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Standort: Hamburg, Germany

Dienstag, Januar 06, 2009

SWR Bestenliste Januar 2009


Platz 1 (4) 59 Punkte

URSULA KRECHEL: Shanghai fern von wo

Gebundene Ausgabe: 500 Seiten
Verlag: Jung und Jung
Auflage: 1
Erscheinungsdatum: 25. August 2008
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3902497444
Mittelschwere Lektüre

Shanghai am Vorabend des Zweiten Weltkriegs. Für Tausende Juden ist es das letzte Schlupfloch, und sie kommen, ohne Visum, aber voller Hoffnung. Ursula Krechels bewegender Roman erzählt von Menschen, die versuchen, das Überleben zu lernen.

Da steht sie mitten in einer Restaurantküche in Shanghai und walkt den Teig, als ginge es um ihr Leben, und das tut es auch. Ein Strudel soll es werden, ein süßer natürlich, aber dann füllt sie, was noch übrig ist, mit zartem Gemüse, und auf einmal hat sie der chinesischen Küche etwas hinzuerfunden, was niemand mehr missen möchte: die Frühlingsrolle. Franziska Tausig ist eine von vielen, der Berliner Buchhändler Ludwig Lazarus ist ein anderer, und am Ende waren es achtzehntausend Juden, die seit 1938 eines der letzten Schlupflöcher noch nutzen konnten und so im fernen fremden Shanghai überlebten. Sie kamen ohne Visum und Illusionen mit einem Koffer und zehn Reichsmark in der Tasche, Anwälte, Handwerker, Kunsthistoriker, und wenn sie in dieser überfüllten Stadt und dem feucht drückenden Klima zurechtkommen wollten, dann waren Erfindungsgabe und Tatkraft gefordert. Nicht jeder war, nach dem, was hinter ihm lag und vor ihm, dazu imstande. Atemberaubend vielstimmig und vielschichtig erzählt Ursula Krechel davon. Aus langjährigen Recherchen entstand so der Stoff zu einem weitgespannten erzählerischen Bogen, der den Leser in eine Welt bringt, die einem näher ist als erwartet.

Leseprobe beim Verlag Jung und Jung

Platz 2 (-) 53 Punkte

MARION POSCHMANN: Hundenovelle

Gebundene Ausgabe: 126 Seiten
Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt
Auflage: 1
Erscheinungsdatum: 25. August 2008
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3627001490
Mittelschwere Lektüre

Hundenovelle handelt von einer ungewöhnlichen Begegnung: Am Stadtrand läuft der Erzählerin ein schwarzer Hund zu, verwildert, hungrig, aber von eigenartiger Schönheit. Der Hund lässt sich nicht abschütteln und drängt sich durch den Türspalt in ihre Wohnung. Sie kauft ihm zögerlich Tiernahrung, bringt ihn in einen Hundesalon. Mit dem imposanten Tier tritt ein Gegenüber in ihr Leben, das auf verstörende Weise immer mehr Platz in ihrer Einsamkeit einnimmt. Es sind die Hundstage, die Zeit der größten Sommerhitze, verbunden mit dem Erscheinen des Sternbilds "Großer Hund" am Horizont, dessen hellster Stern Sirius seit jeher als Künder besonderer Ereignisse und als Stern des Totenreichs gilt.

Platz 3-4 (10-11) 50 Punkte

ROBERT OLMSTEAD: Der Glanzrappe

Gebundene Ausgabe: 260 Seiten
Verlag: Eichborn
Auflage: Numeriert und limitiert
Erscheinungsdatum: Juli 2008
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3821845920
Leichtere Lektüre

»Er dachte auch daran, was sie ihm gesagt hatte, als er zwölf war. Er sei nun alt genug, um das Land zu bestellen, aber noch nicht alt genug, um dafür zu sterben. Um für sein Land zu sterben, mußte er mindestens vierzehn sein. Jetzt war er vierzehn.«

