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Freitag, Februar 12, 2010

Gerard Donovan: Winter in Maine


Titel: Winter in Maine : Roman / Gerard Donovan
Aus dem Engl. von Thomas Gunkel
Autor: Donovan, Gerard ; Gunkel, Thomas [Übers.]
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: München : Luchterhand
Erscheinungsjahr: 2009
Umfang/Format: 206 S. ; 22 cm
Einheitssachtitel: Julius Winsome
ISBN: 978-3-630-87272-8
EAN: 9783630872728
Einband: Hardcover mit Schutzumschlag
Schlagwörter: Maine ; Amerikanischer Pit-Bullterrier ; Mord ; Einsiedler ; Rache ; Belletristische Darstellung

Julius Winsome lebt in den Wäldern von Maine. Seine kleine Hütte ist vollgestopft mit Büchern, die sein Vater angeschafft, gelesen und akribisch auf Dateikarten dokumentiert hatte. Julius arbeitet im Sommer als Gartenhelfer, im Winter sitzt er viel vor seinem Holzofen, ein Buch in der Hand, ein Glas Wein neben sich auf dem Tisch. Einzig die beginnende Jagdsaison bringt Unruhe in sein kleines Dasein, denn die Hobbyjäger und Sonntagsschützen schießen auf alles, was ihnen in den Weg kommt.
So glaubt er zunächst an einen Unfall, als sein kleiner Pitbull-Terrier Hobbes verschwindet. Winsome macht sich auf die Suche. Er bringt das schwerverletzte Tier zum Tierarzt, doch dieser kann nichts mehr für Hobbes tun. Eine Ladung Schrotkugeln hat sich unter das Fell des Tieres gegraben, abgegeben aus nächster Nähe, aus wenigen Zentimeter Entfernung. „Der Schütze kannte das Tier, vielleicht hat er ihn vorher getätschelt, damit er so dicht herankommt.“

Beinahe leicht im Erzählton schildert Autor Gerard Donovan, wie sich Winsome aufmacht, um sich an den Sonntagsjägern zu rächen. An niemandem bestimmten, denn Winsome hat keine Idee, wer für den Tod seines Hundes verantwortlich sein könnte. Erst nachdem sechs Menschen gestorben sind, merkt er, wie er langsam vom Jäger zum Gejagten wird. So schafft es Donovan eine Spannung aufzubauen, die sich bis zum Schluss steigert, zu einem Ende, mit dem so nicht zu rechnen war. Vielleicht gerade deswegen, weil es so überaus stimmig ist.

In diese Geschichte hinein sind viele Rückblenden verwoben. An die Zeit mit Claire, einer jungen Frau, die zunächst dem Charme der Einsiedelei erlag, die es dann aber doch zurück zu einer bürgerlicheren Existenz gezogen hatte. An die Zeit, die Julius mit seinem Vater im Wald gelebt hat, an seine erste Begegnung mit Shakespeare und seine Versuche, das elisabethanische Englisch zu lernen, wie man Vokabeln lernt.

In einem Bändchen mit Shakespeares Sonetten findet Winsome die Notizen, die er sich seinerzeit gemacht hatte. Und er versucht, mit diesen elisabethanischen Ausdrücken seine Sprache anzureichern. Ein hilfloses Bemühen, für kaum einen verständlich als für ihn. Und vielleicht für den Leser, der weiß, aus welchen Fragmenten Winsome seine Sätze baut. Das Unverständnis, auf das er in seinen Satzkonstruktionen trifft, ist das gleiche, mit dem die Leute in der Stadt auf seine Plakate reagieren, mit denen er nach Hobbes’ Mörder sucht. „Was soll’s, ist doch nur ein Hund“ kritzelt einer daneben. Und Winsome, an dessen Schoß gekuschelt Hobbes gestorben ist, fühlt sich noch ein wenig einsamer.

Gerard Donovan erklärt nicht, klagt nicht an. Er zeigt den einsamen Weg eines einsamen Mannes in einer Sprache, die einfach, aber bildgewaltig ist. Das Urteil bleibt dem Leser überlassen, und der ist verstört, dass er diese sechs Morde so gut nachvollziehen kann. Fast nebenbei teilt er die Abscheu des Protagonisten vor all diesen Menschen, die mit Gewehren durch die Gegend laufen und von ihrem Recht aufs Töten Gebrauch machen. Ist das widersinnig? Vielleicht. Aber genau dieser Widerspruch macht das Buch zu einem bewegenden Roman, der heftige Diskussionen auslöst. Zu einem Buch, das ist in aller Munde ist. Zu Recht.

sam


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