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Mittwoch, März 07, 2007

Peter Handke: Kali


Titel: Kali : eine Vorwintergeschichte / Peter Handke
Verfasser: Handke, Peter
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Frankfurt am Main : Suhrkamp
Erscheinungsjahr: 2007
Umfang/Format: 160 S. ; 20 cm
ISBN: 978-3-518-41877-2
3-518-41877-7
Bestellnummer: 41877
Einband/Preis: kart. : EUR 16.80
Schlagwörter: Salzbergwerk ; Enklave ; Multikulturelle Gesellschaft ; Zwischenmenschliche Beziehung ; Belletristische Darstellung
Kind ; Verschwinden ; Sängerin ; Suche ; Identitätsfindung ; Belletristische Darstellung


Die Story ist schnell erzählt. Eine Sängerin will nach ihrem letzten Konzert vor dem Winter ein wenig Ruhe finden. Zu diesem Zweck fährt sie zunächst zu ihrer Mutter, und, als diese sich wenig begeistert von dem Besuch zeigt, weiter "in eine Gegend hinter der Kindheit". Sie kommt in eine Kolonie der Heimatlosen, der Aussiedler und verliebt sich dort - schüchtern zunächst - in den Salzherrn, den Besitzer des örtlichen Salzbergwerks. Dann ist da noch ein Kind, Andrea, das verschwindet. Und unsere Sängerin findet das Kind, schon über und über mit Schnee bedeckt, und bringt es zurück in die Gemeinschaft.

Ein dünnes Bändchen ist "Kali", in zwei, drei Stunden am Nachmittag gut zu lesen, und auch immer wieder zu lesen. Denn so dünn, so folgerichtig logisch die Geschichte gebaut ist, so poetisch, so metaphorisch ist der Ton, der zu immer neuen Assoziationen anregt. Und je geübter der Leser im Entdecken von Konnotationen, desto mehr wird sein Geist beim Lesen durch die Literaturgeschichte, durch Mythen und Märchen, vielleicht sogar durch die Kunstgeschichte wandern. Irgendein Rezensent hat das Buch folgerichtig als eine Art Rohrschachtest bezeichnet. Und es ist zumindest fraglich, ob Peter Handke von all den Verweisen, die die Heerschar an Rezenstenten gefunden zu haben glaubt, auch nur einen Bruchteil wirklich als solchen angelegt hat.

Auch gelten für ihn offensichtlich andere Maßstäbe als für andere Autoren. Dass seine Erzählperspektive nie wirklich klar wird; dass er munter in den Erzählzeiten herumspringt; dass der dramatische Faden, der ja immerhin angelegt ist, unter der Erzählstruktur fast verschwindet - all das wird ihm niemand vorwerfen. Und auch dass er unablässig ins Predigen verfällt, sei es durch die Stimme der ortsansässigen Pastorin oder die der Sängerin, sieht man ihm eher nach als den aktuellen Mainstream-Autoren. Denn der von ihm gepflegte Kulturpessimismus ist zwar zuweilen lästig, aber zumindest so frei von jeglichen Kanten, dass niemand ihm ernsthaft widersprechen wird. Und das war von jeher die Kunst in der Literatur: gerade so kritisch zu sein, dass die Mehrheit der potentiellen Leser sich hinter den Autoren stellen kann, um selig zu empfinden: Ja, genau so sehe ich das auch.

Weitere Rezensionen finden Sie unter: FAZ, Frankfurter Rundschau, Kleine Zeitung, NZZ, Der Standard, Stuttgarter Nachrichten, taz, Wiener Zeitung, Die Zeit, DLF (auch als Audio-File), MDR (Audio File) Students.ch, Titel-Magazin, Perlentaucher

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