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Dienstag, März 04, 2008

Lesen! mit Elke Heidenreich März 2008, ZDF


Elke Heidenreich ist für den Buchhandel nichts anderes als das "Literarische Quartett" mit anderen Mitteln. Mag sie noch so sehr auf die alte Kritiker-Riege schimpfen: mit ihrer Sendung "Lesen!" im ZDF tut sie nichts anderes als seinerzeit Reich-Ranicky und seine Runde.

Am 07. März 2008 um 22.30 Uhr wird Elke Heidenreich im ZDF wieder eine Reihe mehr oder weniger bekannte Bücher in die Bestsellerlisten puschen. Als Gast begrüßt sie diesmal den Schauspieler Hanns Zischler.

Anbei finden Sie die Bücherliste mit den zur Zeit feststehenden Buchtiteln. Alle weiteren Bücher, die in der Sendung genannt werden, stehen aktuell noch nicht fest.

William Trevor: Geborgtes Glück

Die schönsten Erzählungen
Gelesen von Hanns Zischler
2 CDs, 139 Minuten Laufzeit
Hoffmann und Campe, 2008
ISBN :978-3-455-30560-9
19,95 Euro

Trevors erzählerisches Werk ist so umfangreich wie vielschichtig. Hanns Zischler kennt und verehrt den großen irischen Schriftsteller seit Langem. Er, der jetzt auf zwei Audio-CDs ausgewählte Texte liest, hat für die Buchausgabe die schönsten Erzählungen in diesem Band zusammengestellt und mit einem Nachwort versehen.
Oft erzählt Trevor Begebenheiten aus dem Leben ganz normaler Menschen: von Einsamkeit und verpassten Chancen, von der Allmacht des Schicksals und dem kleinen Glück. Der große irische Schriftsteller, der schon lange als der »unangefochtene Meister der Short Story« gilt (Frankfurter Allgemeine Zeitung), liebt die leisen Töne; er hat die Gabe, mit einigen wenigen Strichen große Geschichten zu entwerfen. Trevors Erzählungen sind nicht allein deshalb immer wieder beglückend, weil aus ihnen Lebensweisheit und Klugheit spricht, sondern weil sie zutiefst menschlich sind.

William Trevor: Tod des Professors

Deutsch von Hans-Christian Oeser
Hoffmann und Campe, 2007
Gebundene Ausgabe, 272 Seiten
ISBN: 978-3-455-07777-3
19,95 Euro

Während Vanessa Ormston ihrem Mann das Frühstück macht, sieht sie mit Entsetzen einen Nachruf auf ihn in der Morgenzeitung. Sie ist hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, ihm die Schmach dieses schlechten Scherzes zu ersparen, und dem Bedürfnis, ihn vor der drohenden Häme seiner Professorenkollegen zu warnen.
Es sind Konflikte wie dieser, die William Trevor in seinen Geschichten beschreibt: Momentaufnahmen außergewöhnlicher Situationen und Gefühle, die er auf unvergleichliche Weise und mit sparsamen literarischen Mitteln kraftvoll auszudrücken weiß. Egal ob es um den vermeintlichen Tod eines Professors geht oder um das Geheimnis dreier Menschen, die durch ein schreckliches Ereignis lebenslänglich aneinander gebunden sind, oder aber um ein junges Paar, das am Vorabend seiner Hochzeit plötzlich mit dem wahren Gesicht des jeweils anderen konfrontiert wird. »Der melancholische Altmeister der irischen Literatur« Süddeutsche Zeitung lehrt uns einmal mehr, dass es vor dem Schicksal kein Entrinnen gibt. »Ein großer Schriftsteller auf dem Höhepunkt seines Schaffens.« Sunday Times

Karin Kersten: Hohe Tannen

Roman für Freunde
Klöpfer und Meyer, 2007
Gebundene Ausgabe, 364 Seiten
ISBN 978-3-937667-90-4
22,50 Euro

Endlich einmal in aller Ruhe befreundet sein zu dürfen - eines Freundes Freund zu sein, das ist doch nicht zuviel verlangt? Vielleicht sogar mehrerer Freunde Freund - schließlich heißt es ja auch: Freunde kann man nie genug haben. Es ist nicht zuviel verlangt, doch es verlangt viel, stellen die Freunde bald nach ihrer Heimkehr fest. Denn nun ist wieder eine andere Zeit, und einer nach dem anderen sind sie zurückgekehrt. Sie sind wieder zu neunt, wahrlich ein großer Wurf! Und wenn es auch stimmt, dass neun Hirne mehr denken als eins, neun Herzen gewaltiger schlagen, so gibt es doch auch neunmal soviele Probleme, neunmal soviel Aufregung, wie sollte es anders sein? Und so denkt Hedel, dieses Wundertier von einer Haushälterin, als sie an ihrem Herd steht, ein Festessen vorbereitet und dabei auf den Hof der Sägewerksvilla hinabblickt, zu recht: "Wenn Menschen in diesem Alter sind, wo es auf der Kippe steht, ob sie noch einmal wild werden oder sich bescheiden, kann man wohl kaum Ruhe erwarten. Irgendetwas brennt immer beinahe an."

