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Neuerscheinungen und Rezensionen

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Dienstag, März 06, 2007

SWR Bestenliste März 2007


  • PETER HANDKE: Kali
  • WILHELM GENAZINO: Mittelmäßiges Heimweh
  • ANNA MITGUTSCH: Zwei Leben und ein Tag
  • INGO SCHULZE: Handy -Dreizehn Geschichten in alter Manier
  • SILKE SCHEUERMANN: Die Stunde zwischen Hund und Wolf
  • WOLFGANG SCHLÜTER: Anmut und Gnade
  • WILLIAM BOYD: Ruhelos
  • RICHARD YATES: Easter Parade
  • WOLFGANG HERRNDORF: Diesseits des Van-Allen-Gürtels
  • PER PETTERSON: Im Kielwasser
  • THOMAS LANG: Unter Paaren


Vier Buchneuerscheinungen dürfen die 31 Literaturrezensenten der SWR-Jury mit Punkten bewerten. 15 Punkte gibt es für jenes aktuelle Buch, für das sie sich "möglichst viele Leser und Leserinnen" wünschen, 10 für das zweite, dann 6 und 3 Punkte. Diese Punkte der Juroren werden aufaddiert und ergeben so die aktuelle Bestenliste. (In Klammern die finden Sie die Position der Februar-Bestenliste):

1. (-) 125 Punkte

PETER HANDKE: Kali
Eine Vorwintergeschichte

Suhrkamp Verlag
mittelschwere Lektüre

In Peter Handkes letztem Roman berichtet Don Juan von seinen Frauenerlebnissen auf einer Weltreise: »Handke-Land, wie es heute kein anderer Autor zu erfassen und zu schreiben vermag« ? urteilte damals die Neue Zürcher Zeitung. In Kali, seinem neuen Buch, einer »Vorwintergeschichte«, bricht eine Sängerin auf ins Handke-Land: nach Abschluß ihrer Tournee reist sie »in die Gegend gleich nebenan, hinter dem Kindheitsfluß. ? Dort ist der Winter noch Winter. Oder: Es ist eine Auswanderer-Gegend ? Das Einzige, was ich noch weiß: Der Untergrund dort besteht bis in die tiefsten Tiefen aus Salz ? Kali. ? Auch im Sommer ein schneeweißer Bergrücken mitten in der Ebene.«
An jenem Ort treffen sich die unterschiedlichsten Weltenbewohner, »Überlebende des Dritten Weltkriegs, der rund um uns schon seit langem wütet, unerklärt, wenig sichtbar, aber um so böser«. Die Situation dieser Desperados ist völlig aussichtslos, seit ein Kind verschwunden ist. Reisen ist für die Sängerin gleichbedeutend mit der Neuentdeckung der Welt und der anderen Menschen, Reisen erlaubt aufmerksame und zugleich gelassene Anschauung. Und diese erfordert eine spezifische Erzählweise, in der sich außen und innen in einer noch nie dagewesenen Grammatik verschränken.

»Ich habe im vergangenen Sommer eine Geschichte geschrieben, die von einem vermißten Kind handelt. Es heißt Andrea, so daß man nicht genau weiß, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Ich habe eine Meisterin im Wiederfinden erfunden, so eine, die geholt wird, wenn einem die Kontaktlinse in den Kies fällt.«

"Wir sehen Peter Handke in seiner ganzen Fähigkeit zur sentimentalen Aufladung ontologischer Kindlichkeitsutopien samt ihren christlichen Erlösungsszenerien. Und wir sehen Peter Handkes grandioses ästhetisches Temperament, dessen Experimente den schlichten Wahrheitsanspruch solcher Erlösung, gleichsam aus den Kulissen der Erzählung heraus, infrage stellen." (Ursula März)



2. (-) 90 Punkte

WILHELM GENAZINO: Mittelmäßiges Heimweh
Roman.

Carl Hanser Verlag
Leseprobe beim Verlag ansehen
leichtere Lektüre

Auf dem Fernsehschirm in der Kneipe flimmert ein Fußballspiel, auf dem Fußboden liegt ein Ohr. Dieter Rotmund weiß sofort: Das kann nur seines sein. Hat jemand etwas bemerkt? Und wie findet man durch den Alltag, wenn die Körperteile abhanden kommen? Wilhelm Genazino erzählt die Geschichte eines Mannes, der neben seinem Ohr noch weitere Verluste erleiden muss. Und der davor erschrickt, dass selbst seine Gefühle nur noch mittelmäßig sind.

