Shakespeare and more:
Neuerscheinungen und Rezensionen

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Name: Ennka
Standort: Hamburg, Germany

Donnerstag, April 02, 2009

Bücher im Fernsehen, Wochenüberblick 03.04-10.04.2009


Für Bücherfreunde gibt es an diesem Wochenende gleich eine ganze Reihe von Sendungen zu Neuerscheinungen im Fernsehen:

Freitag 03.04.2009 00:15
SWR, Literatur im Foyer
Samstag 04.04.2009 19:50 3sat, Bookmark
Sonntag 05.04.2009 20:00 KiKa, Quergelesen
Sonntag 05.04.2009 23:35 Das Erste, druckfrisch
Montag 06.04.2009 23:40 BR, "Lesezeichen"

Daneben gibt es eine Reihe von täglichen und wöchentlichen Kultursendungen, in denen ebenfalls Bücher vorgestellt werden:
Täglich:  
Mo.-Fr. 19:20 3sat Kulturzeit
Mo.-Fr. 20:00 arte Kultur
   
Wöchentlich:  
Freitag 03.04.2009 22:40 Aspekte (ZDF)
Freitag 03.04.2009 23:45 Nachtkultur
Samstag 04.04.2009 22:20 Metropolis (Arte)
Sonntag 05.04.2009 11:00 west.art am Sonntag (WDR)
Sonntag 05.04.2009 23:05 Titel, Thesen, Temperamente (Das Erste)
Dienstag 07.04.2009 22:30 west.art Westart (WDR)

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Dienstag, März 17, 2009

Lesen! mit Elke Heidenreich, 17.03.2009


Sie erinnern sich vielleicht an den letzten Herbst? Reich-Ranicky lehnt den Fernsehpreis ab, eine ganze Nation hat ein Thema - und Elke Heidenreich wettert in der FAZ über ihren Haussender ZDF und schreibt dabei den legendären Satz: "Wenn ihr mich jetzt rausschmeißen wollt, macht doch, ich habe eh keine Lust mehr." Damit war die Ära Elke Heidenreich als Bücherpäpstin gelaufen. Dachte ich.

Durch Zufall entdeckte ich, dass Frau Heidenreich weiter Monat für Monat ihre Sendung Lesen! produziert und ausstrahlt. Nur eben nicht mehr an so prominenter Stelle im ZDF. Wer die vergangenen Folgen im Internet anschauen will, kann dies unter litcolony.de. Dort sind die vom ZDF verschmähten Folgen seit Dezember 2008 zu sehen. Die aktuelle Folge können Sie jedoch gleich hier sehen:



lesen! Mit Elke Heidenreich - Die 42. Sendung from litCOLONY.de on Vimeo

Die Bücher der aktuellen Sendung:

T. C. Boyle: Die Frauen

Titel: Die Frauen : Roman / T. Coraghessan Boyle
Aus dem Amerikan. von Kathrin Razum und Dirk van Gunsteren
Verfasser: Boyle, Tom Coraghessan
Razum, Kathrin [Übers.]
Verleger: München : Hanser
Erscheinungsjahr: 2009
Umfang/Format: 556 S. ; 22 cm
Originaltitel: The women [dt.]
ISBN: 978-3-446-23269-3
Bestellnummer: 505/23269
Einband/Preis: Pp. : EUR 24.90
Schlagwörter: Wright, Frank Lloyd ; Belletristische Darstellung
USA ; Gesellschaft ; Konservativismus ; Prüderie ; Geschichte 1900-1950 ; Belletristische Darstellung
Sachgruppe: Englische Literatur Amerikas ; Belletristik

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Auch als Hörbuch erhältlich

Verlagstext:
«Er ist genial, er ist exzentrisch und er ist der berühmteste Architekt der USA - wenn nicht gar der Welt: Mit der überlebensgroßen Figur Frank Lloyd Wright erweitert T. C. Boyle seine Darstellung mythischer Amerikaner. Mitten in der Prärie hat Wright einen Traum verwirklicht: das Anwesen Taliesin. Hier lebt und arbeitet er mit seinen treuen Schülern und seinen geliebten Frauen: der aparten Tänzerin aus Montenegro, der exaltierten Morphinistin und - natürlich - Mrs. Wright. Sie alle führen erbitterte Kämpfe gegen ihre Nebenbuhlerinnen und gegen die bigotte amerikanische Gesellschaft. Boyles Geschichte des großartigen Egomanen ist zugleich eine Kritik an der Prüderie der Amerikaner in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.»

Leseprobe beim Hanser Verlag

Ketil Bjørnstad: Der Fluss

Titel: Der Fluß : Roman / Ketil Bjørnstad
Aus dem Norweg. von Lothar Schneider
Verfasser: Bjørnstad, Ketil
Schneider, Lothar [Übers.]
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Frankfurt, M. ; Leipzig : Insel-Verl.
Erscheinungsjahr: 2009
Umfang/Format: 382 S. ; 21 cm
Originaltitel: Elven
ISBN: 978-3-458-17425-7
Bestellnummer: 17425
Einband/Preis: Pp. : EUR 22.80

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Verlagstext:
Elven, der Fluss, ist das Leitmotiv in Aksel Vindings Leben, er trennt die beiden Welten, zwischen denen sich der junge Pianist zu entscheiden hat, und er ist Inspiration zur eigenen Musik - Ketil Bjørnstad hat einen mitreißenden Entwicklungs- und Künstlerroman geschrieben, der die Themen Liebe und Tod, Selbstzweifel und Angst und immer wieder die Musik spannend und überzeugend gestaltet, radikaler noch als Vindings Spiel.

Eine Segelyacht zerschellt an der Südküste Norwegens. Unter Lebensgefahr gelingt es Aksel Vinding, die Schiffbrüchigen zu retten. Unter ihnen befindet sich Marianne Skoog, die Mutter seiner früheren Freundin Anja, die wie Aksel zu dem Kreis junger Osloer Pianisten gehört hatte. Anja hatte dem Druck, dem die Debütanten ausgesetzt waren, nicht standhalten können und war an Magersucht gestorben. Aksel aber, angetrieben von seiner strengen Klavierlehrerin Selma Lynge, hat den Mut, sich dem Auftritt als Pianist zu stellen. Während der Konzertvorbereitungen lernt er Marianne Skoog näher kennen, er verliebt sich in die ältere Frau. Hin und her gerissen zwischen seinen Gefühlen, dem Wunsch nach einem normalen Leben und der Besessenheit durch die Musik, der er sich verschrieben hat, versucht er, seinen eigenen Weg zu finden. Am Abend des Debüts läuft alles glatt. Aksel spielt hinreißend, muss etliche Zugaben geben und führt eine eigene Komposition auf, die er »Elven«, der Fluß, genannt hat. Doch da erreicht ihn eine erschütternde Nachricht.

Leseprobe beim Insel Verlag

Juli Zeh: Spieltrieb

Titel: Spieltrieb : Roman / Juli Zeh
Verfasser: Zeh, Juli
Ausgabe: Genehmigte Taschenbuchausg., 1. Aufl.
Verleger: München : btb
Erscheinungsjahr: 2006
Umfang/Format: 565 S. ; 19 cm
Gesamttitel: btb ; 73369
ISBN: 978-3-442-73369-9
3-442-73369-3
Einband/Preis: kart. : EUR 10.00
Schlagwörter: Bonn ; Schüler ; Erpressung ; Lehrer ; Geschichte 2003 ; Belletristische Darstellung
Sachgruppe: Deutsche Literatur ; Belletristik

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Auch als Hörbuch erhältlich

Verlagstext:
Die atemberaubende Geschichte einer obsessiven Abhängigkeit zwischen einer Schülerin und einem Schüler, Ada und Alev, aus der sich erst die Bereitschaft, dann der Zwang zu Taten ergibt, die alle Grenzen der Moral, des menschlichen Mitgefühls und des vorhersehbaren Verhaltens überschreiten. Die beiden jungen Menschen wählen sich ihren Lehrer Smutek als Ziel einer ausgeklügelten Erpressung. Sie beginnen ein perfides Spiel um Sex, Verführung, Macht.

Leseprobe bei Randomhouse.de

Martin Suter: Das Bonus-Geheimnis

Titel: Das Bonus-Geheimnis: und andere Geschichten aus der Business Class / Suter, Martin
Verfasser: Martin Suter
Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: Diogenes
Auflage: 1
Erscheinungsdatum: 24. Februar 2009
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257067127
ISBN-13: 978-3257067125

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Verlagstext:
Die Managergehälter - wie kann es anders sein - sind ein unerschöpfliches Thema in diesen neuen und letzten Business-Class-Geschichten. Und- die zweite erogene Zone der Manageridentität - der saftige alljährliche Bonus.

Leseprobe beim Diogenes Verlag

Jessica Durlacher: Schriftsteller!

Titel: Schriftsteller! / Durlacher, Jessica
Autor: Jessica Durlacher
Broschiert: 113 Seiten
Verlag: Diogenes
Auflage: 1
Erscheinungsdatum: 24. Februar 2009
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257237847
ISBN-13: 978-3257237849

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Verlagstext:
In dieser vergnüglichen, selbstironischen Erzählung schildert Jessica Durlacher die Nöte einer jungen Autorin, die sich nach ihrem gefeierten Debüt schwertut, etwas Neues zu Papier zu bringen. Sie zeigt, dass die Welt einer Frau im Rampenlicht auch ganz anders aussehen kann vor allem, wenn ein junger Kollege meint, noch eine Rechnung mit ihr offen zu haben.




Jetzt, wo ich davon weiß, ist es auch nicht schwierig, Berichte über Elke Heidenreichs Umstieg auf das Medium Internet zu finden. So sagt Heidenreich gegenüber der Zeitschrift Focus, sie habe ganz bewusst das Medium gewechselt. Es habe nicht an Angeboten, auch von öffentlich-rechtlichen Sendern, gefehlt, aber sie habe das Gefühl gehabt, sie sei mit dem Fernsehen durch. Das neue Medium biete eine Reihe von Vorteilen.

Einer dieser Vorteile ist sicher, dass sie von dem von ihr ungeliebten Sendeplatz am späten Freitagabend weg kommt. Jeder kann sich Lesen! ansehen, wann er Lust hat. Das ist die Freiheit des Internets. Der zweite - auch für die Fans - echte Vorteil: Lesen! wird ab sofort monatlich, nicht nur 6 Mal im Jahr, gemacht. Elke Heidenreichs Gäste sind nicht weniger illuster als zuvor. R.D. Precht war im Dezember zu Gast, im Januar Stefan Aust, im Februar Michael Kessler und jetzt im März die Regisseurin Karin Beier.

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Joachim Gaertner: Ich bin voller Hass


Eine Woche nach dem Amoklauf von Winnende bringt west.art am 17.03. (WDR, 22:30 Uhr) ein Interview mit Joachim Gaertner, Autor des dokumentarischen Romans "Ich bin voller Hass - und das liebe ich", der Original-Dokumenten zum Massaker an der Columbine Highschool zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfasst.

Die Sendung wird am Montag, 23. März 2009, 10.50 Uhr im WDR Fernsehen wiederholt.

Pressetext des Senders:
«25.000 Seiten Ermittlungsakten - das Destillat für einen dokumentarischen Roman, der die Geschichte von Tat und Tätern eines der folgenreichsten Verbrechen der letzten Jahrzehnte, das Schulmassaker von Littleton, anhand von Originaldokumenten, Tagebüchern, Interneteinträgen, Verhörprotokollen und Aussagen von Beteiligten rekonstruiert. Die Schule als Tatort. Der Amoklauf an der Columbine Highschool am 20. April 1999 hat Nachahmer gefunden: 2002 in Erfurt, 2006 im nordrheinwestfälischen Emsdetten und dieser Tage in Winnenden. Was macht Jugendliche zu Amokläufern? Wie werden unauffällige Außenseiter zu Tätern? west.art spricht mit dem Journalisten und Autor Joachim Gaertner über Columbine und die Folgen.»