Robey Childs ist gerade vierzehn Jahre alt, als er eine magische Schwelle übertritt. Nicht mehr Kind und noch nicht Mann muss er sein Zuhause verlassen und sich dem Auftrag seiner Mutter beugen, der für ihn den sicheren Tod bedeutet: "Reite los und such deinen Vater, hol ihn zurück nach Haus." Ein Auftrag ebenso unmissverständlich wie unmöglich, denn: es ist das Jahr 1863, der amerikanische Bürgerkrieg erreicht seinen Höhepunkt und Grauen und Chaos überschatten das Land. Doch Robey stellt sich der Gefahr und seinen Ängsten und macht sich auf dem Rücken eines wunderschönen Rappens auf den Weg durch eine von Krieg und Zerstörung geschundene Landschaft. Je weiter sich Robey von seinem Zuhause entfernt, desto haarsträubender werden die Prüfungen und Gefahren, die er bestehen muss: Sein außergewöhnliches Pferd, das er zu Anfang des Weges von einem alten Farmer geschenkt bekommen hat, wird gestohlen, Robey wird als Spion gefangen genommen, seiner Habseligkeiten und Waffen beraubt, er muss die Vergewaltigung eines Mädchens mitansehen und gerät schließlich in einen gewaltigen Überfall. Doch wie durch ein Wunder überlebt Robey, findet sogar seinen Rappen wieder und erreicht schließlich am Ende seiner Kräfte das Schlachtfeld von Gettysburg - einen Ort, an dem er zwar seinen Vater findet, sich aber auch den Wunden einer ganzen Nation stellen muss.

Mit ungeheurer Intensität und literarischer Kraft beschreibt Robert Olmstead in seinem Roman Der Glanzrappe, der in der Reihe Die Andere Bibliothek erstmals in deutscher Übersetzung erscheint, die Geschichte eines jungen Mannes, der in der Grausamkeit des Krieges erwachsen wird und nicht verhindern kann, dass Gewalt, Tod und Furcht, die jeder Krieg mit sich bringt, auch sein Leben nachhaltig überschatten. Die abenteuerliche Suche nach seinem Vater wird letztlich zu einer eindringlichen Suche nach sich selbst, der Ritt durch das zerstörte Amerika gleichsam zu einer Reise in das Innere eines jungen Mannes - eine Reise, die am Ende einen hohen Preis fordern könnte.

Platz 3-4 (7) 50 Punkte

HANS PLESCHINSKI: Ludwigshöhe

Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Verlag: C.H. Beck
Auflage: 1
Erscheinungsdatum: 29. August 2008
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3406576898
Leichtere Lektüre

Die drei Geschwister Berg - Clarissa, Monika und Ulrich - machen ein vertracktes Erbe. Ihr Onkel Robert bedenkt sie mit gewaltigen und weit verzweigten Vermögenswerten, allem voran mit einer Villa am Starnberger See. All dies könnte sie auf einen Schlag von ihrem ermüdenden, nicht unbedingt aussichtsreichen Existenzkampf befreien. Aber er macht ihnen eine Auflage: Sie müssen dieses Haus als Hort und Zufluchtsort für Lebensmüde betreiben und ihnen auch das eine oder andere nützliche Utensil bereithalten; nicht nur rechtlich eine Gratwanderung. Voller Skrupel und Ängste, aber auch scharf aufs Erbe öffnen die Geschwister die Villa an der Ludwigshöhe für eine stetig wachsende Zahl von Finalisten . Da findet sich eine verzweifelte Verkäuferin neben dem Bühnenbildner mit gewissen körperlichen Defiziten ein, eine ausgebrannte Lehrerin neben einer vereinsamten Schauspielerin, eine medikamentenabhängige Witwe neben der liebeskranken Domina, ein bankrotter Verleger, aber auch eine erst 17jährige syrische Immanitin, die Angst hat, Opfer eines Ehrenmords zu werden. Während die Geschwister den Keller des Hauses mit praktischen Kühltruhen füllen, machen die Moribunden fast gar keine Anstalten mehr, ihrem dunklen Drang zu folgen. Die alte Villa erlebt ein Fest des Lebens - der kuriosen Beziehungen, Gespräche, Annäherungen und Abstoßungen, neuer Liebe und Lebensmutes - wie es als frisches, zeitgemäßes Panorama und in brillant-unterhaltsamer Form nur Hans Pleschinski inszenieren kann.

