KrimiWelt Bestenliste Dezember 2006
Die Tageszeitung "Die Welt", Nordwest Radio und der Fernsehsender arte veröffentlichen jeden Monat ihre Krimiwelt-Bestenliste. Eine Jury aus 17 Kritikerinnen und Kritiker bewerten die aktuellen Krimis nach einem bestimmten Punktesystem. Dessen Addition ergibt die jeweils aktuelle Liste. Veröffentlicht wird diese jeweils am letzten Samstag im Monat. Hier die Ergebnisse der KrimiWelt-Bestenliste Dezember 2006:
1. Rang (*)
Richard Rayner: Das
dunkle Herz der Wüste
Aus dem Englischen von Lutz-W. Wolf
dtv, TB, 374 S., 14,50 €
Los Angeles/ Las Vegas 1956: Maurice Valentine ist ein ehrgeiziger Architekt, und Las Vegas ist sein El Dorado. Ein Hotel nach dem anderen zieht er in der Stadt des Glücksspiels und der leichten Liebe hoch, und dass sein Auftraggeber die Mafia ist, stört ihn nicht im geringsten. Man schreibt das Jahr 1956, und während draußen in der Wüste Atompilze aufsteigen und das Komitee für Unamerikanische Umtriebe in Hollywood nach Kommunisten sucht, winkt dem zynischen jungen Mann eine große Karriere. Man will ihn zum Senator machen. Da kreuzt eine kühle und zugleich leidenschaftliche Frau seinen Weg. Er hält sie für eine leichte Beute, aber erst als er mit einer Schussverletzung im Krankhaus liegt, wird ihm klar, dass er ein Spiel auf Leben und Tod spielt. Ein atmosphärisch dichter, romantischer Thriller aus der tiefschwarzen Serie: Der Held sitzt in der Falle, getrieben von Ehrgeiz und Angst, er ist unfähig, Schuld von Unschuld zu unterscheiden, echte und falsche Identität verschwimmen vor seinen Augen, das Böse ist bedrohlich und faszinierend zugleich. Wer Raymond Chandler, James Ellroy und Elmore Leonard schätzt, wird Richard Rayner lieben.
2. Rang (*)
Thomas Kastura: Der
vierte Mörder
Droemer, geb., 512 S., 19,90 €
Köln: Kryptische Drohbriefe, die den grausamen Tod vieler Menschen ankündigen, rätselhafte Morde an den Mitgliedern einer Band und ein ungleiches Ermittlerduo mit Hang zu nächtlichen philosophischen Gesprächen - ein packender psychologischer Spannungsroman. Während der Adventswochen geht bei der Kölner Polizei ein anonymer Drohbrief ein, der darauf hinweist, dass für den 23.12. ein verheerender Brandanschlag geplant ist. Clemens Raupach, einst erfolgreichster Ermittler der Kölner Kripo und jetzt in den Innendienst strafversetzt, nimmt sich des Falles an. Und bald schon finden er und seine junge und scharfzüngige Kollegin Photini Dirou heraus, wer der Absender der Drohbriefe ist: Johan Land, Buchhändler und notorischer Einzelgänger, der mit dem Anschlag den gewaltsamen Tod seiner Frau rächen will. Doch wo soll das Inferno stattfinden? Und was haben die Morde an drei Männern der Band Barbarossa damit zu tun? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Doch als Raupach und Photini dem flüchtigen Johan Land schließlich auf die Spur kommen, müssen sie feststellen, dass der Fall weit komplexer ist, als sie geahnt haben: Denn neben dem Buchhändler muss es noch weitere Täter geben. Und einer davon ist ihnen näher, als ihnen lieb sein kann ...
Rezensionen finden Sie bei: WDR, Krimi-Forum.de, Literature.de
3. Rang (= 3)
John le Carré: Geheime
Melodie
Aus dem Englischen von Sabine Roth und Regina Rawlinson
List, geb., 415 S., 22,00 €
London/ Nordseeinsel: Bruno Salvador führt in London ein ruhiges Leben als Dolmetscher. Bis er einen Auftrag vom Britischen Geheimdienst erhält. Für zwei Tage wird er an einen geheimen Ort gebracht. Er dolmetscht eine inoffizielle Konferenz, an der auch afrikanische Politiker teilnehmen. Auf dem Spiel steht die Zukunft des Kongo. Doch die krisengeschüttelte und an Rohstoffen reiche Region ist Brunos Heimat. Bahnt sich in dem fernen Land eine Katastrophe an? Gemeinsam mit seiner jungen Geliebten Hannah sucht Bruno Verbündete, die mit ihm für eine demokratische Zukunft des Kongo streiten. Doch plötzlich werden Hannah und er zu Gejagten, denn in Brunos Besitz befinden sich wertvolle Dokumente.
