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Name: Ennka
Standort: Hamburg, Germany

Mittwoch, Juli 01, 2009

SWR Bestenliste Juli/August 2009


Platz 1 (-) 74 Punkte

GÉZA OTTLIK: Die Schule an der Grenze

Titel: Die Schule an der Grenze : Roman / Géza Ottliky
Aus dem Ungar. von Charlotte Ujlaky
Verfasser: Ottlik, Géza; Ujlaky, Charlotte [Übers.]
Ausgabe: 1. - 6. Tsd.
Verleger: Frankfurt, M. : Eichborn
Erscheinungsjahr: 2009
Umfang/Format: 525 S. : Ill. ; 22 cm
Gesamttitel: Die andere Bibliothek ; Bd. 293
Originaltitel: Iskola a határon [dt.]
ISBN: 978-3-8218-6221-7
Einband/Preis: Pp. in Schuber : EUR 29.50
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Die nachtschwarze Seite der erzieherischen Disziplin Die Schule an der Grenze erschien erstmals drei Jahre nach dem ungarischen Aufstand von 1956 und galt als literarische Sensation: Der wegweisende Roman für die nachwachsende Generation der jungen ungarischen Autoren wie Péter Esterházy oder Peter Nádas. Die Jungs heißen Gabor, Attila, Medve, Benedek, Orban oder Pal, sind zehn Jahre alt, kommen meist aus wohlhabenden ungarischen Familien und erleben die ersten Wochen in der Kadettenschule in Köszeg. Von einem Augenblick auf dem den anderen müssen sie erfahren, dass alles, was sie zu Individuen macht, was sie im Schoß ihrer Familien geprägt hat, an diesem Ort keine Gültigkeit mehr hat: Anstand, Güte, Demut und Rücksicht, Freundschaften und Beziehungen, ja sogar Sprache und Gestus. Aus kindlicher Perspektive schildert der Ich-Erzähler die machtversessenen Cliquenbildungen, deren Katalysator die Terrorisierung von Außenseitern ist. Wer dicker oder kurzsichtig ist, wer stottert oder vor Heimweh weint, hat schon verloren. Der kühle Tonfall des Erzählers, der eine Quälerei nach der anderen schildert, als handele es sich um unvermeidliche Naturereignisse, erzeugt einen trügerischen Schein von wissenschaftlicher Objektivität; doch genau darin liegt die literarische Kunstfertigkeit des Autors - das Normale, das er schildert, ist das Entsetzliche, und vice versa. Der Leser ist gebannt, zwischen Mitleid und böser Neugier schwankend: Wann nur hört die alltägliche Gemeinheit auf? Géza Ottliks These scheint klar: Sie hört niemals auf.

"Géza Ottliks Roman über eine Militärschulein der ungarischen Provinz der Zwischenkriegszeit, erschienen 1959, ist wieder da. Ein großartiges Buch über die Kapillaren der Macht, vollgesogen mit Freiheitshunger und Repressionserfahrung, erzählt von einem Lebenskünstler im Dialog mit dem Manuskript eines Toten." (Lothar Müller)

Leseprobe beim Eichborn Verlag

Platz 2 (-) 48 Punkte

URSULA PRIESS: Sturz durch alle Spiegel

Autor: Priess, Ursula
Titel: Sturz durch alle Spiegel: eine Bestandesaufnahme/ Ursula Priess
Impressum: Zürich : Ammann , 2009
Umfang: 168 S.
Reihe: Meridiane , Bd. 131
Preis: 18,95 Euro
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"Der Frisch also, der ist Ihr Vater!" Sie erschrak, dass er nicht Max Frisch sagte, auch nicht Herr Frisch, und in welchem Ton er es sagte! Aber auch er schien erschrocken." Eine Frau und ein Mann haben den Sommer über miteinander telefoniert, nun treffen sie sich in Venedig. Sie wissen fast nichts voneinander, aber schon bald stellt sich heraus, dass es in ihren Vorgeschichten fatale Überschneidungen gibt. Der Mann kannte Ingeborg Bachmann zu jener Zeit, als diese mit dem Vater der Frau, Max Frisch, zusammenlebte. Je länger die beiden durch Venedig schlendern, um so deutlicher wird ihr: Der Mann muss jenes nicht zu greifende Phantom gewesen sein, an dem ihr Vater in seiner Eifersucht schier zerbrochen war.
Die Begegnung in Venedig, als Affäre begonnen, endet verhängnisvoll. Der Mann flieht aus Angst, wie er später gesteht, Angst vor Verstrickung, und die Frau stürzt durch alle bis dahin sicher geglaubten Selbstbilder, "durch alle Spiegel". Die "Bestandsaufnahme" gibt ein bewegendes Zeugnis vom Versuch der Tochter, die schwierige Beziehung zum Vater neu zu sichten und darüber ihre eigene Sprache zu finden.
Ein wahres, ein wahrhaftiges Tochter-Vater-Buch.