Ein Roman voller Ironie, Detailbesessenheit und mit einer Bosheit, die den Figuren nichts erspart.

"Der letzte Satz, den der Existenzialhumorist Genazino seinem Helden in den Mund legt, lautet: "Ich bin beschädigt, ich habe Zeit." Spätestens da ist der Humor tief schwarz geworden. Wunderbar! Wer so vom mittelmäßigen Unglück erzählen kann, der muss von Besserungsaussichten verschont bleiben." (Eberhard Falcke)



3. (-) 72 Punkte

ANNA MITGUTSCH: Zwei Leben und ein Tag
Roman.

Luchterhand Literaturverlag
Leseprobe bei RandomHouse
mittelschwere Lektüre

In jedem Leben gibt es den Augenblick, wo das Glück an die Grenzen des Vorstellbaren stößt.

Nach einem Nomadenleben in Amerika, Südostasien und Osteuropa haben sie sich getrennt: Edith und Leonard, zwei Menschen, die nicht wieder zusammen finden und nicht voneinander lassen können. Was sie verbindet, ist ihr Sohn Gabriel und die Frage, was diesem in seiner Kindheit zugestoßen ist und ihn zum Außenseiter gemacht hat. In langen Briefen an den Ex-Mann, die sie freilich nie abschicken wird, versucht sich Edith noch einmal über ihr Leben und ihr Schicksal Klarheit zu verschaffen und darüber, woran ihre Liebe zerbrach ? und ihr Glück.

Nach einem Nomadenleben in Amerika, Südostasien und Osteuropa haben sie sich getrennt: Edith und Leonard, zwei Menschen, die nicht wieder zusammen finden und nicht voneinander lassen können. Was sie verbindet, ist ihr Sohn Gabriel und das unablässige Grübeln darüber, was diesem in seiner Kindheit zugestoßen ist und ihn zum Außenseiter gemacht hat. Mit dem inzwischen erwachsenen Sohn kehrt Edith in das Haus ihrer Kindheit in Österreich zurück. Hier beginnt sie, Briefe an Leonard zu schreiben, in denen sie sich an die Jahre ihres Zusammenlebens erinnert ? an Augenblicke des Glücks und der selbstzerstörerischen Kämpfe, an den Aufbruch in immer neue Länder, an Bedrohungen und Furcht in einem Leben ohne Netz und Zugehörigkeit. Sie fragt sich und Leonard, warum sie einander, obwohl sie sich liebten, doch immer verfehlten. Und sie fragt, ob sie Schuld tragen an dem Schicksal ihres Sohnes. In diesen Briefen denkt Edith aber auch über den großen Exzentriker der amerikanischen Literatur, Herman Melville, nach, für den sie und Leonard sich früh schon so rauschhaft begeistert hatten, dass sie gemeinsam ein Buch über das Leben des geheimnisvollen Außenseiters und sein Werk schreiben wollten ? den unbehausten Reisenden, dessen Schicksal ihnen oft wie ein Schlüssel für ihr eigenes Leben vorgekommen war, für das Anderssein ihres Sohnes, für Gabriels Scheitern an der Welt. Szenen einer Liebe, einer zerbrochenen Ehe und Stationen eines vorgezeichneten Weges, der Gabriel in ein grausames Ende führen wird, finden Spiegelungen und Gegenbilder in Episoden aus dem Leben und Werk des Dichters, der an seiner Zeit und dem Unverständnis seiner Zeitgenossen zerbrach. Nach ?Haus der Kindheit? und ?Familienfest? legt Anna Mitgutsch einen neuen virtuosen Roman vor, ein sprachliches Meisterwerk von ungewöhnlicher Dichte und Klarheit.

?Ich habe meine Erinnerungen immer wieder durchgespielt, sie einzeln betrachtet wie unter einer Lupe, Zentimeter für Zentimeter, und alle erdenklichen Bedeutungen aus ihnen herausgepresst. Ich weiß noch immer nicht, ob wir unsere Fehler hätten vermeiden können und ob wir die Gelegenheit ergriffen hätten, wenn uns klar gewesen wäre, dass einem das Glück nicht alle Tage einen Happen hin wirft.?



