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Freitag, Februar 06, 2009

Matthias Keidtel: Das Leben geht weiter


Matthias Keidtel: Das Leben geht weiter. Ein Holm-Roman

Gebundene Ausgabe: 367 Seiten
Verlag: Manhattan
Erscheinungstermin: 2. Februar 2009
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3442546541

Manche Phänomene betreffen eine ganze Generation. Reinhard Mey zum Beispiel. Ich war vielleicht fünfzehn, als ich seine frühen Platten kennenlernte. Mit seinem Liederbuch Von Anfang an vor mir auf dem Fußboden lernte ich Gitarre spielen. Und in unserer Clique waren es viele, die seine Texte auswendig kannten und sich an seinen Zupftechniken versuchten.

Mittlerweile habe ich das Haus, in dem ich großgeworden bin, geerbt. Und mit den Erinnerungen an die alten Zeiten, die mich in diesem Gemäuer unweigerlich einholen, kamen auch die alten Lieder wieder in den Sinn. Die alten Platten fanden ihren Weg zurück auf den noch älteren Dual-Plattenspieler, der wie durch ein Miraculum in einer staubigen Ecke überlebt hat.

So war ich einigermaßen neugierig, als ich von Matthias Keidtels neuem Roman Das Leben geht weiter hörte. Darin geht es um Felix Holm, einen sympathischen Loser, der nach einer gescheiterten Loslösung von den Eltern, nach einer ebenso gescheiterten Beziehung und dem Versuch, mit einem Tabakwarenladen sein Glück zu machen, zurück ins elterliche Zuhause kommt. Der seine Tage mit Nichtstun verbringt, mit kleinen Streitereien, die er sie schon früher mit seinen Eltern austrug. Und der mittlerweile stramm auf die 40 zugeht.

Reinhard Mey ist ein beständiger Teil seines Tages, nicht nur wegen des Posters, das noch immer an der Wand hängt. Noch immer - oder nun wieder, so genau lässt sich das für jemanden wie mich nicht sagen, der den ersten Teil der Holm-Saga Ein Mann wie Holm nicht gelesen hat - hört er den ganzen Tag die alten Platten, die er mittlerweile auch als CD hat. Und entdeckt immer noch in den Regalen der Media-Center neue alte Scheiben. Hier schreibt einer, der weiß, wovon er redet. Auch wenn dies kaum einen praktischen Bezug zum Rest der Geschichte hat. Oder zumindest nur indirekt. Ist die Entdeckung der französischen Pressung Frédérik Mey, Vol. 7 - Douce France ein Grund dafür, warum es ihn in seinen Träumen immer wieder nach Frankreich zieht? Oder ist Holm eigentlich von Grund aus frankophil und kommt so auf die Idee für ein neues, einträgliches Geschäft: den Export von Rosen, die natürlich den Namen seines musikalischen Helden tragen.

Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass es mit Frankreich nichts wird. So wie Ulla in dem Mey-Song Dieter Malinek, Ulla und ich nie die Inseln unter dem Winde zu sehen bekommt, sondern in einer Kneipe in Kamen landet, so wird der chronisch gelangweilte Felix nie bis Orleans kommen, sondern irgendwo im Osten Berlins stranden. Alles andere wäre auch unglaubwürdig bei dieser Figur, die mit jedem Satz, jeder Zeile ausstrahlt: ich bin ein Loser.

Ein Mann wie Holm scheint sich zum Überraschungshit entwickelt zu haben. Was vielleicht daran liegen mag, dass wir alle einen kleinen Loser in uns spüren, gerade jetzt, wo das Verlieren durch die gesellschaftliche Realität so einfach gemacht wird. Matthias Keidtel bemüht sich um eine hohe Pointendichte seines Textes, auch wenn seine Beobachtungen den kleinen, den eigentlich völlig unwichtigen Details des Lebens gilt. Das macht den Text leicht lesbar. Es ist Lektüre für den schnellen Konsum, bestimmt auch gut tauglich für Lesungen, denn im Text weht der Wind der derzeitigen Comedy-Welle.

Leseprobe bei randomhouse.de

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