Titel: "Ich bin voller Hass - und das liebe ich!!" : dokumentarischer Roman ; aus den Original-Dokumenten zum Massaker an der Columbine-Highschool / Joachim Gaertner
Verfasser: Gaertner, Joachim [Hrsg.]
Verleger: Frankfurt, M. : Eichborn
Erscheinungsjahr: 2009
Umfang/Format: 186 S. : Ill. ; 22 cm
Gesamttitel: Eichborn Berlin
Anmerkungen: Aus dem Engl. übers.
ISBN: 978-3-8218-5848-7

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«»Ja ... ich kann das nicht glauben ... Er hat ... immer noch Kugeln - Er schießt einfach und schießt und schießt ...« Aus 25.000 Seiten Ermittlungsakten destilliert Joachim Gaertner einen Dokumentarroman, bei dem Entsetzen und Staunen über die künstlerische Fantasie der Täter eines der folgenreichsten Verbrechen der letzten Jahrzehnte sich die Waage halten. Es ist 9 Uhr 11, als in der Notrufzentrale von Jefferson County das Telefon klingelt und eine panische Frauenstimme berichtet, dass zwei schwarz gekleidete Gestalten durch die Columbine Highschool gehen und jeden niederschießen, den sie antreffen. Die Anruferin, die Lehrerin Patti Nielson, hat sich mit vielen anderen in der Bibliothek verschanzt. 26 Minuten lang hört die Beamtin der Notrufzentrale die Schüsse und Explosionen im Hintergrund, während sie versucht, die Frau zu beruhigen. Dann flüstert Patti Nielson plötzlich nur noch. »Oh Gott. Ich habe wirklich ... Angst ... Ich glaube, er ist jetzt in der Bibliothek.« Gaertners Dokumentarroman erzählt die Geschichte von Tat und Tätern ausschließlich anhand von Originaldokumenten, Tagebüchern, Interneteinträgen, Verhörprotokollen und Aussagen von Beteiligten, und konterkariert so die Dramaturgie der Tat selbst, die von den Tätern bis ins kleinste Detail in literarischen Szenen, Tagebüchern, auf Internetseiten und in Videos in der Fantasie ausgebildet wurde, bis sie schließlich katastrophale Realität wurde.»
(Verlagstext)

Eine kurze Leseprobe hat der Eichborn Verlag online gestellt

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Freitag, Februar 20, 2009

Kulturzeit, 20.02.2009


Selten habe ich Tina Mendelsohn, Redakteurin bei der 3sat Kulturzeit, derart bissig und hart erlebt. "Freud sagt ja, dass man mit ungefähr drei Jahren in die anale Phase kommt, das heißt, unheimlich stark an den eigenen Ausscheidungen interessiert ist.", eröffnete sie die Unterhaltung mit dem leicht verdutzten Schriftsteller Heinz Strunk, Autor des jüngst erschienenen Romans "Fleckenteufel". Und sie fuhr fort: "Könnte es sein, dass bei Ihnen diese Phase andauert?"

Im besten Fall kann man Frau Mendelsohn unterstellen, sie wolle mit dieser Eröffnung offensiv-bildlich das Thema "Provokation" einläuten. Denn um nichts anderes geht es bei dem Band "Fleckenteufel" - eine kalkulierte Provokation, ein Versuch, an den Erfolg von Charlotte Roches "Feuchtgebiete" anzuknüpfen und dem sensibilisierten Buchmarkt so noch ein paar Euro aus der Tasche zu ziehen. Mendelsohns Einleitung hätte funktionieren können, wenn Strunk ihre Provokation als solche entlarvt hätte. Statt dessen wirkt ein Großteil dessen, was er im folgenden Interview von sich gibt, kleinlaut apologetisch. Seine anale Phase sei schon seit längerem vorbei, gibt er leicht trotzig von sich, er habe aber seine "humoristische Laufbahn" (meint er Studio Braun?) damit eingeläutet. Eigentlich sei dieses Segment seit 2002 ad acta gelegt. 2002 - das ist das Jahr, in dem er die Arbeit an seinem erster Roman "Fleisch ist mein Gemüse" begann, halb- bis dreiviertel-biographisch, eher einfühlsam als provozierend, augenzwinkernd melancholisch. Ein voller Erfolg, sowohl bei den Lesern als auch dem Feuilleton. Über 300.000 verkaufte Exemplare. Verfilmt, mittlerweile in Hamburg auch zur "Operette" zweitverwertet.

Hier ist die Frage, warum er dann im Jahr 2009 mit einem Roman auf den Markt schießt, der wieder ganz auf den alten "Pippi-Kacka-Schwuli-Wichsi-Kotzi"-Humor baut, nahezu zwangsläufig. Und ebenso zwangsläufig gibt Strunk zu, dass es da einen direkten Zusammenhang mit dem überragenden Erfolg von Charlotte Roches "Feuchtgebieten" gebe. Nein, wirklich? "Fleckenteufel" als Replik auf die "Feuchtgebiete" zu betrachten, wie Strunk das tut, ist vielleicht etwas hoch gegriffen. Woody Allen würde sagen: "Nein, eigentlich keine Replik. Ich habe schlicht die Idee geklaut." Und wenn Strunk halbwegs ehrlich wäre, sähe seine Antwort ganz ähnlich aus.

Tina Mendelsohn hebt an dieser Stelle die Augenbraue und senkt den Blick: Eine Replik? "Das heißt, Sie haben eine Antwort gegeben?" fragt sie erstaunt. "Ist das eine speziell männliche Antwort?" Und wieder macht Strunk einen Rückzieher. Nein, eigentlich keine Antwort, und schon gar keine männliche, denn inhaltlich und stilistisch sei "Fleckenteufel" eben doch etwas ganz anderes. Dann versucht er wieder Land zu gewinnen, in dem er großspurig behauptet, er, Strunk, habe auf diesem Gebiet seine Kernkompetenz , ein Humormonopol. Und der Zuschauer ist geneigt, ihm, der verzweifelt nach Worten sucht, zu glauben. Nicht, dass er diese "Kompetenz" besitze - aber dass Strunk das wirklich von sich denkt.

Mendelsohn kommt auf den mäßigen Erfolg zu sprechen, den die "Feuchtgebiete" nach deren Veröffentlichung in England haben. Sei dies denn ein typisch deutsches Thema? Sie geht noch weiter: Strunk lasse seinen Protagonisten ja haufenweise Landser-Hefte lesen - sei dies vielleicht ein Hinweis auf das typisch Deutsche auch in seinem Roman? Wieder tritt Strunk einen geordneten Rückzug an: "Keine Ahnung", sagt er, eigentlich sei dies lediglich ein Rückgriff auf den Fundus eigener Erinnerungen. Denn als Jugendlicher habe er eben jene Landserhefte gelesen. Später habe er dann umgeschwenkt auf Charles Bukowski. Genau wie sein Romanheld Thorsten Bruhn. Und Bukowski sei auch so etwas wie sein literarisches Vorbild gewesen. Auch wenn er inzwischen eher zur Lektüre von Botho Strauß neige. Nun gut.

Die 3sat Kulturzeit war nie ein angepasstes Programm, nie Hofberichterstattung für das Feuilleton. Gelegentlich habe ich Tina Mendelsohn auch zuvor schon provokant in ihren Fragen erlebt. Nie aber trat dieses Gefälle, diese Geringschätzung für einen Autoren derart klar zu Tage wie in diesem Interview. Immer wieder zerlegt sie Strunks Antworten, enthüllt sie als Wortblasen. Und selten habe ich einen Autoren defensiver erlebt als hier. Er weiß, dass dieser Roman nach zwei gelungenen Werken ein Fehler war und er seinen eigenen Ruf damit zerschoss. Er weiß, dass sein Schielen nach neuem, schnellen Geld - um in seiner eigenen Terminologie zu bleiben - ein Griff ins Klo war. Genüsslich demontiert Tina Mendelsohn den Autor. Eine Art öffentlicher Hinrichtung, die fast schon wieder für den Autor einnimmt. Das sah wohl auch 3sat so, und hat den Videomitschnitt in seiner Mediathek veröffentlicht. Wer das Gesamtkunstwerk mitsamt Anmoderation und Filmtrailer erleben will, kann dies auf myspace tun.

Infos zum Buch:
Autor: Heinz Strunk
Titel: Fleckenteufel
Klebebindung: 224 Seiten
Verlag: Rowohlt TB-Verlag Reinbek
Erscheinungsdatum: 16. Januar 2009
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499252244
ISBN-13: 978-3499252242

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Auch als Hörbuch erhältlich

Lesen Sie auch die ausführliche Rezension des Romans bei Shakespeare and more
Falls Sie die Sendung im Fernsehen oder im Internet gesehen haben und selbst kommentieren möchten, können Sie dies gern tun. Dies gilt auch, wenn Sie das Buch gelesen haben und Ihre Eindrücke schildern möchten. Hier klicken, um einen Kommentar zu verfassen.

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Freitag, Januar 16, 2009

Kulturzeit, 16.01.2008


Einmal im Monat stellt die 3sat-Kulturzeit ihre Krimibuchtipps vor. Oft finde sich die hier empfohlenen Titel später auch auf der KrimiWelt-Bestenliste wieder. Denn auch die Kulturredaktionen nehmen sich gegenseitig als Anhaltspunkt in einem Markt, der sonst, ganz ohne Hilfestellung völlig unübersichtlich wäre.
Dieses Mal ist Thomas Kastura wieder mit dabei, der spätestens seit "Der vierte Mörder" auch über die Krimi-Szene hinaus bekannt ist - mit jenem Krimi hielt er sich lange auf der Bestenliste. Zoran Živkovic hingegen ist eine relativ neue Entdeckung des dtv. Der Verlag hatte im Februar letzten Jahres seinen Roman "Versteckte Kamera" veröffentlicht. Bereits ein halbes Jahr später schob er "Das letzte Buch" nach, was in der Verlagsszene eher ungewöhnlich ist. Lesen Sie mehr:

Zoran Živkovic: Das letzte Buch

Broschiert: 222 Seiten
Verlag: Dtv
Erscheinungsdatum: November 2008
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3423211031

»Plötzlich und unerwartet hat sie der Tod getroffen, ausgerechnet beim Lesen. Mit dem Tod der Kundin gerät die Welt der Buchhändlerin aus den Fugen. Wer anderes als ein Literaturkenner kann dieses seltsame Verbrechen aufklären? Inspektor Lukic ist der Richtige dafür. Seltsam sind auch die eigenwilligen Kunden der Buchhandlung. Sie verstellen grundlos Bücher oder bringen sogar welche. Doch kann ein Buch töten? Es bleibt nicht bei einer Leiche. Und Inspektor Lukic hat das Gefühl eines Déjà-vu, als habe er die Geschichte bereits irgendwann schon einmal gelesen. Zwischen dem Inspektor und der Buchhändlerin entwickelt sich eine traumhafte Liebesbeziehung. Hand in Hand gehen sie durch Zoran Živkovics surreale Welt, immer auf der Suche nach dem Buch der Bücher und der Antwort auf die Fragen: Wie kann ein Buch töten und welcher der überaus seltsamen Kunden steckt dahinter? "Das letzte Buch" des Serben Zoran Živkovic, erschienen bei Dtv, ist ein schwarzes, kunstvolles Märchen, dessen Ende einen ebenso überrascht, wie schmunzeln lässt. «

Thomas Kastura: Das dunkle Erbe

Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: Droemer Knaur
Erscheinungsdatum: 22. Oktober 2008
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3426197790

»Hauptkommissar Klemens Raupach verhaftet den Kölner Arzt Bernhard Schwan. Schwan steht im Verdacht, drei Frauen getötet zu haben: seine Ehefrau, seine Geliebte und seine Praxispartnerin. Scheinbar ist das ein klarer Fall von Beziehungstat, doch Raupach hat Zweifel und untersucht im Kölner Nobelviertel Marienburg die Villa und Praxis des verdächtigen Arztes. Der Hauptkommissar geht Hinweisen nach, bei dem das alte Haus vor und in der Nazi-Zeit Schauplatz einer Tragödie war: Der jüdische Besitzer wurde damals zwangsenteignet, seine Familie zerstört. Im Keller vermutet Raupach ein dunkles Geheimis. Zentimeter für Zentimeter untersucht er die Räume und wird fündig. "Das dunkle Erbe", erschienen bei Droemer Knaur, besticht durch seine ruhige und sachliche Sprache. Thomas Kastura zeichnet ein Kaleidoskop aus Rache und Gier, Schmerz und Einsamkeit.«

Die Sendung Kulturzeit vom 16.01.2008 wird in der Nacht zum Samstag, 17.01. wiederholt um 1:40 Uhr und am Montag, 19.01. um 9:05 Uhr auf 3sat.

