Shakespeare and more:
Neuerscheinungen und Rezensionen

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Montag, Januar 07, 2008

Neuerscheinungen rund um Shakespeare Januar 2008


Viel los ist nicht im Januar diesen Jahres. Während es Ende 2007 noch eine ganze Reihe von Lesehilfen, Hörbüchern und Neuübersetzungen gab, hat für Januar 2008 lediglich der Verlag ars vivendi die Bände 34-36 seiner zweisprachigen Shakespeare-Gesamtausgabe angekündigt. Womit ihr auf 39 Bände angelegtes Großprojekt bereits kurz vor seiner Vollendung steht. Der Verlag hat für dieses Projekt einen eigenen Internetauftritt (www.shakespeare-ga.de) ins Leben gerufen, in dem es auch weitere Informationen über die Übersetzer und zur Ausstattung gibt. An dieser Stelle nur so viel: alle Bände sind ausgestattet mit gelblich-weißem, maschinengeglätteten Werkdruckpapier, haben silbergraue Feinleinenbände mit zweifarbiger Folienprägung (Signum), zwei Lesebändchen in den Farben des Signums, Vorsatzpapier mit den Motiven und in den Farben des Signums und einem Folienschutzumschlag. Echte Sammlerstücke also, für Shakespeare-Liebhaber und Bibliophile gleichermaßen geeignet.


William Shakespeare: König Johann

Gesamtausgabe Bd. 34
Verlag: Ars Vivendi; Auflage: 1 (Januar 2008)
Sprache: Deutsch, Englisch
ISBN-10: 3897161893
ISBN-13: 978-3897161894

Das Kunststück, Shakespears Königsdramen kurz zusammenzufassen, scheitert zumeist bereits an den verwickelten Handlungsfäden. So auch hier. Wir schreiben das Jahr 1210. König Johann ist der kleine Bruder und Nachfolger des berühmteren Richard Löwenherz auf dem englischen Königstron. Das gefällt nicht unbedingt jedem. Constanze zum Beispiel, Ehefrau von Richards jüngerem (und Johanns älterem) Bruder Geoffrey, ist der Ansicht, Arthur, ihr eigener Sohn, hätte eher Anrecht auf den Posten. Sie wendet sich deswegen an Philipp, König von Frankreich, um Johann loszuwerden und Arthur den Posten zu sichern. Aber auch ein unehelicher Sohn Richards, der zur allgemeinen Verwirrung ebenfalls Philipp heißt, findet die Idee, König zu werden, nicht übel. Und da er in Art und Aussehen Richard zumindest stärker ähnelte als Artur, und außerdem älter und erfahrener ist, begibt er sich in Richtung amtierender König. Johann (oder besser Shakespeare) nennt ihn durchgehend ?den Bastard?, erlaubt ihm aber, ihn zusammen mit Königin Elinor (der Mutter von Johann und Richard) nach Algier zu begleiten. Dort kommt es zur Konfrontation mit König Philipp von Frankreich. Philipp erhält hier Unterstützung von Richards Mörder, dem Herzog von Österreich - und von seinem Sohn, dem Dauphin Prinz Lewis.

Die beiden Könige und deren Armeen kämpfen nun also aus, wer der wahre Herrscher von England werden soll, alles auf dem Territorium von Hubert, einem der Anführer Algiers. Hubert findet diesen Kampf nicht sehr überzeugend und schlägt deswegen einen Kompromiss vor: Prinz Lewis soll Blanch heiraten, Tochter König Richards und Nichte König Johanns. Sie bekommt ein wenig eigenes Land in England. Dafür sollten König Johann und König Philipp sich vertragen (oder so). Damit auch Arthur (bzw. seine Mutter Constanze) zufrieden ist, wird Arthur zum Duke of Britain und Earl of Richmond. Allerdings reichen diese Titel Constanze nicht, um ihr Ehrgefühl zu befriedigen. Sie will Arthur als König sehen, darunter tut sie es nicht. So lehnt Arthur die Titel ab und stellt sich gegen die Hochzeit, wohl wissend, dass er damit neuen Ärger provoziert.

Als hätte Johann damit nicht Probleme genug, taucht am Hochzeitstag ein päpstlicher Legat auf, Kardinal Pandolpho. Er fordert Johann auf, einen vom Papst ausgewählten Erzbischof von Canterbury zu akzeptieren. Einen Mann, den Johann nicht mag. Der König verweigert die Zustimmung. Wer das kirchliche Ränkespiel jener Zeit kennt, wundert sich nicht darüber, dass Pandolpho nun König Johann exkommuniziert. König Philipp von Frankreich schwenkt auf die Seite des Klerus und der Krieg beginnt aufs Neue. Während des Kampfes tötet der Bastard den Herzog von Österreich (als Vergeltung dafür, dass der Herzog von Österreich Richard, den Vater des unehelichen Philipps ermordet hat). König Johann nimmt Algier ein und Arthur gefangen. Hubert wird aufgefordert, mit Arthur nach England zurückzukehren und diesen dort um die Ecke zu bringen. Die Idee ist, Arthurs Tod würde Johanns Titel absichern. Währenddessen stachelt Pandolpho Prinz Lewis auf, er solle versuchen, König von England zu werden.

