Shakespeare and more:
Neuerscheinungen und Rezensionen

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Montag, Dezember 08, 2008

David Safier: Jesus liebt mich


Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Kindler
Erscheinungsdatum: 29. Oktober 2008
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3463405520

Nehmen wir an, Jesus kommt zurück auf die Erde. Er landet im Malente von heute. Arbeitet noch einmal als Zimmermann, um ein paar Leute kennen zu lernen. Verliebt sich. Nehmen wir an, ein Autor großer Liebesgeschichten wie "Berlin, Berlin" und humoriger Bestseller wie "Mieses Karma" nimmt sich dieses Themas an. Einer wie David Safier. Herauskommen muss ein Buch wie Jesus liebt mich

Nein, wirklich originell ist Safier in diesem Roman nicht geworden. Da sind Gags, die ich ähnlich konstruiert bereits bei Hera Lind gelesen habe, mehr oder weniger wörtlich übernommene Zitate aus dem Film "Dogma", Anleihen bei Woody Allen, bei A.J. Jacobs. Das ist nicht weiter schlimm, denn Safier will unterhalten, und das gelingt ihm ausnehmend gut.

Er bedient sich dabei eines Genres, welches sich im Augenblick großer Beliebtheit erfreut: der Single-sucht-Lover-Frauenliteratur. Sein Dreh: der Typ, in den sich die Protagonistin Marie verliebt, ist der Zimmermann Joshua. Und dieser ist eigentlich nur deswegen auf die Erde gekommen, um das Ende der Zeiten einzuläuten und den letzten Kampf gegen die Reiter der Apokalypse zu führen.

Marie ist Mitte Dreißig, Single, hat den Spruch im Ohr, eine Frau in ihrem Alter würde eher von Terroristen erschossen, als noch einen Partner zu finden. Und begegnet diesem sanftmütigen, freundlichen, liebevollen Mann, der anscheinend immer noch seiner alten, ersten großen Liebe hinterhertrauert. Seine einzige Macke scheint zu sein, dass er sich für Jesus, den Menschensohn, hält. Nun gut, Männer in ihrem Alter haben alle eine Macke.

Jesus wiederum ist fasziniert von Maria, weil sie ihn um seiner Selbst willen liebt, nicht in seiner Funktion als Gott. So zieht er mit ihr los, geht schick essen, begleitet sie in eine Karaoke-Bar und sitzt stundenlang mit ihr am Malenter See. Doch irgendwann wird ihm klar, dass sie ihn von seiner eigentlichen Mission abhält: nämlich nach Israel zu reisen und dort das Projekt Tempelaufbau in Angriff zu nehmen.

Etwas irritiert, dass Jesus in Jesus liebt mich sehr häufig mit Bibelzitaten um sich wirft. Das hat für Safier den Vorteil, auf der sicheren Seite gegenüber der Kirche zu sein, wirkt aber ein wenig altbacken. Kennen wir alles schon, und irgendwie wünschte ich, dieser Jesus würde mehr in die aktuelle Zeit hineinsprechen, statt sich - wie Bob Dylan auf seinen Konzerten - endlos selbst zu zitieren.

Ein paar nette, unerwartete Wendungen bietet der Roman dann aber doch. Etwa, wenn Maria versucht, wie einst Abraham mit Gott über das Ende zu verhandeln: wenn es ihr gelinge, nach Gottes Geboten zu leben - würde Gott dann eventuell das große Gericht verschieben? Sie macht sich auf die Suche nach jenen Geboten, die sie zu diesem Zweck einhalten muss. (Das darauf folgende Kapitel wirkt ein wenig wie eine Kurzfassung von A.J. Jacobs "Die Bibel und ich". Ganz unterhaltsam, ohne missionarisch zu wirken. Leider mit den gleichen Fundstücken, die auch Jacobs schon benutzte. Wie gesagt, Safier ist nicht unbedingt ein origineller Autor, jedoch durchaus amüsant.)

Mit Sicherheit besteht bei diesem Roman keine Gefahr, Fundamentalisten könnten die Buchhandlungen anzünden, in denen Jesus liebt mich verkauft wird. Dafür ist die Geschichte - trotz des ungewöhnlichen Plots - allzu brav. Auch informativ ist an dem Buch wenig über das normale Wissen vom Konfirmandenunterricht hinaus. Es liest sich wie ein Hera Lind-Roman, schnell, gut verdaulich, dabei irgendwie religiös, ohne Weh zu tun. Leichte Unterhaltung für den gestressten Theologen, vornehmlich vielleicht den weiblichen. Wegen des Genres. Für Christen nett, aber vielleicht eher für die, die der Kirche mittlerweile den Rücken gekehrt haben. Orthodoxe und Fundamentalisten dürften die Grundannahme, Jesus könne sich erneut verlieben, vielleicht dann doch zu fragwürdig finden, um sich damit anzufreunden.

