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In den Sechzigern und Siebzigern erreichte er Millionenauflagen. Immer wieder griff
er aktuelle Themen auf und verwandelte sie in packende Bücher. Trivial
wurde sein Stil genannt, bis endlich 1987 die literarische Adelung stattfand.
Das literarische Quartett besprach enthusiastisch seinen Roman "Doch mit
den Clowns kamen die Tränen", als wollte es ihn rehabilitieren. Endlich
fand Johann Marion Simmel auch bei den Kritikern Anerkennung.
Heute, aus der sicheren Distanz, lassen sich Hype und Trivial-Vorwurf auch
ganz anders verstehen. Immer wieder hat Simmel in seinen Romanen zeitkritische
Themen aufgegriffen und dabei auch vor der bundesrepublikanischen Wirklichkeit
nicht Halt gemacht. Die bürgerliche Presse konnte überhaupt keinen
Grund haben, die Romane dieses Querulanten positiv zu besprechen. Die einzige
Möglichkeit, die blieb, war, den Autor zu trivialisieren und ihm so jegliche
Bedeutung abzusprechen. Dass er mit seiner Emotionalisierung von Themen den
Wirklichkeitszugang der Leser veränderte und ihr Bewusstsein fast nebenbei
für Problemthemen wie den Atomtod, Computerwahn, Umweltzerstörung oder die Nazigreuel schärfte,
die generell als Themen der Linken abgewiegelt wurden,
ging in den Polemiken der bürgerlichen Presse unter. So galt es als chick
und progressiv, Simmel trivial zu finden und ihm den literarischen Rang abzuerkennen.
Manche plappern dies noch heute nach, ohne Simmels Bücher zu kennen.
Das ZDF hat nun zwei seiner Werke neu verfilmt. "Und Jimmy ging zum Regenbogen"
lief Mitte September im Fernsehen, „Gott schützt die Liebenden“
ist bereits abgedreht. Derzeit wird an der Verfilmung dreier weiterer Romane
gearbeitet, „Liebe ist nur ein Wort“, „Niemand ist eine Insel“
und „Alle Menschen werden Brüder“. Es kursiert das Gerücht,
dass der Produzent dieser Filme, Oliver Berben, sich die Rechte an allen 35
Romanen gesichert hat. Dies dürfte für eine gewisse Renaissance auch
der Romane sorgen. Eine Menge Leser dürfte neugierig auf diesen Autoren
werden. Und sich ein eigenes Bild von Johann Mario Simmel machen. Das hat vielleicht
etwas von einer Zeitreise, sind die meisten seiner Themen doch heute von der
Wirklichkeit überholt. Aber seien wir ehrlich: welcher aktuelle Autor traut
sich denn heute, die zeitgemäßen Themen derart spannend aufzubereiten
wie seinerzeit Simmel?
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Ihr Norbert Krüger |