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Neuerscheinungen und Rezensionen

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Name: Ennka
Standort: Hamburg, Germany

Samstag, Februar 07, 2009

Bücher für Bücherliebhaber


Seit geraumer Zeit haben Bücher, die sich mit der Magie von Büchern beschäftigen, eine reelle Chance, auf dem Buchmarkt einzuschlagen. Wer erinnert sich nicht an den Erfolg von Michael Endes Unendlicher Geschichte?

»Bastian Balthasar Bux gerät in einem Antiquariat an ein Buch, das ihn auf magische Weise anzieht: ?Die unendliche Geschichte?. Er stiehlt es und liest auf dem Schulspeicher vom grenzenlosen Reich Phantásien, in dem sich auf unheimliche Weise das Nichts immer weiter ausbreitet. Ursache dafür ist die Krankheit der "Kindlichen Kaiserin", die einen neuen Namen braucht, um gesund zu werden. Den kann ihr aber nur ein Menschenkind geben. Bald merkt Bastian, dass er mehr und mehr in die Handlung um den jungen Krieger Atréju und dessen Aufgabe, ein solches Menschenkind zu finden, hineingerät. Sollte er selbst jenes Menschenkind sein?«
(Verlagstext)

Seit ein paar Jahren häufen sich solche Romane. Losgetreten hat das Phänomen Carlos Ruiz Zafón, der mit seinem Der Schatten des Windes und dem Friedhof der vergessenen Bücher, bzw. der Suche nach dem einen, ganz speziellen Autoren, bei seinem Erscheinen zum Jahresbestseller avoncierte.

»Als der junge Daniel den geheimnisvollen "Friedhof der vergessenen Bücher" betritt, ahnt er nicht, daß sein Leben eine dramatische Wende nehmen wird. Der Schatten des Windes, das Buch, das er für sich auswählen darf, wird ihn nicht mehr loslassen. Immer mehr taucht Daniel in die faszinierende Handlung des Romans ein, und auch sein eigenes Leben scheint sich den Gesetzen dieser Geschichte zu unterwerfen ...«
(Verlagstext)

Leseprobe beim Suhrkamp Verlag

Etwa zeitgleich kam Walter Moers mit einem anderen Bibliophilen-Roman auf den Markt und landete damit ebenfalls auf den Bestsellerlisten: Die Stadt der träumenden Bücher. Ich hatte für unseren Buchladen ein paar Exemplare geordert. Aber immer, wenn ich das Buch selbst lesen wollte, waren alle Exemplare gerade verkauft. So habe ich die Lektüre noch vor mir. Und freue mich drauf.

»Walter Moers entführt uns in das Zauberreich der Literatur, wo Lesen ein letztes Abenteuer ist, wo einen Bücher nicht nur spannend unterhalten oder zum Lachen bringen, sondern auch in den Wahnsinn treiben oder sogar töten können. Nur wer bereit ist, für das Lesen derartige Risiken in Kauf zu nehmen, möge dem Autor folgen. Allen anderen wünschen wir ein gesundes, aber todlangweiliges Leben!

Als der Pate des jungen Dichters Hildegunst von Mythenmetz stirbt, hinterlässt er seinem Schützling nur wenig mehr als ein Manuskript. Dieses aber ist so makellos, dass Mythenmetz sich gezwungen sieht, dem Geheimnis seiner Herkunft nachzugehen. Die Spur führt nach Buchhaim, der Stadt der Träumenden Bücher. Als der Held sie betritt, ist es, als würde er die Tür zu einer gigantischen Buchhandlung aufreißen. Er riecht den Anflug von Säure, der an den Duft von Zitronenbäumen erinnert, das anregende Aroma von altem Leder und das scharfe, intelligente Parfüm von Druckerschwärze. Einmal in den Klauen dieser buchverrückten Stadt, wird Mythenmetz immer tiefer hineingesogen in ihre labyrinthische Welt, in der Lesen noch eine wirkliche Gefahr ist, in der rücksichtslose Bücherjäger nach bibliophilen Schätzen gieren, Buchlinge ihren Schabernack treiben und der mysteriöse Schattenkönig herrscht.«
(Verlagstext)

Letztenendes geht es auch in der Tintenherz-Trilogie von Cornelia Funke um nichts anderes als die Liebe zum Buch. Und wieder finden sich die Bände in den Jahresbestsellerlisten. Dabei ist Tintenherz nichts anderes als eine gelungene Melange aus der Unendlichen Geschichte mit einem Schuss Harry Potter-Bedrohung.

»In einer stürmischen Nacht taucht ein unheimlicher Gast bei Meggie und ihrem Vater Mo auf. Er warnt ihren Vater vor einem Mann namens Capricorn. Am nächsten Morgen reist Mo überstürzt mit Meggie zu ihrer Tante Elinor ...
Elinor verfügt über die kostbarste Bibliothek, die Meggie je gesehen hat. Hier versteckt Mo das Buch, um das sich alles dreht. Ein Buch, das Mo vor vielen Jahren zum letzten Mal gelesen hat und das jetzt in den Mittelpunkt eines unglaublichen, magischen und atemberaubenden Abenteuers rückt - eines Abenteuers, in dessen Verlauf Meggie nicht nur das Geheimnis um Zauberzunge und Capricorn löst, sondern auch selbst in große Gefahr gerät.«

Leseprobe beim Dressler Verlag

Faszinierender dagegen für mich die ehemaligen Polizei-Beamten, die sich von ihrem Beruf abkehrten, um statt dessen ein Antiquariat zu eröffnen. Da haben wir in Skandinavien van Weeteren, erfunden von Hakan Nesser. Das Antiquariat dient hier als Kulisse, wenig mehr. Auch wenn z.B. im Band Die Schwalbe, die Katze, die Rose und der Tod die entscheidende Lösung (und der Titel) von drei Romanen inspiriert wurde. Und van Weeteren, bedingt durch sein wunderbares Namensgedächtnis, das auch vor Romanfiguren keinen Halt macht, plötzlich Zusammenhänge sieht, die sich eben nur Bibliophilen eröffnen.