Begegnen wir also Jesus Gottessohn, dem Vater im obligatorisch brennenden Dornbusch, dem Erzengel Gabriel ohne Flügel, und Satan in der Gestalt von George Clooney. Begegnen wir dem ganzen Panoptikum an Endzeitfiguren. Frisch verpackt von David Safier, der spätestens seit dem Erfolg seiner Figur Lolle aus "Berlin, Berlin" zu den großen Unterhaltungskünstlern in Deutschland gehört. Und der mit Jesus liebt mich erneut gezeigt hat, dass es für ein paar Lacher nicht die ganz große Kunst braucht.

Leseprobe beim Kindler-Verlag

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Dienstag, Oktober 23, 2007

Cecil S. Forester: Hornblower - Der Kommodore


Broschiert: 304 Seiten
Verlag: Ullstein Tb (November 2007)
ISBN-10: 3548262651
ISBN-13: 978-3548262659

Wir schreiben das Jahr 1812. Die Royal Navy entsendet Geschwaderkommodore Hornblower mit seinen kampfstarken Schiffen in die Ostsee. Die britische Machtdemonstration soll das neutrale Schweden beeindrucken und den Zaren zum Eintritt in den Krieg gegen Napoleon bewegen. Beides gelingt, und als Hornblower in den Kampf um Riga eingreift, ist die französische Gegenseite seinem überragenden seemännischen Können und Geschick nicht lange gewachsen.

Mit "Hornblower - Der Kommodore" legt der Ullstein-Verlag im November 2007 den 8. Band der elfbändigen Hornblower-Reihe von Cecil S. Forester neu auf. Sicher, die Reihe wurde mittlerweile so oft veröffentlicht, dass wir die Bände für wenig Geld auch antiquarisch bekommen können. Doch lohnt sich das bei den Einzelpreisen des Ullstein-Verlags kaum.

Wer sich einmal in den Abenteuern des fiktiver Seeheld festgeschmökert hat, ist vielleicht mit einer Gesamtausgabe besser beraten. Die gibt es gebraucht in der Ausgabe von Krüger (2001), oder als Neuausgabe des Scherz-Verlags von 2004 . Hornblower gehört zur britischen Marine, und im Rahmen der insgesamt elf Bänden beschreibt Forester die Karriere Hornblowers innerhalb der Royal Navy vom Fähnrich zum Admiral. Zu Zeiten Napoléon Bonapartes nimmt er an diversen historisch verbürgten Seeschlachten teil. Ideale Lektüre für alle, die sich für Geschichte und das Meer interessiere. Spannend erzählt, voller seemännisch und militärisch genauer Details :

Forester hat aus Berichten des britischen Marinearchivs diese Figur erschaffen, um sie so in einen historisch korrekten Kontext einzubinden. Hornblowers Abenteuer könnten sich - von Details abgesehen - wie von Forester geschildert zugetragen haben, ohne in Konflikt mit der Geschichte zu geraten. Mit der Figur des Horatio Hornblower gelangte C.S. Forester zu Weltruhm und gilt als Begründer dieses Genres, dem zahlreiche weitere Autoren nachfolgten. Der erste Roman mit Horatio Hornblower (deutscher Titel "Der Kapitän") erschien 1937 (jedoch nicht der chronologisch erste Band in Hornblowers fiktivem Leben), der letzte (ein unvollendeter Text und zwei Kurzgeschichten, deutscher Titel "Zapfenstreich") 1967, kurz nach seinem Tod.

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Montag, März 19, 2007

Radwandern, Bettina Selby, Heinz Helfgen, Friedensfahrt


Frühling. Aus gegebenem Anlass weise ich an dieser Stelle noch einmal darauf hin, dass Shakespeare and more eine große Auswahl verlagsneuer und antiquarischer Titel zum Themenbereich Radwandern und Radsport auf Lager hat. So traf heute morgen eine Lieferung des Piper-Verlags bei uns ein, mit dabei die beiden Reiseberichte der passionierten Radwanderin Bettina Selby: Der Jakobsweg - Mit dem Fahrrad nach Santiago de Compostela und Ararat - Mit dem Fahrrad durch Kurdistan. Leider legt der Verlag die Bücher nicht mehr neu auf, so dass ihre anderen Reiseberichte nur noch antiquarisch bei uns zu haben sind.

Antiquarisch frisch herein gekommen ist Heinz Helfgen mit seinem Reisebericht Ich radle um die Welt, der bereits aus den 50er Jahren stammt. Als Asien-Freak habe ich den Bericht über seine Radreise durch Burma und Vietnam verschlungen. Anders als viele Hobbyradler schreibt er einen gut lesbaren, spannenden Stil. Absolut empfehlenswert.

Zu den Neuentdeckungen gehört auch Andreas Ciesielski, der in Kückenshagen einen kleinen Verlag gegründet hat und viel über den Radsport schreibt. Derzeit arbeitet er an einem Buch über Jens Vogt, zwei Bücher über den ehemaligen Friedensfahrt-Fahrer Täve Schur hat er bereits veröffentlicht. Nun ist die Friedensfahrt durch das Hickhack der letzten Jahre ein wenig in Vergessenheit geraten, und die UCI scheint nicht daran interessiert, das ehemals größte Rennen zwischen Deutschland, Polen und Russland in seinen Protour-Terminplan aufzunehmen. Aber spannend sind die zahlreichen Berichte über die Friedensfahrt dennoch.