"Ausdruck der Freiheit, dieser Souveränität ist wohl auch, wie viel von Max Frisch in diesem Buch weiter lebt. Und dass seine Tochter die Reflexionsfähigkeit, die Skepsis gegenüber allem vermeintlich Erwiesenen, das Ohr für den richtigen Ton besitzt - alles Qualitäten, die auch seine Prosa ausmachen: Das hätte ihn gefreut." (Martin Ebel)

Leseprobe beim Ammann Verlag

Platz 3 (-) 45 Punkte

TILMANN LAHME: Golo Mann

Titel: Golo Mann : Biographie / Tilmann Lahme
Verfasser: Lahme, Tilmann
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Frankfurt, M. : S. Fischer
Erscheinungsjahr: 2009
Umfang/Format: 551 S. : Ill. ; 22 cm
Hochschulschrift: Zugl.: Kiel, Univ., Diss., 2006/2007 u.d.T.: Lahme, Tilmann : Vor dem Ruhm
ISBN: 978-3-10-043200-1
Einband/Preis: Pp. : EUR 24.95
Schlagwörter: Mann, Golo ; Biographie
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Golo Mann - berühmter Sohn, Emigrant, Gelehrter und scharfsinniger Analytiker im politischen Spannungsfeld zweier Kontinente. Zu Beginn des krisengeschüttelten 20. Jahrhunderts hineingeboren in eine der prominentesten Familien dieser Zeit, aufgewachsen in der Weimarer Republik, war er ein früher Kritiker des Nationalsozialismus. Die Emigration führte ihn über Frankreich und die Schweiz in die USA. Nach seiner zögerlichen Rückkehr nach Europa folgte mit dem »Wallenstein« und der »Deutschen Geschichte« die späte Anerkennung des Historikers, der sich bis zu seinem Tod 1994 kontrovers und unabhängig in die Geschicke der Bundesrepublik einmischte.

Zum 100. Geburtstag: Thomas Manns Sohn, Historiker, Essayist, eigenständig, im Banne des großen Vaters, ein "liberaler Hamlet" von "höherer Traurigkeit".

Video-Interview mit Tilman Lahme beim S. Fischer Verlag

Platz 4-5 (2) 35 Punkte

ANNA KATHARINA HAHN: Kürzere Tage

Titel: Kürzere Tage : Roman / Anna Katharina Hahn
Verfasser: Hahn, Anna Katharina
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Frankfurt, M. : Suhrkamp
Erscheinungsjahr: 2009
Umfang/Format: 223 S. ; 21 cm
ISBN: 978-3-518-42057-7
Bestellnummer: 42057
Einband/Preis: Pp. : EUR 19.80
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Marco wohnt im Hochhaus an der Hauptstraße. Von hier ist es nicht weit bis zum Olgaeck, und hinter dem Olgaeck liegt die Constantinstraße, wo die Altbauten unter Denkmalschutz stehen und die Äpfel beim türkischen Feinkosthändler teurer sind als im Hauptbahnhof. Hier wohnen die Aufsteiger, Übermütter und ihre wohlerzogenen Kinder. Hier scheint alles in Ordnung - wenn man nicht vom Supermarkt ins Büro und vom Büro in den Kindergarten hetzt, so wie Leonie, wenn man nicht am Doppelleben als Karrierefrau und Mutter verzweifelt. Judith findet Halt in der Anthroposophie. Hingebungsvoll pflegt sie den Jahreszeitentisch für ihre Kleinen. Doch nachts helfen nur Tabletten gegen die Angst. Im Nebenhaus wohnen die alten Posselts. Sie haben geschafft, wovon die Enkelgeneration nur träumt, nämlich ein Leben lang zusammenzubleiben. Da versetzt Marco die Nachbarschaft in Aufruhr. Kürzere Tage ist eine wortmächtige Bestandsaufnahme und eine melancholische Abrechnung mit einer Gesellschaft, in der alle Werte fragwürdig geworden sind.