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Mittwoch, Januar 07, 2009

Menschen bei Maischberger 06.01.2009


In den 70er Jahren, als meine christliche Sozialisation ihren Höhepunkt erlebte, war das Thema "Geistheilung" von esoterischen Spinnern oder christlich-charismatischen Fundamentalisten vom Schlage John Wimbers besetzt. Wer an Spontanheilung glaubte, behielt dies besser für sich. Zumindest wenn er vermeiden wollte, dass Mitmenschen seinen IQ im einstelligen Bereich vermuteten.

Spätestens in den 90ern gab es jedoch ein derart breites Datenmaterial zu dem, was die Mediziner "Spontanremission" nennen, dass wissenschaftliche Publikationen den Skeptikern den Wind aus den Segeln nahmen. Sehr zum Leidwesen der christlichen Handauflege-Fraktion traten Spontanremissionen jedoch nicht nur in Gemeindekreisen auf. Im Gegenteil: Nicht nur gab es keine statistische Häufung von übernatürlichen Heilungen bei Gläubigen, bei gewissen Krankheiten scheint es sogar kontraproduktiv, wenn für die Kranken gebetet wird. Was wir nach all den Jahren des Trial and Error sagen können ist höchstens: eigentlich haben wir noch immer keine Ahnung, wie Spontanheilung funktioniert.

Dies wurde auch gestern Abend in der Sendung "Menschen bei Maischberger" deutlich. Unter ihren Gästen befanden sich mehrere, die an sich eine Spontanheilung erlebt hatten. Einer von ihnen war querschnittsgelähmt, eine andere hatte die ärztliche Diagnose, ein Leben lang als Krüppel herumlaufen zu müssen. Beide erschienen quietschfidel und gesund in der Talkrunde. Hier die Gäste im Einzelnen, soweit vorhanden mit ihrer aktuellsten Publikation:

Dr. Eckart von Hirschhausen

(Arzt und Kabarettist)

"Ich wollte schon im Medizinstudium wissen, wie viel sich im Körper durch seelische Funktionen und Gedanken verändert", sagt der Arzt und Kabarettist, der vor 20 Jahren Hypnosekurse belegte. Eckart von Hirschhausen bezeichnet sich selbst als "modernen Medizinmann".

Buchtitel: Die Leber wächst mit ihren Aufgaben
Eckart von Hirschhausen
Taschenbuch: 224 Seiten
Verlag: Rowohlt TB-V. Rnb.
Auflage: 16., Aufl.
Erscheinungsdatum: 1. April 2008
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3499623554

Der Bestsellerautor untersucht und kommentiert die neuesten Entdeckungen, Auswüchse und Irrtümer der Medizin. Er fällt mit Glaubersalz vom Glauben ab, rettet die Welt durch neue Schlaftechniken, und lernt Gelassenheit nicht mit Hilfe indischen Ayurvedas, sondern durch das Verkehrsaufkommen in der indischen Hauptstadt. Er verschreibt keine Placebos, sondern liefert handfeste Lebenshilfe in einer Welt, für die wir nie geschaffen wurden. Sein Markenzeichen: intelligenter Witz mit nachhaltigen Botschaften.

Dr. Gunther Schmidt

(Arzt und Hypnotherapeut)

Der Arzt und Psychotherapeut gilt als Pionier und Begründer der Hypnotherapie. Er setzt Hypnose bei körperlichen und seelischen Erkrankungen ein. Sein Ziel ist es, Patienten an ihre eigenen Heilkräfte heranzuführen. Leider sei Hypnose durch Showspektakel in ein falsches Licht geraten. Gegen solche Vorurteile will der Mediziner ankämpfen.

Buchtitel: Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung
Autor: Gunther Schmidt
Taschenbuch: 128 Seiten
Verlag: Carl-Auer-Systeme
Auflage: 2. Aufl.
Erscheinungsdatum: April 2008
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3896704702

Der hypnosystemische Ansatz vereinigt Konzepte des systemischen Denkens und der Hypnotherapie nach Milton H. Erickson. Im Zentrum steht die Orientierung auf Kompetenzen, Ressourcen und Lösungen. Der Vorzug gegenüber anderen Verfahren besteht vor allem darin, dass sich Therapie bzw. Beratung flexibler und wirksamer auf den jeweiligen Klienten bzw. das Klientensystem ausrichten lässt. Hypnosystemische Interventionen erlauben umgehende und dabei nachhaltige Veränderungen auch bei Problemen, die als hartnäckig oder chronifiziert gelten. Sie sind damit eine echte Alternative zu zeit- und kostenintensiveren Methoden.

Gunther Schmidt, der Begründer dieser Therapierichtung in Deutschland, stellt in dieser Einführung kompakt, übersichtlich und dabei detailliert die Grundlagen, Besonderheiten und Anwendungsbereiche der hypnosystemischen Therapie und Beratung dar. Nicht zuletzt durch die Beispiele aus der Praxis eröffnet das Buch Psychotherapeuten und Organisationsberatern, aber auch anderen Berufsgruppen neue, effektivere und ökonomischere Handlungsmöglichkeiten.

Silke Raczing

(Krebspatientin)

Im Februar 2007 erhielt sie die Diagnose "Brustkrebs mit zahlreichen Metastasen im Körper, Lebenserwartung: sechs Monate". Seitdem wird Silke Raczing medizinisch, u. a. mit regelmäßiger Chemotherapie, behandelt. Zusätzlich aber vertraut die Buchhalterin einer Geistheilerin in den Niederlanden, die sie einmal in der Woche besucht. "Ich lebe schon viel länger, als die Ärzte es erwartet haben", sagt die Mutter einer Tochter. Ihre Brustkrebserkrankung stoppte im fortgeschrittenen Stadium unerklärlicherweise.

Christa Yellowtail

(Schamanin)

Die frühere Vorstandssekretärin arbeitet seit über zehn Jahren als Schamanin im Allgäu. Wer mehr über Christa Yellowtail erfahren will, findet Informationen über ihren ungewöhnlichen Werdegang der ausgebildeten Dolmetscherin zur Schamanin in dem Artikel: Von der schicken Chefsekretärin zur Medizinfrau der Allgäu-Rundschau. "Ich zeige Menschen, Selbstheilungskräfte zu entdecken", sagt Christa. Ihre Heilkunst lernte sie in den USA von ihrem Ehemann, einem alten indianischen Medizinmann, mit dem sie fünf Jahre zusammenlebte. Über ihn gibt es ein informatives Buch, das dadurch eben auch in die Gedankenwelt Christa Yellowtails einführt:

Buchtitel: Yellowtail, Crow Medicine Man, and Sun Dance Chief: An Autobiography
Autor: Yellowtail
Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: Univ.Oklahoma P.
Auflage: Reprint
Erscheinungsdatum: März 1994
Sprache: Englisch
ISBN: 978-0806126029

Dies ist die Autobiografie des Ehemannes von Christa Yellowtail. Passt aber trotzdem ganz gut an dieser Stelle. Denn erstens war es der Medizinmann Yellowtail, der Christa nach ihrem Autounfall heilte, und zweitens hat Christa ihr schamanisches Wissen, mit dem sie heute im Allgäu praktiziert, von ihrem Mann übernommen. Yellowtail selbst war von je her Kritiker des westlichen Lebensstils, den seine Stammesgenossen notgedrungen immer stärker annahmen. Für ihn hieß die Alternative, entweder zu dem traditionellen Lebensstil der Indianer zurückzukehren oder mit dem westlichen Stil unterzugehen. In dem Buch gibt er sein Wissen weiter und beschreibt detailliert einzelne Zeremonien.
Zwar sagte Christa Yellowtail in der Sendung, im Allgäu ließe sich nicht mit den selben Mittel arbeiten, da dies allein aus rechtlichen Gründen nicht möglich sei. Man kann aber davon ausgehen, dass Sie ihr Wissen aus der Arbeit mit ihrem Mann bezogen hat. Hier im Westen näher an original schamanische Praktiken zu kommen dürfte schwierig werden.

Prof. Dr. Johannes Köbberling

(Arzt)

Der Facharzt für Innere Medizin warnt vor den Heilsversprechen der Paramedizin. Anstatt ihre Verfahren zu überprüfen, würden Einzelfälle als Beweis hingestellt. "Gefährlich wird es, wenn Patienten durch Handauflegen Heilung versprochen wird", sagt Johannes Köbberling. Man dürfe nur der wissenschaftlichen Medizin vertrauen, die ihre Wirkung in Studien belegen könne.

Buchtitel: Zeitfragen der Medizin
Auto: Johannes Köbberling
Broschiert: 256 Seiten
Verlag: Springer, Berlin
Erscheinungsjahr: 1998
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3540635826

Zunehmend müssen sich Ärzte neben ihren rein fachbezogenen medizinischen Inhalten auch mit übergreifenden Zeitfragen in der Medizin beschäftigen. Von besonderer Bedeutung ist die Frage, wie sich die wissenschaftliche Medizin mit ihren überprüfbaren Ergebnissen in Diagnostik und Therapie von unwissenschaftlichen Ansätzen abgrenzt, die heute unter verschiedenen Namen innerhalb und außerhalb des eigentlichen Medizinbetriebs zunehmend Verbreitung finden. Aus der Verpflichtung zur Wissenschaft in der Medizin wächst auch die Verpflichtung zur Qualitätssicherung auf hohem Niveau in der Patientenversorgung. Dies kann aber nur im Rahmen der ökonomischen Gesamtsituation betrieben werden. Das Buch stellt für Ärzte, Ökonomen und Gesundheitspolitiker eine unverzichtbare Informationsquelle dar.

Clemens Kuby

(Autor)

Der Filmemacher und Autor glaubt aus eigener Erfahrung fest an Selbstheilungskräfte. 1981 stürzte er vom Dach und blieb querschnittsgelähmt. Nach über einem Jahr in einer Klinik konnte er wieder gehen. Eine Erklärung dafür hatten die Ärzte nicht. Clemens Kuby macht für seine Spontanheilung eigene geistige Kräfte verantwortlich, die er seither auf vielen Reisen zu Schamanen und Heilern in aller Welt erforscht.

Buchtitel: Unterwegs in die nächste Dimension: Meine Reise zu Heilern und Schamanen
Autor: Clemens Cuby
Broschiert: 340 Seiten
Verlag: Goldmann
Erscheinungstermin: 7. April 2008
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3442218363

Kubys Auseinandersetzung mit dem Thema Heilung begann bereits vor zwanzig Jahren, als ihn eine Querschnittslähmung zwang, sein Leben völlig neu zu betrachten. Sehr offen und persönlich beschreibt er, wie es ihm gelang - körperlich und psychisch auf dem Nullpunkt - im Dialog mit der Seele, die Selbstheilungskräfte so zu aktivieren, dass sich die Lähmung zurückbildete und die Ärzte von einem Wunder sprachen. Für ein Filmprojekt reiste der Dokumentarfilmer Clemens Kuby zwei Jahre lang rund um die Welt zu den unterschiedlichsten Ländern und Kulturen, begegnete zahlreichen Heilern und Schamanen und recherchierte Phänomene des Heilens, die uns normalerweise verborgen bleiben. Mit diesem Buch entstand ein packendes Dokument, das Türen zur Selbstheilung öffnet und uns ermutigt, dem Ungewöhnlichen zu vertrauen.

