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Dienstag, Februar 17, 2009

Richard Ford wurde 65


Das erste Mal über den Namen Richard Ford gestolpert bin ich beim Lesen eines Interviews mit dem französischen Autoren Philippe Djian . Der gab Ford als eine seiner wichtigsten Bezugspunkte fürs Schreiben an. Als großes Vorbild sozusagen. Ford gilt als Vertreter des "dirty realism", des Mittelschichts-Realismus mit all seinen Macken und Problemen, zu dem sich auch Bukowski, Carver oder Gutiérrez zählten. Immer wieder Ehebruch, Arbeitslosigkeit, Zerplatzen von Träumen. Seine Helden sind Verlierer. Seine Beschreibungen hart, aber wirklichkeitsnah. Ähnlich, wie es Djian später in seinen Romanen zelebrierte, in "Betty Blue ", in dem ein Autor und seine Freundin aufgrund der Ablehnungen der Verlage langsam den Verstand verlieren, oder "Erogene Zonen ", noch näher am Alltag, noch bodenständiger in seiner intensiven Beschreibung der täglichen Kämpfe.

Sein Stil ist schnörkellos, frei von überflüssigen Adjektiven. Er geht sehr ökonomisch mit Wörtern um, beschreibt eher die Oberfläche, das Sichtbare, als dass er sich auf tiefe Seelenwindungen einlassen würde. Vielleicht liegt das bei Richard Ford auch daran, dass er sich nie als großer Literat sah. Als Kind hatte er eine leichte Lese-/Rechtschreibschwäche, von der er heute offen spricht. So blieb ihm nichts anderes, als seine Worte mit Bedacht zu wählen, alles wegzulassen, was nicht unbedingt sein muss. Aber vielleicht ist diese - heute beliebte - Sicht auf den dislexia-geplagten Ford auch schon wieder romantisierende Verklärung. Fakt ist, er hatte engen Kontakt zum sechs Jahre älteren Raymond Carver , der einen ganz ähnlichen Stil prägte. Bekannt wurde Ford durch seinen Band "Der Sportreporter", in dem er von einem gescheiterten Schriftsteller und Sportjournalisten erzählt, der nach dem Verlust seines Sohnes in eine Lebenskrise gerät:

Richard Ford: Der Sportreporter

Broschiert: 524 Seiten
Verlag: Bvt Berliner Taschenbuch Verlag
Auflage (dieser Ausgabe): 1
Erscheinungsdatum: 17. März 2006
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3833303234

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Typisches Vorstadt-Leben: Ereignislosigkeit ist das herausragendste Merkmal - und keiner versteht es wie Ford, daraus so fantastische Geschichten zu machen. »Ford schreibt derart packend, dass man gleich alles mehrfach lesen möchte.«
Bayerischer Rundfunk

»Ford beherrscht das bezeichnende Detail, den exakten Dialog, die treffende Szene.«
Der Spiegel

»Es ist die sprachliche Beiläufigkeit, mit der Ford die Schicksale seiner Figuren entrollt, die den Leser in Bann zieht.«
Neue Zürcher Zeitung

Der Sportjournalist und Durchschnittstyp Frank Bascombe lebt schon seit einiger Zeit von seiner Frau getrennt, doch ist sie immer noch der Mensch, mit dem er am besten Gespräche führen kann. Frank will mit seiner Freundin Vicky nach Detroit, aber alles läuft anders als geplant. Nicht nur, dass ein Interview sich als Flop erweist, auch mit Vicky kommt es zu heftigen Spannungen. Zudem konfrontiert ihn ein Bekannter ungefragt mit Details aus seinem Leben, die Frank eigentlich nicht wissen wollte.

Richard Ford: Unabhängigkeitstag

Broschiert: 588 Seiten
Verlag: Bvt Berliner Taschenbuch Verlag
Auflage (dieser Ausgabe): 1
Erscheinungsdatum: Juli 2007
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3833303500

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Sechs Jahre nach dem großen Erfolg seines Romans »Der Sportreporter« legt Ford nun sein opus magnum vor: »Unabhängigkeitstag«, ein meisterlich komponiertes Psychogramm des modernen Amerika, die Fortsetzung des Sportreporter, eines der Aufsehen erregendsten Romane des vergangenen Jahrzehnts.

Frank Bascombe ist - fünf Jahre später - kein Sportreporter mehr, arbeitet inzwischen als Makler, ist aber immer noch geschieden. In dieser »Durchhalteperiode«, wie Bascombe sagt, hat er sich gegen neue Verletzungen und die ewig zermürbenden Reueattacken stumpf gemacht. Vor allem setzt er große Hoffnungen auf das Wochenende des 4. Juli - des wichtigsten amerikanischen Feiertages, Independence Day -, an dem er seine Freundin besuchen, und mit seinem seltsam verschlossenen Sohn, den er seit der Trennung nur selten sieht, etwas unternehmen möchte. Doch es kommt mal wieder alles anders. Richard Fords geradezu atemberaubende Prosa kennzeichnet Genauigkeit, atmosphärische Dichte und eine schier unerschöpfliche Geduld bei der psychologischen Ausleuchtung seines Helden: Unabhängigkeitstag ist ein literarisches Meisterwerk, ein Meilenstein der Gegenwartsprosa ? und Frank Bascombe ohne Frage einer der sympathischsten, witzigsten Helden, die die amerikanische Literatur seit langem zu bieten hatte.

Richard Ford: Die Lage des Landes

Gebundene Ausgabe: 720 Seiten
Verlag: Berlin Verlag
Auflage (dieser Ausgabe): 1
Erscheinungsdatum: 16. Juli 2007
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3827000651

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Wiedersehen mit Frank Bascombe, dem Helden von Der Sportreporter und Unabhängigkeitstag - er ist 55 Jahre alt und freut sich, mit schöner Strandvilla und zweiter Ehefrau Sally, auf den nächsten, ruhigeren Lebensabschnitt. Die "Permanenzphase", wie er dieses Hochplateau des erfüllten Lebens nennt, erweist sich jedoch als trügerisch: Sallys erster, tot geglaubter Ehemann taucht wieder auf, und sie geht mit ihm fort, um die Dinge zu klären. Kurz darauf wird bei Frank Prostatakrebs diagnostiziert.

Und nun naht Thanksgiving, das uramerikanische Fest der Familie. Wie fest der Boden unter seinen Füßen wirklich ist, muss sich bei jedem Schritt neu zeigen.

In dem ominösen Millenniumsjahr 2000, dessen Herbst von den "gestohlenen Wahlen" und George Bushs billigem Triumph geprägt ist, zieht Frank Bascombe, der nette, vernünftige Nachbar, Bilanz. Wie die Dinge liegen in seinem Leben und an der Küste von New Jersey, das beschreibt er mit Detailschärfe und großem Humor und denkt nach über Loslassen und Verlust, über die eigene Lebensleistung und Vergänglichkeit ? und über die Hoffnung, denn, ja, nach allen erdbebenartigen Umwälzungen, die dieser Roman grandios, einfühlsam und mitreißend schildert, hat Frank noch einiges vor sich.

»Krankheit, Politik, Familie - Ford scheut vor keinem der großen ernsten Themen zurück, und wie immer schreibt er mit dem ihm eigenen durchtriebenen Witz über sie. Wir kennen Frank Bascombe nun schon eine ganze Weile, und im Gegensatz zu den meisten literarischen Figuren kann man von ihm sagen - er lebt!«
The New York Times Book Review

»Eines der besten Bücher der letzten Jahre.«
Andrea Köhler, NZZ

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