen Diskurs. Sie lieben es, zu provozieren, denn sie wissen: Sex sells,
und Sex ist Politik in China. Gemeinsam arbeiten sie nun an der Verfilmung von
Huis Roman "Shanghai
Baby".
Bai Ling spielt die Hauptrolle, Wei Hui schrieb das Drehbuch. Ihre gleichnamige,
semibiografische Romanvorlage war 1999 ein Skandal in China und wurde wegen
allzu freizügiger Schilderungen verboten. Weltweit erschien der Roman in
35 Sprachen. Der Westen liebt, was Pekings Führer hassen. Davon ist auch
der deutsche Produzent Berengar Pfahl überzeugt. Er hat die Filmrechte
erworben.
20:00 arte: Kultur
arte Kultur ist ohnehin zu spontan in seiner Programmplanung, um schon im Vorweg seine Themen für den Abend festzulegen.
22:05 MDR: artour
Wie glücklich waren die Menschen im Arbeiter- und Bauernparadies wirklich?
Die DDR gehörte zu den Staaten, in denen überdurchschnittlich viele
Menschen durch eigene Hand starben. Im weltweiten Vergleich der Selbsttötungsraten
nahm der »erste sozialistische Staat auf deutschem Boden« einen
Spitzenplatz ein.
Der Leipziger Historiker und Biochemiker Udo Grashoff hat mehrere
tausend Suizidfälle ausgewertet und fertigte mit In
einem Anfall von Depression ... Selbsttötungen in der DDR
erstmalig eine Analyse des Selbstmordgeschehens für die gesamte Zeit der
DDR an. Dabei zeigt er unterschiedliche Arten im Umgang mit Selbsttötungen
auf und geht auf entsprechende Entwicklungen im medizinischen Bereich ein. Zugleich
behandelt er den durch Partei und Staat vorgegebenen ideologischen Diskurs dazu
und die damit verbundenen kulturellen Praktiken. Der Zusammenhang zwischen Repression
und Suiziden wird anhand von bisher unveröffentlichtem statistischem Material
wissenschaftlich erörtert. (Leseprobe
beim Verlag ansehen)
22:15 RBB: Stilbruch
Die digitale Bohème, was ist damit bloß gemeint? Die Autoren Holm
Friebe und Sascha Lobo beschreiben in ihrem Buch einen
völlig neuen Typus Arbeitnehmer: ohne Arbeitsvertrag, ohne Festanstellung
verwirklichen sie völlig selbstbestimmt eigene Projekte. Wichtigstes Werkzeug
hierfür: moderne Technologien wie das Internet. Die digitale Boheme repräsentiert
die mutigere Alternative: Immer mehr junge Kreative entscheiden sich für
das Leben in Freiheit. Ihr Hauptziel ist nicht das Geldverdienen, sondern ein
selbstbestimmter Arbeitsstil, der den eigenen Motiven folgt - in unsicheren
Zeiten vielleicht die überlegene Strategie. Denn ihre enge Einbindung in
soziale, künstlerische und digitale Netzwerke bringt ständig neue,
teilweise überraschende Erwerbsmöglichkeiten mit sich. Sie schalten
Werbebanner auf ihren Websites, handeln mit virtuellen Immobilien, lassen sich
Projekte sponsern oder verkaufen eine Idee an einen Konzern. Ihre Produkte und
ihre Arbeitsweise verändern den Charakter der Medien und des Internets,
bald auch den der Gesellschaft. Holm Friebe und Sascha Lobo porträtieren
in ihrem aktuellen Buch "Wir nennen es Arbeit" die digitale Boheme:
Sie stellen erfolgreiche Konzepte und innovative Ansätze vor und erklären
wirtschaftliche, technische und soziale Entwicklungen und Hintergründe.
Ihre spannende Analyse einer zukunftsgewandten Daseinsform inspiriert dazu,
so zu arbeiten, wie man leben will.
Musik und Mode statt Heiliger Krieg... Gibt es eine neue Bewegung des Pop-Islamismus?
Die Autorin Julia Gerlach entwickelt ein differenziertes Bild
von der neuen islamische Jugendbewegung und ihren politischen Vorstellungen.
"Zwischen
Pop und Dschihad"
heißt ihr neues Buch, in dem sie eine Jugendszene beschreibt, die sich
als Gegenpol zu Al Qaida versteht: statt langer Bärte und Schleier trägt
man Jeans und modische Kopftücher. An die Stelle von Terror sollen Fortschritt
und Integration in die westlichen Gesellschaften treten. Die Stars dieser Pop-islamischen
Bewegung sind Prediger, Musiker und Talkmaster. Sie regen die Jugendlichen dazu
an, sich in der modernen Gesellschaft zu behaupten, zu engagieren und zugleich
die Regeln eines konservativen Islams zu be folgen.Julia Gerlach hat über
Jahre in muslimischen Gruppen Deutschlands und der islamischen Welt recherchiert
und zeichnet ein differenziertes Bild von der neuen Jugendbewegung und ihren
politischen Vorstellungen. Sie plädiert vehement für eine Deeskalation
in der öffentlichen Diskussion, für den Abbau der Konfrontation und
eine Kooperation mit all jenen Kräften, die sich deutlich von der Gewalt
distanzieren.