Asli Erdogan: Die Stadt mit der roten Pelerine

Aus dem Türkischen von Angelika Gillitz-Acar und Angelika Hoch
Nachwort von Karin Schweißgut
Unionsverlag, 2008
Gebundene Ausgabe, 218 Seiten
ISBN 3-293-10010-4
19,90 Euro

Rio de Janeiro: Stadt des Karnevals, Meisterin im Spiel der Täuschungsmanöver, der Zufälle und der Maskerade. Özgür, eine introvertierte junge türkische Akademikerin, kann sich von der ebenso faszinierenden wie bedrohlichen Stadt nicht lösen, ja sie fühlt sich vielmehr angezogen von der scheinbar grenzenlosen Freiheit und der Lebensfreude der brasilianischen Metropole. Weit entfernt hat sich dabei die junge Frau von der traditionellen Frauenrolle, wie sie die türkische Gesellschaft vorsieht. Nicht wie eine Touristin führt Özgür den Leser durch die Labyrinthe dieser Großstadt, sondern wie eine Migrantin, die das zunächst Fremde als Vertrautes und Eigenes akzeptiert. Gleichzeitig ist die Stadt Impuls für ihr Schreiben und für die Schöpfung ihrer fiktiven Doppelgängerin Ö. - die beiden Erzählebenen, auf mannigfache Weise miteinander verflochten, spiegeln sich ineinander. Passagen, die aus einem Reiseführer stammen könnten, folgen surrealen Szenen, satirische Momente wechseln sich mit Zeitungsmeldungen ab. Die Reise in die Straßen Rio de Janeiros, immer begleitet von brasilianischen Rhythmen, führt mitten hinein in die Tiefen der Stadt mit ihren aufmüpfigen Favelas. Atemberaubend ist die nuancierte Feinzeichnung der Menschen, die in Liebe und Leid auf oftmals tödliche Weise miteinander verschmelzen.

Rainer Griese: Lesen. Ohne Worte

Gerstenberg Verlag, 2008
Gebundene Ausgabe, 224 Seiten
ISBN:978-3-8369-2971-4
15,90 Euro

Lesend vergesse ich die Welt um mich herum, lesend balanciere ich am Abgrund, lesend schwebe ich auf Wolke sieben und verspüre alles Glück der Welt. In assoziativer Folge versammelt dieses kompakte Büchlein Skulpturen - von der Nippes- bis zur Meissener Porzellanfigur -, außerdem Gemälde, Stiche und Fotografien von Lesenden. Der Künstler Rainer Griese hat die Lesenden in überraschende Umgebungen gesetzt oder sie mit den Mitteln der Fotomontage verfremdet. Er hat Einzelbilder komponiert und kleine Serien geschaffen. Herausgekommen ist eine umfangreiche Sammlung sinniger, lustiger, grotesker und immer wieder überraschender Leser-Kompositionen, die den Betrachter schmunzeln, lauthals lachen - oder einfach Farben, Formen und kluge Bildideen genießen - lassen.
Dieses kompakte Büchlein versammelt Plastiken, Gemälde und Stiche von Lesenden. Und zwar in ungewöhnlichen Inszenierungen. Ein tolles Geschenk für alle, die nichts glücklicher macht als Lesen.

Constance de Salm: 24 Stunden im Leben einer empfindsamen Frau

Deutsch von Claudia Steinitz
Hoffmann und Campe, 2008
Gebundene Ausgabe, 128 Seiten
ISBN 978-3-455-40093-9
14,95 Euro

Als ihr Geliebter nach dem Konzert zu einer anderen in die Kutsche steigt, ist die junge Dame verzweifelt. Voller Eifersucht schreibt sie ihm ein Billett nach dem anderen, ohne Antwort zu erhalten ... Constance de Salms Briefroman über eine gefühlvolle Frau erschien erstmals 1824 und beschwört auf bezaubernde Weise den Taumel der Liebe. »Mein Lieb, mein Engel, mein Leben, nichts als Aufruhr ist meine Seele, nichts als Verwirrung!« Madame de Salm weiß nicht, wie ihr geschieht. Ihr heimlicher Geliebter hat nach der Oper mit einer Dame getuschelt und ist anschließend in ihrer Kutsche in die Nacht davongefahren, ohne seine Geliebte auch nur eines Blickes zu würdigen. Madame de Salm befürchtet das Schlimmste und schreibt ihm noch in der Nacht das erste Billett, dem tags darauf weitere leidenschaftliche Briefe folgen. Im Furor der Eifersucht leistet sie glühende Liebesschwüre, fleht ihn an, sich nicht an ihrer Liebe zu versündigen, gesteht bohrende Zweifel und erhebt heftige Anklagen. Doch sie bekommt keine einzige Antwort. Als sie in ihrer Verzweiflung dem hartnäckigen Werben eines Verehrers nachgibt, spitzt sich die Lage zu ...

