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Dienstag, März 04, 2008

Karen Joy Fowler: Der Jane Austen Club


Titel: Der Jane Austen Club : Roman zum Film mit Emily Blunt und Kathy Baker, vom Drehbuchautor des Welterfolgs "Die Geisha" / Karen J. Fowler
Übersetzung: aus d. Engl. von Marcus Ingendaay
Verfasser: Fowler, Karen J.
Verleger: München : Goldmann Verlag
Erscheinungsjahr: 2008
Umfang/Format: 320 S. ; 183 mm x 125 mm
Originaltitel: The Jane Austen Book Club (dt.)
Anmerkungen: Orig.-Ausg.: G.P. Putnam's Sons
ISBN: 978-3-442-46766-2
3-442-46766-7
Einband/Preis: kart. : EUR 7.95

Gibt es Frauenbücher? Folgt man der üblichen „Männer sind vom Mars“-Theorie, dann sind sämtliche Romanzen Frauenliteratur und sämtliche Abenteuergeschichten Männer-Werke. Jane Austens Werk ist definitiv Weltliteratur. Sie erzählt Geschichten über Liebe und Sehnsucht, ist aber darüber hinaus eine sehr genaue Beobachterin der Psyche. Sie schildert genau, aber mit einem schalkhaften Augenzwinkern. Beschreibt ganz nebenbei die gesellschaftlichen Konventionen ihrer Zeit, den Wechsel vom 18. zum 19. Jahrhundert. Sie ist kurzweilig.

Kein Wunder, dass es in den letzten Jahren eine wahre Austen-Renaissance gab. Kaum ein Jahr, in dem keine neue Austen-Verfilmung auf den Markt kam. Oder Verfilmungen ihres Lebens, wie „Geliebte Jane“. Oder der „Jane Austen Club“, ursprünglich ein Bestsellerlisten stürmender Roman, mittlerweile verfilmt und im Februar neu in unsere Kinos gekommen.

Zugegeben: auch ohne das Werk Jane Austens zu kennen, macht es Spaß, den „Austen-Club“ zu lesen. Er erzählt die Geschichte von fünf Frauen zwischen Twen und Sixty-Something, die sich monatlich treffen, um je ein Werk von Jane Austen zu besprechen. Und da die fünf Frauen unterschiedlicher nicht sein können, ist auch ihr Zugang zur Autorin sehr verschieden. Ebenfalls mit im Club ist ein junger Informatiker, der von Austen bis dato keine Ahnung hatte. Er stieß lediglich dazu, weil er auf die nähere Bekanntschaft einer der Teilnehmerinnen hoffte.

Der Roman funktioniert auf zwei Ebenen: während auf der Plot-Ebene die einzelnen Charaktere und ihre Beziehung zueinander entwickelt wird, ist der Subplot nur für Austen-Fans nachvollziehbar. Denn kaum ein Satz funktioniert nicht auch als Anspielung auf das Werk Austens, zeigt Parallelen zu den Figuren aus Austens Büchern, zu ihren Schrullen und Vorlieben. Erst hier entfaltet sich der volle Lesegenuss, weil durch die Geschichten um Bernadette, Jocelyn, Silvia, ihre Tochter Allegra, Prudie und Grigg immer auch die Figuren und Leben der Austen-Geschöpfe hindurch scheinen.

Diese Subebene geht natürlich bei der Verfilmung zum Teil verloren. Zwar ist auch der Film bis in die letzte Szene durchkomponiert (was durch die deutsche Synchronistation nicht immer deutlich vermittelt wird). Jedoch hat der Plot keine Chance, auch nur annähernd die Figuren so auszuloten, wie die Romanvorlage es tat. Austen - und damit auch jede Austen-Reminiszenz lebt sowohl von der psychologischen Einfühlsamkeit der Autorin als auch von der genauen Durchleuchtung der Lebenswelt der Figuren. Beides bleibt in der Verfilmung zumindest zum Teil auf der Strecke. So ist der Film gut, um auf Austen neugierig zu machen. Mich hat er dazu gebracht, mir zum Frühjahr erneut das Werk Austens vorzunehmen. Und vielleicht ist das schon eine ganze Menge. Ausgesprochene Austen-Fans sollten jedoch lieber auf das Buch zurückgreifen.

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