22:30 WDR: west.art
"Emoticon", so heißen die kleinen Zeichen, mit denen im Internet-Mail-Verkehr
Gefühle ausgedrückt werden. Mit "Emoticons" lockt Aischa,
Hauptfigur von Jessica Durlachers Roman, den jungen Israeli
Daniel in eine tödliche Falle. west.art über ein eindringliches und
verstörendes Buch zum israelisch-palästinensischen Konflikt.
22:30 Bayern3: Capriccio
Heute laut Programmvorschau ohne Buchbesprechungen.
23:00 ZDF: Johannes B. Kerner
"Leute heute"-Moderatorin Nina Ruge ist "schon
lange auf dem Weg der Sinnsuche". Als Kind habe die 50-Jährige keine
Antworten in der heiligen Schrift gefunden und erklärt nun in ihrem neuen
Buch "die
schönsten biblischen Geschichten":
»Jetzt müssen wir natürlich erfahren, wie es Adam und Eva erging
in ihrem Paradies, wo sie Tiere hüten, Pflanzen anbauen und ihre Früchte
verzehren sollten. Wo alles friedlich war und harmonisch. Wo Gott nahe und jeder
glücklich war. Wo es so war, wie man sich das in den schönsten Träumen
ersinnt.«
»Alles wird gut« ist ihr Lebensmotto, »Alles hat seinen Sinn«
würde laut eigener Aussage noch besser passen. So ist das neue Buch von
Nina Ruge folgerichtig eine Sammlung der schönsten Bibelgeschichten: warmherzig,
spannend und kindgerecht von ihr neu erzählt. Dank der ihr eigenen ausdrucksstarken
und modernen Sprache lässt Nina Ruge die Welt der Bibel für Kinder
von heute lebendig werden.
23:15 Das Erste: Wickerts Bücher
Rechtzeitig zum Beginn der dunklen Jahreszeit präsentiert Ex-„Tagesthemen“-Moderator
Ulrich Wickert in seiner Sendung „Wickerts Bücher“ Neues zum
Thema Kriminalromane. Seine Gäste sind die Krimi-Autoren Anne Chaplet
(„Sauberer
Abgang“)
und Friedrich Ani („Idylle
der Hyänen
“).
Dritter Gast ist der Schauspieler Henry Hübchen, der einem breiteren Publikum
als Kommissar in der Serie „Polizeiruf 110“ bekannt geworden ist,
und der in den Bestseller-Verfilmungen des Krimi-Autors Veit Heinichen
den Triester Commissario Proteo Laurenti spielt. Zwei Romane sind bereits verfilmt:
"Die Toten vom Karst" und "Gib jedem seinen eigenen Tod
".
01:55 3sat: Kulturzeit
Wiederholung von 19:20 Uhr
02:10 SWR: Leute night
Hilmar Thate ist einer der großen des deutschsprachigen
Theaters. Seit 50 Jahren steht er auf der Bühne, spielt große Rollen
auf den bedeutenden deutschsprachigen Bühnen. Dazu stand und steht er immer
wieder für Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera. Und: Hilmar Thate
ist ein politischer Mensch. Weil er sich für Wolf Biermann einsetzte, musste
er 1980 die DDR verlassen. Nun hat er seine Autobiografie veröffentlicht:
Neulich,
als ich noch Kind war
heißt sie. Seine Geschichten beschreiben Geschichte.
Den frühen Lebenshintergrund bilden Nazizeit, Krieg, Nachkriegszeit, das
Gesellschaftsexperiment DDR, auch die Humanisierung des Theaters. Am Brecht-Theater
entwickelt er eine gestische Spielweise, die zur Auseinandersetzung mit der
Wirklichkeit herausfordert. Er begreift sich als politischer Schauspieler, der
seinen Figuren Leidenschaft und Energie verleiht. Wünsche, Träume,
Sehnsüchte und Visionen bestimmen sein Leben. Wenn Hilmar Thate zurückblickt,
dann mit den neugierigen Kinderaugen von einst, die die Welt hinter Halle suchten
und später beim ersten Besuch der Mutter Courage – mit einer Freikarte
von Brecht – großes Theater entdeckten.
02:20 MDR: artour
Wiederholung von 22:05 Uhr
03:25 ZDF: Johannes B. Kerner
Wiederholung von 23:00 Uhr


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