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Freitag, März 07, 2008

Bundesprüfstelle prüft: Wo bitte geht's zu Gott?


Titel: Wo bitte geht's zu Gott?, fragte das kleine Ferkel. Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen
Autor: Michael Schmidt-Salomon, Helge Nyncke
Gebundene Ausgabe: 44 Seiten
Verlag: Alibri; Auflage: 1 (September 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3865690300
ISBN-13: 978-3865690302

Die Suche nach Gott gehört in jeder Religion zu den zentralen Fragen. Aber keine Religion sieht es gern, wenn sie selbst kritisch bei dieser Suche abschneidet. Deswegen beantragte das Bundesfamilienministerium, das Kinderbuch „Wo bitte geht's zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ des Philosophen Schmidt-Salomon auf den Index für jugendgefährdende Medien (BPjM) zu setzen. Das Buch sei geeignet, Kinder und Jugendliche sozial-ethisch zu desorientieren, hieß es. Dieser Antrag wurde am Donnerstag abgelehnt.

Worum geht es: Das kleine Ferkel und der kleine Igel hatten immer geglaubt, es könnte ihnen gar nicht besser gehen. Doch dann klebt jemand über Nacht ein Plakat an ihr Häuschen, auf dem geschrieben steht: "Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas!" Also machen sie sich auf den Weg, um Gott zu suchen...
Wo bitte geht's zu Gott?, fragte das kleine Ferkel klärt Kinder auf humorvolle Weise über die drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam auf. Die Frage, ob einem religionsfreien Kind "etwas fehlt", wird dabei aus der Perspektive des weltlichen Humanismus beantwortet: "Und die Moral von der Geschicht': Wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht ..."
(Verlagstext)

„Was haben denn die Menschen so Schlimmes getan, dass sie alle ertrinken mussten?“, fragt etwa der kleine Igel, während auf dem Bild ein übermächtiger, grimmiger Rabbi zu sehen ist. Überhaupt sprechen die Bilder eine eindringliche Sprache: „Der Bischof prügelt mit der Bibel, der Rabbi schwingt kämpferisch die Tora-Rolle, und der Mufti schart blutrünstige Fanatiker um sich.“ (Zitat Zeit.de) So hieß es auch in der Antragstellung, die Art der „bildlichen Präsentation stelle die jüdische Religion als besonders menschenverachtend, grausam und mitleidslos dar“. Alle drei Weltreligionen Christentum, Islam und Judentum jedoch würden durch das Kinderbuch der Lächerlichkeit preisgegeben. Die Prüfstelle sprach das Buch nach einer einstündigen Anhörung von Autor, Illustrator und Verleger frei: dass in dem Buch Religionskritik geübt wird und dessen Inhalt möglicherweise das Empfinden der Gläubigen der drei dargestellten Religionen verletzt, war für die Bundesprüfstelle nicht entscheidungserheblich, da dies keinen Tatbestand der Jugendgefährdung darstellt. Auch sei das Buch nicht als antisemitisch einzustufen, da alle drei Religionen gleichermaßen angegriffen würden.

In den Medien wird Autor Schmidt-Salomon wie folgt zitiert: „Ich bin sehr erleichtert ? jetzt darf endlich ganz offen in unseren Kinderbüchern auch über Religion wieder nachgedacht und gelacht werden. Es ist ein Sieg für die Meinungsfreiheit, für den gesunden Menschenverstand, für die Streitkultur, Humanismus und Aufklärung. Wir leben in einer pluralen Gesellschaft. Da gibt es verschiedene Ideen und die müssen sich auch aneinander reiben, und dadurch entsteht ja überhaupt erst gesellschaftlicher Fortschritt. Alles andere als ein Freispruch wäre ein Skandal gewesen.“ Der Versuch, sein Buch unter die Ladentheken zu verbannen, stehe für einen „zunehmenden religiösen Fundamentalismus, für einen gesellschaftlichen Roll-Back“, sagte Michael Schmidt-Salomon der taz. Nötig aber sei ein „Pluralismus in den Kinderzimmern... Überall, wo eine Kinderbibel steht, sollte auch das kleine Ferkel stehen.„ Verlagsleiter Schedel vom Aschaffenburger Alibri Verlag zur Absicht des Kinderbuchs: „Das Werk ist für konfessionslose Eltern gedacht, die ihren Kindern eine religionskritische Sicht vermitteln wollten. Alle drei Religionen werden in dem Buch gleichwertig behandelt, es sollte niemand negativ herausgehoben werden.“

Auf der Homepage des Autoren finden sich einige der eher harmlosen Bildchen aus dem Buch - der Text leider in einer kaum zu entziffernden Schriftgröße. Dort finden sich auch Materialien zur Verteidigung des Ferkels und ein Kurzinterview: Herr Schmidt-Salomon, sind Sie ein Religionshasser?.
Den kompletten Text (in Englisch!) sowie die Illustrationen finden Sie auf einer neu eingerichteten Homepage für dieses Buch: ferkelbuch.de

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