Lassen Sie sich doch von einem der zahlreichen Radwanderführer zu einer Tour durch den Frühling inspirieren. Die frische Luft hilft gegen Frühjahrsmüdigkeit, die Bewegung reaktiviert Körper und Geist. Irgendwie wird alles leichter - selbst wenn es nur für eine kurze Tour am Samstagnachmittag reicht.

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Neue antiquarische Zugänge März


Als ich heute in den Laden kam, stapelten sich vor der Tür bereits die Büchersendungen, die der Briefträger aus lauter Verzweiflung dort abgelegt hat. Bisher ist auf diese Art nichts weg gekommen – ich werte das mal als gutes Zeichen.
Frisch dabei – wenn auch antiquarisch – sind zwei Bücher von William R. Hartston, auf die ich zunächst lediglich aufmerksam wurde, weil ein Namensvetter von mir (Norbert Krüger) sie übersetzt hat: „Wie man beim Schach bescheißt“ und „Schach und Sex und Rock’n Roll“ Kaum hatte ich mir ein erstes Exemplar des ersten Bandes zusenden lassen, war es auch bereits wieder verkauft. Auch Band zwei ging heute gleich wieder in die Post. Mittlerweile habe ich wieder je ein Exemplar in Reserve.

Neu hereingekommen ist auch Bettina Selbys Rad-Reisebericht „Timbuktu – Eine Frau in Schwarzafrika allein mit dem Fahrrad unterwegs“. Ich mag ihre Reisebände ganz gern, leider sind die meisten Bände vom Verlag nicht mehr zu beziehen und somit nur noch antiquarisch zu haben. Hier bei Shakespeare werden sie immer mal wieder nachgefragt.

Endlich komme ich auch dazu, wieder ein paar Bände aus dem Regal „Amerikanische Literatur“ online zu stellen. Michael CrichtonsWelt in Angst“ habe ich in Restauflage bekommen, als Mängelexemplar am unteren Schnitt gekennzeichnet, aber ohne sichtliche Mängel. Ebenso wie bei Frank Schätzing geht es hier um das Ökosystem, um Tsunamis insbesondere, wobei Crichtons Ton ein wenig predigend auf mich wirkt. Aber spannend ist er, ohne Frage.

Alan JuddsTeufels Werk“ wollte ich immer einmal lesen, weil es darin um einen Schriftsteller geht, der sich, um endlich erfolgreich zu werden, mit den Mächten der Finsternis einlässt. Ich habe eine schön gebundene Ausgabe der Büchergilde Gutenberg im Schrank stehen, die für ihre liebevolle Buchgestaltung ja bekannt ist.

Zu den Literaturverfilmungen, die ich unbedingt noch einmal lesen wollte, gehört Thomas KeneallysSchindlers Liste“. Eigentlich ist er ja Australier, aber da unser Regal mit australischer Belletristik noch kaum nennenswert gefüllt ist, lief er der Einfachkeit halber bei den Amis mit. Die Story des Tatsachen-Romans ist spätestens seit der Verfilmung durch Steven Spielberg bekannt, aber natürlich ist der Roman um einiges reicher an Fakten, als ein Spielfilm dies sein kann.

Ein wenig Beat-Generation kommt mit Jack KerouacsUnterwegs“ daher. Ich meine mich zu erinnern, dass man uns mit dem Buch seinerzeit sogar im Englisch-Unterricht gequält hat. Und dann ist es eben wie mit jedem Buch, das im Unterricht zerpflückt wird: es kann noch so gut sein – die Antipathie dagegen muss erst einmal überwunden werden. Trotzdem ist es ein Klassiker, ebenso wie Ken Keseys Romane „Einer flog über das Kuckucksnest“, den wir als Teenager verschlungen haben (und den es bei Shakespeare auch im Original auf englisch gibt), sowie sein zweiter, atmosphärisch noch besserer Roman „Sometimes in great notion“, der mir Oregon mit allen Sinnen nahe brachte. Absolut lesenswert.

Dem Stephen-King-Hype habe ich mich lange Zeit verwehrt. Irgendwann, mittlerweile war ich in den Dreißigern, ging ich dann zu einem Buchhändler meines Vertrauens und fragte ihn, welchen King er mir denn als Einstieg empfehlen würde. Nach kurzem Zögern griff er zu „Es“ und reichte es mir in die Hand. Heute denke ich, es war eine gute Wahl. Schon wie King die Angst eines Kindes vor der Kellertreppe beschreibt, ist lesenswert. Er braucht keinen esoterischen Schnickschnack, um Horror zu erzeugen. Deswegen gehören auch „Das Mädchen“ und „Das Spiel“ zu meinen Lieblingsbüchern von ihm. Beide beziehen ihre Kraft vor allem aus der Psyche der Protagonisten, nicht aus irgendwelchen mystischen Anlehnungen. Ich habe nichts gegen Fantasy oder esoterisches Gedankengut, aber King scheint mir da am stärksten und glaubhaftesten, wo er sich nicht allzu weit von der Realität entfernt.

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