Detlef B. Blettenberg: Land der guten Hoffnung
Pendragon, geb., 320 Seiten, 19,90 €
»Land der guten Hoffnung« beginnt ohne Schnörkel. Der Berliner Privatdetektiv Helm Tempow erhält den Auftrag, einen ehemaligen Entführer zu suchen, der sich aller Voraussicht in der südafrikanischen Westkap-Provinz aufhält. Da das Westkap groß ist, ist auch die Gage dementsprechend. Ohne viele Fragen zu stellen, macht sich Tempow auf den Weg.
Die Geschichte ist klassisch gradlinig erzählt. Der Privatdetektiv Tempow, der seine Erlebnisse in der ersten Person berichtet, findet erste Kontakte, hangelt sich von Informant zu Informant, bis er schließlich dem Gesuchten gegenübersteht. Ärgerlicherweise sterben die Informanten meist, kurz nachdem sie ihr Wissen haben weitergeben können. Und auch der Gesuchte überlebt seine Entdeckung nicht.
Zu den Klischees, mit denen Blettenberg spielt, gehört die geheimnisvolle Blonde, die immer wieder Tempows Weg kreuzt. Diese wird sich später als das ehemalige Entführungsopfer, die Hamburger Reederstochter Rena Carstens entpuppen, die ein ganz eigenes Interesse daran hat, ihren Entführer wieder zu finden. So heftet sie sich an Tempow, was allerdings für die Recherche selbst kaum Auswirkungen hat.
Zu den interessanteren Plottwists gehört, dass Tempow den Gesuchten bereits nach der Hälfte des Buches findet. Denn damit ist sein Auftrag offiziell erledigt. Inzwischen ist ihm jedoch längst klar geworden, dass die Dinge in Wirklichkeit anders liegen. Der Drahtzieher der Entführung ist mit dem Gesuchten in keiner Weise identisch. Und die schöne Entführte weiß dies natürlich. So deckt Tempow allmählich die politisch motivierten Hintergründe jener Entführung auf.
Blettenberg ist für seine Romane mit Preisen überhäuft worden.
Den Deutschen Krimipreis erhielt er gleich drei Mal (1989, 1995, 2004), für
seinen Erstlings-Roman »Weint nicht um mich in Quito« gab es 1981
den Edgar-Wallace-Preis. Ich gehe allerdings davon aus, dass »Land der guten Hoffnung« ohne solche Auszeichnung bleiben wird.
Zu langsam nimmt der Roman an Fahrt auf. So gibt es keinen vernünftigen Grund, warum Tempow, nachdem er den Auftrag erhält, erst einmal ein paar Tage Haussitting in Berlin macht, bevor er seine Reise antritt. Und auch in Südafrika schildert Blettenberg immer wieder seitenlang, wie Tempow – auf seine nächste Verabredung wartend – mit Sightseeing seine Zeit vertreibt, statt die Handlung voran zu treiben. Die Absicht, damit Atmosphäre aufzubauen, mag lobenswert sein. Bleibt die Frage, warum Blettenberg dies nicht im Rahmen der eigentlichen Handlung gelingen mag.
Der politische Hintergrund der Tat wird berichtet und mit ein paar gruseligen Bildern belegt. Darauf, Zusammenhänge aufzuzeigen und die politische Situation in Südafrika transparent zu machen, verzichtet Blettenberg jedoch weitestgehend. So entsteht der Verdacht, dass ANC und das Ende der Apartheid zu wenig mehr als zum Namedropping dienen. Ganz ähnlich auch die südafrikanische Küste, die zumeist aus der Perspektive des Touristen gezeigt wird. Damit kratzt Blettenberg an der Oberfläche des Landes, in das er seine Handlung verlegt. Er weckt damit eine Neugier, die er nicht befriedigen kann.
Vielleicht liegt das an der Entstehungsgeschichte des Romans. Im Nachwort erzählt Blettenberg, dass er in Südafrika für ein Filmprojekt angeheuert wurde. Nachdem sein Auftrag dort erledigt war, zog er weiter, um in der Western Cape Region für den aktuellen Roman zu recherchieren. So ist auch der erste Kontakt seines Detektivs Tempow ein Filmproduzent – und Tempow reist mal hierhin, mal dorthin, um sich die beliebtesten Ausflugspunkte der Region anzusehen. Wie soll er auf diese Art das Land anders beschreiben können denn als Tourist?
Vergleiche mit anderen Südafrika-Krimis wie Mankells »Die
weiße Löwin«
oder Gillian Slovos »Roter Staub
« laufen ins Leere. Blettenberg
hat sich seines Themas nicht bemächtigt, sondern nutzt es lediglich als
Kulisse für einen Krimiplot, der erst allmählich an Fahrt aufnimmt.
Die meisterhaft gebaute Spannung, die andere Rezensenten hier entdeckten, habe
ich nicht gefunden, auch mag ich mich nicht der Meinung anschließen, Blettenberg
gehöre zu den wichtigsten deutschen Krimi-Autoren der Gegenwart. Dafür
verschenkt mir der Autor zu viele Möglichkeiten, Spannung aufzubauen und
in die Tiefe zu gehen.
Aber vielleicht ist da auch mein Anspruch zu hoch. Ich bekenne mich als Liebhaber
gut recherchierter Thriller. So lese ich derzeit mit Vergnügen Frank Schätzings
»Der Schwarm«, dem man seine Recherchen auf jeder Seite abspürt,
und der so neben der spannenden Story auch eine Menge Hintergrund vermittelt.
So etwas hätte ich mir bei der Lektüre von »Land der guten Hoffnung
«
gewünscht: was bedeutet das Ende der Apartheid wirklich für Südafrika?
Blettenberg griff mir da zu kurz.
Man muss ihm zugute halten, dass er sich überhaupt über den deutschen Tellerrand hinaus wagt und immer wieder Themen aufgreift, die nicht unmittelbar im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen. Dabei ist es für ihn sicherlich hilfreich, dass er zwanzig Jahre als Entwicklungshelfer tätig war. Seine Romane, die in Ländern wie Ecuador, Nicaragua oder Thailand spielen, in denen er sich selbst über Jahre hinweg aufhielt, können da anders punkten.
Wer gern deutsche Krimis liest und nicht zu viel dabei erwartet, wird mit »Land der guten Hoffnung« wahrscheinlich auf seine Kosten kommen. Deutsche Krimis
haben es ja von je her schwer, sich gegen die internationalen Autoren durchzusetzen.
Und vielleicht ist D. B. Blettenberg tatsächlich so etwas wie die Spitze
des deutschen Eisbergs.
Labels: Buchrezensionen


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