Wahrscheinlich wird die Sendung in den nächsten Tagen in der Mediathek der ARD als Videostream zur Verfügung stehen.

Eine ausführliche, wenn auch leicht polemische Rezension der Sendung finden Sie auf welt.de

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Montag, April 28, 2008

Lesen! mit Elke Heidenreich, 01. Mai 2008 um 22.45 Uhr


Am 01. Mai 2008 um 22.45 Uhr wird die "Vielleserin" Elke Heidenreich wieder mehrere Bücher vorstellen. Als Gast begrüßt sie diesmal den Theater-Regisseur Claus Peymann. Anbei finden Sie die Bücherliste.

Ab dieser Sendung wird sich der Internet-Auftritt von Elke Heidenreichs Buchpräsentation mit neuen Inhalten vorstellen. Unter anderem bieten der Sender ab diesem Tag zu jeder neuen Lesen!-Sendung ein kleines Quiz an, bei dem es einen literarisch wertvollen Preis zu gewinnen gibt.

Auf den Internetseiten des ZDF können Sie auch die ganze Sendung als Online-Stream sehen oder einzelne Beiträge/Rezensionen nachlesen: http://lesen.zdf.de


Jonathan Littell: Die Wohlgesinnten

Aus dem Französischen von Hainer Kober
Berlin Verlag, 2008
Gebundene Ausgabe, 1392 Seiten
ISBN: 978-3827007384
36,00 Euro

Der fiktive Lebensbericht eines hohen SS-Offiziers, ein Epos, das ein detailliertes Bild des Zweiten Weltkriegs und der Verfolgung und Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten zeichnet. Die Wohlgesinnten wurden von der Kritik als ein neues Krieg und Frieden gefeiert: die fiktiven Lebenserinnerungen des SS-Obersturmführers Maximilian Aue, Jahrgang 1913, Sohn eines deutschen Vaters und einer französischen Mutter, promovierter Jurist, frühes NSDAP-Mitglied, in die SS eingetreten, um sich der Strafverfolgung nach ß175 zu entziehen, aber lebenslang seiner Zwillingsschwester inzestuös verbunden. Es sind die verstörenden Erinnerungen an die Schauplätze des Zweiten Weltkriegs und an das Grauen der Verfolgung und Vernichtung der Juden von Juni 1941 bis April 1945, an die Einsatzkommandos und Massenhinrichtungen in der Ukraine und im Kaukasus, an Babi Jar, den Kessel von Stalingrad, Auschwitz und Krakau, an Mittelbau Dora, das besetzte Paris oder das kriegszerstörte Berlin. Es sind die beklemmenden Erinnerungen an all die Begegnungen mit den Nazigrößen, an Himmler, in dessen persönlichen Stab Aue 1943 aufgenommen wird, an Abendessen mit Eichmann, an Heydrich, Höß oder Speer. Es ist ein erschreckend detailgenauer Roman über die nazistischen Verbrechen, konsequent erzählt aus der Perspektive eines Täters, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg in die sichere Existenz eines Fabrikdirektors in Frankreich gerettet hat. "Es ist eines der eindrucksvollsten Bücher, die je über den Nazismus geschrieben wurden."

Carlo Fruttero, Franco Lucentini: Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz

Gelesen von Sophie Rois
Patmos Verlag, 2007
5 Audio-CDs, Spielzeit 404 Minuten
ISBN: 978-3491912540
24,95 Euro (unverbindliche Preisempfehlung)

David Ashver Silvera ist polyglotter Reiseleiter ohne festen Wohnsitz. Aber was führt ihn im kalten November ausgerechnet nach Venedig? Das fragt sich auch die römische Principessa, die dort eine wertvolle Bildersammlung begutachten soll. Während sie einem gerissenen Kunstschmuggel auf die Spur zu kommen versucht, lässt sie sich auf eine stürmische Liebesaffäre mit dem geheimnisvollen Fremden ein. Der jedoch erscheint in immer neuen Masken und versteht merkwürdigerweise verblüffend viel von alten Gemälden. Wer also ist ihr Liebhaber?
Ein federleichter, vergnüglicher und zugleich tiefsinniger Roman um Vergänglichkeit, Liebe und Tod.

Als Taschenbuch:

Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz.

Aus dem Italienischen von Dora Winkler
Piper Verlag, 2007
Broschierte Ausgabe, 320 Seiten,
ISBN 978-3-49224-883-9
10,00 Euro

Eine stürmische Romanze bahnt sich an zwischen Mr. Silvera, dem geheimnisvollen, polyglotten Reiseleiter mit verblüffend profunder Kenntnis von Venedigs Historie und Kunst, und der römischen Principessa, die im Auftrag eines Auktionshauses eine venezianische Gemäldesammlung begutachtet. Doch was weiß der 'Mystery Man' über den raffinierten Kunstschmuggel, dem die Aristokratin mit seiner Hilfe auf die Spur zu kommen versucht? Dieser Roman ist eine bittersüße Liebesgeschichte, eine faszinierende Hommage an Venedig und zugleich ein aufregender Krimi.

«Eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich kenne.» Elke Heidenreich

Arnon Grünberg: Tirza

Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten
Diogenes Verlag, 2008
Gebundene Ausgabe, 576 Seiten
ISBN: 978-3257066371
21,90 Euro

Jürgen Hofmeester, Ende fünfzig, wohlhabend, aber freigestellt, geht ganz auf in seiner Vaterrolle. Vor allem, seit seine Frau ihn verlassen hat. Tirza, so heißt sein Augenstern, die jüngere Tochter. Nach dem Abitur will sie auf Reisen nach Afrika gehen. Dann hat Hofmeester ausgedient, wird keine Rolle mehr spielen, und deshalb fällt er aus der Rolle.

Romain Gary: Frühes Versprechen

Aus dem Französischen von Giò Waeckerlin Induni
SchirmerGraf Verlag, 2008
Gebundene Ausgabe, 416 Seiten
ISBN 978-3-86555-049-1
22,80 Euro

Erst sollte er Geigenvirtuose werden wie Yehudi Menuhin, dann Tänzer wie Nijinsky, um Himmels willen kein armer Schlucker wie Van Gogh, dann doch lieber ein Victor Hugo, ein Tolstoi, ein Goethe. Madame Kacew, die exaltierte Schauspielerin aus Kursk hatte nur eines im Sinn: Ihr Sohn würde die ihm unwürdige Welt der Gaukler und Gelegenheitsarbeiter überwinden, in der er aufgewachsen ist, sie würde ihn zum waschechten Franzosen machen, der für De Gaulle in den Krieg zieht, höchste diplomatische Weihen erfährt und zum gefeierten Bestsellerautor avanciert. Die schönsten Frauen würden ihm zu Füßen liegen, wobei natürlich keine ihm, das heißt ihr, Madame Kacew, das Wasser reichen könnte. Den einzigartigen Fall, wo nicht die Wirklichkeit zu Literatur, sondern die Literatur zur Wirklichkeit wurde, schildert Romain Gary mit brillanter Selbstironie, mit unerbittlichem Humor und mit unendlicher Liebe für die verrückteste, anstrengendste, ungewöhnlichste Mutter der Welt.

Martha Gellhorn: Muntere Geschichten für müde Menschen

Aus dem Amerikanischen von Miriam Mandelkow
Dörlemann Verlag, 2008
Gebundene Ausgabe, 260 Seiten
ISBN: 978-3-908777-44-1
21,90 Euro

Mrs. Lingard ist ein altmodischer Mensch: »Sie nimmt Freundschaften ernst.« Und so hilft sie unermüdlich ihren Freunden, Claud Roylands jedoch kann sie nicht vor seinem Liebesglück bewahren.
Théodore erklimmt mühelos die Karriereleitern von Paris, London und New York. Sein Herz aus Eis schmilzt erst, als er in Anne Farleigh seine Schneekönigin findet. Mrs. Hapgood bekämpft ihren Ehekummer mit Wein und exzessiven Einkäufen. Auch die selbstauferlegte Ausbildung zum »leichten Mädchen« führt sie nicht ins Glück. Doch Rettung naht - wenngleich von unerwarteter Seite - aus der staubigen Tiefe des Bücherschranks.

Hrsg. im Auftrag des
Moses Mendelssohn Zentrums

Bibliothek verbrannter Bücher

Eine Auswahl der von den Nationalsozialisten verfemten und verbotenen Literatur
Die ersten zehn Bände im Schuber
Georg Olms Verlag, 2008
Gebundene Ausgabe
ISBN: 978-3-487-13608-0
84,00 Euro

Die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz und an anderen zentralen Orten deutscher Städte war der Auftakt zur Vertreibung und Verfolgung zahlreicher vom NS-Regime verfemter Autoren: Ein barbarischer Akt, dessen Auswirkungen wir bis heute spüren.
Die "Bibliothek verbrannter Bücher", ein Mahnmal ganz besonderer Art, soll speziell an Oberschulen und Gymnasien ihren Platz finden. Nicht nur bekannte Autoren wie Franz Kafka, Anna Seghers, Kurt Tucholsky oder Jack London wird sie enthalten, sondern auch solche Autoren, die vor 1933 gelesen, aber heute weitgehend vergessen sind, und die gleichwohl repräsentativ für Kultur und Literatur der Zeit bleiben.

«Die Bücher sind nachgedruckt, so wie sie damals rausgekommen sind: in der schönen, alten Schrift, mit Bildchen drin.» Elke Heidenreich

Volker Weidermann: Das Buch der verbrannten Bücher

Kiepenheuer&Witsch, 2008
Gebundene Ausgabe, 256 Seiten
ISBN 978-3-462-03962-7
18,95 Euro

Nach dem überwältigenden Erfolg der »Lichtjahre«, seiner kurzen Geschichte der deutschen Literatur nach 1945, wendet Volker Weidermann den Blick zurück auf den Tag, an dem in Deutschland die Bücher brannten. Seine Mission: diese Bücher, diese Autoren dem Vergessen entreißen! Es wurde angekündigt als »Aktion wider den undeutschen Geist«: Die akribische landesweite Vorbereitung gipfelte am 10. Mai 1933 in der Errichtung von Scheiterhaufen in vielen deutschen Städten, auf die dann Studenten, Bibliothekare, Professoren und SA-Leute in einer gespenstischen Feierstunde die Bücher warfen, die nicht mit ihrer menschenverachtenden Ideologie vereinbar waren. Unvergessen die Tonbandmitschnitte, die dokumentieren, wie Joseph Goebbels auf dem Platz neben der Berliner Staatsoper mit den Worten »Und wir übergeben den Flammen die Werke von ...« die Autoren aufrief, von denen einige sogar anwesend waren. Volker Weidermann erzählt, wie dieser Tag verlief, an dem es trotzig regnete, er erzählt von dem Bibliothekar Bermann, der die Urliste aller Listen erstellte, nach denen dann Bücher aus den Regalen entfernt wurden, und er erzählt von den Werken und ihren Autoren und davon, wie willfährige Buchhändler und Bibliothekare ihre Bibliotheken und Buchhandlungen säuberten, so gründlich, dass viele Werke und Autoren danach nicht wieder zum Vorschein kamen. Das Ergebnis sind 124 Lebens- und Werkgeschichten von Schriftstellern, darunter neben Klassikern wie Kästner, Tucholsky, Zweig, Brecht und Remarque auch völlig vergessene wie Rudolf Braune, ausländische Autoren wie Jack London, und sehr viele, wie z. B. Hermann Essig, die unbedingt wiedergelesen werden sollten. Ein Buch über Bücher, Schicksale und ein Land, in dem zuerst Bücher verbrannt wurden und dann Menschen.

