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Dienstag, März 06, 2007

Bikeline Bett & Bike


Auf diese Buchreihe warte ich seit Jahren sehnsüchtig. Denn längere Radtouren werden uns Bikern immer wieder dadurch erschwert, dass bestenfalls Jugendherbergen bereit sind, Zimmer für eine Nacht zu vermieten. Gerade in kleineren Ortschaften und ländlichen Regionen ist es mir mehr als einmal passiert, dass ich mit meinem Rad buchstäblich im Regen stand.
Die Reihe "Bikeline Bett & Bike" des österreichischen Esterbauer-Verlags (mit Dependance in Berlin) hat diesem leidvollen Phänomen abgeholfen. Für sechs Bundesländer (weitere sollen folgen) gibt es bereits Bücher, die "fahrradfreundliche Gastbetriebe" entlang des Weges auflisten. Für das Handyzeitalter kein Problem, dort vorher kurz durchzuchecken, ob noch ein Platz für die Nacht frei ist.
»Ob Sie auf Ihrer Radtour ein Quartier für eine Nacht suchen oder an Ihrem Urlaubsort Radausflüge in die nähere und weitere Umgebung unternehmen möchten ? die in "Bett & Bike" aufgeführten Gastbetriebe sind besonders fahrradfreundlich. Sie erfüllen die vom ADFC vorgeschriebenen Mindestkriterien und halten darüber hinaus so manchen Annehmlichkeit für Radfahrer bereit.
Es sind, neben dem bundesweiten Verzeichnis, bereits sechs für einzelne Bundesländer erhältlich. Weitere folgen!«
(Verlagsangaben)

Das erwartet Sie in Bett & Bike-Betrieben:
  • Hier sind Sie als Radfahrer willkommen, auch wenn Sie nur eine Nacht bleiben wollen.
  • Ihr Fahrrad wird diebstahlsicher untergebracht.
  • Für nasse Kleidung gibt es eine Trockenmöglichkeit.
  • Morgens erwartet Sie ein reichhaltiges Frühstück.
  • Radwanderkarten, Bus- und Bahnfahrpläne liegen auf oder können erworben werden.
  • Für kleine Reparaturen liegt Werkzeug bereit.
  • Informationen über die nächste Reparaturwerkstatt werden bereitgestellt.

Also alles bereit für die nächste Radtour.

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Freitag, März 02, 2007

Jugendbücher für Radsportler


Durch Zufall stieß ich auf Wolfgang Helds Jugendbuch "Mücke und sein großes Rennen". Ich las es mit zunehmender Begeisterung: Bei einem lokalen Radrennen wird der Teenager Mücke vom Radsportvirus befallen. Er schließt sich einem Radsportverein an, bekommt seine ersten Lektionen, fährt die ersten Rennen und macht all die Fehler, die man als Rookie nun einmal macht. Aber mit der Zeit lernt er, was es im Radsport an Tricks zu lernen gibt, und am Schluss ist er bei der Friedensfahrt dabei, dem großen internationalen Radrennen zwischen Polen, Warschau und Berlin.

Bücher wie das von Wolfgang Held scheinen mir eine große Ausnahme zu sein. Wie sollen wir einerseits hoffen, Nachwuchs für diesen Sport zu finden, wenn wir andererseits das Thema in den Jugendbüchern überhaupt nicht angehen? Derzeit überlege ich, ob sich nicht eine Neuedition solcher Titel anbieten würde. Immer in der Hoffnung, dass der Radsport sich durch die diversen Dopingskandale nicht selbst völlig unglaubwürdig macht. Aber selbst wenn: Radsport wird zumindest an der Basis immer ein Sport bleiben, der den Charakter schult. Wir sind viel an der frischen Luft, kommen herum und bewegen uns aus eigener Kraft. Ohne Technik und Teamgeist geht da nichts. Das muss doch zu vermitteln sein.

Ich weiß: pädagogische Themen sind in Jugendbüchern mittlerweile verpönt. Aber gilt das für Hobby-Themen, die neben einer spannenden Story eine Menge über die Kniffe eines Sports verraten? Noch gut kann ich mich an meine Entdeckung von Oliver Hassencamps "Burg Schreckenstein"-Serie erinnern. Nach einigen Bänden tauchte auf dem Burg-Internat ein Junge auf, der nach und nach die anderen mit dem Radsportfieber ansteckte. Und ich, schon damals aktiver Streckenradler, war begeistert. Nicht nur über die kurz eingestreuten Kommentare zu den verschiedenen Techniken.