4. (-) 62 Punkte

INGO SCHULZE: Handy
Dreizehn Geschichten in alter Manier
Erzählungen.

Berlin Verlag
leichtere Lektüre

Nach dem großen Erfolg seines epochalen Romans Neue Leben beschreitet Ingo Schulze in seinen Erzählungen Handy ganz neue Wege. In raffiniert variierenden Beziehungskonstellationen erweist er sich als großer Erzähler klassischer Prägung und einmal mehr als einer der bedeutendsten europäischen Schriftsteller seiner Generation.

Silvester 1999, die Millennium-Nacht in Berlin. Frank Reichert, als ostdeutscher Jungunternehmer erfolgreich im Westen angekommen, begegnet auf der Silvesterfeier an der Schwelle zum neuen Jahrtausend Julia, seiner verlorenen großen Liebe. Seit der Trennung im Herbst 1989 wandelt er wie ein Fremder durchs Leben, fast unbeteiligt erlebt er neue Beziehungen und den Erfolg seines florierenden Geschäfts. Nichts mehr kann ihn im Tiefsten berühren, über allem liegt Julias Schatten und die Möglichkeit eines anderen Lebens. So wird das Ende der Nacht zu einem Neubeginn, mit dem keiner gerechnet hat. Zwischen Abschied und Aufbruch taumeln fast alle Figuren in Ingo Schulzes neuen Erzählungen. Oft reicht schon ein einziger irritierender Blick, um das scheinbar harmonische Gefüge einer frischen Liebe, einer nachbarschaftlichen Bekanntschaft oder eines unbeschwerten Urlaubs aus den Angeln zu heben. Ob im Friseurladen in Manhattan, in einer Datscha im Berliner Umland ? stets umgibt eine Atmosphäre diffuser Bedrohung die selbstgeschaffenen Fluchtorte. In diesen Heterotopien der Seligkeit behaupten sich Schulzes Protagonisten gegen eine ständig beschleunigende Welt, die mit ihren Fallstricken bis in die eigenen vier Wände reicht. Mit untrüglichem Gespür für tragikomische Situationen umkreist Ingo Schulze das Wesen der Liebe, das Ringen um Würde im Abschiednehmen und das Geschenk glückhafter Epiphanien mitten im Alltag.


5. (-) 37 Punkte

SILKE SCHEUERMANN: Die Stunde zwischen Hund und Wolf
Roman.

Verlag Schöffling & Co.
Hörprobe des Verlags anhören
mittelschwere Lektüre

Zwei Schwestern treffen nach Jahren wieder aufeinander.
Ines, die kapriziöse Malerin, bittet um Hilfe, stößt aber auf Kälte und Ablehnung. Ihre Schwester möchte einen Schlußpunkt setzen: Nicht schon wieder will sie in das Muster der ewig Helfenden zurückfallen. Sie will mit der Welt ihrer Schwester nichts zu tun haben und ist doch zunehmend fasziniert. Als sich eine Affäre mit Kai, Ines? Freund, anbahnt, verliert sie sich in einen fragwürdigen, rauschhaften Glückszustand ? der sie eigenartigerweise zu ihrer Schwester zurückführt.
Die Stunde zwischen Hund und Wolf erzählt von der Desorientierung in einer Gesellschaft, die höchste Ansprüche stellt, selber jedoch an Alltäglichkeiten scheitert. Scheinheilige Entwürfe halten die Fiktion einer Geborgenheit aufrecht, selbst der Umgang mit der Vergangenheit wird auf sinnentleerte Bilder reduziert; manchmal ist vom Leben kaum mehr übrig als ein kalter Entzug. Doch die Hoffnung auf Veränderung bleibt ? ein Zustand, den Silke Scheuermann melancholisch und humorvoll, lapidar und ergreifend schildert.



6. (-) 31 Punkte

WOLFGANG SCHLÜTER: Anmut und Gnade
Roman.