Ein großer Roman, der ein ebenso präzises wie farbiges Bild des gegenwärtigen Lebens bietet, der Versagungen, Überforderungen und Zwänge, aber auch der Wünsche, Sehnsüchte und der Möglichkeiten, die dem Dasein auch abzugewinnen sind.

Leseprobe beim Verlag C.H.Beck
Hörprobe beim Verlag C.H.Beck

Platz 5 (9) 43 Punkte

MIGUEL DE CERVANTES : Don Quijote von der Mancha

Gebundene Ausgabe: 1488 Seiten
Verlag: Hanser
Erscheinungsdatum: 10. September 2008
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3446230767
Mittelschwere Lektüre

Jeder kennt Don Quijote, den Ritter, und seinen weltklugen Knappen, Sancho Panza. Wortreich und wunderbar absurd sind die Gespräche, in denen die beiden Helden streiten und philosophieren, während sie sich von ihren Blessuren kurieren. Zweihundert Jahre nach Ludwig Tieck, der den "Don Quijote" zum entscheidenden Werk der Romantik machte, erhält der Klassiker mit Susanne Langes Neuübersetzung nun auch im Deutschen die sprachliche Dimension, die er im Original besitzt. In einem reichhaltigen Anhang wird das Goldene Zeitalter in Spanien beleuchtet, werden biographische und geschichtliche Hintergründe aufgezeigt sowie die jüngsten Erkenntnisse der Quijote-Forschung mitgeteilt.

Leseprobe beim Carl Hanser Verlag

Platz 6 (10-11) 33 Punkte

RICHARD YATES: Eine besondere Vorsehung

Gebundene Ausgabe: 389 Seiten
Verlag: Dva
Ersscheinungsdatum: 18. August 2008
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3421043313
Leichtere Lektüre

Alice ist überzeugt, das Leben halte etwas ganz Besonderes für sie und ihren Sohn Robert bereit - als Künstlerin wird sie Anerkennung finden und ihr Bobby die Privatschule abschließen. Doch wie so oft kommt alles ganz anders als geplant... Richard Yates, ein Meister der klaren Worte, spiegelt in »Eine besondere Vorsehung« aufs Neue mit lakonischer Schärfe die Schattenseiten des amerikanischen Traums.

Robert Prentice ist das Ein und Alles seiner Mutter Alice. Ihm, dem sie einst mit einer Statue ein Denkmal setzte, hat die Bildhauerin ihren bisher einzigen Kritikererfolg zu verdanken. Und mit seiner Hilfe - so viel ist sicher! - wird sie irgendwann künstlerische Anerkennung erzielen. Doch plötzlich steht sie allein da mit ihren Fantasien von einem glamourösen Künstlerleben, denn Robert meldet sich zum Militär und geht nach Europa, um auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs zu Ruhm und Ehre zu gelangen. Eine herzzerreißende Geschichte über eine von einseitigen Abhängigkeiten geprägte Mutter-Sohn-Beziehung und die Illusionen, die ein junger Mann sich über den Krieg macht - und gleichzeitig das Sittengemälde einer Gesellschaft, die von sozialer Härte und dem fruchtlosen Streben nach Idealen gekennzeichnet ist. Ein weiterer grandioser Roman von Richard Yates, »einem der wichtigsten amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts« (FAZ).