Dann fällt mir noch Peter Theeks "Die große Fahrt" ein, wie Helds "Mücke" ebenfalls ein Jugendbuch über die Friedensfahrt. "Bomme und sein Friedensfahrer" von Hasso Laudon lässt sich kaum dazu zählen, weil es darin zwar auch um den Radsport geht, der Held Bomme aber eher zufällig damit konfrontiert wird: Roman Popescu, einer der Friedensfahrer, hat eine Panne und Bomme hilft ihm mit seinem Rad aus.

Das war's aber auch schon. Natürlich würde ich die Liste gern erweitern. Falls ihr noch Titel kennt, die euch selbst inspiriert haben, dann immer her damit. Am Einfachsten als Kommentar zu diesem Posting (s.u.), sonst aber auch gern via Email an mich.

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Mittwoch, August 02, 2006

Radsport - Die ARD und das Doping


Ich gebe es zu: meine Neigung, aufs falsche Pferd zu setzen, ist nahezu sprichwörtlich. Da hatte ich vor einem Jahr beschlossen, meinen Buchladen auf Radsport-Bücher zu spezialisieren, weil mich dieser Sport von jeher fasziniert hat. Ich entdeckte Radsport-Romane, Radsport-Krimis, einen eigenen Verlag, der sich auf Radsport-Titel spezialisierte, - und natürlich jede Menge Biografien. Holte verlagsneue und antiquarische Exemplare in meinen Bestand. Und was passiert? Der Radsport gerät in seine tiefste Krise seit Jahren. Das ZDF überlegt, selbst die Tour de France, das wichtigste Radrennen der Welt, nicht mehr zu übertragen. Einige reden bei den großen Rennen gar von "Pharma-Leistungsschau", wie es die FAZ am 01.08. in ihrem Artikel Fernsehthema Doping: Öffentlich-rechtlicher Gedächtnisschwund? getan hat.
Natürlich ist der FAZ-Artikel in altbekannter Weise voller nachdenkenswerter Fakten. So redet alle Welt über den Tour-de-France-Sieger 06, Floyd Landis, und seinen überhöhten Testosteron-Wert. Ich selbst habe nach der Tour zunächst alle zugänglichen Artikel zum Thema gelesen. Dass der Wert aber gleich elffach erhöht war, und somit ein bloßes "Verrechnen" beim regenerativen Testosteronpflaster mehr als unwahrscheinlich ist, erfuhr ich erst gestern.
Und dann natürlich der Sturz unseres eh. Nationalhelden Jan Ullrich. An den Ecstasy-Genuss bei einer Party habe ich nie so recht geglaubt. Wer weiß, dass Ecstasy die Nutzer vor allem bis zum Umfallen von der eigenen Erschöpfung ablenkt, wird kaum annehmen, dass Jan solche Drogen bei Feten zu sich nimmt, aber nicht im Wettkampf oder Training. Das machte einfach vorn und hinten keinen Sinn. Aber dass diese Ausrede aus der Zusammenarbeit mit Hagen Boßdorf an dem Buch "Ganz oder gar nicht" resultierte, war mir neu - erklärt aber einiges. Boßdorf ist Sportkoordinator der ARD, und die wollte vom Thema Doping lange Zeit nichts wissen: erst vor wenigen Wochen hat sie den Schwimmreporter Hajo Seppelt von seiner Spezialdisziplin abgezogen, weil der sich zum Dopingexperten mauserte. "Nun könne er sich ja um sein Lieblingsthema Doping kümmern", soll Boßdorf ihm lakonisch mit auf den Weg gegeben habe. Und dann "kam es auch noch zu einem Prozeß der ARD und ihres Sportkoordinators Hagen Boßdorf gegen den Dopingexperten Werner Franke. Dieser hatte die ARD der Mitschuld am Doping durch Verschweigen bezichtigt und kam damit vor Gericht durch. Eine nicht für die Öffentlichkeit gedachte Email von Seppelt diente als Beleg." (Zitat aus der FAZ)
Natürlich sind die öffentlichen Medien Illusionsträger. Und das Konzept von Brot und Spielen funktioniert nur so lange, wie wir, die Zuschauer, daran glauben, dass im Sport ehrliche Gegner ihre eigenen Kräfte miteinander messen, statt als chemiegeklonte Laborratten für die Pharmaindustrie zu agieren. Wen wundert es da, dass die Öffentlich-Rechtlichen kein Interesse daran haben, ihre eigenen Inszenierungen kritisch zu hinterfragen.
Aber ist damit der ganze Radsport tot? Sicherlich: was derzeit bei den Rennen zu sehen ist, wirkt teilweise absurd. Wenn bei den Deutschen Straßen-Radmeisterschaften der Viertliga-Fahrer vom VC Frankfurt 1883, Dirk Müller, locker an allen Profis vorbeiradelt, bleibt den Kommentatoren kaum etwas anderes, als von "sonderbar" zu reden. Und wenn Floyd Landis nach einem absoluten Kräfteeinbruch bei der Tour de France am nächsten Tag mal eben 7 Minuten auf das Feld herausholt, drängt sich eine Assoziation zum derzeitigen Radsport-Thema Nr. 1 förmlich auf. Man mag davon reden, dass die Tour dieses Jahr spannender war als in den letzten Jahren - aber eigentlich fiel vieles von dem, was wir dort sahen, in die Kategorie Absurdität.
Trotzdem werde ich weiter meine Runden auf dem Rad drehen, mich von Autofahrern beschimpfen lassen, und abends müde, aber irgendwie glücklich, ins Bett fallen. Ich werde weiter Radsport gucken, und sei es wegen seiner Mischung aus Taktik und Landschaft. Ich werde weiter Radsportbücher lesen und sammeln, weil Doping zwar die Leistung erhöht, die Vita hinter den Radfahrern aber nach wie vor authentisch ist - wenn eben auch nicht lückenlos berichtet. Aber welche Biografie wendet sich schon gern den dunklen Seiten zu? Im Profisport ist Leistungsoptimierung oberstes Ziel. Und solange Sieger prämiert werden, wird es Leute geben, die versuchen, sich diese Siege zu ertricksen.