»Die Verbindung zwischen den einzelnen Opfern ist unklar. Doch als der ehemalige Kommissar Van Veeteren widerwillig die Geborgenheit seines Antiquariats verlässt, um einigen mysteriösen Todesfällen nachzugehen, stößt er schnell auf ein deutliches Muster aus der Bücherwelt. Blake. Musil. Rilke. Offensichtlich ist der Mörder, den er sucht, belesen, denn die Decknamen, die er benutzt, sind literarische Anspielungen, und die einzigen Spuren, die er hinterlässt, sind seltene Gedichtbände. Van Veeteren ahnt, dass er es mit einem Mörder ungewöhnlichen Schlages zu tun hat.«
(Verlagstext)

Leseprobe bei randomhouse.de

Glaubwürdiger geht es da bei seinem kubanischen Kollegen Mario Conde aus der Feder Leonardo Paduras. Conde erlebt man nicht nur dabei, wie er in den Straßen Havannas nach neuen alten Büchern sucht, sondern auch, wie er sich liebevoll um verstaubte Schnitte oder lose Bindungen kümmert. Bei Padura ist das Antiquariat nicht nur Kulisse, sondern eine eigene Welt, und der Roman läuft in diesem verlangsamten Tempo eines Bibliophilen ab. Glaubwürdig und wunderbar zu lesen ist dieser erste Antiquariats-Roman um Conde: Der Nebel von Gestern:

»Not macht erfinderisch. Auch Mario Conde, der sich als Antiquar durchs Leben schlägt - kein schlechtes Geschäft in Zeiten, in denen viele Kubaner ihre Bücher zu Geld machen müssen. Eines Tages stößt Conde auf eine außerordentlich wertvolle, seit vierzig Jahren vergessene Bibliothek. All seine Geldsorgen scheinen mit einem Schlag gelöst.
Doch dann entdeckt er zwischen den bibliophilen Kostbarkeiten eine Zeitschrift aus den Fünfzigerjahren mit dem Porträt der Bolero-Sängerin Violeta del Río. Ihr Bild und die einzige Schallplatte, die sie vor ihrem rätselhaften Tod aufgenommen hat, verzaubern ihn. Er macht sich auf die Suche nach ihr und dringt vor in das Havanna von gestern, zu den letzten Zeugen jener wilden Jahre, in die Welt der Boleros, der Mafia und der Spielhöllen, aber auch in das zerfallende, melancholische Havanna der Gegenwart.«
(Verlagstext)

Leseprobe beim Unionsverlag

Fasziniert hat mich auch der in Deutschland weniger bekannte Roman Der Club Dumas von Arturo Pérez-Reverte. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere an die Verfilmung durch Roman Polanski unter dem Titel: Die neun Pforten . Darin geht es um einen jungen Mann, der zwar kein eigenes Antiquariat besitzt, aber sein Geld als Buchjäger verdient: im Auftrag reicher Kunden besorgt er seltene Ausgaben. Das kommt dem Ideal eines Bibliophilen bereits sehr nahe:

»Liebe zum Buch ist zwar etwas Positives, aber Bücherleidenschaft birgt auch Gefahren. Davon kann der "Bücherjäger" Lucas Corso ein Lied singen. Durch Zufall gerät er an zwei bibliophile Kostbarkeiten: einen wertvollen Band okkulten Inhalts, dessen Drucker vor Jahrhunderten auf dem Scheiterhaufen endete, und das Kapitel eines Originalmanuskripts von Alexandre Dumas. Auf der Suche nach Beweisen für die Echtheit der Stücke gerät Lucas in einen Strudel von Intrigen und verbrecherischen Machenschaften.«
(Verlagstext)

Relativ neu auf dem deutschen Buchmarkt ist der Serbe Zoran ?ivkovic. Auch sein Roman Das letzte Buch spielt in einer Buchhandlung. Denn eine Reihe eigentlich kerngesunder Menschen versterben beim Lesen in der Buchhandlung Papyrus - was die Buchhändlerin verständlicherweise etwas irritiert. Sie schließt sich einem Kriminalisten an, ebenfalls einem echten Literaturkenner. Heraus kommt ein literarischer Leckerbissen, ein kleine Märchen, Thriller zugleich, mit einer gehörigen Prise schwarzen Humors. Ein Buch, dem ich mehr Leser wünsche.

»Warum ist Lesen so schrecklich gefährlich?Spuren von Gewalt gibt es nicht. Und doch ist Vera Gavrilovic äußerst beunruhigt. Noch nie ist in ihrer Buchhandlung jemand gestorben. Der Notarzt kommt, und auch ein Inspektor der Kriminalpolizei. Die Untersuchung ergibt gar nichts. Der Tote ist einfach beim Lesen gestorben. Weder medizinische noch kriminelle Ursachen lassen sich finden. Aber bald darauf liegt wieder jemand tot in der Buchhandlung. Aus lauter Verzweiflung verliebt sich die schöne Buchhändlerin in den Kriminalisten, der ein echter Literaturkenner ist. Aber die Serie von Todesfällen in der Buchhandlung "Papyrus" reißt einfach nicht ab. Hat der Geheimdienst etwas damit zu tun? Steckt eine Sekte dahinter? Und was führt der Besitzer des Tee-Salons im Schilde, wo Vera und Lukic sich treffen? Ein spannender, postmoderner Thriller von einem Meister des schwarzen Humors.«
(Verlagstext)

Leseprobe beim Verlag dtv