Wohlstand und Aussichtslosigkeit, Eurythmie und Hysterie, Elternglück und Kinderleid. Virtuos schildert Anna Katharina Hahn das satte Stuttgart von einer anderen Seite.

Leseprobe beim Suhrkamp Verlag

Platz 4-5 (-) 35 Punkte

COLM TÓIBÍN: Mütter und Söhne

Titel: Mütter und Söhne : Erzählungen / Colm Tóibín
Aus dem Engl. von Giovanni und Ditte Bandini
Verfasser: Tóibín, Colm; Bandini, Giovanni [Übers.]
Verleger: München : Hanser
Erscheinungsjahr: 2009
Umfang/Format: 283 S. ; 22 cm
Originaltitel: Mothers and sons [dt.]
ISBN: 978-3-446-23063-7
Bestellnummer: 505/23063
Einband/Preis: Pp. : EUR 19.90
Schlagwörter: Irland ; Mutter ; Sohn ; Anthologie
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Geschichten von Menschen, die mit ihrem Leben zurechtkommen müssen, nachdem etwas passiert ist: Die Söhne in Toibins erstem Erzählungsband sind Diebe, Priester, Bauern, die Mütter Folksängerinnen, Alkoholikerinnen oder Geschäftsfrauen, aber alle unterhalten hochkomplizierte Beziehungen zueinander. Der hochgerühmte Autor Colm Toibin ist eine der spannendsten Stimmen der Gegenwartsliteratur aus Irland. Frei von Sentimentalität und Klischees zeichnet er hier Figuren, die sich dem Tod eines geliebten Menschen oder der Enthüllung eines so schrecklichen Geheimnisses wie Kindesmissbrauch zu nähern versuchen.

"Porträt des Meisters in mittleren Jahren" hieß der vielgelobte Roman über Henry James. Jetzt zehn Mutter-Sohn-Geschichten, die davon handeln, dass tiefste Leere und größte Nähe sich nicht ausschließen.

Leseprobe beim Hanser Verlag

Platz 6 (-) 34 Punkte

JÜRG LAEDERACH: Depeschen nach Mailland

Titel: Depeschen nach Mailland / Jürg Laederach
Hrsg. und mit einem Nachw. vers. von Michel Mettler
Verfasser: Laederach, Jürg
Verleger: Frankfurt, M. : Suhrkamp
Erscheinungsjahr: 2009
Umfang/Format: 187 S. ; 20 cm
ISBN: 978-3-518-42059-1
Bestellnummer: 42059
Einband/Preis: kart. : EUR 17.80
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Im Februar 2002 lädt das Schweizer Radio DRS die Autoren Jürg Laederach und Michel Mettler zu einem Gespräch über Jazz ein. Ausgehend von dieser Begegnung im Aufnahmestudio entwickelt sich ein intensiver E-Mail-Diskurs, zunächst über Musik, dann, von der Tonspur des Lebens abweichend und immer wieder fulminant zu ihr zurückkehrend, eine laufende Mitschrift des All­tags, hier ausschließlich aus der Feder von Jürg Laederach, einem großen Meister der Freisprechprosa. Einmal mehr betört er mit vokabularischer Brillanz und der frappierenden Winkelschiefe seiner Art, das zu sehen, was wir, bevor wir ihn lasen, »Wirklichkeit« nannten.

Ausgewählte Teile dieser Minutenmitschriften Jürg Laederachs gibt Michel Mettler heraus. Ergeb­nis ist Depeschen nach Mailland, ein Stück Stegreifliteratur, dessen improvisato­rischer Drive so mitreißend ist, daß der Leser sich fragt: Warum bloß ist dies eines der ersten E-Mail-Bücher?

Leseprobe beim Suhrkamp Verlag

Platz 7-8 (7) 31 Punkte

NIKOLAI GOGOL: Tote Seelen

Titel: Tote Seelen / Nikolai Gogol
Aus dem Russ. neu übers. von Vera Bischitzky
Mit Anm. und Bericht aus der Übersetzerwerkstatt von Vera Bischitzky
Nachw. und Zeittaf. von Barbara Conrad
Verfasser: Gogol', Nikolaj V.; Bischitzky, Vera [Übers.]
Verleger: Düsseldorf : Artemis & Winkler
Erscheinungsjahr: 2009
Umfang/Format: 514 S. : Ill. ; 24 cm + Beil. (20 S.)
Originaltitel: Mertvye dusi [dt.]
ISBN: 978-3-538-07275-6
Einband/Preis: Pp. in Schuber : EUR 89.00
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Ein Klassiker in vielgelobter Neuübersetzung 2: Und von erstaunlicher Aktualität: Spekulative Finanzgeschäfte, bei dem Leibeigene belastet werden, die in Wirklichkeit schon längst tot sind. "Tote Seelen" schaffen lebendiges Geld.