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Sonntag, Juni 25, 2006

Radsport - LeMond: "Lance hat mich bedroht" - Eurosport


Der dreimalige Tour de France-Sieger Greg Lemond hat die Doping-Diskussion um seinen Landsmann Lance Armstrong weiter angeheizt. Der 44-Jährige US-Amerikander wirft dem Rekordsieger vor, ihn massiv bedroht zu haben. Weil Lemond im Jahr 2001 Armstrongs Kontakte zum umstrittenen italienischen Arzt Michele Ferrari öffentlich kritisiert hatte, soll ihn der Texaner massiv unter Druck gesetzt haben. LeMond, der 1986, 1989 und 1990 in Paris ganz oben auf dem Treppchen stand, wirft dem Ausnahmeathlethen sogar kriminelle Machenschaften vor. "Seine größte Drohung bestand darin, als er mir sagte, dass er Leute finden würde, die bezeugen, dass ich in meiner Laufbahn EPO genommen hätte.", enthüllte LeMond.
Bereits vor drei Tagen hat die französoische Zeitung Le Monde neue Informationen über die Doping-Vorwürfe gegen Armstrong ins Feld geführt: demnach soll Armstrong am 28. Oktober 1996 gegenüber einem Arzt des Indiana Universitäts-Hospitals den Gebrauch leistungssteigernder Mittel vor seiner schweren Krebserkrankung gestanden haben. Das Blatt beruft sich auf Zeugen, die zwischen Oktober 2005 und Januar 2006 vor einem Gericht in Dallas gehört wurden. Unter Eid sollen dabei Armstrongs ehemaliger Teamkollege Frankie Andreu und seine Frau Betsy ausgesagt haben, dass Armstrong die Einnahme von EPO, Testosteron, Wachstumshormonen und Cortison in ihrer Gegenwart zugegeben habe: Im Rahmen einer Behandlung wegen notorischer Kopfschmerzen Armstrongs habe der Arzt die Frage nach der möglichen Einnahme von Dopingprodukten gestellt. Eine bei der Untersuchung ebenfalls anwesende weitere Person, Stephanie McIlvain, habe jedoch vor Gericht erklärt, keinerlei diesbezügliche Aussagen von Armstrong gehört zu haben.
Dies sind beileibe nicht die ersten Vorwürfe gegen Lance Armstrong. Bereits 2004 veröffentlichten die französischen Sportjournalisten Pierre Ballester und David Walsh ihr Buch: L.A. Confidentiel - Les secrets de Lance Armstrong, in dem sie mehrere Zeugen für ihren Doping-Verdacht gegen Armstrong ins Feld führten. Obwohl Armstrong damals sofort einen Prozess gegen das Buch anstrengte, durfte es in Frankreich weiter verkauft werden - Armstrong musste damals sogar einen Euro wegen Prozessmissbrauchs an die Beklagten zahlen.

Quellen:
Radsport - LeMond: "Lance hat mich bedroht" - Eurosport
Radsport aktiv: Neue Diskussion über angebliches Armstrong-Doping

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