Statt ihn zu töten, versucht Hubert Arthur lediglich zu blenden. Dies missglückt ihm gründlich. Trotzdem erzählt er König Johann, Arthur sei tot (nicht unähnlich der Geschichte von Schneewittchen und dem Förster - manche Sujets ziehen sich durch die gesamte Literaturgeschichte). Natürlich vermuten die englischen Lords, König Johann stecke hinter dieser Ermordung und stellen sich auf die Seite von Prinz Philipp. Konstanze stirbt in Trauer über den vermeintlichen Tod ihres Sohnes. Auch Königin Elinor stirbt, wohl aus Solidarität, oder um die Geschichte dramatischer zu gestalten. Genauere Gründe gibt zumindest Shakespeare nicht an. Daraufhin rückt Hubert mit der Wahrheit heraus ? auch wenn diese inzwischen nicht mehr gilt: denn Arthur hat sich zwischenzeitlich von einer Burgmauer gestürzt, um dem Elend ein Ende zu machen. König Johann unterwirft sich Pandolpho, und wird wieder in die Arme der Kirche aufgenommen. Gut geht es ihm nicht damit. Er wird krank und muss das Kriegsfeld Philipp, dem Bastard, überlassen. In einer Abtei versucht er sich zu erholen. Aber nachdem ein Mönch stirbt, der sich als Vorkoster für den König verdingt, merkt Johann einmal mehr, dass das Leben nicht so einfach ist. Er hat nämlich von den gleichen Speisen gegessen wie der Mönch. Nun taucht ? ein wenig ex machina, aber irgendwie historisch belegt - Prinz Heinrich auf, Johanns Sohn. Nach dem Tod seines Vaters wird er zum König von England. Die Kirche überzeugt die Franzosen, sich auf einen Frieden mit England einzulassen und sich nach Frankreich zurückzuziehen. Alles ist gut.

William Shakespeare: Perikles, Fürst von Tyrus

Gesamtausgabe Bd. 35
Verlag: Ars Vivendi; Auflage: 1 (Januar 2008)
Sprache: Deutsch, Englisch
ISBN-10: 3897161907
ISBN-13: 978-3897161900

Nebelverhüllt entsteigt der Dichter John Gower dem Grabe. In einem Nebel verhüllt wird er am Ende wieder grabwärts entschwinden. Dazwischen erzählt er die Geschichte von einem, der auszog, um das Leben zu fliehen und dabei Dinge erlebt, die für einen Menschen allein eigentlich zu viel sind: Perikles, Fürst von Tyrus, freit um eine Königstochter, um dann erfahren zu müssen, dass sein Leben in Gefahr ist, weil er das verlangte Rätsel (den Inzest zwischen Vater und Tochter) gelöst hat.

Er wandert über die Weltmeere, findet in einem fremden Land seine große Liebe Thaisa, verliert sie wieder bei der Geburt seiner Tochter, gibt diese in die Obhut eines Paares, dessen Tötungsabsichten das Mädchen nur entkommt, weil es von Seeräubern in ein Bordell entführt wird. „Triefäugiger Trübsinn“ sei sein Dauergast, deklamierte der arme Perikles. Im zweiten, dramatischen Teil, des Stückes erkennt man Shakespeare eher wieder. Dort trifft Perikles auf Sagengestalten und dann seine Familie wieder. Zwei Jahrzehnte sind vergangen, da findet er die inzwischen vom Landesvater losgekaufte Marina wieder und kann auch sein totgeglaubte Frau vor dem Tempel der Diana wieder in die Arme schließen.

Perikles ist mit seinen märchenhaften Zügen, der antikisierenden Atmosphäre, den Anklängen an mittelalterliche Moralitäten sowie den Anspielungen auf Zeitgenössisches weder gattungsmäßig noch thematisch leicht einzuordnen, fordert aber gerade deshalb immer wieder neue Interpretationen heraus.

William Shakespeare: Timon von Athen

Gesamtausgabe Bd. 36
Verlag: Ars Vivendi (Januar 2008)
Sprache: Deutsch, Englisch
ISBN-10: 3897161915
ISBN-13: 978-3897161917

Bei Timon von Athen hat sich Shakespeare eines historischen Stoffes angenommen, der zuerst vom griechischen Satiriker Lukian von Samosata bearbeitet wurde. Wie weit die Gestalt des Athener Misanthropen Timon historisch verbürgt ist, lässt sich schwer klären. Er soll im 5. Jahrhundert vor Christus gelebt haben.

Von Haus aus ist Timon ein Idealist und Menschenfreund. Er gibt gern, und zwar so lange, bis er selbst nichts mehr hat. Als sein Freund Ventidius wegen Schulden ins Gefängnis geht, begleicht Timon die Rechnungen und kauft so seinen Freund frei. Seinem Sklaven Lucilius gibt er Geld, damit dieser seine Angebetete heiraten kann. Bei den Künstlern ist er beliebt, weil er sich gegen sie als sehr wohlwollend erweist. Und auf seinen Festen können die Gäste sicher sein, von ihm beschenkt zu werden.

Allein, als er seinen Reichtum aufgebraucht hat und nun seinerseits bei seinen Freunden um Hilfe bittet, steht Timon allein da. Sein Diener wird abgewiesen und seine Freunde weigern sich, ihm Geld zu leihen. So gibt er ein letztes Fest, serviert seinen zahlreich erschienenen Gästen jedoch nur Wasser und Steine, beschimpft und schlägt sie und verkündet schließlich, in Zukunft die Menschen nur noch zu hasen. Verbittert zieht aus Athen fort und lebt fortan im Wald.

Nennen wir es Schicksal oder ausgleichende Gerechtigkeit: beim Buddeln nach Wurzeln, von denen er sich nun ernährt, gerät Timon an einen Goldschatz. Und wie ein Graf von Monte Christo setzt er seinen neuerlichen Reichtum dafür ein, sich an den Athenern zu rächen. Zwar stirbt Timon am Ende des Stückes, doch gelingt es seinem Freund Alkibides mit Hilfe des neuerlichen Reichtums Timons, die Stadt Athen nahezu kampflos zu erobern. Er verspricht, niemandem zu schaden außer seinen und Timons Feinden. Und davon gibt es reichlich.

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