Neuübersetzung anläßlich des 200. Geburtstages von Nikolai Gogol am 1. April 2009 Die virtuos erzählte Geschichte eines abenteuerlichen Coups: Pawel Iwanowitsch Tschitschikow fährt über Land und tätigt unglaubliche Geschäfte... Auf seiner Fahrt durch Russland macht er verschiedenen Gutsbesitzern seine Aufwartung und versucht, sie zu überreden, ihm eine Liste derjenigen Leibeigenen zu überlassen, die seit der letzten fiskalischen Erhebung gestorben sind. Zum großen Erstaunen der Beteiligten hat er dafür Verwendung! Was er allerdings damit vorhat, erfährt auch der Leser erst allmählich. Aus diesem wunderlichen Sujet erwächst eine surrealistische Bildergalerie von grotesken Charakteren und unvergesslichen Sonderlingen. Die "Toten Seelen", eines der originellsten Bücher der russischen Literatur und fest verankert im Kanon der Weltliteratur, fasziniert als burleskes Sittengemälde Rußlands. Der virtuose Stil, der phantasievolle, überbordende Erzählfluß und der kühne Aufbau des Werks machen die Lektüre des Romans zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Kommentar zur Neuübersetzung von Vera Bischitzky

»Wie kompliziert die formale Seite der Werke Gogols ist, kann man leicht sehen, wenn man versucht, auch nur einige Zeilen eines beliebigen Werks von ihm adäquat in eine beliebige Sprache zu übersetzen", so der Slawist Dmitrij Tschizewskij. Gogol scherte sich nicht um sprachliche Fehler, die ihm unterliefen und auf die ihn Zeitgenossen hinwiesen, auch mischte er immer wieder russische mit ukrainischen Sprachelementen. Soll und kann dies in eine andere Sprache übertragen werden? Und wie geht ein Übersetzer mit all den Tautologien um, die den deutschen Leser mitunter befremdlich anmuten? Was ist zu tun angesichts Gogolscher Sprachschöpfungen, die (so Tschizewskij) "überhaupt keiner Sprache eigen sind" und mitunter nur der Verzierung dienen oder eine rätselhafte Aura schaffen sollen? Wie den lyrischen Ton bewahren, die Rhythmik oder das halbgebildete Stammeln eines russischen Provinzbeamten, welche Äquivalente für exotische Speisen finden? Diese und viele andere Übersetzungsprobleme lassen sich nur in einem unendlich langsamen Annäherungsprozeß lösen, der die Schrift-und Lautgestalt des Textes in gleicher Weise berücksichtigt - denn Gogol war auch ein begnadeter Vorleser seiner Werke.

Leseprobe bei Artemis & Winkler

Platz 7-8 (-) 31 Punkte

JUAN CARLOS ONETTI: Für diese Nacht

Titel: Für diese Nacht : Roman / Juan Carlos Onetti
Aus dem Span. von Svenja Becker
Verfasser: Onetti, Juan Carlos; Becker, Svenja [Übers.]
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Frankfurt, M. : Suhrkamp
Erscheinungsjahr: 2009
Umfang/Format: 230 S. ; 21 cm
Originaltitel: Para esta noche [dt.]
ISBN: 978-3-518-42054-6
Bestellnummer: 42054
Einband/Preis: Pp. : EUR 22.80
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Eine Hafenstadt im Bürgerkrieg, die Sache ist entschieden, in dieser Nacht wird abgerechnet. Einem, der verloren hat, folgt Juan Carlos Onetti auf seiner Suche nach einem Schlupfloch. Noch während er darauf aus ist, die eigene Haut zu retten, sieht er sich genötigt, die Tochter eines früheren politischen Gefährten und jetzigen Widersachers vor dem sicheren Tod zu bewahren. Und ein anderer, der ihm auf den Fersen ist und sich als Sieger wähnt, muß erkennen, daß er das Spiel nicht bis zum letzten Zug durchschaut.