Leseprobe bei Random House

Platz 7 (-) 30 Punkte

SOFJA TOLSTAJA: Eine Frage der Schuld

Gebundene Ausgabe: 314 Seiten
Verlag: Manesse
Erscheinungsdatum: 28. Oktober 2008
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3717521501
Leichtere Lektüre

75 Jahre nach dem Tod ihres Mannes gab es einen Sensationsfund im Nachlass: einen Eheroman, geschrieben im Dialog mit der "Kreutzersonate" Lew Tolstois.

Wessen Schuld ist es, wenn aus Liebe Lieblosigkeit wird, aus Leidenschaft Wahn, aus Begehren Überdruß? - Sofja Tolstajas Roman zeichnet das differenzierte Porträt eines mehr und mehr sich entfremdenden Paares. Mit diesem überraschenden Fund, hier in deutscher Erstübersetzung, tritt die Autorin aus dem Schatten ihres weltberühmten Ehemannes.

Dass hochbegabte Frauen im Schatten hochbegabter Männer stehen, ist nichts Außergewöhnliches. Dem Angebeteten zuliebe leisten sie Verzicht, werden im besten Fall zu Musen, im schlechtesten zu Haushälterinnen. Dies ist auch das persönliche Schicksal der Sofja Tolstaja (1844-1919), nachzulesen in ihrer «Kleinen Autobiographie». Über Jahrzehnte hinweg war sie ihrem Mann, dem berühmten Tolstoi, treue Gefährtin, verständige Erstleserin und Kritikerin seiner Werke, Schreibkraft, «Ehefrau im althergebrachten Sinne» (nach Tolstois eigenem Bekunden) und nicht zuletzt Mutter von dreizehn gemeinsamen Kindern. Niemand konnte ahnen, daß sich hinter der Frau an Tolstois Seite eine exzellente Schriftstellerin verbarg, hatte sie doch ihre erste Erzählung vor der Hochzeit verbrannt. Fünfundsiebzig Jahre nach Tolstajas Tod aber machte man in ihrem Nachlaß einen Sensationsfund. «Eine Frage der Schuld» handelt von der fatalen Entfremdung zwischen Eheleuten. Mit psychologischer und stilistischer Finesse schildert die Autorin, wie bohrende Eifersucht erst das Vertrauen zerstört und dann die beidseitige Achtung. Im Gegensatz zur frauen- und lustfeindlichen «Kreutzersonate» Tolstois, als dessen Gegenstück Tolstajas kleiner feiner Roman angelegt ist, erfahren hier beide Seiten Gerechtigkeit. Mit «Eine Frage der Schuld» ist eine Autorin zu entdecken, die fortan einen eigenen Rang und Namen in der Weltliteratur beanspruchen kann.

Eine überraschend anderer Blickwinkel auf das Werk des großen Dichters.

Platz 8 (-) 27 Punkte

HANNS ZISCHLER: I Wouldn´t Start from Here

Verlag: Marbach am Neckar : Dt. Schillerges.
Erscheinungsjahr: 2008
Umfang/Format: 73 S. : zahlr. Ill. ; 21 cm
Gesamttitel: Marbacher Magazin ; 122
ISBN: 978-3-937384-38-2
Leichtere Lektüre

Ein Fremder in einer großen schottischen Stadt fragt einen Einheimischen nach dem Weg zum Bahnhof. Lange sinnierend gibt der Angesprochene schließlich die Auskunft: »I wouldn't start from here«. Vermeintlich hilfsbereitere Zeitgenossen unterstützen ihre Ausführungen gern mit einer rasch gefertigten Skizze. Hanns Zischler, rastlos neugieriger Filmschauspieler und Schriftsteller, sammelt seit vielen Jahren solche Zeugnisse menschlicher Orientierungssehnsucht. In die Hände gefallen sind ihm Dokumente aus aller Welt, die meist mehr über die (sich) verortenden Personen und Kulturen verraten als über den wirklichen Weg zum Ziel. Im vorliegenden Marbacher Magazin präsentiert und kommentiert Zischler tragisch-komische Beispiele hoffnungsvoller Verwirrung in Gestalt von Karten-Zetteln. Zuvor berichtet Peter Geimer von Gestrandeten, Irrgängern und Helden der Desorientierung in der Literatur und von einem Selbstversuch, der zur Erkenntnis führt: Das Bistro Savoy existiert nicht mehr.