Eichborn Verlag
mittelschwere Lektüre

Krieg um Worte, Töne, Bilder

Paris, 2003. Unruhen erschüttern die Banlieues. Während die Stadt vom Krieg der Bilderstürmer und Kaputtmacher erschüttert wird, probt ein österreichisches Kammerensemble die Aufführung einer Oper Jean-Philippe Rameaus, des großen Neuerers und ebenso gefeierten wie umstrittenen Erben Lullys. Walter Mardtner ist Pressereferent des Orchesters. Bei einem Antiquariatsbesuch fällt ihm ein Konvolut alter Schriften in die Hände, das von einem anderen Krieg erzählt: dem einstmals ebenso erbitterten wie geistvollen Kampf zwischen den Traditionalisten und Neuerern um die Vorherrschaft an der Pariser Oper. Kombattanten sind ein König, für den die Oper vor allem höchste Kunst der höfischen Repräsentation ist, Rameau und der Kreis der Enzyklopädisten, allen voran der empfindsame und aufrührerische Jean-Jacques Rousseau.

Wolfgang Schlüters Roman lässt die Pracht der Oper, das Zeitalter des Barock, der Aufklärung und das Brodeln des vorrevolutionären Frankreich vor unseren Augen neu erstehen.



7.-8. (-) 30 Punkte

WILLIAM BOYD: Ruhelos
Roman. Aus dem Englischen von Chris Hirte.

Berlin Verlag
mittelschwere Lektüre

Oxford, 1976. Ganz England stöhnt über die Hitze, doch Ruth Gilmartin ist vor allem um ihre Mutter besorgt: Ständig beobachtet Sally den Wald hinter ihrem Garten, das Telefon beantwortet sie nur nach vereinbartem Klingelsignal und das Haus verlässt sie ? obwohl unversehrt ? nur im Rollstuhl. Schließlich eröffnet sie ihrer Tochter, dass jemand sie töten wolle. Ihr wahrer Name sei Eva Delektorskaja und sie habe im Krieg als Spionin gearbeitet. Paris, 1939. Eva, eine schöne russische Emigrantin, wird von dem geheimnisvollen Lucas Romer für den britischen Geheimdienst angeworben. Sie soll die Arbeit ihres geliebten Bruders Kolja, der von den Nazis ermordet wurde, weiterführen. Unter Romers Anleitung wird sie zur perfekten Spionin ausgebildet, die schnell lernt, sich zu verstellen und ? niemandem zu trauen. Ruhelos ist ein Spionageroman und literarisches Meisterwerk. Es vereint die emotionale Intensität eines Ian McEwan mit der Spannung eines John le Carré. William Boyd stellt die zutiefst beunruhigende Frage, wie gut wir einen Menschen jemals kennen können, und verwickelt den Leser in ein durchtrieben-doppelbödiges Spiel.



7.-8. (-) 30 Punkte

RICHARD YATES: Easter Parade
Roman. Aus dem Amerikanischen von Anette Grube.

DVA
Leseprobe bei RandomHouse
leichtere Lektüre

Vierzig Jahre Einsamkeit - Richard Yates' großartiger Roman zweier Schwestern

Die Geschichte zweier Schwestern, die darum kämpfen, der Vergangenheit zu entkommen

Die Schwestern Sarah und Emily Grimes wachsen als Kinder geschiedener Eltern in den USA der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts auf. Beide haben unter den Launen ihrer rastlosen Mutter zu leiden, die nach jeder beruflichen oder privaten Enttäuschung mit den Mädchen in eine andere Stadt zieht. Über die Jahre hätten sich die Schwestern nicht unterschiedlicher entwickeln können: Sarah heiratet früh, bekommt drei Söhne und lebt auf Long Island.
Emily macht Karriere in New York und stürzt sich von einer Affäre in die nächste. Endlich scheinen beide das Leben leben zu können, das sie sich immer gewünscht haben. Doch Sarahs Ehe ist nicht so glücklich, wie alle glauben. Und erst als sie ihre Stelle verliert, wird Emily bewusst, wie einsam sie in Wirklichkeit ist.

Richard Yates ist ein Meister der klaren Worte. Er erzählt nüchtern, geradezu lakonisch und zeichnet seine Figuren mit tiefer Sympathie.



9.-10. (-) 28 Punkte

WOLFGANG HERRNDORF: Diesseits des Van-Allen-Gürtels

Eichborn Verlag
Leseprobe beim Verlag ansehen
mittelschwere Lektüre

Die Verlorenheit von Herrndorfs Figuren ist galaktisch, und die erzähltechnische Raffinesse sowie der Unterhaltungswert seines Buches sind es auch.