Die nächste Lesen!-Sendung sehen Sie am Freitag, den 04. Juli 2008.

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Dienstag, März 11, 2008

Karlheinz Böhm: Mein Leben




Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Collection Rolf Heyne; Auflage: 1 (10. März 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3899103831
ISBN-13: 978-3899103830

Er war ein Filmstar und entschied sich für die Ärmsten der Armen. 1981 gründete Karlheinz Böhm die Hilfsorganisation "Menschen für Menschen". Seither ist Äthiopien auch zu seiner zweiten Heimat geworden. Jetzt feiert der gebürtige Darmstädter, der einst mit den "Sissi"-Filmen an der Seite von Romy Schneider zu Weltruhm kam, seinen 80. Geburtstag. In dem Buch "Mein Leben - Suchen. Werden. Finden" blickt Karlheinz Böhm zurück auf ein ereignisreiches Leben. Eine Autobiografie in Wort und Bild.

Karlheinz Böhm erzählt in seinen Memoiren auch von seinen drei gescheiterten Ehen, seinen Kindern und seiner öffentlichen Selbstfindung, die ihn schließlich nach Äthiopien und zu seiner vierten Frau führte. Fern vom Glanz seines ersten Lebens engagiert er sich bis heute als unermüdlicher Helfer gegen Armut, Krankheit und Ungerechtigkeit.

Böhm legt Zeugnis ab vom Aufwachsen in einer wohlhabenden Familie im Deutschland der Dreißigerjahre des 20. Jahrhunderts, über eine von Brüchen geprägte Schauspielkarriere bis zu seiner aktiven Arbeit heute in Äthiopien, dem auch im 21. Jahrhundert ärmsten Land der Welt.

Starke Bilder prägen das Leben von Karlheinz Böhm von Kindheit an: Die Bilder seines weltberühmten Vaters, des Dirigenten Dr. Karl Böhm, der mit den besten Orchestern der Welt spielt. Die Bilder seiner einsamen Jugend im Dritten Reich, als er monatelang keinen Kontakt zu den Eltern hat. Die Bilder, wie er als Kaiser Franz Joseph an der Seite von Romy Schneider mit der »Sissi«-Trilogie zum umjubelten Kinostar wird. Die Bilder eines enttäuschten 40-Jährigen, der zehn Jahre keine Filmangebote bekommt, bis ihn ausgerechnet Rainer Werner Fassbinder neu entdeckt. Die Bilder eines attraktiven Mannes, der als Ehemann und Vater scheiterte, in drei Ehen fünf Kinder in die Welt setzt. Die Bilder einer öffentlichen Selbstfindung, als er 1981 mit einer Wette im ZDF auf die katastrophale Situation der Menschen in der Sahelzone aufmerksam macht. Und es sind die Bilder des glücklichen Menschen, der in Äthiopien seine Lebensaufgabe gefunden hat: als Helfer gegen Armut, Krankheit und Ungerechtigkeit fern von Glanz und Glamour seiner ersten fünf Lebensjahrzehnte.

Anhand dieser Bilder, viele aus seinem Privatbesitz und bisher unveröffentlicht, erzählt Böhm sein Leben: voll Nachdenklichkeit und Amüsement, voll Liebe und Zorn. In feinen Anekdoten berichtet Karlheinz Böhm über die Dreharbeiten mit den schönsten Frauen der Welt und verrät melancholisch kleine Geheimnisse von Romy Schneider. Berührend sind seine Gedanken über den Vater, der in seinen Armen starb, dekuvrierend ehrlich seine Reflexionen über erste Ehen und Kinder, hochinteressant seine Berichte über die Arbeit seiner Äthiopien-Stiftung »Menschen für Menschen«, stark seine Bekennt nisse übersein spätes Glück.

Am 14. März, 23.30 Uhr wird das Buch im SWR in der Sendung Nachtkultur vorgestellt. Mehr über den Beitrag erfahren Sie auf der Homepage des Senders

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Regine Hildebrandt. Erinnern tut gut. Ein Familienalbum


In der Sendung Stilbruch bringt der RBB am 13.3.2008 um 22:05 Uhr einen Bericht über das Buch Regine Hildebrandt. Erinnern tut gut. Ein Familienalbum vom Gatten der ehemaligen Politikerin, Jörg Hildebrandt.

Als Regine Hildebrandt 2001 an Krebs starb, löste ihr Tod große Betroffenheit im ganzen Land aus. Nie schrieb sie Tagebuch, notierte aber alle Unternehmungen seit ihrer Kindheit in kleinen Kalendern und fotografierte gern. Erstmals veröffentlicht ihr Mann Jörg Hildebrandt in diesem "Familienalbum" Dokumente, die ein Bild der privaten Regine Hildebrand zeigen...

Die zahlreichen Dokumente zeigen ein Bild der privaten Regine Hildebrandt, deren Leben verwoben war mit der deutschen Geschichte: ihre Jugend in der Bernauer Straße, wo später Mauer und Todesstreifen verliefen, Protestbriefe, die das Ehepaar Hildebrandt an das ZK der SED schrieb, das mitunter mühevolle Leben in der DDR, aber auch das Glück, das mit der großen Familie, den Weggefährten aus Beruf und Kirche gegen Restriktionen dennoch möglich war, bis hin zur Wende, der politischen Tätigkeit Hildebrandts von 1990 bis 1999 und ihrem Krebstod im Jahr 2001, der eine gewaltige Welle der Anteilnahme im ganzen Land auslöste.

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Montag, März 10, 2008

Kulturzeit am 10.03.2008, 3sat 19:20 Uhr


Folgende Beiträge sind für heute abend geplant:

Serengeti

Was vor 150 Jahren mit der Errichtung eines Zoos in Frankfurt am Main begann und in der Nachkriegszeit durch Bernhard Grzimek und sein international anerkanntes Projekt "Serengeti darf nicht sterben" eine neue Dimension erreichte, setzt sich heute weltweit in Form zahlreicher Naturschutzprojekte der ZGF fort. Das Buch "Ein Platz für wilde Tiere", das im Februar 2008 bei Frederking & Thaler erschien, führt zu faszinierenden Ökosystemen, vielgestaltigen Naturräumen und den Tieren, die darin leben. Es ist eine Reise zu besonders spektakulären Projekten auf allen Kontinenten, wo wir Naturschützer bei ihrer täglichen Arbeit begleiten. So sind wir hautnah dabei, wenn sie in den Morgenstunden gut verborgen am See des Manu Purus Nationalparks in Peru den seltenen Riesenottern beim morgendlichen Bad auflauern und den Bestand erfassen oder im Regenwald von Indonesien Orang-Utans auswildern, eine Futterstelle für Bartgeier in den Alpen errichten oder den Äthiopischen Wolf im dichten Zauberwald durch eine gezielte Impfaktion vor der Tollwut bewahren. Die Texte sind spannend, leicht verständlich und voll neuer, unerwarteter Erkenntnisse. Sie zeigen, mit welchen Problemen Naturschutz heute weltweit konfrontiert ist und wie Menschen vor Ort die Herausforderung annehmen. Aufnahmen von Norbert Guthier dokumentieren die tägliche Arbeit der ZGF-Mitarbeiter, die übrigen Fotografien stammen von so namhaften und preisgekrönten Naturfotografen wie Tui de Roy, Anup Shah, Konrad Wothe und André Bärtschi. Sie entführen uns zu den bedrohten Naturschönheiten unserer Erde.

Serbien


Martin Walser

1823 in Marienbad werden Blicke getauscht, Worte gewechselt, die beiden küssen einander auf die Goethe sche Art. Er sagt: Beim Küssen kommt es nicht auf die Münder, die Lippen an, sondern auf die Seelen.«Das war sein Zustand: Ulrike oder nichts.» Aber sein Alter holt ihn ein. Auf einem Kostümball stürzt er, und bei einem Tanztee will sie ein Jüngerer verführen. Der Heiratsantrag, den er Ulrike trotzdem macht, erreicht sie erst, als ihre Mutter mit ihr nach Karlsbad weiterreisen will. Goethe, mal hoffend, mal verzweifelnd, schreibt die «Marienbader Elegie». Zurück in Weimar, lässt ihn die eifersüchtige Schwiegertochter Ottilie nicht mehr aus den Augen. Martin Walsers neuer Roman erzählt die Geschichte einer unmöglichen Liebe: bewegend, aufwühlend und zart. Die glaubwürdigkeit, die Wucht der Empfindungen und ihres Ausdrucks das alles zeugt von einer Kraft und (Sprach-)Leidenschaft ohne Beispiel.

Sofskys Untugenden

Sie hadern mit ihrem Schicksal, zetern über vermeintliches Unrecht, vergehen fast in Tränen, sobald sie in den Spiegel schauen. Die geringste Mißhelligkeit löst Wehklagen aus, jede Widerwärtigkeit durchdringt ihr kleines Herz. Nichtbeachtung halten sie für eine persönliche Beleidigung. Sie sind empfindlich für alles, was sie betrifft - und sie sind gleichgültig gegen alles, was andere betrifft. Sie wimmern und stöhnen, mäkeln und meckern, belästigen alle mit ihrer Unzufriedenheit und verlieren dabei nicht nur die Selbstbeherrschung, sondern auch die Achtung für sich selbst. [mehr]

Babelsberg


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Kulturjournal vom 10. März 2008, 22:30 Uhr


Experiment außer Kontrolle - Der Spielfilm "Die Welle" mit Jürgen Vogel

Mitten in Deutschland - heute: Der Geschichtslehrer Rainer Wenger, gespielt von Jürgen Vogel, startet ein gewagtes Experiment. Er will seinen Schülern zeigen, wie eine Diktatur entsteht. Was zunächst harmlos beginnt, entwickelt sich schnell zu einer Bewegung - "Die Welle" - und die Situation gerät außer Kontrolle. Die Geschichte gab es bereits 1981 im amerikanischen Fernsehen. Nun hat der Regisseur Dennis Gansel "Die Welle" von Morton Rhue neu verfilmt. Das Kulturjournal hat mit Dennis Gansel und Jürgen Vogel über die erschreckende Aktualität des Filmes gesprochen.

Der Kilokiller - Hamburger Autor kämpft gegen sein Übergewicht

Mit 117 Kilo war die Schmerzgrenze endgültig erreicht. Der Hamburger Journalist Stephan Bartels schildert in seinem Erfahrungsbericht "Der Kilokiller" (Scherz Verlag) seinen entbehrungsreichen Kampf gegen das Übergewicht und den inneren Schweinehund. Abnehmen, so Bartels, sei ein Thema, über das Frauen immer, Männer aber nie sprächen. Ein humorvoller und realistischer Blick auf den Versuch, endlich gesund zu leben - der Kulturjournal Beitrag zur NDR Themenwoche "Auf in den Frühling".

Schriftsteller an Bord - Kreuzfahrt-Roman von Matthias Politycki

Die Weite des Ozeans, ferne Länder und ganz viel Luxus - viele Menschen träumen von solch einer Kreuzfahrt. Der Schriftsteller Matthias Politycki hat den Test an Bord gemacht: Sechs Monate lang war er offizieller Schiffsschreiber der MS Europa und erlebte dort eine ganz eigene Welt mit kuriosen Passagieren, viel Tratsch und Klatsch. Das Ergebnis seiner Reise ist der Roman "In 180 Tagen um die Welt" (marebuchverlag):
Johann Gottlieb Fichtl, ein kleiner Finanzbeamter und Motivkrawattenträger aus dem Bayerischen Wald, tritt das Abenteuer seines Lebens an: eine Weltreise auf dem besten aller Kreuzfahrtschiffe, in deren Verlauf er's nicht nur mit bezaubernden Hochstaplern und verzauberten Damen, sondern auch mit lebenden Frühlingsrollen, Mitternachtsigeln und einer ganzen Herde Kielschweine zu tun bekommt.
In 180 Tagen um die Welt ist ein moderner Schelmenroman, eine kühne Tour de Farce, auf der Politycki die Idiosynkrasien unserer Gesellschaft mit satirischer Brillanz in ihre Bestandteile zerlegt. Und für den Leser zu einer ganz und gar phantastischen Reise neu zusammensetzt.