Zu beziehen z.B. über den Online-Shop des Deutschen Literaturarchivs

Platz 9 (5-6) 26 Punkte

JAN KONEFFKE: Eine nie vergessene Geschichte

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: DUMONT Literatur und Kunst Verlag
Auflage: 1
Erscheinungsdatum: 25. August 2008
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3832179595
Mittelschwere Lektüre

Felix Kannmacher wächst mit drei Brüdern im Ostseestädtchen Freiwalde auf. Felix Vater, ein strenger Schulmeister, verehrt den Philosophen Immanuel Kant, die Mutter wird von wechselnden Stimmungen und bald auch von Wahnideen beherrscht. Der erste Bruder ertrinkt, der zweite veranstaltet Hahnenwettkämpfe, der dritte zieht freiwillig in den beginnenden Krieg. Felix flüchtet sich ins Klavierspiel, immerhin wurde ihm eine Zukunft als Konzert­pianist prophezeit. Das Klavier verstummt, als seine Mutter die Saiten als kriegstauglichen Rohstoff zur Sammelstelle bringt. Felix verschenkt sein Herz an Emilie, die Tochter des Apothekers. Doch auf die hat auch sein älterer Bruder ein Auge geworfen. Felix bleibt nur Emilies widerspenstige Schwester Alma. Kurz vor der Doppelhochzeit nimmt er Reißaus. Der Roman entfaltet das Panorama vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis zu Kriegsende und Flucht 1945. Jan Koneffke zeichnet das Bild einer untergegangenen Welt voller Menschen, die an der Geschichte Schaden nehmen, aber auch an ihren eigenen Vorstellungen. Wie sagte Postkutscher Weidemann immer schon: »Es kommt schlimmer, als es bereits ist.«

Leseprobe beim DuMont Verlag

Platz 10 (-) 25 Punkte

STEFFEN POPP: Kolonie Zur Sonne

Broschiert: 64 Seiten
Verlag: Kookbooks
Auflage: 1
Erscheinungsdatum: 20. Oktober 2008
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3937445359
Schwierigere Lektüre

Was sich mir zunehmend als das eigentliche Projekt der Poesie erschließt und in meinem Schreiben zumindest ansatzweise ständig geschieht, ist die Verwirklichung der poetischen Praxis, ihre Umsetzung in eine Lebensform. Dabei geht es nicht zuletzt auch darum, herauszufinden, wie die spezifischen Orientierungen und Verfahrensweisen der Poesie mit denen anderer Lebensformen zusammenhängen. Schließlich ist von vornherein das Leben in seiner Gesamtheit der einzige Gegenstand, bearbeiten wir immer nur die ses mit allen verfügbaren Mitteln. So möchte ich, wenn ich die poetische Praxis hier überhaupt von der lebendigen abhebe, einfach nur sagen: Es wäre verfehlt, zu beklagen, dass unsere Anstrengungen der Wirklichkeit nicht gerecht werden, wir uns ihr bestenfalls annähern können, denn eigentlich betreiben wir die entgegengesetzte Bewegung, die Verlebendigung dieser Wirklichkeit im Gedicht. Indem wir die Sprache wählten, das abstrakteste Medium und »offenbar schlechteste Werkzeug für alles«, wählten wir zugleich den am weitesten entwickelten Hebel, und das Gedicht, in seiner Lebensferne, ist nichts anderes als eben unser Bemühen um dieses Leben: Nur was wir in poetische Praxis umsetzen, kann guten Gewissens als »anthropologisch gemeistert« gelten. »glückssendend, schönheitstriefend, abgefahren«

 

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