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Donnerstag, Januar 10, 2008

Martin Walser: Ein liebender Mann


Autor: Martin Walser
Titel: Ein liebender Mann
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag: 288 Seiten
Verlag: Rowohlt, Reinbek
Erstverkaufstag: 07.03.2008
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 349807363X
ISBN-13: 978-3498073633
Preis: 19,90 €

Noch macht der neue Roman Ein liebender Mann von Martin Walser eher dadurch von sich reden, dass er zur Versöhnung zwischen Walser und der FAZ beigetragen hat. Hatte doch die Frankfurter Zeitung seinerzeit seinen Tod eines Kritikers völlig zerrissen und den damals geplanten Vorabdruck gestoppt. Aber nun ist alles wieder gut. Die FAZ druckt den neuen Roman, alle haben sich lieb. Sage noch einer, Geld könne Gefühle nicht beeinflussen.
Ich nehme an, auch dieser Roman eines der letzten Ikonen deutscher Autorenschaft wird innerhalb kurzerzeit zum Hauptthema der Feuilletons. Noch ist es nicht soweit. Warten wir ab.
Ein erster Einblick in das Werk lässt sich über die Leseprobe des Rowohlt Verlags gewinnen. Der Ton seiner neuen Schöpfung ist leicht antiquiert, was zum Sujet passt, weniger jedoch zu sonstigen Lesegewohnheiten. Aber an diesen Ton konnte ich mich gewöhnen. An die Selbstverliebtheit des Autoren nicht. Zitat: «Ulrikes Augen sind, weil uns das Wetter gerade eine dicke Kumuluswolke vor die Sonne schiebt, in diesem Augenblick - und ist das nicht ein köstliches Sprachangebot: Augenblick - sind in diesem Augenblick dabei, von Blau nach Grün zu wandern.» War das nicht einer jener Kardinalfehler, die einem im Anfängerkurs "Creative Writing" abgewöhnt wurden: eigene Sprachspiele im Text selbst zu bejubeln? Da nutzt es auch wenig, aus "Wortspiel" mal eben ein "Sprachangebot" zu machen. Da hätte es einen mutigen Lektor gebraucht. Der schien jedoch Herrn Walser nicht verschrecken zu wollen. Und blieb dezent im Hintergrund. Ikonen kritisiert man nicht ungestraft.
Über den Plot kann ich im Moment noch nicht viel sagen. Dazu gibt die Leseprobe zu wenig her. Ich gehe davon aus, dass Herr Walser - entsprechend der Zeit, die er porträtiert und angesichts seiner Referenz auf den Sprachstil - etwas weniger anrüchig in seiner Szenenwahl sein wird als im Vorgängerroman. Es wäre dem Text zu wünschen. Später mehr an dieser Stelle.

Zum Inhalt (Verlagstext): Der 73jährige Goethe - Witwer und so berühmt, dass sein Diener Stadelmann heimlich Haare von ihm verkauft - liebt die 19jährige Ulrike von Levetzow. 1823 in Marienbad werden Blicke getauscht, Worte gewechselt, die beiden küssen einander auf die Goethesche Art. Er sagt nämlich: Beim Küssen kommt es nicht auf die Münder, die Lippen an, sondern auf die Seelen. «Das war sein Zustand: Ulrike oder nichts.»
Wie jäh ist da die Enttäuschung, als er begreifen muss, dass er wegen seines Alters kaum Aussichten hat: Auf einem Kostümball stürzt er, und bei einem Tanztee will sie ein Jüngerer verführen. Der Heiratsantrag, den er ihr trotzdem macht, erreicht sie erst, als ihre Mutter mit ihr nach Karlsbad weiterreisen will. Goethe schreibt die «Marienbader Elegie». Zurück in Weimar, lässt ihn die eifersüchtige Schwiegertochter Ottilie nicht mehr aus den Augen.
Martin Walsers neuer Roman erzählt die Geschichte einer unmöglichen Liebe: bewegend, aufwühlend und zart. Die Glaubwürdigkeit, die Wucht der Empfindungen und ihres Ausdrucks -das alles zeugt von einer Kraft und Sprachleidenschaft ohne Beispiel.



Zeitgleich erscheint auch auf 6 CDs das Hörbuch zum Roman beim Verlag Hoffmann & Campe, gelesen von Martin Walser selbst. Der Verlag schreibt über das Buch:
Goethes letzte Liebe - Martin Walsers erster historischer Roman.
Fünfundfünfzig Jahre Altersunterschied liegen zwischen Goethe und seiner letzten großen Liebe Ulrike von Levetzow, als sie sich 1821 in Marienbad kennenlernen. War diese Ulrike wirklich so ein »flatterhaftes Persönchen«, wie sie von der Literaturwissenschaft dargestellt wird? Martin Walser glaubt nicht daran: »Goethe wäre ein Idiot gewesen, wenn er sich in sie, wie sie verzeichnet wurde, verliebt hätte.« Mit diesem Buch hat Walser eine Ulrike geschaffen, »die der Liebe Goethes würdig« ist.



Martin Walsers Roman "Ein liebender Mann" wird im Februar 2008 in der FAZ vorabgedruckt.

Erste Rezensionen finden Sie bei: Naumburger Tageblatt, Stuttgarter Zeitung, Welt

Mittlerweile hat der Rowohlt-Verlag eine Leseprobe online gestellt. Sie finden sie hier.

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