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Mittwoch, Oktober 24, 2007

Michael Wallner: April in Paris


Broschiert: 240 Seiten
Verlag: btb TB (November 2007)
ISBN-10: 3442736935
ISBN-13: 978-3442736935

Die Liebe macht leicht wie ein Schmetterling. Selbst wenn die Umstände, unter denen sie sich entpuppt, nicht immer leicht sind. Zum Beispiel unter Krieg und Besatzung. Aber nicht umsonst ist Paris, wo Michael Wallners Roman spielt, die Stadt der Liebe. Und nicht umsonst versucht die junge Chantal bei ihrer ersten Begegnung mit Roth, einen Schmetterling zu fangen. Und wir merken: dieser Roman steckt voller Symbole. Auf die wir achten können, aber nicht müssen. Der Text wirkt ebenso leicht wie jener Schmetterling aus dem ersten Kapitel: die Sätze sind kurz, verharren selten an einem Punkt, huschen von einem Detail zum nächsten. Die Bilder erinnern an Szenen aus Filmen. Expressionistischen Filmen, wie jenen von Fritz Lang. Eben aus jener Zeit 1943, in der "April in Paris" spielt. Den bedeutungsschweren Schatten des Fensterkreuzs an der Wand kennen wir von Orson Welles. Damals war das Bild unverbraucht.

Gelegentlich schrammt ein Adjektiv am Kern der Sache vorbei. Doch das wird bei einem Liebesroman die wenigsten stören. Auch, dass die wenigsten Bilder, die er benutzt, wirklich neu sind. Ein wenig ärgerlicher vielleicht, dass Wallner seinen Protagonisten Roth nie über das, was er erlebt, reflektieren lässt. So erleben wir die Geschichte quasi von außen, als Film. Wir erleben, was Roth erlebt, sehen, was er sieht, denken, was er denkt - wenn er denn gerade einmal denkt. Diese Art Prosa ist kennzeichnend für die heutigen Unterhaltungsautoren, die beim Schreiben schon mit einem Auge auf eine mögliche Verfilmung zielen. Mehr kann, ja sollte niemand von Michael Wallners "April in Paris" erwarten.

Die Fabel ist einfach: »Frühjahr 1943 im besetzten Paris: Der junge deutsche Gefreite Roth glaubt sich aus den Wirren des Kriegs heraushalten zu können. Tagsüber arbeitet er als Dolmetscher für die Gestapo, abends flaniert er heimlich in Zivilkleidern durch seine geliebte Stadt. Auf einem dieser Streifzüge lernt er Chantal kennen, die Tochter eines französischen Buchhändlers. Er ahnt nicht, dass diese geheimnisvolle junge Frau der Résistance angehört und er dabei ist, sich auf eine unmögliche und äußerst gefährliche Liebe einzulassen. Und viel zu spät begreift er auch, dass er seine Zurückhaltung, die ihm das Leben retten sollte, längst aufgegeben hat...« (Zitat Klappentext)

Diese Art leichter Kost, gerade im Zusammenhang mit einer Liebesgeschichte, liegt voll im Trend dessen, was die internationale Kritik derzeit von uns Deutschen erwartet. Ich denke an Schlinks "Der Vorleser" mit seinem erstaunlichen internationalen Erfolg. So wundert es mich nicht, dass "April in Paris" nach seiner deutschen Veröffentlichung sofort zum Renner auf dem internationalen Lizenzmarkt wurde: New York, Paris, Rom - in über 17 Ländern wollte man den Roman um den jungen deutschen Idealisten haben, der sich im frühlingsfrischen Paris in die Résistance-Kämpferin Chantal verliebt.
Lohnt sich der Aufwand? Für einen verschmökerten Sonntagnachmittag, sicher. Einige der Bilder werden sich ins Gedächtnis graben, und das ist für die deutsche Gegenwarts-Literatur, die sich lange vor allem über abstrakte Gedanken-Kaskaden definierte, gar nicht so wenig. Für alle, die von einem Roman mehr erwarten, geistige Impulse, einen neuen Blickwinkel gar, hat Wallner wenig zu bieten. Vielleicht ist gerade das sein Erfolgsgeheimnis.

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