»Kennst du Anna Karenina? Da gibt es ein Kapitel, das heißt »Lewins Exaktheit«. Es handelt davon, dass das meiste, was man im Leben macht, nicht exakt genug ist. Man verbraucht zu viel Energie, zu viel Sorge, zu viel alles. Verschwendet seine Zeit, verstehst du? Nur drei Prozent oder so sind wirklich wichtig, in jedem Leben. Darauf kann man das zusammendampfen. Das ist die Essenz.«

Von jener Essenz (oder ihrer Abwesenheit) handelt denn auch Herrndorfs Diesseits des Van-Allen-Gürtels, auch wenn seine Figuren wenig exakt daherreden: Die Zwangsbekanntschaft zweier Kunstakademiestudenten wächst sich zu einer uneingestandenen Dreiecksgeschichte aus, die auf der Brenner-Autobahn zu einem unrühmlichen Abschluss kommt. Ein Krankenpfleger setzt sich mit dem Geld eines Patienten nach Asien ab und endet in der Polizeistation eines japanischen Fischerdorfs. Ein muffliger Mittvierziger und ein verzogener Halbstarker unterhalten sich auf einem einsamen Balkon über den Kosmos.



9.-10. (-) 28 Punkte

PER PETTERSON: Im Kielwasser
Roman. Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger.

Carl Hanser Verlag
Leseprobe beim Verlag ansehen mittelschwere Lektüre

Fast sechs Jahre ist es her, dass Arvids Vater bei einem Schiffsbrand ums Leben kam, zusammen mit seiner Frau und den beiden jüngsten Söhnen. Nur Arvid, 43, Schriftsteller, und sein älterer Bruder sind übriggeblieben. Doch Arvid fällt es schwer, sich aus der Trauer zu lösen und mit seinen ambivalenten Gefühlen gegenüber dem Vater umzugehen. Behutsam und eindringlich erzählt Petterson, wie ein Sohn im Kielwasser einer Katastrophe versucht, sich selbst nicht zu verlieren.



Persönliche Empfehlung im März von Rainer Schmitz (München):

THOMAS LANG: Unter Paaren
Roman.

C.H. Beck Verlag
Leseprobe beim Verlag ansehen

Zwei Tage und eine Nacht im Mai in einem aufwendig renovierten Haus am Waldrand: Per und seine Freundin Rafa, erfolgreich und mittleren Alters ? Per sucht allerdings gerade eine neue Stelle, und Rafa wohnt nicht bei ihm ?, erwarten den Besuch von Pascal, Pers bestem Freund aus früheren Zeiten, und seiner Begleitung, der deutlich jüngeren Spanierin Inita. Es gab einmal eine Situation, in der sich Rafa zwischen Pascal und Per entscheiden mußte und Per gewählt hat. Allerdings erfuhr Per nie, was sich wirklich zwischen Rafa und Pascal abgespielt hat. Jetzt bricht alles wieder auf, treten alte Spannungen zutage und kommen neue hinzu, etwa Pascals Angebote an Rafa und Pers Lust auf die kühle, sehr anziehende Inita. Die zwei Tage dort im Haus werden alles auf den Kopf stellen, ein Junge, der sich immer in der Nähe herumtreibt, wird von sich reden machen und Inita verschwinden ?

In seinem neuen, subtil erzählten und raffiniert, auf zwei Zeitebenen arrangierten Roman schafft Thomas Lang eine Art Laborsituation, er stattet seine Figuren mit dem Sprachgebrauch des Bescheidwissens aus und überantwortet sie einer umso größeren Unwissenheit. Spannend und dicht, atmosphärisch und präzis erzählt ?Unter Paaren? von Affären und Beziehungen, von der Liebe in der Jetztzeit, von der Macht der Dingwelt und der Ohnmacht fremd gewordener Gefühle. Ein anspielungsreicher Roman, der eine ganze Tradition anklingen läßt, von den ?Wahlverwandtschaften? bis zu Mike Nichols? Film ?Hautnah?.

"Thomas Lang erzählt von der Liebesmelange der beiden Pärchen Rafa und Per sowie Inita und Pascal. Wer hat was mit wem? Jeder glaubt, bestens über die anderen Bescheid zu wissen. Dem Bachmann- Preisträger des Jahres 2006 ist ein virtuoses und atmosphärisch dichtes Kammerspiel unausgesprochener Verdächtigungen und feinst nuancierter Spannungen gelungen." (Rainer Schmitz)

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