Michael Kumpfmüller: Nachricht an alle

Kiepenheuer und Witsch, 2008
Gebundene Ausgabe, 383 Seiten
ISBN 978-3-462-03967-2
19,95 Euro

Döblin-Preis 2007 für den großen Roman über die Mechanismen der Macht und die Mechanik der Gefühle. Wir stürzen ab, betet für mich diese Sms erhält ein Vater von seiner Tochter mitten in der Nacht, in einem Hotelzimmer in Nordamerika. Was wie ein grausamer Scherz klingt, erweist sich als der modernste aller Albträume: Selbst aus todgeweihten Flugzeugen können wir noch Nachrichten empfangen Nachrichten an alle. Mit diesem Donnerschlag beginnt Michael Kumpfmüllers neuer Roman, der die Politik zurück in die deutsche Literatur bringt. Denn der Vater, der diese Nachricht bekommt, ist Innenminister eines westeuropäischen Landes, das gerade in eine schwere Krise stürzt. Streiks, soziale Unruhen und diffuse terroristische Bedrohungen lassen Minister Selden keine Zeit für Trauer. In »Nachricht an alle« treibt Michael Kumpfmüller eine Sonde durch die Schichten unserer westlichen Demokratien. Nicht nur Seldens privates und politisches Schicksal interessieren ihn, sondern die monströsen Mechanismen innerer Sicherheit, die gegenseitige Durchdringung von privater und öffentlicher Sphäre. Dazu gehört auch das dröhnende Räsonnement von Medien, Experten und vermeintlicher Volkes Stimme, das als Hintergrundrauschen den politischen Diskurs begleitet und aushöhlt. Kumpfmüller gelingt ein flirrendes Porträt der Gleichzeitigkeiten: Während in den klimatisierten Büros der Eliten Entscheidungen getroffen werden, beginnt sich unten in den Großstadtschluchten, an den heißen Rändern der Gesellschaft, eine Gruppe von Menschen zu regen, die auf den großen Schlag wartet. So kenntnisreich, packend und klug ist in der deutschen Literatur noch nicht über Politik und Gesellschaft geschrieben worden. Mit diesem groß angelegten, sprachlich fein gearbeiteten und vielstimmigen Roman erweist sich Michael Kumpfmüller als einer der bedeutendsten Romanciers unserer Zeit.

Helmut Krausser: Die kleinen Gärten des Maestro Puccini

DuMont Buchverlag, 2008
Gebundene Ausgabe, 382 Seiten
ISBN 978-3-8321-79892
19,90 Euro

Aus Liebe zu den Opern Giacomo Puccinis begann Helmut Krausser, dessen verborgene Lebensumstände zu erforschen. Mit den Ergebnissen seiner Recherchen schrieb er einen Roman, der zehn ereignisreiche Lebensjahre des Meisters in neuem Licht erscheinen lässt. Es gelang dem Autor nicht nur, die streng gehütete Identität der Puccini-Geliebten Corinna zu enthüllen, sondern - mit Hilfe neu aufgetauchter Dokumente - auch die tragischen Umstände, die zum Skandal um sein Hausmädchen Doria Manfredi führten. Entstanden ist dabei viel mehr als nur eine Chronique Scandaleuse. Die Spannungsfelder zwischen Kunst und Erfolg, Liebe und Begierde, Neid und Intrige, Eifersucht und Hass, Revolte und Versagen liefern den Stoff zu einem oft bizarren Geflecht der Verstrickungen. Rund um die Person des heute populärs­ten Opernkomponisten entfaltet sich das spannende Panorama jener letzten Phase der Belle Epoque in einer neuen, überraschenden Perspektive

Martin Walser: Ein liebender Mann

Rowohlt Verlag, 2008
Gebundene Ausgabe, 288 Seiten
ISBN 978-3-498-07363-3
19,90 Euro

Der 73-jährige Goethe Witwer und so berühmt, dass sein Diener Stadelmann heimlich Haare von ihm verkauft liebt die 19-jährige Ulrike von Levetzow. 1823 in Marienbad werden Blicke getauscht, Worte gewechselt, die beiden küssen einander auf die Goethe sche Art. Er sagt: Beim Küssen kommt es nicht auf die Münder, die Lippen an, sondern auf die Seelen.«Das war sein Zustand: Ulrike oder nichts.» Aber sein Alter holt ihn ein. Auf einem Kostümball stürzt er, und bei einem Tanztee will sie ein Jüngerer verführen. Der Heiratsantrag, den er Ulrike trotzdem macht, erreicht sie erst, als ihre Mutter mit ihr nach Karlsbad weiterreisen will. Goethe, mal hoffend, mal verzweifelnd, schreibt die «Marienbader Elegie». Zurück in Weimar, lässt ihn die eifersüchtige Schwiegertochter Ottilie nicht mehr aus den Augen. Martin Walsers neuer Roman erzählt die Geschichte einer unmöglichen Liebe: bewegend, aufwühlend und zart. Die glaubwürdigkeit, die Wucht der Empfindungen und ihres Ausdrucks das alles zeugt von einer Kraft und (Sprach-)Leidenschaft ohne Beispiel.

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