In seiner literarischen Auseinandersetzung mit dem Krieg wagt Onetti den Blick auf einen Menschen, der sich unausweichlich und wissentlich auf sein Ende zu bewegt, dem alle Fundamente von Überzeugung und Moral weggebrochen sind, dem jede Begegnung mit einstigen Weggefährten zu Farce oder Bluff gerät.

Für diese Nacht, Juan Carlos Onettis Roman aus dem Jahr 1943, ist bedrängend dicht in seiner Schilderung. Durch seine radikale Vorurteilsfreiheit und die mittlerweile berühmte sprachliche Präzision des Autors sowie die Nähe der Handlung zur Schwarzen Serie Hollywoods entfaltet der Roman einen außergewöhnlichen Sog.

Leseprobe beim Suhrkamp Verlag

Platz 9 (3) 28 Punkte

JUDITH HERMANN : Alice

Titel: Alice / Judith Hermann
Autor: Judith Hermann
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Fischer, S., Verlag GmbH
Auflage: 1.
Erscheinungsdatum: 4. Mai 2009
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3100331823
Preis: 18,95 Euro
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»Richard hat gesagt, ich bräuchte drei Jahre. Das hat er einfach so gesagt, stell dir vor. Du brauchst drei Jahre, dann wird es bessergehen. Und stimmt das, sagte Alice. Keine Ahnung, sagte Margaret. Jetzt ist ein Jahr um, erst ein Jahr, ich bin weit entfernt davon zu verstehen, wie er das gemeint hat. Drei Jahre.«

Wenn jemand fort ist, kann man nicht mehr sagen, wie er ausgesehen hat, wie er gesprochen, geflucht, gelächelt hat, wie er durchs Leben gegangen ist. Auch wenn man ihn plötzlich zu sehen glaubt, auf der Rolltreppe, im letzten Wagen einer abfahrenden Straßenbahn, an der Ampel auf der anderen Straßenseite. Judith Hermann erzählt von den Zeiten des Übergangs, des Wartens, des Festhaltens und Loslassens ? und davon, wie klar und leuchtend diese Tage sein können.

Leseprobe beim S. Fischer Verlag

Platz 10 (-) 27 Punkte

KATHRIN SCHMIDT: Du stirbst nicht

Titel: Du stirbst nicht : Roman / Kathrin Schmidt
Verfasser: Schmidt, Kathrin
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Köln : Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsjahr: 2009
Umfang/Format: 347 S. ; 21 cm
ISBN: 978-3-462-04098-2
Einband/Preis: Pp. : EUR 19.95
Schlagwörter: Frau ; Hirnverletzung ; Gedächtnisstörung ; Belletristische Darstellung
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Koma nach Hirnblutung. Erwachen. Gesichter, Dinge, Worte. Und dann das langsame Wiedererlernen der Sprache, das Wiedererkennen der Welt. Das Wiederfinden der eigenen Geschichte.

Helene Wesendahl weiß nicht, wie ihr geschieht: Sie findet sich im Krankenhaus wieder, ohne Kontrolle über ihren Körper, sprachlos, mit Erinnerungslücken. Ihr Weg zurück ins Leben konfrontiert sie mit einer fremden Frau, die doch einmal sie selbst war. Kathrin Schmidt packt ihre Leser diesmal durch die Beschränkung, und zwar im wörtlichen Sinne. Mit den Augen ihrer erwachenden Heldin blicken wir in ein Krankenzimmer, auf andere Patienten, das Pflegepersonal und den eigenen Körper, der plötzlich ein Eigenleben zu führen scheint. Und wir erleben die mühsamen Reha-Maßnahmen mit, die Reaktionen der Familie, den aufopferungsvollen Einsatz ihres Mannes - und die bruchstückhafte Wiederkehr ihrer Erinnerung. Was da zutage tritt, konfrontiert Helene mit einem Leben, in dem sie sich kaum wiedererkennt, und das vieles in Frage stellt, was in der neuen Situation so selbstverständlich scheint. Sie entdeckt frühe Brüche in ihrer Biographie, verdrängte Leidenschaften und aus der Not geborene Verpflichtungen. Als ihr bewusst wird, dass ihr Herz sich bereits auf Abwege begeben hatte und sie den Mann, der sie jetzt so eifrig pflegt, eigentlich verlassen wollte, droht sie den Boden unter den Füßen zu verlieren. Kathrin Schmidt gelingt das Erstaunliche: Sie macht den Orientierungs- und Sprachverlust nach einer Hirnverletzung erfahrbar und zeigt einen Weg der Genesung, der in zwei Richtungen führt, zurück und nach vorn. Dabei entsteht ein Entwicklungsroman ganz eigener Art, der durch seine innere Dynamik fesselt und durch die Rückhaltlosigkeit, mit der seine Heldin sich mit ihrer Vergangenheit und Gegenwart konfrontiert, fasziniert. Er überzeugt vor allem durch die bewegende Schilderung eines sprachlichen Neubeginns.