Rezensionen finden Sie bei: Freitag, Morgenpost, SZ,Weltwoche, WZ, NDR, Ö1, RBB, SWR, WDR2, Titel-Magazin
4. Rang (= 4)
Frank Göhre: Zappas
letzter Hit
Pendragon, TB, 234 S., 9,90 €
Hamburg: Der St. Pauli Killer „Zappa" hat seine Frau und sich in der Haftzelle getötet. Die spektakuläre Tat ist längst Geschichte. Doch Zappas Tochter kann das damalige Geschehen nicht vergessen. Sie glaubt, dass ihr Vater Opfer eines Verrats geworden ist. Sie will ihn rächen. Ihr Vorhaben aber überkreuzt sich mit den Aktivitäten der seinerzeit mit den Fall betreuten Beamten. Der eine fahndet nach dem flüchtigen Fahrer, der seine Tochter lebensgefährlich verletzt hat. Der andere stößt auf eine für ihn noch undurchsichtige Verbindung zwischen seiner Geliebten und dem Hamburger Innensenator. Bei dem Dritten, der inzwischen ein Nobelrestaurant betreibt, verknüpfen sich die Fäden und bringen schließlich die Erkenntnis, dass „Zappa" - ein berüchtigter Auftagskiller (Hitman) - wesentlich mehr wusste, als er ausgesagt hat. Dieses Wissen wird zu seinem letzten Hit - die Spur führt zu den wahren Tätern. Aber sie sind nicht die Einzigen, die im expandierenden Hamburg in die Enge getrieben und ausgeschaltet werden sollen.
Rezensionen: Hamburger Abendblatt, Kaliber 38
5. Rang (*)
Stefan Slupetzky: Das Schweigen des Lemming
Rowohlt, TB, 282 S., 8,90 €
Wien: Eine warme Sommernacht, ein gedankenverlorener Rundgang im Schönbrunner
Tiergarten ...
Ex-Kripo-Gruppenleiter Lemming ist zum Nachtwächter abgestiegen. Im Schönbrunner
Polarium findet er einen erhängten Pinguin und kommt – Verbrechen
und Kunst sind artverwandt – einem als Kunstaktion getarnten Raub auf
die Spur. Nicht ohne weitere Leichen. Schon bald sieht sich der Lemming gegen
seinen Willen in einen Fall verwickelt, der ihm nicht nur äußersten
Scharfsinn, sondern auch einigen Kunstverstand abverlangt. Wiener Reigen, mal
schwül heiß, mal tief kalt. Dabei hat für den Lemming alles
so friedlich begonnen.
6. Rang (=6)
Pete Dexter: Train
Aus dem Englischen von Jürgen Bürger
Liebeskind, geb., 400 S., 22,00 €
Los Angeles nach dem Krieg: Train, schwarz, jung, vorsichtig, ist Caddie. Im kleinen Finger hat er mehr Golf als die, denen er das Bag schleppt. Mr. Packard, reicher Detective, kommt herüber zum Schwarzen. Roman über das Recht des großen Talents, den alltäglichen Rassismus und das, was wichtig ist: Mord ist es nicht. Kein Wort zu viel.
Rezensionen: 3sat, Alligatorpapiere, Buchwurm, Powell.com
7. Rang (∇ 10)
Michael Connelly: Vergessene
Stimmen
Aus dem Amerikanischen von Sepp Leeb
Heyne, geb., 480 S., 19,95 €
Los Angeles: Als 17 Jahre nach ihrem Tod neue DNS-Spuren auftauchen, ist der Mord an Rebecca Lost kein „Kalter Fall“ mehr. Harry Bosch, Ex-Mordermittler des LAPD, wird reaktiviert. Seine Mission: den Opfern eine Stimme geben, die Schuldigen fassen. Harte Detektivarbeit, nach dem 11. September.