Kabarettist und Künstler - Die Fotos von Dieter Nuhr

Der Kabarettist Dieter Nuhr ist nicht nur komisch, er ist auch Künstler, schließlich hat er ursprünglich einmal Kunst studiert: Auf seinen vielen Reisen durch alle Kontinente hat er Fotos gemacht, die jetzt in der Hamburger Galerie Robert Morat ausgestellt werden. In dem Buch "Nuhr unterwegs" (Rowohlt Verlag) werden die Fotos durch ironische Anmerkungen ergänzt. Kabarett und Kunst gehören bei Nuhr zusammen.

Das Leben der Charlotte von Mahlsdorf - Theatersolo mit Dominique Horwitz

Ein Mann in Frauenkleidern, der Möbel liebt und ein privates Gründerzeit-Museum hat - das war für viele in der DDR ein Ärgernis. Nach der Wiedervereinigung wurde Charlotte von Mahlsdorf zum berühmtesten Transvestiten Deutschlands und zum Liebling der Medien. Doch dann kam heraus: Sie hatte mit der Stasi zusammengearbeitet. Der Schauspieler Dominique Horwitz bringt dieses Leben voller Brüche in den Hamburger Kammerspielen auf die Bühne. "Ich mach ja doch, was ich will" ist ein Theaterstück über eine spezielle deutsch-deutsche Geschichte.

Paul Kerstens Büchertipps:
  • David Peace: 1983

    Eine unaufgeklärte Entführungsserie, ein Bulle, der viel zu verlieren hat, und Leichen, die nicht schweigen wollen. „1983“ ist der spektakuläre Schlussakt von David Peaces preisgekröntem Krimi-Quartett brutal, nachtschwarz und unausweichlich wie ein Alptraum.
    Yorkshire, 1983. Ein Schulmädchen wird vermisst. Detective Chief Superintendent Maurice Jobson übernimmt die Ermittlungen und präsentiert der Öffentlichkeit schnell einen Hauptverdächtigen. Als dieser in der Untersuchungshaft angeblich Selbstmord begeht, stellt Rechtsanwalt John Piggott eigene Nachforschungen an und stößt auf kriminelle Machenschaften, die bis in höchste Polizeikreise reichen: Pornohandel, schmutzige Immobiliengeschäfte und eine Reihe von Kindesentführungen, die nie aufgeklärt wurden. Auch damals hieß der leitende Ermittler Maurice Jobson. Temporeich und mit großer Leidenschaft erzählt David Peace von dunklen Obsessionen, vermeintlich rechtschaffenen Bürgern und einem tödlichen Spiel mit der Wahrheit. „1983“ ist der vierte und letzte Teil des Red Riding Quartetts, einer Chronik Englands in den siebziger und frühen achtziger Jahren, mit der David Peace zu einer der wichtigsten Stimmen der neuen englischen Literatur avancierte.
  • Jenny Downham: Bevor ich sterbe

    Die Ärzte machen der 16-jährigen Tessa wenig Hoffnung. Der lange Kampf gegen die Leukämie scheint verloren. Doch bevor sie stirbt, will sie leben. Auf einer Liste notiert sie zehn Dinge, die sie tun will. Nummer eins ist Sex. Gleich heute Abend. Aber es ist nicht immer so einfach zu bekommen, was man will. Und Tessa macht es weder sich noch ihrer Familie leicht. Als plötzlich Adam in ihr Leben tritt, wird vieles anders. Wie geht man miteinander um, wenn der Tod immer dabei ist? Und darf man Liebe einfordern, wenn man stirbt? Tessa tut es.
  • Markus Zusak: Die Bücherdiebin

    Molching bei München. Hans und Rosa Hubermann nehmen die kleine Liesel Meminger bei sich auf - für eine bescheidene Beihilfe, die ihnen die ersten Kriegsjahre kaum erträglicher macht. Für Liesel jedoch bricht eine Zeit voller Hoffnung, voll schieren Glücks an - in dem Augenblick, als sie zu stehlen beginnt. Anfangs ist es nur ein Buch, das im Schnee liegen geblieben ist. Dann eines, das sie aus dem Feuer rettet. Dann Äpfel, Kartoffeln und Zwiebeln. Das Herz von Rudi. Die Herzen von Hans und Rosa Hubermann. Das Herz von Max. Und das des Todes. Denn selbst der Tod hat ein Herz. „Die Bücherdiebin“ ist eine Liebesgeschichte, eine Hommage an Bücher und Worte und eine Erinnerung an die Macht der Sprache, die im Roman von Markus Zusak viele Facetten zeigt: den lakonisch-distanzierten Ton des Erzählers, Poesie und Zuversicht - und die reduzierte Sprache der Nazipropaganda.

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Sonntag, März 09, 2008

titel, thesen, temperamente vom 09.03.2008


Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) arbeitet seit vielen Jahren für die Erhaltung der biologischen Vielfalt. Was vor 150 Jahren mit der Errichtung eines Zoos in Frankfurt am Main begann und in der Nachkriegszeit durch Bernhard Grzimek und sein international anerkanntes Projekt "Serengeti darf nicht sterben" eine neue Dimension erreichte, setzt sich heute weltweit in Form zahlreicher Naturschutzprojekte der ZGF fort. Das im Februar bei Frederking & Thaler erschienene Buch "Ein Platz für wilde Tiere" führt zu faszinierenden Ökosystemen, vielgestaltigen Naturräumen und den Tieren, die darin leben. Es ist eine Reise zu besonders spektakulären Projekten auf allen Kontinenten, wo wir Naturschützer bei ihrer täglichen Arbeit begleiten. So sind wir hautnah dabei, wenn sie in den Morgenstunden gut verborgen am See des Manu Purus Nationalparks in Peru den seltenen Riesenottern beim morgendlichen Bad auflauern und den Bestand erfassen oder im Regenwald von Indonesien Orang-Utans auswildern, eine Futterstelle für Bartgeier in den Alpen errichten oder den Äthiopischen Wolf im dichten Zauberwald durch eine gezielte Impfaktion vor der Tollwut bewahren. Die Texte sind spannend, leicht verständlich und voll neuer, unerwarteter Erkenntnisse. Sie zeigen, mit welchen Problemen Naturschutz heute weltweit konfrontiert ist und wie Menschen vor Ort die Herausforderung annehmen. Aufnahmen von Norbert Guthier dokumentieren die tägliche Arbeit der ZGF-Mitarbeiter, die übrigen Fotografien stammen von so namhaften und preisgekrönten Naturfotografen wie Tui de Roy, Anup Shah, Konrad Wothe und André Bärtschi. Sie entführen uns zu den bedrohten Naturschönheiten unserer Erde.

Den kompletten Text des Beitrags bei titel, thesen, temperamente: Hätte Grzimek „Knut“ gewollt? Über den Naturschützer, der einen „Platz für Tiere“ forderte

Den Jubel der letzten Wochen muss er sich jetzt teilen: Hillary Clinton hat Barak Obama bei den Vorwahlen zur US-Präsidentschafts- kandidatur fast wieder eingeholt. Aber nach wie vor hält Amerikas schwarze Bevölkerung zu ihrem Kandidaten und hofft auf den Sieg. Doch der schwarze Schriftsteller und Pulitzer-Preisträger Edward P. Jones warnt vor allzu viel Euphorie: „Dieser Mann hält nicht, was man sich von ihm verspricht“.
Noch jubeln die Massen ihrem Hoffnungsträger Obama zu, denn erstmals in der Geschichte der Vereinigten Staaten hat ein Farbiger realistische Chancen, Präsident zu werden. „Change“ ist das Zauberwort der Afro-Amerikaner. Der Wechsel soll der schwarzen Bevölkerung auch endlich die Gleichberechtigung bringen, die Martin Luther King jr. noch als Traum beschrieben hat. Doch Edward P. Jones dämpft die hohen Erwartungen an den Kandidaten. Nüchtern stellt er fest: „Schwarze waren bisher auf der Verliererseite und werden es auch künftig sein“. Er kennt die bittere soziale Realität der Schwarzen in den USA - als Schriftsteller und aus eigener Erfahrung. Barack Obama gehört für Edward P. Jones zu den Privilegierten im Lande - gebildet, gut situiert, mit weißen Wurzeln und weit entfernt von den wirklichen Problemen der schwarzen Bevölkerung. In seinem neuen Buch „Hagars Kinder“ erzählt Edward P. Jones von den Visionen und Träumen, aber auch von Armut, Gewalt und Hoffnungslosigkeit der Schwarzen in Amerika.
In seiner neuen Ausgabe hat „ttt - titel, thesen, temperamente“ den Schriftsteller in Washington D.C., der Stadt mit dem höchsten Anteil an Schwarzen in den USA, getroffen und mit ihm die Schauplätze seiner Erzählungen besucht.

Den kompletten Text des Beitrags bei titel, thesen, temperamente: Schwarzer Kandidat, weiße Politik? Pulitzer-Preisträger Edward P. Jones über Barack Obama

Sie kam nach Deutschland, um mehr über ihre Ur-Urgroßmutter zu erfahren und traf auf eine andere Komponisten-Anverwandte. Elizabeth Subercaseaux, Nachfahrin von Clara Schumann, begegnet Helma Sanders-Brahms aus der Familie des Komponisten Johannes Brahms. Der Ort des Geschehens eint beide Frauen: das Schumann-Haus in Leipzig. Hier hat Clara Schumann gelebt, und hier lässt sich auch die Regisseurin Sanders-Brahms inspirieren, die derzeit den Kinofilm „Clara“ dreht ? in der Hauptrolle Martina Gedeck.
Clara Schumann war „die Frau auf dem Hundertmarkschein“. Doch was weiß man über ihre Person und ihr Werk?
Elizabeth Subercaseaux und auch Helma Sanders-Brahms wollen zeigen, wie Clara Schumann wirklich war: eigensinnig, eigenständig, hochbegabt. Ohne sie, die begnadete Pianistin, wäre die Deutsche Romantik nicht zu dem Exportschlager geworden, der sie bis heute ist. Die bislang kaum belichtete rebellische Seite Clara Schumanns hat ihre Ur-Urenkelin Elizabeth Subercaseaux jetzt während einer Lesereise anlässlich ihres im Februar im Pendo Verlag erschienen Romans „Eine Woche im Oktober“ durch Deutschland neu entdeckt.
ttt hat die chilenische Bestsellerautorin Elizabeth Subercaseaux zu ihrem ungewöhnlichen Gipfeltreffen mit der deutschen Regisseurin Helma Sanders- Brahms in Leipzig begleitet.

Den kompletten Text des Beitrags bei titel, thesen, temperamente: Romantische Rebellin: Clara Schumanns Nachfahrin entdeckt die große Pianistin neu

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Freitag, März 07, 2008

Literatur im Foyer: 07.03.08 - Martin Walser: Ein liebender Mann


Ein neuer Walser. Die, die es wissen müssen, behaupten: sein bestes Buch. Ein Goethe-Roman. Und, natürlich, ein Roman über die Liebe. Faszinierend, mit Leidenschaft geschrieben. Und doch wird es Widerspruch geben.

Martin Walsers erster historischer Roman ist frisch erschienen und steht im Mittelpunkt der zweiten Mainzer Ausgabe von Literatur im Foyer in diesem Jahr. Heute, Freitag, 7. März, um 0:00 Uhr im SWR-Fernsehen, begrüßt Gastgeber Martin Lüdke unter anderem den Schriftsteller Martin Walser.

Mit dabei sind
  • Dieter Borchmeyer, nicht nur Goethe-Spezialist (Universität Heidelberg)
  • Felicitas von Lovenberg ("Bilder und Zeiten", Frankfurter Allgemeine Zeitung)
  • Hajo Steinert (Kritiker, Leiter der Literaturredaktion Deutschlandfunk Köln)
Wiederholungen in 3sat:
am 9. März 2008 um 13.30 Uhr und
am 12. März 2008 um 04.40 Uhr.

