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Dienstag, Februar 09, 2010

Hank Moody: God hates us all


Titel: God Hates Us All
Autor: Hank Moody, Jonathan Grotenstein
ISBN: 1416598235
ISBN-13: 9781416598237
Ausstattung: Paperback, 195 Seiten
Erscheinungsdatum: September 2009
Verlag: Simon Spotlight Entertainment
Sprache: Englisch

Hank Moody hat bereits mehrere Bücher geschrieben, als er mit God hates us all, einem mehrere hundert Seiten starken Roman, seinen literarischen Durchbruch erreichte. Es ist eine Abrechnung mit dem Establishment, ein Stürzen der falschen Götter, mit einer gewagten Sprache verfasst, hart am Rand dessen, was bei der Literaturkritik noch durchgeht. Junge Literatur. Wer Hank auf sein literarisches Schaffen anspricht, redet von God hates us all. Das Buch wurde unter dem Namen A little thing called love mit großem Erfolg verfilmt. Verkitscht, würde Moody sagen, der sich mit dem Ergebnis nicht identifizieren kann. Er trinkt zu viel, ist auch einer Line nicht abgeneigt. Aber seit God hates us all plagt ihn eine Schreibblockade, die er nur langsam überwinden kann.

Die schlechte Nachricht: Hank Moody existiert nicht, somit weder der Romanbestseller noch dessen Verfilmung. Hank ist die Hauptperson der Fernsehserie Californication, gespielt von David Duchovny. Sie ist eine Erfindung von Tom Campinos, der durch diese Serie seinen Bekanntheitsgrad erhöhte, zuvor aber schon an Serien wie Dawson?s Creek gearbeitet hat.

Das dünne Bändchen, das unter dem Autorennamen Hank Moody im September 2009 veröffentlicht wurde, stammt von Jonathan Grotenstein und trägt zwar den Namen des Bestsellers und teilt dessen Aussehen, jedoch nicht den literarisch revolutionären Inhalt. Leider habe ich nirgendwo einen Hinweis darauf gefunden, wie Grotenstein an den Job gekommen ist, God hates us all zu schreiben. Seine größten Meriten hat er sich bis dahin mit einem Buch übers Pokern erworben. Keine ideale Voraussetzung, um einen Bestseller zu landen. Wahrscheinlich gab es, wie im Augenblick häufiger, eine Ausschreibung des Verlags und sein Script war von all den eingereichten Fragmenten das kleinste Übel.

Das Buch ist eine reine Marketing-Idee, ein Merchandise-Produkt, dass pünktlich zum Beginn der dritten Staffel auf dem amerikanischen Buchmarkt erschien und aufgrund der großen Popularität der Serie Californication auch bei uns erhältlich ist. Der vordere Einband ist so aufgemacht, wie wir ihn aus der Serie kennen: Schwarz, in großen Lettern der Buchtitel, und klein darunter der Autorenname. An die vierhundert Seiten des Originals ist Grothenstein nicht herangekommen. So wird aus dem dicken Band ein schmales Bändchen.

Inhaltlich ist God hates us all eine (Auto)Biographie der frühen Jahre Moodys. Seine amour fou mit Daphne, die ein wenig an die Beziehung zwischen dem Punk-Rocker Sid Vicious und Nancy Spungen erinnern soll ? weswegen das Biopic Sid and Nancy von Alex Cox im Buch auch mehrmals als Lieblingsfilm zitiert wird. Daneben muss der Roman, um die gängigen Klischees abzuarbeiten, auch von Drogen und Rock?n Roll handeln: Moody stolpert in eine Karriere als Drogenhändler, unter anderem für Leute aus der Musikindustrie. Er lernt Models kennen, vögelt mit ihnen oder versucht es zumindest. Am Ende trifft er erneut auf Daphne, ist ein wenig geläutert, aber nicht reif genug für ein Happy End.

Nein, überzeugend ist der Roman nicht geworden. Die Bestsellerqualitäten fehlen ihm völlig. Mit einem Autoren, der an den Filmscripts mitgearbeitet hat, hätte etwas anderes herauskommen können. Der Sprachton ist wesentlich platter, als wir ihn aus den wenigen Buchzitaten im Film und aus dem Sprachduktus von Hank Moody kennen. Die melancholische Selbstironie bleibt in diesem Merchandise-Buch weitgehend auf der Strecke. Tom Campinos hätte es schreiben können, oder einer der Autoren der einzelnen Episoden vielleicht. Jonathan Grotenstein jedoch bleibt mit seiner Biografie weit hinter der intellektuellen Vielschichtigkeit Hank Moodys zurück.

Übrigens hat er es auch nicht geschafft, den Titel des Buches glaubhaft umzusetzen oder zumindest einen durchgehenden Bezug auf Hanks latent okkulte Neigung herzustellen. Gott kommt in gerade einem Absatz vor: In der U-Bahn sieht er, wie ein Bettler sich durch die Reihen bewegt und die Fahrgäste um Kleingeld bittet. Einige geben etwas, andere nicht. Normaler Alltag. Als an der nächsten Station ein weiterer Bettler ins Abteil steigt, beobachtet Hank, dass den Fahrgästen jetzt ganz die Lust vergeht, etwas zu geben. Sobald sie mit der Not in mehr als nur kleinen Häppchen konfrontiert werden, ist es vorbei mit der Hilfsbereitschaft. Schlecht eingerichtet von Gott ? oder eben seine Form der Ironie, findet Hank.
Der Verlag Simon and Schuster hat eine Leseprobe online gestellt: Klicken Sie hier, um zur Leseprobe Hank Moody: God hates us all zu gelangen
Wenn Sie zu den Fans der Serie Californication gehören, wollen Sie das Buch wahrscheinlich trotzdem lesen. Mit ein wenig Glück finden Sie es gebraucht im Katalog des Online-Antiquariats Shakespeare and more. Klicken Sie hier, um zum Titel Hank Moody: God hates us all bei Shakespeare and more zu gelangen.

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