Antonio dal Masetto: Blut und Spiele
Aus dem Spanischen von Susanna Mende
Rotpunkt, geb., 234 S., 19,80 €
Bosque, Argentinien: In Bosque, einem verschlafenen Dorf irgendwo in Argentinien,
taucht eines Wintermorgens ein Mann namens Muto auf, der sogleich anfängt,
die Leute zu befragen und Nachforschungen anzustellen: Er will einen Dokumentarfilm
über den spektakulären Bankraub drehen, der hier vor anderthalb Jahren
stattgefunden hat. Bald stellt sich heraus, dass das verschlafene Dorf, wo alle
eine einzige große Familie zu bilden scheinen, in Wirklichkeit ganz anders
ist. Neid, Hass, Rivalitäten brodeln unter der Oberfläche.
Alle spielen ihre Spiele und Spielchen: der Rechtsanwalt Varini, bei dem viele
Fäden zusammenlaufen, Leda, die geheimnisvolle Schöne, die mit ihrem
Motorrad herumkurvt und auf Rache sinnt, der Bankdirektor, der am liebsten allein
zu Hause mit seinen Zinnsoldaten spielt, Varinis Compagnon Legarreta, der den
falschen Mann verarscht, die Schuldirektorin Benavídez, die wie viele
andere gern im Dokfilm mitmachen, aber unbedingt verhindern möchte, dass
Muto hinter ihr Geheimnis kommt, und der Ingenieur Zamudio, der von der Großwildjagd
träumt und dem seine Schießkunst nichts mehr nützt. Fast alle
Inszenierungen und Spiele enden – gewollt oder ungewollt – in einem
Desaster. Bis auf das letzte Spiel …
Lakonisch, Fortsetzung und Steigerung von „Noch eine Nacht.“ Ein
Höhepunkt argentinischer Kriminalliteratur.
(Δ 9)
Norbert Horst: Blutskizzen
Goldmann, TB, 384 S., 7,95 €
Irgendwo in NRW: Ein älterer Mann wird tot in einem Müllcontainer gefunden - er ist nackt und gefesselt. Schon bald kann Kommissar Kirchenberg einen Verdächtigen festnehmen, einen Mann, der vor 22 Jahren wegen Raubmordes verurteilt wurde, aber heute ein bürgerliches Leben führt. Unterstützung erhält Kirchenberg von einem auf Serienmörder spezialisierten Kollegen von der Operativen Fallanalyse, der glaubt, der mutmaßliche Täter sei auch für zwei Morde aus früheren Jahren verantwortlich. Aber die Zeit drängt, denn der Haftrichter droht, den Verdächtigen nach einer Haftbeschwerde wieder freizulassen ...
Ein Interview mit Norbert Horst finden Sie bei den Alligatorpapieren.
8. Rang (= 8)
Michael Robotham: Amnesie
Aus dem Englischen von Kristian Lutze
Goldmann, geb., 448 S., 19,95 €
«Mit Schusswunden im Bein, einem abgeschossenen Finger und halb ertrunken
wird Detective Inspector Vincent Ruiz in ein Londoner Krankenhaus eingeliefert,
wo er Tage lang im Koma liegt. Als er das Bewusstsein wiedererlangt, fängt
sein Alptraum aber erst an. Denn er kann sich an nichts mehr erinnern. Offenbar
war er an Bord eines Schiffs auf der Themse in einen Schusswechsel verwickelt.
Auf dem Boot hat man sein Blut gefunden – aber auch das von drei weiteren
Beteiligten, von denen jede Spur fehlt. Einziger Hinweis für Vincent Ruiz
ist das Foto eines Mädchens, das er von früher kennt. Denn Mickey
Carlyle war drei Jahre zuvor entführt worden, und Vincent Ruiz hatte damals
vergeblich in dem Fall ermittelt. Mit Hilfe des Psychologen Joe O‘Loughlin
gelingt es Vincent Stück für Stück, Teile seines Erinnerungsvermögens
zurück zu gewinnen. In ihm beginnt der Verdacht zu keimen, dass Mickey
noch am Leben ist und in höchster Gefahr schwebt …»
(mehr zum Buch, inkl. Links zu Leseproben und weiteren Rezensionen hier im Literaturblog)
Labels: Literaturbetrieb


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