Mehr über das Buch hier bei Shakespeare and more

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Donnerstag, März 06, 2008

artour, 06.03.2008 22:05 MDR


Folgende Beiträge sind für die artour-Sendung vom Donnerstag, 06.03.2008, geplant:

Zur "Generation Doof" gehören jene, die einen Baum nicht mehr vom anderen unterscheiden können. Man erkennt den Klingelton der Telekom, aber längst nicht mehr Beethovens Fünfte. Der allgemeine kulturelle und geistige Verfall hat bei uns in Deutschland Hochkonjunktur. Deutschland verblödet.
Anne Weiss und ihr Co-Autor Stefan Bonner decken in ihrem Buch "Generation Doof" (Verlagsgruppe Lübbe, Februar 2008) Ursachen für den sinkenden IQ der jungen Generationen auf und gestehen, dass sie selber zu dieser Generation gehören... (mehr...)

Autoren: Stefan Bonner, Anne Weiss
Titel: Generation Doof
Broschiert: 300 Seiten
Verlag: Luebbe Verlagsgruppe; Auflage: 1 (12. Februar 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404605969
ISBN-13: 978-3404605965
Preis: 8,95 €

Im DEFA-Kultfilm "Die Legende von Paul und Paula" (1973) schrieb er zusammen mit Angelica Domröse Filmgeschichte - jetzt erzählt Winfried Glatzeder sein Leben: "Paul und ich" (Aufbau Verlag, März 2008).
Mit seinem Charme, seinen 1,92 Meter, seinen markantem Gesicht samt gebrochener Nase avanciert er zum "Belmondo des Ostens". Er spielt viel. Er ist kein lyrischer Held, kein Werther. Es sind Charakterrollen, die Glatzeder verkörpert: einen apolitischen Montagearbeiter, der dem Sozialismus allerlei Genüsse entlocken kann ("Zeit der Störche", 1971), den intellektuellen und anarchischen Till Eulenspiegel im gleichnamigen Film von Regisseur Rainer Simon (1974), der Jungakademiker Erwin, der über die "Emanzipation der Frau" eine Doktorarbeit schreibt ("Der Mann, der nach Oma kam", 1971), einen Postfahrer, der Westpakete klaut; einen sportlichen Zahnarzt, der in seiner Freizeit das Tor der Fußballmannschaft aus Karl-Marx-Stadt hütet...
In seiner Biographie erzählt Glatzeder über die Ausreise nach West-Berlin, über die Stasi-Beschattung, über die Krisen, die sich in Alkoholproblemen und kreativer Erschöpfung niederschlugen. Aber auch über das Glück, an die Erfolge anknüpfen zu dürfen und das Gefühl, angekommen zu sein. (mehr...)

Autoren: Winfried Glatzeder, Manuela Runge
Titel: Paul und ich. Autobiographie
Gebundene Ausgabe: 238 Seiten
Verlag: Aufbau-Verlag; Auflage: 1 (Februar 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 335102665X
ISBN-13: 978-3351026653
Preis: 19,95 €

"Die Kunst ist weiblich", so heißt die Ausstellung, die seit dem 2. März und bis 22. Juni im Museum der bildenden Künste in Leipzig zu sehen ist. Ausgestellt wird, neben der privaten Kunstsammlung von Gunter Sachs, darunter Werke bedeutender Vertreter des Nouveau Réalisme, des Surrealismus und der Pop Art, das fotografische Werk des ewigen Playboys. Er wolle vor allem Schönheit darstellen, sagte Sachs, der eine Zeitlang mit Brigitte Bardot verheiratet war.
Als international renommierter Fotograf etablierte sich Gunter Sachs, der sich schon zu Studienzeiten mit Schwarz-Weiß-Experimentalfotografie beschäftigt hatte, mit einer viel beachteten Ausstellung auf der Photokina 1974, für die er auch das offizielle Ausstellungsplakat entwarf und fotografierte. Im gleichen Jahr erschien auch sein erster Fotoband "Mädchen in meinen Augen", 1976 wurde er mit dem Leica-Preis ausgezeichnet. (mehr...)

Passend zum Thema folgender Buchtipp: Autor: Wilfried Rott
Titel: Sachs - Unternehmer, Playboys, Millionäre. Eine Geschichte von Vätern und Söhnen
Broschiert: 377 Seiten
Verlag: Heyne (März 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 345364025X
ISBN-13: 978-3453640252

Obgleich anfänglich den Vorwürfen ausgesetzt, das deutsche Repertoire zu vernachlässigen, führt Fritz Busch in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts das Orchester der Sächsischen Staatsoper zu hohem Ansehen und gastiert mit ihm im In- und Ausland. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 kam es zur Auflösung des Sächsischen Landtages. Regimegegner wurden ab jetzt unbarmherzig verfolgt. Zahlreiche Künstler und Wissenschaftler wie Otto Dix, Victor Klemperer und Fritz Busch wurden vertrieben. Fritz Busch wurde mit Zustimmung der überwiegenden Mehrheit der Musiker aus dem Amt entfernt, weil er sich nicht zu künstlerischen Zugeständnissen an die Nazi-Ideologie bei der Werkauswahl und Programmgestaltung bereit fand. Er emigrierte nach England, gründete das englische Glyndebourne Festival und wurde künstlerischer Leiter der Metropolitan Opera in New York.
Im März 2008, anlässlich des 75. Jahrestages der Vertreibung von Fritz Busch aus Dresden, sollen nun sämtliche Dresdner Aufnahmen des legendären Kapellmeisters auf CD in der "Edition Staatskapelle Dresden" in Kooperation mit MDR FIGARO erscheinen. (mehr...)

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Bernd und Luise Wagner: Berlin für Arme - Ein Stadtführer für Lebenskünstler


RBB stellt in Stilbruch vom 6.3.2008 das Buch Berlin für Arme. Ein Stadtführer für Lebenskünstler von Bernd und Luise Wagner vor:

Einen Stadtführer für Lebenskünstler hat Bernhard Wagner geschrieben. Er erzählt davon, wie man in Berlin ? der billigsten Hauptstadt Westeuropas ? auch ohne Geld überleben kann. Denn hier gibt es kostenlose Gourmet-Empfänge in zahlreichen Landesvertretungen bzw. Botschaften.

Deutschlands erster Stadtführer für Leute ohne Kohle »Sich damit zu trösten, dass ein Armer größere Chancen hat, in den Himmel zu kommen, als ein Reicher, genügt uns nicht. Wir wollen mit unserem Buch beantworten, wie er schon vorher des paradiesischen Lebens teilhaftig werden kann - nicht mehr, aber auch nicht weniger«, so das Credo dieses Werkes. Bernd und Luise Wagner zeigen, wie es geht: kreativ, frech und mit einer Prise zivilem Ungehorsam. Und so erfährt man · wie man sich bei Botschaftsempfängen den Bauch vollschlagen kann und kostengünstig in die Kulturtempel der Hauptstadt kommt · wie man auf seine tägliche Zeitungslektüre nicht verzichten muss · wie man für wenig Geld gut isst oder sich von der Natur den Tisch decken lässt (mit Lageskizze für Obstbäume, Pilzstellen und Fischgebiete) · wie man dem Berliner Winter entkommt · wie man sich von Behörden und Arbeitsämtern nicht kleinkriegen lässt.

Stilbruch hat Bernhard Wagner auf einem Streifzug durch Berlin begleitet.

Den kompletten Text des Berichts finden Sie auf der Homepage des RBB

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Norbert Frei: 1968 - Jugendrevolte und globaler Protest


Am Donnerstag, 6. März 2008, 22:45 Uhr stellt "Hauptsache Kultur" (HR) das Buch von Norbert Frei: 1968 - Jugendrevolte und globaler Protest vor:

«Was bleibt von der 68er Bewegung, wenn man über den deutschen Tellerrand schaut? Eine ganze Menge. Das beweist der Frankfurter Zeithistoriker Norbert Frei in seinem neuen Buch 1968. Jugendrevolte und globaler Protest.
Es geht um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Protestbewegung in Japan und Polen, in Großbritannien und der DDR, in Ost und West. Im Gegensatz zur „Nabelschau“ von heute haben die 68er einen Blick in die Nachbarländer riskiert und das Geschehen dort verfolgt. Die Wurzeln der Studentenbewegung sieht Frei in den USA der 50er und 60er Jahre. Der Autor findet spannende Antworten auf gute Fragen: Warum mussten die Bestrebungen der 68er scheitern? Was hat die Jugendrevolte mit Frankfurt zu tun? Und was hat unsere heutige Demokratie den Demonstranten von damals zu verdanken? In “Hauptsache Kultur„ erzählt der Autor über seine Sympathien für die Studentenbewegung. «
(Senderangaben)

Den kompletten Text des Berichts finden Sie auf der Homepage des HR.

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Dienstag, März 04, 2008

Lesen! mit Elke Heidenreich März 2008, ZDF


Elke Heidenreich ist für den Buchhandel nichts anderes als das "Literarische Quartett" mit anderen Mitteln. Mag sie noch so sehr auf die alte Kritiker-Riege schimpfen: mit ihrer Sendung "Lesen!" im ZDF tut sie nichts anderes als seinerzeit Reich-Ranicky und seine Runde.

Am 07. März 2008 um 22.30 Uhr wird Elke Heidenreich im ZDF wieder eine Reihe mehr oder weniger bekannte Bücher in die Bestsellerlisten puschen. Als Gast begrüßt sie diesmal den Schauspieler Hanns Zischler.

Anbei finden Sie die Bücherliste mit den zur Zeit feststehenden Buchtiteln. Alle weiteren Bücher, die in der Sendung genannt werden, stehen aktuell noch nicht fest.

William Trevor: Geborgtes Glück

Die schönsten Erzählungen
Gelesen von Hanns Zischler
2 CDs, 139 Minuten Laufzeit
Hoffmann und Campe, 2008
ISBN :978-3-455-30560-9
19,95 Euro

Trevors erzählerisches Werk ist so umfangreich wie vielschichtig. Hanns Zischler kennt und verehrt den großen irischen Schriftsteller seit Langem. Er, der jetzt auf zwei Audio-CDs ausgewählte Texte liest, hat für die Buchausgabe die schönsten Erzählungen in diesem Band zusammengestellt und mit einem Nachwort versehen.
Oft erzählt Trevor Begebenheiten aus dem Leben ganz normaler Menschen: von Einsamkeit und verpassten Chancen, von der Allmacht des Schicksals und dem kleinen Glück. Der große irische Schriftsteller, der schon lange als der »unangefochtene Meister der Short Story« gilt (Frankfurter Allgemeine Zeitung), liebt die leisen Töne; er hat die Gabe, mit einigen wenigen Strichen große Geschichten zu entwerfen. Trevors Erzählungen sind nicht allein deshalb immer wieder beglückend, weil aus ihnen Lebensweisheit und Klugheit spricht, sondern weil sie zutiefst menschlich sind.