Persönliche Empfehlung im Juli/August von Caroline Neubaur (Berlin)

ALAN BENNETT: Die souveräne Leserin

Titel: Die souveräne Leserin / Alan Bennett
Aus dem Engl. von Ingo Herzke
Verfasser: Bennett, Alan
Verleger: Berlin : Wagenbach
Erscheinungsjahr: 2008
Umfang/Format: 114 S. ; 21 cm
Gesamttitel: Salto ; 155
Originaltitel: The uncommon reader [dt.]
ISBN: 978-3-8031-1254-5
Einband/Preis: Gewebe : EUR 14.90
Schlagwörter: Elisabeth ; Entdeckung ; Leseinteresse ; Bekannter ; Bediensteter ; Belletristische Darstellung

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Wer hätte gedacht, dass eine Liebeserklärung an die Queen und die Literatur so gut zusammenpassen? Die Hunde sind schuld. Beim Spaziergang mit der Queen rennen sie los, um den allwöchentlich in einem der Palasthöfe parkenden Bücherbus der Bezirksbibliothek anzukläffen. Ma'am ist zu gut erzogen, um sich nicht bei dem Bibliothekar zu entschuldigen, leiht sich ebenfalls aus Höflichkeit ein Buch aus - und kommt auf den Geschmack.

Die Auswirkungen der majestätischen Leselust sind unvorhersehbar, die Grundfeste des Buckingham Palace werden jedenfalls gehörig durcheinander gewirbelt und für den Leser bleibt kein Auge trocken.

"Dieses Buch hat mich zum Schweben gebracht - angesichts meines Alters und meiner Gewichtsklasse ein literarisches Wunder. Die Königin von England leiht sich am Bücherbus der Bezirksbibliothek der City of Westminster aus Höflichkeit ein Buch aus und wird darüber zu einer hingerissenen Leserin. Und wir, die wir womöglich schon fast 'alles' gelesen haben, verfolgen diese hinreißende Initiation ins Lesen tatsächlich hingerissen."
(Caroline Neubaur)

Hörprobe beim Wagenbach Verlag

Diskussionssendung zur "Bestenliste" im Hörfunk: SWR2 Literatur
Dienstag, 7. Juli um 22.05 Uhr
über Bücher der Juli/August-Bestenliste diskutieren
Verena Auffermann, Helmut Böttiger, Eberhard Falcke; Moderation: Sigrid Löffler

Für Liebhaber der Literatur veranstaltet der SWR am Freitag, 4. September, die SWR-Literaturnacht. Im literarischen Herzen der Stadt Mainz - auf dem Schillerplatz - wird ein historisches Spiegelzelt aufgebaut, in dem bekannte Autoren diskutieren, Schauspieler auftreten, Lyriker ihre Texte vortragen und der Bestenliste eine Ausstellung gewidmet wird. Das Programm finden Sie unter www.swr.de/literaturnacht

Freitag, 3. Juli um Mitternacht im SWR Fernsehen
Wiederholung am Sonntag, 12. Juli um 10.15 Uhr in 3sat
"Literatur im Foyer" mit Felicitas von Lovenberg
Gäste: Walter Kappacher und John Wray

Freitag, 10. Juli um Mitternacht im SWR Fernsehen
Wiederholung am Sonntag, 19. Juli um 10.15 Uhr in 3sat
"Literatur im Foyer" mit Thea Dorn
Gast: Reinhold Messner

Freitag, 17. Juli um Mitternacht im SWR Fernsehen
Wiederholung am Sonntag, 26. Juli um 10.15 Uhr in 3sat
"Literatur im Foyer" mit Thea Dorn
Gäste: Inge Jens und Sibylle Lewitscharoff


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