William Trevor: Tod des Professors

Deutsch von Hans-Christian Oeser
Hoffmann und Campe, 2007
Gebundene Ausgabe, 272 Seiten
ISBN: 978-3-455-07777-3
19,95 Euro

Während Vanessa Ormston ihrem Mann das Frühstück macht, sieht sie mit Entsetzen einen Nachruf auf ihn in der Morgenzeitung. Sie ist hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, ihm die Schmach dieses schlechten Scherzes zu ersparen, und dem Bedürfnis, ihn vor der drohenden Häme seiner Professorenkollegen zu warnen.
Es sind Konflikte wie dieser, die William Trevor in seinen Geschichten beschreibt: Momentaufnahmen außergewöhnlicher Situationen und Gefühle, die er auf unvergleichliche Weise und mit sparsamen literarischen Mitteln kraftvoll auszudrücken weiß. Egal ob es um den vermeintlichen Tod eines Professors geht oder um das Geheimnis dreier Menschen, die durch ein schreckliches Ereignis lebenslänglich aneinander gebunden sind, oder aber um ein junges Paar, das am Vorabend seiner Hochzeit plötzlich mit dem wahren Gesicht des jeweils anderen konfrontiert wird. »Der melancholische Altmeister der irischen Literatur« Süddeutsche Zeitung lehrt uns einmal mehr, dass es vor dem Schicksal kein Entrinnen gibt. »Ein großer Schriftsteller auf dem Höhepunkt seines Schaffens.« Sunday Times

Karin Kersten: Hohe Tannen

Roman für Freunde
Klöpfer und Meyer, 2007
Gebundene Ausgabe, 364 Seiten
ISBN 978-3-937667-90-4
22,50 Euro

Endlich einmal in aller Ruhe befreundet sein zu dürfen - eines Freundes Freund zu sein, das ist doch nicht zuviel verlangt? Vielleicht sogar mehrerer Freunde Freund - schließlich heißt es ja auch: Freunde kann man nie genug haben. Es ist nicht zuviel verlangt, doch es verlangt viel, stellen die Freunde bald nach ihrer Heimkehr fest. Denn nun ist wieder eine andere Zeit, und einer nach dem anderen sind sie zurückgekehrt. Sie sind wieder zu neunt, wahrlich ein großer Wurf! Und wenn es auch stimmt, dass neun Hirne mehr denken als eins, neun Herzen gewaltiger schlagen, so gibt es doch auch neunmal soviele Probleme, neunmal soviel Aufregung, wie sollte es anders sein? Und so denkt Hedel, dieses Wundertier von einer Haushälterin, als sie an ihrem Herd steht, ein Festessen vorbereitet und dabei auf den Hof der Sägewerksvilla hinabblickt, zu recht: "Wenn Menschen in diesem Alter sind, wo es auf der Kippe steht, ob sie noch einmal wild werden oder sich bescheiden, kann man wohl kaum Ruhe erwarten. Irgendetwas brennt immer beinahe an."

Asli Erdogan: Die Stadt mit der roten Pelerine

Aus dem Türkischen von Angelika Gillitz-Acar und Angelika Hoch
Nachwort von Karin Schweißgut
Unionsverlag, 2008
Gebundene Ausgabe, 218 Seiten
ISBN 3-293-10010-4
19,90 Euro

Rio de Janeiro: Stadt des Karnevals, Meisterin im Spiel der Täuschungsmanöver, der Zufälle und der Maskerade. Özgür, eine introvertierte junge türkische Akademikerin, kann sich von der ebenso faszinierenden wie bedrohlichen Stadt nicht lösen, ja sie fühlt sich vielmehr angezogen von der scheinbar grenzenlosen Freiheit und der Lebensfreude der brasilianischen Metropole. Weit entfernt hat sich dabei die junge Frau von der traditionellen Frauenrolle, wie sie die türkische Gesellschaft vorsieht. Nicht wie eine Touristin führt Özgür den Leser durch die Labyrinthe dieser Großstadt, sondern wie eine Migrantin, die das zunächst Fremde als Vertrautes und Eigenes akzeptiert. Gleichzeitig ist die Stadt Impuls für ihr Schreiben und für die Schöpfung ihrer fiktiven Doppelgängerin Ö. - die beiden Erzählebenen, auf mannigfache Weise miteinander verflochten, spiegeln sich ineinander. Passagen, die aus einem Reiseführer stammen könnten, folgen surrealen Szenen, satirische Momente wechseln sich mit Zeitungsmeldungen ab. Die Reise in die Straßen Rio de Janeiros, immer begleitet von brasilianischen Rhythmen, führt mitten hinein in die Tiefen der Stadt mit ihren aufmüpfigen Favelas. Atemberaubend ist die nuancierte Feinzeichnung der Menschen, die in Liebe und Leid auf oftmals tödliche Weise miteinander verschmelzen.

Rainer Griese: Lesen. Ohne Worte

Gerstenberg Verlag, 2008
Gebundene Ausgabe, 224 Seiten
ISBN:978-3-8369-2971-4
15,90 Euro

Lesend vergesse ich die Welt um mich herum, lesend balanciere ich am Abgrund, lesend schwebe ich auf Wolke sieben und verspüre alles Glück der Welt. In assoziativer Folge versammelt dieses kompakte Büchlein Skulpturen - von der Nippes- bis zur Meissener Porzellanfigur -, außerdem Gemälde, Stiche und Fotografien von Lesenden. Der Künstler Rainer Griese hat die Lesenden in überraschende Umgebungen gesetzt oder sie mit den Mitteln der Fotomontage verfremdet. Er hat Einzelbilder komponiert und kleine Serien geschaffen. Herausgekommen ist eine umfangreiche Sammlung sinniger, lustiger, grotesker und immer wieder überraschender Leser-Kompositionen, die den Betrachter schmunzeln, lauthals lachen - oder einfach Farben, Formen und kluge Bildideen genießen - lassen.
Dieses kompakte Büchlein versammelt Plastiken, Gemälde und Stiche von Lesenden. Und zwar in ungewöhnlichen Inszenierungen. Ein tolles Geschenk für alle, die nichts glücklicher macht als Lesen.

Constance de Salm: 24 Stunden im Leben einer empfindsamen Frau

Deutsch von Claudia Steinitz
Hoffmann und Campe, 2008
Gebundene Ausgabe, 128 Seiten
ISBN 978-3-455-40093-9
14,95 Euro

Als ihr Geliebter nach dem Konzert zu einer anderen in die Kutsche steigt, ist die junge Dame verzweifelt. Voller Eifersucht schreibt sie ihm ein Billett nach dem anderen, ohne Antwort zu erhalten ... Constance de Salms Briefroman über eine gefühlvolle Frau erschien erstmals 1824 und beschwört auf bezaubernde Weise den Taumel der Liebe. »Mein Lieb, mein Engel, mein Leben, nichts als Aufruhr ist meine Seele, nichts als Verwirrung!« Madame de Salm weiß nicht, wie ihr geschieht. Ihr heimlicher Geliebter hat nach der Oper mit einer Dame getuschelt und ist anschließend in ihrer Kutsche in die Nacht davongefahren, ohne seine Geliebte auch nur eines Blickes zu würdigen. Madame de Salm befürchtet das Schlimmste und schreibt ihm noch in der Nacht das erste Billett, dem tags darauf weitere leidenschaftliche Briefe folgen. Im Furor der Eifersucht leistet sie glühende Liebesschwüre, fleht ihn an, sich nicht an ihrer Liebe zu versündigen, gesteht bohrende Zweifel und erhebt heftige Anklagen. Doch sie bekommt keine einzige Antwort. Als sie in ihrer Verzweiflung dem hartnäckigen Werben eines Verehrers nachgibt, spitzt sich die Lage zu ...

Michael Kumpfmüller: Nachricht an alle

Kiepenheuer und Witsch, 2008
Gebundene Ausgabe, 383 Seiten
ISBN 978-3-462-03967-2
19,95 Euro

Döblin-Preis 2007 für den großen Roman über die Mechanismen der Macht und die Mechanik der Gefühle. Wir stürzen ab, betet für mich diese Sms erhält ein Vater von seiner Tochter mitten in der Nacht, in einem Hotelzimmer in Nordamerika. Was wie ein grausamer Scherz klingt, erweist sich als der modernste aller Albträume: Selbst aus todgeweihten Flugzeugen können wir noch Nachrichten empfangen Nachrichten an alle. Mit diesem Donnerschlag beginnt Michael Kumpfmüllers neuer Roman, der die Politik zurück in die deutsche Literatur bringt. Denn der Vater, der diese Nachricht bekommt, ist Innenminister eines westeuropäischen Landes, das gerade in eine schwere Krise stürzt. Streiks, soziale Unruhen und diffuse terroristische Bedrohungen lassen Minister Selden keine Zeit für Trauer. In »Nachricht an alle« treibt Michael Kumpfmüller eine Sonde durch die Schichten unserer westlichen Demokratien. Nicht nur Seldens privates und politisches Schicksal interessieren ihn, sondern die monströsen Mechanismen innerer Sicherheit, die gegenseitige Durchdringung von privater und öffentlicher Sphäre. Dazu gehört auch das dröhnende Räsonnement von Medien, Experten und vermeintlicher Volkes Stimme, das als Hintergrundrauschen den politischen Diskurs begleitet und aushöhlt. Kumpfmüller gelingt ein flirrendes Porträt der Gleichzeitigkeiten: Während in den klimatisierten Büros der Eliten Entscheidungen getroffen werden, beginnt sich unten in den Großstadtschluchten, an den heißen Rändern der Gesellschaft, eine Gruppe von Menschen zu regen, die auf den großen Schlag wartet. So kenntnisreich, packend und klug ist in der deutschen Literatur noch nicht über Politik und Gesellschaft geschrieben worden. Mit diesem groß angelegten, sprachlich fein gearbeiteten und vielstimmigen Roman erweist sich Michael Kumpfmüller als einer der bedeutendsten Romanciers unserer Zeit.

Helmut Krausser: Die kleinen Gärten des Maestro Puccini

DuMont Buchverlag, 2008
Gebundene Ausgabe, 382 Seiten
ISBN 978-3-8321-79892
19,90 Euro

Aus Liebe zu den Opern Giacomo Puccinis begann Helmut Krausser, dessen verborgene Lebensumstände zu erforschen. Mit den Ergebnissen seiner Recherchen schrieb er einen Roman, der zehn ereignisreiche Lebensjahre des Meisters in neuem Licht erscheinen lässt. Es gelang dem Autor nicht nur, die streng gehütete Identität der Puccini-Geliebten Corinna zu enthüllen, sondern - mit Hilfe neu aufgetauchter Dokumente - auch die tragischen Umstände, die zum Skandal um sein Hausmädchen Doria Manfredi führten. Entstanden ist dabei viel mehr als nur eine Chronique Scandaleuse. Die Spannungsfelder zwischen Kunst und Erfolg, Liebe und Begierde, Neid und Intrige, Eifersucht und Hass, Revolte und Versagen liefern den Stoff zu einem oft bizarren Geflecht der Verstrickungen. Rund um die Person des heute populärs­ten Opernkomponisten entfaltet sich das spannende Panorama jener letzten Phase der Belle Epoque in einer neuen, überraschenden Perspektive

Martin Walser: Ein liebender Mann

Rowohlt Verlag, 2008
Gebundene Ausgabe, 288 Seiten
ISBN 978-3-498-07363-3
19,90 Euro

Der 73-jährige Goethe Witwer und so berühmt, dass sein Diener Stadelmann heimlich Haare von ihm verkauft liebt die 19-jährige Ulrike von Levetzow. 1823 in Marienbad werden Blicke getauscht, Worte gewechselt, die beiden küssen einander auf die Goethe sche Art. Er sagt: Beim Küssen kommt es nicht auf die Münder, die Lippen an, sondern auf die Seelen.«Das war sein Zustand: Ulrike oder nichts.» Aber sein Alter holt ihn ein. Auf einem Kostümball stürzt er, und bei einem Tanztee will sie ein Jüngerer verführen. Der Heiratsantrag, den er Ulrike trotzdem macht, erreicht sie erst, als ihre Mutter mit ihr nach Karlsbad weiterreisen will. Goethe, mal hoffend, mal verzweifelnd, schreibt die «Marienbader Elegie». Zurück in Weimar, lässt ihn die eifersüchtige Schwiegertochter Ottilie nicht mehr aus den Augen. Martin Walsers neuer Roman erzählt die Geschichte einer unmöglichen Liebe: bewegend, aufwühlend und zart. Die glaubwürdigkeit, die Wucht der Empfindungen und ihres Ausdrucks das alles zeugt von einer Kraft und (Sprach-)Leidenschaft ohne Beispiel.

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